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«Der Kanton bezahlte für etwas, was er zwei Jahrzehnte zuvor gestohlen hatte»

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Das Domaine des Faverges oberhalb des Waadtländer Dorfs St-Saphorin ist ein historisches Kleinod an den Hängen des Genfersees. Es liegt an einem idyllischen Ort, eingebettet zwischen dem See und den Alpen. Nach nahezu 700 Jahren im Eigentum des Klosters Hauterive wurde das 15,6 Hektaren grosse Rebgut im Jahr 1867 formell vom Kanton Freiburg gekauft (siehe Kasten). Somit hat es nur einmal im Verlauf seiner langen Geschichte den Eigentümer gewechselt. Die Zisterziensermönche hatten hier 1138 die ersten Reben gepflanzt und die weitherum bestaunten Terrassen des Lavaux angelegt.

«Teil des Kulturerbes»

«Der Staat Freiburg setzt die Tradition dieses altehrwürdigen Guts fort und verleiht ihm gleichzeitig einen Hauch von Innovation», sagt Peter Maeder, Verwalter der Freiburger Staatsreben. Im Lauf der langen gemeinsamen Geschichte habe sich eine enge emotionale Verbindung zwischen diesem Domaine und dem Kanton Freiburg gebildet. «Einerseits befinden wir uns hier ganz klar auf Waadtländer Territorium, im Lavaux», so Maeder. «Andererseits stellt der hier gekelterte Wein einen Teil des Freiburger Kulturerbes dar.»

Gegenwärtig werden im Domaine des Faverges 100 000 bis 120 000 Weinflaschen jährlich produziert. Die gesamte Traubenernte wird auf dem Gut vinifiziert und in Flaschen abgefüllt. Vor einigen Jahren wurden die alten Trotten wieder in Betrieb genommen. Winzer und Önologen analysieren das Terroir regelmässig, um so edle, aber auch natürliche Weine zu kreieren. Gegenwärtig wird hier über ein Dutzend Weinsorten gekeltert. Zwei Drittel sind Chasselas-Weine, der Rest weitere Rotweinsorten, von der Assemblage rouge und dem Vin doux bis zum Pinot noir, Merlot, Syrah und Mousseux demi-sec. Regelmässig werden Weine dieses Gutes preisgekrönt. Im Unterschied zum Domaine du Vully im Château de Mur, wo sich der Kanton Freiburg auf Ende dieses Jahres zurückzieht (die FN berichteten), sei ein Rückzug in St-Saphorin kein Thema. Denn in Mur sei der Staat nur Pächter, hier aber Besitzer. Der Betrieb dieses staatlichen Weinguts ist letztmals 1895 im Grossen Rat infrage gestellt worden, seither nie mehr.

Im Halbrebenvertrag

Bewirtschaftet wird das Gut von zwei Winzern. Yvan Regamey ist für 8,8 Hektaren zuständig, Gérald Vallélian für die restlichen 6,6 Hektaren. Vallélian amtet zusätzlich als Kellermeister für den ganzen Betrieb. Der Personaletat umfasst acht Vollzeitäquivalente.

Diese Personen sind aber nicht einfach Staatsangestellte wie Lehrer oder Richter. Die entsprechende Rechtsform heisst «Contrat de vignolage» (Halbrebenvertrag) und ist im Kanton Waadt weiter verbreitet, kommt im Kanton Freiburg aber nur in diesem Fall zum Einsatz. «Dieser Vertrag ist eine Art Mandatsvertrag», so Maeder. «Die Entschädigung der Winzer bemisst sich an der Hälfte der Traubenernte.» Ansonsten sind die Winzer im Grunde genommen selbstständig Erwerbende, die etwa auch ihre AHV selbst abrechnen. Sie stellen das Personal und die Maschinen, der Kanton die Infrastruktur: die Gebäude, die Keller und die Reben.

«Durch diese Selbstständigkeit haben die Winzer auch ein unternehmerisches Interesse daran, profitorientiert zu arbeiten, und das kommt wiederum dem Kanton zugute.» Dieser sei auch für die Vermarktung des Weins zuständig. Ausserdem nutze der Staatsrat das Gebäude für Repräsentationszwecke, etwa für den Empfang von Delegationen aus anderen Kantonen.

