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Das Kindermädchen mit der Kamera

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Vivian Maier (1926–2009)war eine Frau mit vielen Gesichtern: engagiertes Kindermädchen, zurückhaltende Einzelgängerin, unerschrockene Reisende–und hochbegabte Fotografin. Ihr Talent als Strassenfotografin und ihr riesiger Nachlass mit Zehntausenden von Bildern wurden allerdings erst nach ihrem Tod entdeckt. Dass dieser Schatz der amerikanischen Street Photography nicht verloren ging, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken: 2007 hat der damals 26-jährige John Maloof, der für ein Buch auf der Suche nach historischen Ansichten von Chicago war, in einem Auktionshaus die Fotosammlung eines unbekannten Autors ersteigert. Es handelte sich um einen Teil von Vivian Maiers Fotografien, die versteigert wurden, weil sie die Miete für den Lagerraum nicht mehr bezahlen konnte.

 John Maloof war von Maiers Bildern überwältigt und wollte mehr über die Fotografin erfahren. Er kaufte weitere Foto-Bestände und begann, über ihr Leben und ihre Arbeit zu recherchieren. So entstanden ein Buch, das 2011 erschienen ist, eine Ausstellung und ein Dokumentarfilm.

Strassenszenen und mehr

Die Ausstellung ist jetzt in der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg zu sehen. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Filmfestival Freiburg, das vor einer Woche zu Ende gegangen ist und in dessen Programm der Dokumentarfilm «Finding Vivian Maier» lief (siehe Kasten). Zum ersten Mal waren Maiers Bilder 2011 im Chicago Cultural Center zu sehen–es war der grösste Publikumserfolg, den das Haus je hatte. Es folgten weitere Ausstellungen, unter anderem in Los Angeles, London, Hamburg und München. In der Schweiz wurden die Fotos bisher erst in Chiasso gezeigt. Dass sie jetzt auch in Freiburg zu entdecken seien, sei eine grosse Chance, sagte der Freiburger Fotograf Jean-Luc Cramatte, der an der Organisation beteiligt war, anlässlich des Filmfestivals. Viele grosse Institutionen hätten Interesse an der Ausstellung, könnten ihre Programme aber nicht so kurzfristig umstellen.

In Freiburg sind 60 Abzüge zu sehen, die vor allem Strassenszenen aus Chicago und New York zeigen, aber auch einige Stillleben und Selbstporträts in Form von Spiegelungen. Die Bilderauswahl macht klar, dass Vivian Maier ein ausgesprochen gutes Gespür für Menschen jeden Alters und jeder Herkunft hatte, ein Gefühl für das Spiel mit Licht und Schatten und einen Blick für das Besondere im Alltäglichen–und dass sie, hätte sie nicht ihr Leben als Kindermädchen vorgezogen, durchaus das Zeug zu einer Karriere als Fotografin gehabt hätte.

Kantons- und Universitätsbibliothek, Freiburg. Bis zum 10. Mai. Mo. bis Fr. 8 bis 22 Uhr, Sa. 8 bis 16 Uhr. Führung auf Deutsch: Mi., 30. April, 18 Uhr.

«Woman with Floral Hat» (1961).«Man with Newspapers» (1965).«Children on Street II» (1968). Bilder Jeffrey Goldstein Collection/zvg

Der Film: Fotos, welche die Fotografin nie gesehen hat

E r habe bei der Auktion einfach die grösste Kiste gewählt, erzählt John Maloof im Dokumentarfilm «Finding Vivian Maier». 380 Dollar kostete ihn die Kiste, und sie enthielt rund 30 000 Abzüge und Negative von Fotografien der bis dahin völlig unbekannten Vivian Maier.

Es war der Anfang einer fast unglaublichen Geschichte, die Maloof zusammen mit dem Regisseur Charlie Siskel im Film erzählt. Der junge Mann suchte und kaufte weitere Bestände aus Maiers Nachlass. Dabei fand er nicht nur unzählige Fotografien – die meisten davon nicht entwickelt – , sondern auch Briefe und Notizen, Tonaufnahmen und Zeitungsausschnitte, Kleider, Hüte und Schuhe: alles Dinge, die das exzentrische Kindermädchen aus Chicago im Laufe eines langen Lebens angesammelt hatte.

Im Film kommen auch zahlreiche Menschen zu Wort, die Vivian Maier kannten: Arbeitgeber (darunter der Fernsehjournalist Phil Donahue), Nachbarn, Bekannte – und Männer und Frauen, die als Kinder von Nanny Maier betreut worden waren. Sie zeichnen das Bild einer Frau, die immer etwas Geheimnisvolles hatte: Sie war energisch und selbstbewusst, hatte keine Angst, von 1959 bis 1960 auf eigene Faust eine ausgedehnte Weltreise zu unternehmen, war aber gleichzeitig sehr verschlossen und führte ein zurückgezogenes Leben als alleinstehende, kinderlose Frau. Viele Leute wussten, dass Vivian Maier oft und gerne fotografierte, doch niemand kannte die Ausmasse und die Qualität ihres Werks. Sie selber sei sich dieser Qualität durchaus bewusst gewesen, heisst es im Film, sie habe aber nie eine Veröffentlichung ihrer Bilder angestrebt.

John Maloof gesteht, er fühle sich ein bisschen schuldig, dass er Maiers Fotografien an die Öffentlichkeit gebracht habe. Die Bilder verdienten jedoch die Aufmerksamkeit, und es sei gut, dass jetzt auch die Filme entwickelt worden seien, die die Fotografien aus Geldmangel nicht habe entwickeln können. «Wir bekommen Fotos zu sehen, die Maier selber nie gesehen hat.» cs

Der Film «Finding Vivian Maier» kommt am 2. Juli in die Westschweizer und am 28. August in die Deutschschweizer Kinos.

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