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Bruderzwist und Bruderliebe

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wenn wir den Titel «Nachsommer» hören oder lesen, denken wir zuallererst an den Roman «Der Nachsommer» von Adalbert Stifter, dem berühmten Dichter der Biedermeierzeit. Sie könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein, sowohl in Bezug auf Umfang als auch auf Inhalt. Stifters Bildungs­roman umfasst 800 Seiten, Bargums Erzählung lediglich 142. Hier eine altertümlich anmutende, bildhafte Sprache, da einfache Sätze, die, besonders bei den Naturbeschreibungen, auch Schönheit und Melancholie ausstrahlen.

Parallele zur Bibel

Diese melancholische Atmo­sphäre wird noch verstärkt durch das typische Klima, das um diese Zeit in Finnland oft herrscht: mild-sommerliches Wetter im späten Sommer oder frühen Herbst.

Bargums Erzählung erinnert uns unweigerlich an den Bruderzwist im Alten Testament: Abel war im Alten Testament und im Koran der zweite Sohn Adams und Evas. Er wurde von seinem älteren Bruder, dem Ackerbauern Kain, aus Neid erschlagen, da Gott das Opfer des Hirten Abel den geopferten Feldfrüchten Kains vorzog.

Nun, so dramatisch und brutal geht es in «Nachsommer» nicht zu und her! Doch ist die Parallele zur Bibel unübersehbar, wonach sich einer der Pro­tagonisten, hier von der Mutter, ungerecht behandelt und hintergangen fühlt. Es geht um zwei sehr ungleiche Brüder in den finnischen Schären. Olof, der ältere, ist ein ruhiger, besonnener und genügsamer Typ.

Carl dagegen ist egoistisch, zuweilen aufbrausend, herrisch und Mamas Liebling. Seine Karriere hat oberste Priorität, ihr ordnet er alles unter. Vor allem des beruflichen Aufstiegs wegen zieht er mitsamt Ehefrau Klara und Kindern nach Amerika. Es stellt sich allerdings die Frage, ob er vielleicht noch aus anderen Gründen weggezogen ist …

Onkel Tom zieht ein

Olof und Carl wachsen in wohlhabenden Verhältnissen auf. Ihr Vater stirbt schon früh, noch bevor sie erwachsen sind. Zwar zieht ein Freund der Familie ins Haus. Er sieht sich nicht als Nachfolger oder gar Ersatz des Vaters, sondern als enger, guter Freund der Mutter, aber auch der Kinder. Obwohl er sich vornehm zurückhält und nie aufdringlich ist, löst seine Anwesenheit bei Olof Eifersucht und mitunter gar Abneigung aus. Doch Tom, so nennt sich der «gute Onkel», lässt sich dadurch nicht beirren und erträgt diesen Umstand mit Fassung.

Als die Mutter im Sterben liegt, ruft Tom die beiden Söhne an und bittet sie, nach Hause zu kommen, um von der Mutter Abschied zu nehmen. Am Sterbebett der Mutter – sie ist schon nicht mehr bei Bewusstsein – treffen nun die ungleichen Brüder nach langer Zeit wieder aufeinander.

Es dauert nicht lange, bis die alten Bruchstellen und Rivalitäten wieder auftauchen. Carl gibt sich seinem Bruder gegenüber wie eh und je überlegen, arrogant und skrupellos. Olof seinerseits konnte seine Angst vor dem jüngeren Bruder nie ganz ablegen und leidet immer noch an der Ungerechtigkeit der Mutter. Für sie war Carl schon bald einmal nicht mehr der Kleine in der Familie, sondern der auch körperlich überlegene, sportliche und durchsetzungsfähige Lieblingssohn.

Da braut sich ein gewaltiges Gewitter zusammen im finnischen Norden.

Dazu schreibt die Zeitung Svenska Dagbladet: «Eine lyrische Erzählung über die diabolische Kraft des Menschen und der Natur: Liebe und Verrat gehören ebenso zu diesem Nachsommer wie die finnischen Schären.»

Johan Bargum: «Nachsommer», Roman/Novelle (aus dem Schwedischen), Hamburg: Verlag mare, 2018, 142 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

Zur Person

Mehrfach prämierter Autor

Johan Bargum ist 1943 in Helsinki geboren. Er lebt in Espoo und gilt als einer der prominentesten finnlandschwedischen Autoren. Er hat mehrere Romane, Erzählungen und Drehbücher veröffentlicht und zahlreiche Theaterstücke, die weltweit aufgeführt werden. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet.

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