Eine weitere Besonderheit: Das Weingut stellt keine Exklave dar. Eigentümer ist zwar der Kanton Freiburg, aber das Areal liegt im Kanton Waadt. Deshalb bezahlt Freiburg diesem auch Steuern dafür.

«Majestätische Stätte»

Heute Freitag lädt die Direktion der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft zur 150-Jahr-Feier des Erwerbs des Domaines ein. Die Ehre geben sich der Freiburger Vize-Staatsratspräsident Georges Godel (CVP), der Waadtländer Staatsrat Philippe Leuba (FDP) und Marcus Guilhem de Pothuau, Abt des Klosters Hauterive.

Godel nennt das Weingut auf Anfrage eine «grandiose und majestätische Stätte» – ein «Bijou», das wohl massgeblich dazu beitragen habe, dass die Terrassen des Lavaux zum Unesco-Welterbe erklärt wurden.

Für Abt de Pothuau war dieser Betrieb im Mittelalter einer der wichtigsten der Abtei, dessen Funktion unter anderem darin bestanden habe, den Messwein zu produzieren. «Unsere Mönche waren diesem Ort stets sehr verbunden», sagt de Pothuau, «selbst damals, als Faverges eine katholische Exklave im reformierten Staat Bern war und die Messe sehr diskret gefeiert werden musste». Es sei übrigens wahr, dass sich das diese Woche gefeierte Jubiläum auf den formellen Kauf des Weinguts und nicht auf die Inbesitznahme beziehe: Diese fand bereits 19 Jahre früher statt. «Der Kanton bezahlte 1867 für etwas, was er zwei Jahrzehnte zuvor gestohlen hatte», bemerkt der Abt dazu.

Geschichte

Zwei Jahrtausende Reben-Tradition

Möglicherweise betrieben bereits die Römer an dieser Stelle Rebbau. Im Mittelalter verliessen dann Zisterziensermönche die Côte d’Or bei Nuits St-Georges, um hierher zu kommen, das Land urbar zu machen und Weinbau zu betreiben. Die heutigen Kantone Freiburg und Waadt waren ein Teil der Grafschaft Burgund. Diese gehörte zum fränkischen Mittelreich – nach Lothar I. (795-855), Enkel Karls des Grossen, «Lothringen» genannt.

1127 traf sich die Familie der Seigneurs von Glâne in der Abtei Payerne, um eine Messe zu feiern und die Nachfolge von Wilhelm III. von Burgund zu regeln. Das Treffen ging denkbar unglücklich aus – ­alle Anwesenden wurden umgebracht. Der einzige Überlebende, Wilhelm von Glâne, gründete die Abtei Hauterive und vermachte ihr sein Gut, das Domaine des Faverges. Von da an störte nichts mehr die nächsten sieben Jahrhunderte mönchischer Präsenz in Faverges: weder die Eroberung der Waadt durch die Berner 1536 noch die Reformation oder die Französische Revolution.

Doch im Jahr 1848, nach dem Sonderbundskrieg, wurde das Kloster Hauterive aufgelöst. Erst 1939 sollte es neu gegründet werden. Seine Güter gelangten 1848 an den Staat. Doch die Zeiten waren hart, und so entschied die Freiburger Regierung, Faverges zu veräussern. Bei der entsprechenden Auktion 1850 fand sich aber nur ein einziger Interessent, der 190 000 Franken bot. Der Grosse Rat legte gegen den Verkauf schliesslich sein Veto ein.

Vor 150 Jahren, 1867, wollten die an die Macht zurückgekehrten Konservativen dem Kloster Hauterive die vom radikalen Regime konfiszierten Güter zurückerstatten. So bezahlten sie 435 000 Franken an die damalige Diözese Lausanne-Genf. 1894 wollte die Stadt Lausanne das Weingut kaufen, doch ihre Offerte und die Erwartungen des Kantons Freiburg lagen 10 000 Franken auseinander.

jcg

 

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