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Agrarpolitik 2022 als Schreckgespenst

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Vor seiner jährlichen Generalversammlung organisiert der Freiburgische Bauernverband immer eine Medienkonferenz in einer nahegelegenen Bauernstube. Aufgetischt werden da selbst gemachtes Brot, Eier, Käse, Butter, Konfi­türe, Kaffee mit Milch. Gestern war dies auf dem Betrieb von Daniel und Stéphanie Spahr in St-Aubin der Fall.

«Vielleicht findet dieses Treffen in ein paar Jahren in einem Tankstellenshop statt. Frau Spahr wird uns an der Kasse bedienen, und die Konfitüre kommt aus Nordafrika.» Dieses Szenario zeichnete gestern Fabrice Bersier aus Vesin, Vizepräsident des Freiburgischen Bauernverbandes.

Landwirt Daniel Spahr widersprach ihm nicht: «Betriebe wie unserer werden durch Freihandelsabkommen infrage gestellt.»

«Abbau des Grenzschutzes»

Der Präsident des Bauernverbandes, Fritz Glauser, sprach gar von einem Skandal. Er bezog sich auf die Agrarpolitik 2022, die der Bundesrat Anfang November vorgestellt hatte. Während der Bundesrat davon spricht, dass die in- und ausländischen Agrarmärkte durch Handelsabkommen besser vernetzt werden, bezeichnete Glauser dies als «Abbau des Grenzschutzes um rund 50 Prozent, um unsere Rohstoffpreise näher an die des Auslands zu führen».

«Inakzeptabel», findet Glauser. «Der Bauernverband lehnt diese Strategie strikt ab und wird auch nicht darauf ein­treten.»

Für den Freiburger Bauernpräsidenten ist die vom Bund vorgesehene Strategie eine klare Missachtung der eidgenössischen Volksabstimmung vom 24. September; damals sagte das Volk mit 78 Prozent Ja zum Verfassungsartikel über die Ernährungssicherheit. Gemäss dieser Vorlage soll die Struktur des Familienbetriebs mit einer nachhaltigen und tierfreundlichen Produktion im Mittelpunkt stehen.

Mit der Agrarpolitik 2022 werde aber das Gegenteil angestrebt, so Glauser. Als Beispiel nannte er die Produktion von Ölen. Gemäss der Stossrichtung des Bundes würde die Tür für Palmöl aus Malaysia und Indonesien geöffnet, das nicht nur ungesund sei, sondern auch unter dubiosen Umständen durch Industriekonzerne hergestellt werde. Heimisches Raps- und Sonnenblumenöl könne dann kaum mehr verkauft werden, so Glauser.

Vier Jahre Zeit

Die angekündigte Marktöffnung hätte gemäss Glauser verheerende Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft. «Der Bund spricht von einem höheren Einkommen. Doch das ist pro Betrieb gerechnet. Dafür braucht es mehr Fläche und mehr Personal. Ein Landwirt muss dann für das gleiche Einkommen doppelt so viel arbeiten. Die Jungen sind unter diesen Umständen nicht mehr motiviert, die Höfe ihrer Eltern zu übernehmen.»

Noch ist es aber nicht so weit mit der Einführung der neuen Strategie des Bundes. Diese soll, wie es der Name besagt, im Jahr 2022 in Kraft treten. Derzeit steht ein Vorprojekt im Raum, zu dem der Schweizerische Bauernverband ein Gegenprojekt vorlegen will. Ende 2018 oder Anfang 2019 dürfte dieses Vorprojekt in die Vernehmlassung gehen. 2020 ginge ein Gesetzesentwurf dann in die eidgenössischen Räte, und 2021 würden das endgültige Gesetz sowie Verordnungen dazu ausgearbeitet.

Landwirtschaft

Ein gutes Produktionsjahr, aber wenig Mehrertrag

Im Jahr 2016 hatte der landwirtschaftliche Produktionswert der Freiburger Betriebe 717,9 Millionen Franken betragen. Der provisorische Produktionswert für 2017 geht von einer Steigerung um 2,3 Prozent auf 734,5 Millionen Franken aus. «Obwohl wir ein ziemlich positives Landwirtschaftsjahr hatten, blieb die Steigerung in der Produktion gering», sagte der Direktor der Freiburgischen Land­wirtschaftskammer, Frédéric Ménétrey, an der gestrigen Medienkonferenz. Man sei weit entfernt von den 800 Millionen Franken aus dem Jahr 2008, so Ménétrey. Obwohl der Bund Jahr für Jahr den Willen geäussert habe, die Lage zu verbessern, hätten die Anpassungen in der Agrarpolitik nicht wirklich zu Verbesserungen geführt.

2017 war für die Freiburger Landwirte ein trockenes Jahr mit weniger, aber gutem Futter, sagte Präsident Fritz Glauser. Die Getreideproduzenten hätten mengenmässig und qualitativ eine grosse Ernte zu managen gehabt. Bei den Spezialkulturen hingegen habe der Frost im Frühling zu grossen Ernteausfällen geführt. Vor allem in den Reben und im Obstbau hätten diese zum Teil 60 bis 80 Prozent betragen. Auch der Gemüsebau habe gelitten.

Bei den Märkten gebe es für die Landwirte grosse Unterschiede, so Glauser. Da, wo über die Mengen diskutiert wurde, wie beim AOP-Käse, bei Ölsaaten und beim Getreide, oder da, wo eine Grenzbewirtschaftung stattfindet, wie beim Fleisch und Gemüse, sei die Lage besser. Wo es keine Mengenführung gibt, etwa bei der Industriemilch und der Schweineproduktion, resultiere ein Defizit.

Im Allgemeinen nimmt der Verband den neuen kanto­nalen Richtplan positiv auf. Eine Arbeitsgruppe werde die Auswirkungen aber noch analysieren.

uh

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