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Der Preis der zunehmenden Unfreiheit

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Die Freiheit ist unter Druck. Dies gilt nicht nur in Ländern mit autoritären oder diktatorischen Regimes, die jüngst teilweise sogar scheinbar Erfolg haben und vermeintliche Stärke demonstrieren können. Nein, Sorgen bereitet, dass die Freiheit gerade in der aufgeklärten westlichen Welt an Achtung verliert, wo doch die Freiheit als das Wesensmerkmal und der machtvolle Antrieb unserer Gesellschaftsordnung gilt, die entscheidend zu unserer erfolgreichen Entwicklung beigetragen hat.

 

Seit Jahrzehnten übertragen die westlichen Gesellschaften zunehmend Aufgaben an den Staat. Die Erwartungen an harmonisierende und soli­darisierende Problemlösungen durch das Gemeinwesen sind riesig. Unzählige Bereiche unseres täglichen Lebens werden immer stärker von Regeln bestimmt, die gleichzeitig den verbleibenden Gestaltungsspielraum des Einzelnen einschneidend einschränken. Die Entwicklung ist graduell und dadurch kaum spürbar. Angeblich gute Gründe zur Problemlösung durch den Staat sind stets zur Hand: komplexere Wirklichkeiten, höhere Arbeits-und Aufgabenteilung, sich verschiebende Gesellschaftsstrukturen, Aufbrechen von Grenzen, Globalisierung, Individualisierung der Gesellschaft – von überall her erschallt der Ruf nach Regulierung, Schutz und Absicherung durch die staatliche Gemeinschaft.

Von der Qualität der Kindersitze bis zur bürokratischen Kontrolle der Swissness, von der moralin-getränkten Zähmung von Managergehältern bis zum Mikromanagement der Raum- und Bauordnung, von den Kosten der Gesundheits(über)versorgung bis zur paternalistischen Kontrolle von Kitas, von der anachronistischen Arbeitszeiterfassung mit der Stechuhr bis zur verteufelten Einwanderung. An Möglichkeiten der staatlichen Beeinflussung und Korrektur als unerwünscht taxierter menschlicher Entwicklungen mangelt es selbst in unserem Land nicht. All diese Regelungen tönen immer vernünftig und richtig, so dass «man» doch eigentlich nicht dagegen sein kann.

Das eigentliche Malaise dieser Vergemeinschaftung kann aber auch eine immer höhere Dichte an Regulierungen nicht beseitigen: Harmonisierte Standardlösungen können der mit lauter Einzelfällen gespickten Lebenswirklichkeit nicht gerecht werden. Ja, sie sind gar blind, wenn es darum geht, künftige Entwicklungen zu eruieren – zu überraschend läuft nämlich die Zukunft ab, wenn sie Gegenwart wird. Die scheinbar grenzenlose Übertragung von Verantwortung an das Gemeinwesen, der unbändige Machbarkeitsglaube staatlicher Regeln und Planung drohen den Staat zu überfordern. Die aktiv geschürte Anspruchshaltung macht es dem Individuum verständlicherweise schwer zu akzeptieren, wenn für ein Problem auf seinem Lebensweg keine Lösung zur Verfügung gestellt wird. Dies führt zunehmend zu Verdruss und Enttäuschung, welche grosse Teile der westlichen Bevölkerung am «System» zweifeln lassen.

Die Freiheit, dieser kraftvolle Antrieb des Individuums, sich selber weiterzuentwickeln, seine Freiheit auszuleben und Kreatives zu erschaffen, verliert an Schwung. Die wachsende Unfreiheit macht die Gemeinschaft insgesamt träge und letztlich reformunfähig. Dabei hängen die Lösungen für die grossen Herausforderungen unserer Zeit von der Kreativität freier Menschen ab und nicht von der Durchschnittsqualität vergemeinschafteter Planlösungen. Wenn die Menschen gefangen sind in Verlustängsten und Schwarzmalerei und das Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft schwindet, wenn die «terribles simplificateurs» von ganz rechts und ganz links politisch an Einfluss gewinnen, dann sollten die Alarmglocken läuten.

Wir müssen wieder lernen, dass das Gemeinwesen nur die Ultima Ratio sein kann, uns Individuen von der Unbill des Lebens zu bewahren. Noch wird diese Freiheit allzu oft und in Verkennung der menschlichen Natur als «neo-liberales» Geschwätz lächerlich gemacht. Doch der politische und gesellschaftliche Preis der zunehmenden Unfreiheit steigt unaufhörlich.

 

 

Silvan Jampen ist als Unternehmens­jurist tätig und wohnt mit seiner Familie in Kerzers. Im Rahmen der FN-Gastkolumne äussert er seine persönliche Meinung zu gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Themen.

 

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