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Zuerst das System, dann die Spieler

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Petar Aleksic startet am Samstag (17.30 Uhr) bei Aufsteiger BC Winterthur in seine dritte Saison als Coach von Olympic. Der Serbe, der im Nebenamt Trainer des Schweizer Basketball-Nationalteams ist, spricht im FN-Interview über die Saisonvorbereitung, Ausländerkapriolen, die neue Zehner-Liga und wann Olympic reif ist, den lang ersehnten Meistertitel seit dem Jahr 2008 wieder zu holen.

 

 Petar Aleksic, viele neue Spieler stiessen im Sommer zu Olympic. Inwiefern harmoniert das Team bereits?

Es ist immer schwierig, neue Spieler in Kürze zu integrieren. Doch ich habe Spieler wie Kazadi, Kovac, Miljanic oder Cotture im Team, die bereits zwei Jahre mein System spielen und den Neuen helfen, sich anzupassen und rasch unser Spielsystem zu adaptieren. Diese Unterstützung ist wichtig für mich. Es braucht noch ein wenig Zeit, aber bis jetzt bin ich zufrieden. Ich versuche die Zuzüge in sämtlichen Bereichen des Basketballs zu fördern, seien es die individuellen Qualitäten oder der mentale und physische Aspekt. Ohne diese drei Bereiche ist eine taktische Ausbildung nicht möglich. Wir sind auf einem guten Weg, zumal die Arbeitsethik der Spieler wirklich gut ist. In allen Vorbereitungsspielen waren wir kompetitiv. Schade ist einzig, dass Westher Molteni aufgrund seiner Knieprobleme noch nicht ins Mannschaftstraining hat einsteigen können.

 

 Diesen Sommer waren Sie nicht als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft unterwegs. Ein Vorteil?

Ja, ich hatte mehr Zeit und konnte mich voll auf Olympic konzentrieren. Geholfen hat mir in der Vorbereitung auch, dass ich nun im Gegensatz zur letzten Saison mit Vladimir Ruzicic über einen Assistenztrainer verfüge. Ich musste alles alleine managen und es fehlte jemand, mit dem ich über Basketball sprechen konnte. Ich konnte ja nicht zu Hause mit meiner Frau über sportliche Dinge diskutieren …

Sie legen viel Wert auf das Spielsystem. Geben Sie dieses vor und die Spieler haben sich anzupassen oder berücksichtigen Sie zunächst das Spielermaterial und stimmen das System dann darauf ab?

Zunächst einmal habe ich mein System dem Schweizer Basketball angepasst. In Serbien würde ich anders spielen lassen. Aber ganz grundsätzlich haben die Spieler meinem System zu folgen. Das ist auch eine meiner Stärken, dass mir die Spieler vertrauen und meine Vorgaben strikte befolgen.

 

 Trotzdem sind Sie während der Partien sehr impulsiv und verschaffen sich Ihrem Ärger Luft …

Das liegt daran, dass die Spieler in der Schweiz oftmals zu schnell aufgeben und mental nicht kompetitiv genug sind. Und der Kopf ist nun einmal das Wichtigste, noch vor der Technik und Taktik. Ich denke, das ist eine Frage der Mentalität, weil die Schweizer zu verwöhnt sind.

 

 Wie wichtig ist für die Einstellung Ihrer Mannschaft die Rückkehr von Captain Jonathan Kazadi, der wegen Knieproblemen die ganze letzte Saison hatte passen müssen?

Ich erwarte von Kazadi nicht sofort, dass er physisch bereit ist, um Dinge auf dem gleichen Level tun zu können wie vor seiner Verletzung. Kazadi soll Schritt für Schritt zurückfinden. Deshalb haben wir auch entschieden, mit zwei Spielmachern in die Saison zu gehen. Er kann noch nicht dreissig Minuten auf einem qualitativ hohen Niveau spielen, momentan sind es zwischen zehn und zwanzig Minuten. Mit dem Engagement von Derek Wright haben wir eine Situation geschaffen, in der er jederzeit ausgewechselt werden kann. Nichtsdestotrotz bin ich zufrieden mit dem Comeback von Kazadi und ich erwarte von ihm, dass er als einer der erfahrensten Spieler Verantwortung übernimmt.

 

 Mit dem von Ihnen angesprochenen Derek Wright und Andre Williamson haben Sie zwei neue Ausländer im Kader. Welche Qualitäten bringt dieses Duo mit?

Wright ist ein Leader, der etwas kreieren und skoren kann. Zudem verteidigt er auf dem ganzen Parkett aggressiv und soll dadurch massgeblich Einfluss auf unser Defensivspiel nehmen. Auch Center Williamson spielt eine aufsässige Verteidigung und hat seine Stärken im Eins-gegen-Eins. Wie Wright soll er Einfluss nehmen.

