Eishockey 02.02.2018

Chance vertan

Passende Momentaufnahme: Ambris Spieler jubeln, die Freiburger lassen die Köpfe hängen.
Trotz einem über weite Strecken ungenügenden Auftritt hatte Gottéron gestern in Ambri die Chance auf den Sieg. Am Ende gab es nach der Overtime-Niederlage immerhin einen Punkt im Kampf um die Playoffs.

Nach dem Passieren des Gotthardtunnels wartet in diesen Tagen auf die aus dem Norden Kommenden eine meterhohe Schneedecke in Airolo, die einige wenige Kilometer weiter in Richtung Süden bereits wieder wie von Zauberhand verschwindet. Die Leventina aber präsentiert sich als märchenhafte Winterlandschaft. Mitunter Leidtragender dieser meteorologischen Umstände ist der Hockey-Club Ambri, der sein Publikum bis weit in die Innerschweiz hinein generiert. So war die Valascia gestern mit nicht einmal 3000 Fans höchst spärlich gefüllt. Doch wer wollte es den Tifosi bei den beissenden Minustemperaturen auch verübeln?

Nicht zu entschuldigen war indes der über lange Zeit lasche und wenig erwärmende Auftritt der Gäste aus Freiburg. Nach den zwei Heimsiegen gegen Lugano und Lausanne in einer favorablen Situation hinsichtlich einer vorzeitigen Playoff-Qualifikation, hätte die Equipe von Trainer Mark French gestern mit einem Drei-Punkte-Sieg so gut wie alles klarmachen können. Doch stattdessen ertönte nach dem Spielende Ambris Vereinshymne «La Montanara»: Cory Emmerton traf in der Overtime zum 4:3-Sieg für die Gastgeber.

Spät auf Betriebstemperatur

Gottéron konnte im Tessin in keiner Weise an das Lausanne-Spiel anknüpfen. Mit 0:2 lagen die Freiburger nach einer Viertelstunde hinten. Lag es an der Einstellung? Es wäre eine fahrlässige Einschätzung der Gesamtsituation gewesen. Denn dass dieses Ambri trotz dem vorletzten Rang lebt, hatte es jüngst schon am Dienstag beim Heimerfolg gegen Genf bewiesen. Dabei konnte sich einmal mehr Dominic Zwerger in Szene setzen, ein Österreicher mit Schweizer Lizenz, der inzwischen der Topskorer der Tessiner ist und aufgrund seiner Attribute exakt ins Beuteschema von Sportchef Paolo Duca passt: jung, talentiert und billig zu haben. Nachdem der von einer Gehirnerschütterung zurückkehrende Matt D’Agostini in Überzahl das Skore für das dominante Heimteam eröffnet hatte, doppelte eben dieser Zwerger nach einem kapitalen Fehlpass Michal Birners zum 2:0 nach. Keine Minute später konnte Gottéron durch Roman Cervenka – den Strafbanksünder beim 1:0 – zwar reagieren, ein Weckruf war der prompte Anschlusstreffer aber nicht wirklich. Ambri blieb weiterhin das aktivere Team und ging bei Spielmitte dank Lukas Lhotak (der künftige Gottéron-Stürmer hatte schon beim letzten Duell im St. Leonhard das Game-Winning-Goal erzielt) wieder mit zwei Längen in Front.

Erst jetzt nahmen die Freiburger Betriebstemperatur auf. Der um einen neuen Vertrag spielende Nathan Marchon verkürzte noch im Mittelabschnitt mit seinem vierten Tor in den letzten sechs Spielen auf 3:2, und gut zehn Minuten vor Ende glich Flavio Schmutz in Unterzahl dann nicht einmal unverdient aus. Für Ambri war es übrigens der zehnte kassierte Shorthander der Saison. Weil kein weiteres Tor in der regulären Spielzeit mehr fiel, musste die Overtime entscheiden. In dieser hatte zunächst Cervenka die grösste Chance, ehe wie eingangs erwähnt Emmerton nach 113  Sekunden den Sack für Ambri zumachen konnte.

