Schwarzenburg 04.04.2019

Ein Speicher zügelt wegen Burglind

Im Schwarzenburger Weiler Henzischwand stand bis vor kurzem ein Speicher aus dem 16. Jahrhundert. Zurzeit wird er in einer Werkstatt restauriert. Künftig soll er auf dem Schlossareal in Schwarzenburg stehen.

Gebäude aus dem 16. Jahrhundert sind in der Region Schwarzenburg nicht alltäglich. Im Schwarzenburger Weiler Henzischwand stand bis vor kurzem ein Ensemble von drei alten Speichern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Eines der Gebäude stammt aus dem Jahr 1558 und überstand ganze 460 Jahre unbeschädigt. Doch im Januar 2018 fegte Wintersturm Burglind übers Land und deckte das halbe Dach ab. «Der Besitzer konnte sich mit der kantonalen Denkmalpflege nicht auf die Auflagen für einen Wiederaufbau einigen», sagt Ruedi Flückiger, Präsident der Schlossstiftung Schwarzenburg. Er reichte deshalb ein Gesuch ein, um den Speicher abzubrechen.

Das war der Moment, in dem die Schlossstiftung aktiv wurde. «Wir wollten schon länger das Täschdachhaus auf dem Schlossareal mit einem passenden Nebengebäude ergänzen», so Flückiger. Der Speicher bot der Stiftung eine ideale Möglichkeit. Denn er passt zeitlich gut zu den anderen Gebäuden auf dem Areal. Das Schloss entstand in den Jahren 1573 bis 1575, das Täschdachhaus wurde um 1575 erbaut. Der Besitzer des Speichers schenkte ihn der Stiftung.

Speziell geschützt

Speichergebäude dienten in ­der Region Schwarzenburg früher vor allem zur Aufbewahrung von Korn, Flachs und Leinen. Im Berner Oberland dienten sie auch als Käsespeicher. Sie waren oft speziell vor Gefahren geschützt: So standen sie abseits der Bauernhäuser, damit ein Feuer nicht auf die Speicher mit den Vorräten übergreifen konnte, und zudem auf erhöhten Füssen, um die Vorräte vor Mäusen zu schützen. Ausserdem wurden sie oft als einzige Gebäude abgeschlossen.

In jüngerer Zeit wurden die Speicher aber oft kaum mehr genutzt. Der Naturpark Gantrisch will deshalb den Erhalt und die Sanierung alter Speichergebäude unterstützen (siehe Kasten). Auch der Speicher in Henzischwand diente in den letzten Jahren vor allem als Abstellkammer.

Stiftung finanziert Unterhalt

Im vergangenen Herbst bauten Mitarbeiter der Holzbaufirma Honymo in Schwarzenburg zuerst das Dach und den obersten Teil des Speichers ab. «Diese beiden Teile mussten wir aufgrund ihres Zustandes sowieso komplett ersetzen», sagt Adrian Moser von Honymo Holzbau. Anschliessend hoben sie mit einem Kran das Gebäude ab. Das ging relativ einfach, denn durch sein Eigengewicht stand der Speicher mit seinen Füssen ohne zusätzliche Verankerung stabil auf seinem Sandsteinsockel. Mit einem Lastwagen wurde das Gebäude in die Werkstatt gebracht, wo es seither restauriert wird. «Der Speicher ist ein Blockbau», erklärt Moser. Die Wände bestehen aus dicken Balken, die übereinandergestapelt sind. «Wir ersetzen nun zum Beispiel Balken mit faulen Stellen durch neue Balken.» Das frische Holz wird dabei farblich mit natürlichen Mitteln den alten Balken angeglichen. «Man wird aber noch lange Unterschiede sehen», sagt Moser. Einige Teile des alten Speichers waren durch Fäulnis ganz verschwunden. Zimmermann Martin Wasem musste deshalb mit der kantonalen Denkmalpflege in Detektivarbeit die ursprüngliche Form des Speichers rekonstruieren.

Ende April soll der Speicher auf dem Schlossareal aufgebaut werden. Der Umzug und die Restaurierung kosten voraussichtlich rund 120 000 Fran­ken, von denen die Denkmalpflege einen grossen Teil übernimmt. Den künftigen Unterhalt wird die Schlossstiftung finanzieren.

Schindeln nicht bereit

Ursprünglich wollte die Stiftung im Mai das Dach des Speichers in einem öffentlichen Anlass frisch decken. Dazu kommt es nicht: «Die Schindeln sind noch nicht bereit», sagt Ruedi Flückiger. Nun soll der Anlass im September stattfinden. Nach seiner Einweihung soll der Speicher der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. «Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, das Gebäude für Ausstellungen zu nutzen», sagt Ruedi Flückiger.

Naturpark

Alte Speicher bieten viele Möglichkeiten

Auch der Naturpark Gantrisch beschäftigt sich mit alten Speichergebäuden. «Die Speicher sind Teil unseres Projektes Baukultur und Landschaftsbilder», sagt Marketingleiterin Ramona Gloor. Denn die Parkbesucher nehmen laut Gloor Speicher als typisches Element der Region wahr. «Wir wollen deshalb ihren Erhalt unterstützen.» So plant der Park mit Speicherbesitzern aus Schwarzenburg einen Speicherweg. «Wir wollen den Besitzern aufzeigen, was sie aus den Gebäuden machen können.» So hat ein Bauernhof in Lanzenhäusern im Speicher ein Hoflädeli eingerichtet. Andere Möglichkeiten wären eine Bibliothek oder ein Museumsspeicher. «Dort könnten Besucher sehen, wie die Gebäude früher genutzt wurden.» Oft stünden die Speicher unter Denkmalschutz. «Wir können die Besitzer bei der Restaurierung beraten und ihnen Kontakte vermitteln», so Gloor.

sos