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«Amerikaner sind nicht zu stoppen»

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«Amerikaner sind nicht zu stoppen»

Ulrich Tilgner am Podium der Freiburger Nachrichten

Die Amerikaner schaffen es nicht alleine, die Situation im Irak zu stabilisieren und das Land aufzubauen. Diese Meinung vertrat am Mittwochabend Ulrich Tilgner in Freiburg.

Von JEAN-LUC BRÜLHART

«Katastrophaler Erfolg», ein Zitat der New York Times, sei eine treffende Beschreibung für die Lage im Irak heute wie auch in den letzten beiden Jahren, sagte Ulrich Tilgner zu Beginn seines Referates. Als aktuelles Beispiel nannte er die Befreiung von Falluja, einer Stadt mit 300 000 Einwohner. «Heute ist die Stadt menschenleer. Alle sind geflohen, die Terroristen zuerst», sagte Tilgner. Schlimm sei zudem, dass der Angriff auf Falluja vom Ministerpräsidenten Alawi unterstützt worden sei. Weder die USA noch die Regierung würden das Vertrauen der Bevölkerung geniessen.

«Amerikaner haben gelogen»

Nach dem Golfkrieg 1991 und der Eroberung Bagdads sei dies nun der dritte Irak-Krieg, ist Tilgner überzeugt. Die Bevölkerung sei enttäuscht und frustriert, weil es die Amerikaner nicht geschafft haben, nach der eigentlichen Befreiung Bagdads die Lage im Land zu stabilisieren und eine neue Gesellschaft aufzubauen. «Die Amerikaner haben behauptet, den Irak zu befreien um demokratische Strukturen einzuführen. Das war eine Lüge», sagte Tilgner. Das sei der grösste Widerspruch der heutigen Zeit. Er versteht nicht, weshalb immer noch keine Wahlen durchgeführt wurden. Es wäre ein Einfaches gewesen, die vorhandenen Wählerverzeichnisse Husseins, die man auf dem Markt auf einer CD-Rom für wenig Geld haben konnte, zu benützen. «Darauf sind 100 Prozent der Bevölkerung erfasst», sagte Tilgner. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, die Menschen anhand der Lebensmittelkarten zu erfassen.

Grosse Verunsicherung

Die Anschläge und Gewaltwellen treffen nicht nur die Amerikaner, sie verunsichern gleichzeitig die Bevölkerung. Eine Studie belegt, dass die Sicherheitslage im Irak heute schlechter sei als früher, auch, weil die Polizei als Ordnungskraft inexistent sei. Diese Aussagen höre Tilgner auch immer wieder im Gespräch mit Leute vor Ort. Vor allem die begüterte Mittelschicht sei den wütenden Entführungsorgien ausgesetzt. 10 000 bis 15 000 Dollar betrage das Lösegeld. Es sei auch richtiggehend ein Markt entstanden, denn Opfer würden weiterverkauft werden. «Im August war das Risiko vertretbar, in den Irak zu gehen. Heute ist es absolut gefährlich», sagte Tilgner. Der Irak sei diesbezüglich kein Einzelfall. In Afghanistan habe sich auch Widerstand gebildet, weil das Land nicht aufgebaut wurde. Es habe Zeiten gegeben, da hätten die Amerikaner prozentual gesehen mehr Verluste in Afghanistan als im Irak gehabt.

Ein Kulturkonflikt

Für den einfachen irakischen Bürger habe sich sehr wenig geändert: Er hat keinen Einfluss auf die Politik im Lande und die wirtschaftliche Lage sei schlecht. Die Wirtschaft werde nur über Wasser gehalten, weil die rund 120 000 Mitglieder der Sicherheitskräfte 100 bis 300 Dollar Lohn erhielten. Kommt hinzu, dass die Wasser- und Strom-Versorgung schlecht ist. Saddam Hussein habe nur in Rüstung und Waffen investiert. Mitarbeiter des IKRK und irakische Ingenieure waren nach der Eroberung Bagdads bereit, die Stromversorgung wieder instand zu stellen. Die Amerikaner seien aber nicht darauf eingegangen, lieber wollten sie es alleine machen. «Mit dem Resultat, dass es zu Sabotagen kam und heute nichts funktioniert», so Tilgner.

