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Zwiebelzöpfe statt Fernseher

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Zwiebelzöpfe statt Fernseher

Am 24. November ist in Bern Zibelemärit

Jeden Herbst verwandelt sich der Betrieb von Hans und Liselotte Gutknecht-Jampen in Ried bei Kerzers mit Sohn Urs und Schwiegertochter Judith in eine Zwiebellandschaft. Die gelben und roten «grün» geernteten Knollen trocknen in den leeren Ställen, in der Tenne und auf den Bühnen.

Von UELI GUTKNECHT

An den Kellerdecken baumeln die Trockenblumen aus eigenem Anbau, mit denen «Chrusihosis», so ihr Übername, die Zwiebelzöpfe und Kränze liebevoll dekorieren. Die Bauernfamilie verkauft auf dem Zibelemärit jeweils kunstvoll geflochtene Zwiebelzöpfe und -kränze. Der Zibelemärit hat für die Familie eine grosse wirtschaftliche Bedeutung.

Das «Trütschle», wie das Flechten im Fachjargon heisst, bestimmt von Anfang September bis kurz vor dem Zibelemärit das abendliche Familienleben. Für die jeweils rund 3000 Zöpfe und Kränze sind viele fleissige Hände am Werk. Zu ihnen gehört auch Rosa Streit-Rytz («Stritrösi») im Moos.

Zwiebel um Zwiebel

Da wird bis in die späten Abendstunden – «statt fernzusehen» – im kalten Rüstraum mit Stengeln aus Chinaschilf (früher war es Weizenstroh), Bindfaden und Zwiebeln hantiert. Nachdem ihr Laub auf wenige Zentimeter verkürzt ist und die Wurzeln und Zwiebelschalen bis auf die innerste abgerüstet sind, wird Zwiebel um Zwiebel festgebunden, immer vier in einer Lage, zwei rote und zwei weisse. Zu guter Letzt werden die Zöpfe noch mit «Statizen», Trockengräsern und -blumen, verziert. «Das Schnüren geht mit der Zeit ganz schön in die Arme, weil man den Zopf dabei gar nie ablegen kann», gesteht Liselotte Gutknecht.

Gesund und schön

Die Zwiebeln, die dereinst am Zibelemärit das Auge der Käufer erfreuen sollen, müssen gesund und schön sein. «Gesät werden sie schon Mitte März. Die Bekämpfung von Unkraut und Krankheiten nimmt viel Zeit in Anspruch», erläutert ihr Mann Hans. Erntezeit ist im August. Und zwar der schonenden Behandlung zuliebe in aufwendiger Handarbeit.

Die Erträge seien heuer in den Feldböden wegen der extremen Trockenheit im Sommer erheblich, in der schwarzen Erde im Moos jedoch nur geringfügig kleiner gewesen als in Normaljahren.

«In meiner Familie in Müntschemier fuhren schon meine Eltern und Grosseltern jedes Jahr mit (Zwiebelzöpfe) jedes Jahr an den Zibelemärit. Und wir bieten sie heute noch am gleichen Standort auf dem Berner Waisenhausplatz an», erklärt Liselotte Gutknecht. Heute sei das Angebot viel breiter als früher, und man müsse immer versuchen, aus der Masse hervorzustechen. Konkurrenz sei an sich eine gute Sache, werde aber da und dort übertrieben.

Eine kurze Nacht und ein langer Tag

Die Nacht vor dem Zibelemärit wird kurz sein. Um drei Uhr ist Tagwache angesagt, um 4.30 Uhr kommen die ersten Käufer. Und Feierabend gibt es erst zwischen 17 und 19 Uhr. Weil ein Gemüsehändler und ein Grossabnehmer in diesem Jahr schon einen beachtlichen Teil gekauft haben, findet der «Fürabe» heuer vielleicht etwas früher statt.

Die Stadtpolizei rät angesichts der prekären Parkplatz-Situation die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen (Extrazüge der SBB) und warnt ausserdem vor Taschendieben.

Zibelemärit 2002
in Zahlen

655 Marktstände (2001: 671), davon 232 (265) für Zwiebeln, Obst und Gemüse, 423 (406) für Waren aller Art, Geschenke und Dekorationen. Es wurden 64 136 Kilogramm Zwiebeln (53 686) sowie 17 Kilogramm Lauch, 30 Kilogramm Sellerie, 60 Kilogramm Karotten und 50 Kilogramm Schwarzwurzeln angeboten. Die Polizei zählte 165 (167) parkierte Reisecars. Es wurden 13 (14) vorschriftswidrig parkierte Autos abgeschleppt und 52 (33) Zweiräder verstellt. ugu

Quelle: Statistik der Marktpolizei Bern.

Legenden um den «Zibelemärit»

Über den Ursprung ranken sich Geschichten und Legenden. Eine von ihnen erzählt vom verheerenden Stadtbrand vom 14. Mai 1405. Ihm fielen über 500 Häuser zum Opfer. Aus dem benachbarten Freiburgerland kamen dann einige hundert kräftige Burschen, um bei den Aufräumarbeiten und beim Wiederaufbau zu helfen. Als Dank dafür hätten die Wistenlacher Bauern das Recht erhalten, einmal jährlich in Bern das Marktrecht zu geniessen und ihre Zwiebeln anbieten zu dürfen.

Eine andere besagt, dass die Berner den Freiburgern für ihre Waffenhilfe in den Burgunderkriegen zwischen 1474 und 1477 das Berner Marktrecht gewährt hätten. Diese dürfte ebenso wenig stimmen wie die erste. Vielmehr hatte der Rat von Bern in einer Verordnung von 1439 beschlossen, einen zweiten Jahrmarkt einzuführen. ugu

Quelle: «Dr Zibelemärit» (Edition Erpf 1990).

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