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«A Gschicht isch nur so wohr, wia sie au schön isch»

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Früher war er Beamter, jetzt ist er «vu Pruaf luschtig». Unterhaltsam und hintersinnig sind auch die Geschichten, die der Bündner Musiker und Kabarettist Flurin Caviezel in seinem neuen Buch «Isch impfall wohr» erzählt. Knapp eine Seite kurz sind die Erzählungen und handeln vom ersten Suff im Maiensäss, von seinen Wanderjahren als Strassenmusiker oder davon, wie die Namenswahl für den Familienhund zu einer Lektion in Demokratie wird. Die allermeisten der 100 Mundartgeschichten hat er zwischen 2007 und 2013 als «Morgengeschichten» für Radio SRF 1 geschrieben.

«Gwüssy Sacha blyban glych»

62 ist Caviezel heute, logisch geht es in vielen seiner Geschichten ums Früher und ums Älterwerden, über das er selbstironisch sinniert. Technisch ist er zwar «uf am nöischta Stand», aber seine Liebe gehört eben doch seinem «alta Tonbandgrätli» – denn nur damit kann er die selbstaufgenommenen Kassetten mit der Radio-Hitparade aus seiner Jugend noch abspielen. Und seine Erinnerungen hütet er lieber in sich drin als auf digitalen Fotos. Denn die inneren Bilder verschwinden nicht plötzlich im digitalen Nirvana, sondern «werdan au immar schöner».

Aber die Zeit zurückdrehen, das will Caviezel nicht. «Isch doch logisch, dass d Zyt vargoht, sus bruuchta mar sie jo gär nit.» Und die wichtigen Dinge, die bleiben bei allem Wandel gleich, das weiss der Familienvater aus eigener Erfahrung. «Früaner sind Khinder haikho, wenn’s Hunger kha händ, hütt, wenn der Akku läär isch.» Aber eben, sie kommen immer noch nach Hause.

Mit Humor und Gelassenheit begegnet Caviezel der Welt und ihren Widrigkeiten. So richtig böse wird er in seinen Erzählungen nie, höchstens mal «varruckt», wenn sein bester Freund Niculin am «Männer­obad» keine Zeit mehr hat für ihn, weil er ständig auf seinem «Wundergrätli» herumtippen muss.

Eine unverkennbare Stimme

Seine Geschichten schreibt Flurin Caviezel so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: im Bündner Dialekt. Das macht die Lektüre gewöhnungsbedürftig, zumal der mehrsprachige Autor beiläufig auch noch rätoromanische und italienische Wörter und Sätze einflicht. Aber da hilft die beigelegte CD: Darauf liest der Autor mit seiner unverkennbaren Stimme zehn ausgewählte Geschichten vor und entlockt seiner Accordina himmeltraurigschöne Klänge. Und schön hört man auch beim Selberlesen der Kurzgeschichten Caviezel im Kopf.

Lügen um der Schönheit willen

Ist denn auch alles wahr, was Caviezel uns da auftischt? «In da Gschichta tuan i prinzipiell nia lüga», gibt er die Antwort in einer Geschichte gleich selber. Was eine Lüge ist, wie er postwendend zugibt. Aber er weiche nur von der Wahrheit ab, «damit d Gschicht no schöner wird». Und das lassen wir uns von einem charmanten Fabulierer wie Caviezel gerne gefallen. Denn «a Gschicht isch nur so wohr, wia sie au schön isch». Isch impfall wohr.

Flurin Caviezel: « Isch impfall wohr», Zytglogge, 2018.

Stephan Moser ist freier Journalist.

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