Die Lage im Irak ist heute explosiv. 20 Prozent der Bevölkerung seien bereit, gegen die Amerikaner zu kämpfen. Und mit jedem Dorf, das sie durchsuchen, werden es mehr. «Amerikaner haben im Gegensatz zu den Briten keinen Respekt vor der Kultur der Iraker.» Tilgner spricht deshalb in erster Linie von einem Kulturkonflikt. Werde zudem ein Iraker getötet, so schwören zehn andere Blutrache.

Militärischer Erfolg brillant

Tilgner kritisiert das Verhalten der Amerikaner in der Nachkriegszeit scharf. Ganz anders beurteilt er die Kriegsführung. «Der militärische Erfolg war brillant.» Er habe sich zum Beispiel sicher gefühlt in Bagdad und nachts ruhig geschlafen. Die Amerikaner hätten alle Mittel eingesetzt, um zum Erfolg zu gelangen. Neben den präzisen Angriffen und der Desinformation haben auch die Kommunikationsmittel und die psychologische Kriegsführung diese neue Art des Informationskrieges geprägt. «Es ist doch eine Meisterleistung, wenn die Amerikaner widerstandslos Bagdad einnehmen können.»

Mit der Meldung, zuerst das ganze Land erobern zu wollen und dann erst Bagdad, wurden Medienleute und Iraker in die Irre geführt. Früher habe man falsch und richtig noch unterscheiden können, heute nicht mehr. «Das ist frustrierend», so Tilgner. Entweder sei man Teil der Kriegsmaschinerie oder man habe sich der Unterlassung schuldig gemacht. Trotz der schwierigen Situation für Journalisten bewertet Tilgner die Berichterstattung in Europa als gut.

Plünderungen als Wendepunkt

Habe beim Einmarsch der Amerikaner in Bagdad noch latentes Wohlwollen und Zurückhaltung der Iraker gegenüber den Amerikanern geherrscht, so sei die Stimmung später gekippt. Als entscheidenden Wendepunkt sieht der 56-jährige Journalist die Plünderungswelle, die von den Amerikanern toleriert und desinteressiert zur Kenntnis genommen wurde. «Das zeigt, dass die USA für den Wiederaufbau nicht vorbereitet waren.» Lange hätten die Amerikaner versucht, darüber hinwegzuspielen. «Kommt hinzu, dass die Iraker gar nicht wissen, was die Amerikaner eigentlich wollen», so Tilgner.

Blauhelme im Irak?

Wie sieht jedoch die Zukunft im Irak aus? Tilgner ist der Meinung, dass die USA die Probleme aus eigener Kraft nicht bewältigen können. «Die Amerikaner müssen von ihrem Unilateralismus wegkommen.» Er fordert neue politische Ansätze, die nur in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen durchzuführen sind. Es sei nun an den europäischen Staaten, etwas zu unternehmen. «Die Amerikaner sind nicht zu stoppen, das ist das Problem.» Die USA als Weltmacht Nummer eins sei eine schwierige Aufgabe für die Menschheit. Im Irak könnte die Präsenz von Blauhelmen der Bevölkerung die Angst nehmen. Es wäre aber verheerend, wenn sich die USA über Nacht zurückziehen würden. Die Folgen des Machtvakuums können nicht abgeschätzt werden. Für Tilgner ist aber klar, dass der Terrorismus im Irak erhalten bleibt. «Der Irak ist eine Hochburg des Terrorismus.»
«Nur Fakten zählen»

Ulrich Tilgner war über den grossen Zuschaueraufmarsch am Mittwochabend nicht erstaunt. «Die Schweizer sind interessiert und differenziert», sagt er.

Mit ULRICH TILGNER
sprach JEAN-LUC BRÜLHART

Sie haben für eine Schweizer und eine Deutsche Fernsehanstalt aus Bagdad berichtet. Gibt es da einen Unterschied?

Ich mache die Erfahrung, dass die Schweizer viel interessierter und differenzierter sind als das deutsche Publikum. Diesbezüglich unterschätzen sie sich sehr. Ich staune immer wieder, wie gross ihr Vorwissen ist. Das kam auch in den kurzen Gesprächen mit Leuten nach dem Podium zum Ausdruck. Ich bin deshalb über das grosse Interesse nicht erstaunt. Eine Veranstaltung wie diese wäre in Deutschland nicht möglich.

Ist es möglich, in der

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