Ambri mit Herz

Trotz den zwei Siegen in Serie, in den Playout-Final müssen die Tessiner alleweil, wo sie gegen Kloten in einer Best-of-7-Serie den Widersacher des B-Meisters in der Liga-Qualifikation ermitteln werden. Anders aber als noch vor Jahresfrist, als das blutleere Ambri in der Playout-Serie gegen Gottéron inferior gewesen war, ist das Team trotz der ungemütlichen Tabellenlage diesmal intakt. Die Tessiner stellen ein Team mit Herz. Trainer Luca Cereda und Duca haben eine junge, dafür jedoch umso engagiertere Truppe formiert. So darf Ambri, bei dem Ex-Gottéron-Goalie Benjamin Conz um ein Jahr verlängert hat, die Mission Liga-Erhalt durchaus zuversichtlich angehen.

Und Gottéron? Das hat zwar trotz bescheidener Leistung immerhin einen Punkt geholt und ist immer noch auf Playoff-Kurs, der Abstand zum Strich hat sich aber aufgrund des Sieges der SCL Tigers gegen Davos auf fünf Punkte verringert. Heute können die Freiburger zu Hause – was ihnen aktuell offensichtlich deutlich mehr behagt – gegen den SC Bern einen nächsten Schritt in Richtung Qualifikation machen. Der Meister war gestern spielfrei und ist ausgeruht. Aber vielleicht hilft ja die Tatsache, dass über ein Dutzend Berner Spieler für die Olympischen Spiele aufgeboten sind und dass sich keiner so kurz davor noch verletzen will, ein Stück weit, dass Gottéron im sechsten Anlauf den ersten Saisonsieg gegen den SCB einfahren kann.

Würde übrigens Gottéron heute Abend drei Punkte holen und Langnau und Genf ohne Punkte bleiben, würden sich die Freiburger doch noch vor der Olympia-Pause für die Playoffs qualifizieren. Dies, weil es Ende Februar noch zum Direktduell zwischen Langnau und Genf kommt.

Telegramm

Ambri – Gottéron 4:3 (2:1, 1:1, 0:1, 1:0) n.V.

Valascia. 2917 Zuschauer. SR: Hebeisen/Koch, Küng/Wüst.

Tore: 10. D’Agostini (Plastino, Emmerton/Ausschluss Cervenka) 1:0. 16. Zwerger 2:0. 17. Cervenka (Glauser) 2:1. 32. Lhotak (Kubalik) 3:1. 36. Marchon (Meunier, Maret) 3:2. 51. Schmutz (Ausschluss Rossi!) 3:3. 62. Emmerton (Kostner) 4:3.

Strafen: je 4-mal 2 Min.

Ambri-Piotta: Conz; Zgraggen, Plastino; Gautschi, Fora; Pinana, Ngoy; Jelovac; Zwerger, Emmerton, D’Agostni; Kubalik, Müller, Guggisberg; Lauper, Berthon, Lhotak; Bianchi, Kostner, Trisconi; Incir.

Freiburg-Gottéron: Brust; Stalder, Glauser; Chavaillaz, Rathgeb; Abplanalp, Maret; Kühni; Cervenka, Bykow, Rossi; Birner, Slater, Mottet; Chiquet, Meunier, Neuenschwander; Marchon, Schmutz, Fritsche.

Bemerkungen: Ambri ohne Stucki, Collenberg (beide verletzt), Monnet (überzählig) und Taffe (überzähliger Ausländer), Gottéron ohne Rivera, Vauclair, Kienzle, Schilt, Sprunger (alle verletzt), Aebi (überzählig) und Holos (überzähliger Ausländer).

Die FN-Besten: D’Agostini, Marchon.

Der heutige Gegner

Fakten zum SC Bern

• Der Leader ist in vielen Statistiken top: Der SCB hat die meisten Tore geschossen, die wenigsten kassiert, hat das beste Powerplay, das beste Boxplay und zudem noch am wenigsten Strafminuten auf dem Konto.

• Zuletzt war der Meister aber nicht immer überragend. Von den letzten zehn Spielen hat Bern immerhin vier verloren.

• Noch gar nie verloren hat der SCB diese Saison gegen Gottéron. Fünf Spiele, fünf Siege: So lautet die Bilanz in Sachen Zähringer-Derbys.

• Mit Andrew Ebbett (46 Punkte), Mark Arcobello (45) und Gaëtan Haas (40) stehen gleich drei Berner in der Top  10 der Skorerliste.

fm