 

 Williamson ist ja der Ersatz für seinen amerikanischen Landsmann Demarco Cox, der mit deutlich Übergewicht angereist kam …

Das war eine spezielle, im Nachhinein gar amüsante Geschichte. Als ich Mitte Juni die Manager fragte, wie schwer denn Cox sei, hiess es, er wiege 115 Kilogramm. Doch in der Zwischenzeit hatte Cox, der ein guter College-Spieler gewesen war, versucht, sich bei einem American-Football-Team aus Indianapolis aufzudrängen. Dort gab man ihm wohl täglich drei Kilogramm Protein, damit er an Gewicht zulegt. Als es dann mit dem Football nicht geklappt hatte, kam er hier mit 147 Kilogramm an. So war die Gefahr gross, dass er sich schon nach einer Woche verletzen würde, und ich schickte ihn nach Hause.

 

 Passieren solche bösen Überraschungen öfters?

Nein. Aber diese Geschichte hat natürlich einiges durcheinandergebracht. Wir haben uns bei der Verpflichtung von Cox ja etwas gedacht, weil wir wussten, dass beispielsweise Genf, Monthey oder Neuenburg über sehr erfahrene, grosse Center verfügen würden. Als wir uns von Cox trennten, war der Markt ausgetrocknet. Wir haben uns dann mit dem agileren Williamson für ein Gegenstück zu den Centern der Gegner entschieden, um unangenehm für diese zu sein.

 

 In dieser Saison sind in der NLA nur noch drei statt vier Ausländer erlaubt. Befürworten Sie diesen Schritt?

Ideal wären vier Ausländer pro Mannschaft, wobei immer zwei Schweizer auf dem Feld stehen müssten. Vier Ausländer wären speziell für das Training gut, damit die Schweizer Fortschritte erzielen könnten. Für uns ist die neue Situation insofern in Ordnung, weil wir ohnehin viel in die Jungen investieren und sie pushen. Das ist unser Vorteil. Für einige Teams ist die neue Regel gut, für andere weniger. Generell denke ich, dass die Qualität im Training etwas weniger gut sein wird, dafür werden die Schweizer von der grösseren Spielpraxis profitieren können.

 

 Ebenfalls neu ist, dass die NLA von acht auf zehn Teams aufgestockt wurde.

Zehn Mannschaften ist das Minimum, zwölf wären besser. Ich hoffe, dass der Schweizer Basketball künftig in Sachen Infrastruktur und Professionalität weitere Fortschritte erzielen wird. Wenn nötig auch dank der Unterstützung der Liga für die kleineren Clubs. Dass mit Winterthur und Swiss Central zwei neue Deutschschweizer Vereine in der höchsten Spielklasse sind, finde ich im übrigen überaus positiv.

 

 Wie beurteilen Sie die Ausgangslage in der NLA?

Für mich sind Meister Genf und Lugano wiederum die Favoriten. Dahinter sehe ich mit Neuenburg, Monthey und uns drei Teams auf Augenhöhe, gefolgt von Boncourt und Massagno, die in den Cup-Wettbewerben sicherlich gefährlich werden können.

 

 Vergangene Saison hatten Sie die fehlende Erfahrung als grösstes Manko von Olympic benannt. Ist dies immer noch der Fall?

Ein Stück weit ja. Wir haben nicht das Budget, um routinierte Spieler zu verpflichten wie es zum Beispiel ein Lugano in der Person von Travis Watson tun kann. Wenn du Erfahrung willst, musst du tief in die Tasche greifen. Das Wichtigste ist aber, dass dein Team respektiert wird, von den Gegnern, den Schiedsrichtern, von allen. Dann hast du auch ohne Erfahrung eine Chance. Denn am Ende steht nicht das Geld auf dem Parkett, sondern es sind fünf Spieler.

 

 Als Sie nach der letzten Saison Ihren Vertrag in Freiburg verlängert haben, sagten Sie, dass Ihr Job hier erst zu Ende sei, wenn Olympic den Titel holt. Wie lange wird das noch dauern?

Mein Ziel ist, in den nächsten zwei Jahren Meister zu werden. Wenn die Regel mit drei Ausländern Bestand hält, können wir den Meistertitel in der Meisterschaft 2016/17 angreifen. Was diese Saison passieren wird, weiss ich nicht. Wir haben sicher ein Team, das in absehbarer Zeit Meister werden kann. In den beiden Cups können wir schon jetzt die Überraschungsmannschaft sein.

 

Nationalliga A: Genf und Lugano die Favoriten

L etzte Saison holte sich Genf mit dem Sieg im Playoff-Final gegen die Union aus Neuenburg den Titel. Auch in dieser Saison ist der Meister einer der Favoriten, zumal er sich mit dem griechischen Center Andreas Glyniadakis, der im Jahr 2006 13 NBA-Spiele für die Seattle Supersonics bestritten hatte, namhaft verstärken konnte. Gleiches gilt für die Lugano Tigers. Mit Travis Watson kehrte ein dominanter amerikanischer Center ins Tessin zurück, der 2014 massgeblich am Titelgewinn der Tigers beteiligt gewesen war.

Hinter diesem Duo lauern mit Neuenburg – trotz der Abgängen von Jules Aw sowie Pape Badji – und Olympic zwei Teams, die über die Qualität verfügen, ganz vorne an der Spitze zu schnuppern. Gespannt darf man auf Monthey sein, das als einziges Team statt auf Amerikaner auf Spieler aus dem Osten setzt, und auf die Frage, wie sich die Aufsteiger Winterthur und Swiss Central schlagen werden. fs

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