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Der Rektor wird bald Privatmann

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Nach acht Jahren als Rektor der Universität Freiburg übergibt Guido Vergauwen am Montag die Kette des Rektors seiner Nachfolgerin Astrid Epiney. Der heute 70-jährige Dominikaner war zusammen mit den vier Jahren als Vizerektor während total zwölf Jahren für die Geschicke der Universität verantwortlich. In seine Amtszeit fielen unter anderem der Aufbau des Adolphe-Merkle-Instituts, das 125-Jahre-Jubiläum der Freiburger Uni sowie die Lancierung des umstrittenen Zentrums für Islam und Gesellschaft.

 

 Der Arbeitsmarathon für die Übergabe der Dossiers an Ihre Nachfolgerin geht zu Ende, ab Montag sind Sie sozusagen nur einfacher Professor. Waren die letzten Tage und Wochen ermüdend?

Ermüdend würde ich nicht sagen. Natürlich ist es ein Abschied, ein Ablegen von vielen Dossiers, Akten, Ordnern, die ich betreut habe. Manches muss ich unabgeschlossen zurücklassen, und das ist nicht ganz einfach. Das lässt mich nicht kalt. Wenn man eine Arbeit während einer so langen Zeit macht und während dieser Zeit so viel von sich selbst eingebracht hat, ist das Loslassen nicht einfach. Eine gewisse–sagen wir–Erschöpfung gehört zu diesem Einsatz dazu.

 

 Also gehen Sie vor allem mit einem weinenden Auge …

Keineswegs. Nach langer Zeit im Rektorat ist es höchste Zeit, dass neue Personen mit neuen Ideen kommen. Ich hoffe, dass sie einiges weiterführen von dem, was wir begonnen haben, aber zugleich andere Akzente setzen. Es geht dabei ja nicht um mich, sondern immer um die Sache, um die Uni, ihre Entwicklung. Mir eröffnen sich neue Perspektiven. Von daher gehe ich vor allem mit einem lachenden Auge. Eine Epoche geht vorbei, es fängt etwas Neues an.

 

 Erinnern Sie sich an Ihre ersten Eindrücke, als Sie in Ihrer neuen Funktion das Büro des Rektors betraten?

Ich hatte das Gefühl einer Leere, als ich das Rektoratszimmer betrat. «Wie willst du diese füllen?», fragte ich mich. Doch das ging dann überraschend schnell. Mir wurde klar: Es gibt viel Arbeit. Jedes neue Rektorat lebt vom Überschuss des vorausgegangenen. Es gibt immer viele Dossiers, die nicht abgeschlossen sind. Das war für mich nicht anders. Es kommen aber rasch auch neue Aufgaben auf einen zu. Wir konnten bald das Kompetenzzentrum für Mehrsprachigkeitsforschung auf die Beine stellen, welches auf Ideen meines Vorgängers, Herrn Urs Altermatt, fusste. Auch das Zentrum für Islam und Gesellschaft war schon im Ansatz ein Thema, nahm jedoch noch keine Gestalt an. Ich konnte es viel später aufgreifen. Ende 2007 kam die Schenkung von Adolphe Merkle. Wir konnten gemeinsam mit der Stiftung die Nanomaterialforschung aufgleisen.

Die Arbeit ging Ihnen also nicht aus.

Nein, und das ist bis heute so. Mit dem Unterschied, dass ich in den letzten Wochen keine langfristigen Entscheidungen mehr allein gefällt habe. Ich spreche mich mit meiner Nachfolgerin ab. Die Ablösung wurde von langer Hand vorbereitet. Wir wissen ja seit über neun Monaten, dass Frau Epiney das Rektorat übernimmt. Sie hat sich und ihre Equipe darauf eingestellt. Sie war ja schon während meines ersten Rektorates Vizerektorin und ist mit den Dossiers vertraut. Ich bin deshalb zuversichtlich.

 

 Sie waren zu Beginn Ihres Rektorats 62 Jahre alt. Sie brachten damals schon viel Lebenserfahrung mit. Konnten Sie in diesen acht Jahren noch etwas dazulernen?

Lernen ist wichtig. Das werde ich auch bei meiner Verabschiedung sagen. Ich habe diese acht Jahre als Zeit des Lernens empfunden. Man muss als Rektor immer präsent sein. Nicht, um die Menschen zu kontrollieren, sondern um in den Dossiers voranzukommen. Wenn man immer abwesend ist, geht das nicht. Man muss immer auch das Morgen und das Übermorgen vorbereiten. Das habe ich gelernt und realisiert, dass es sich lohnt, wenn man sich selbst investiert. So bleiben die Angelegenheiten wenigstens einigermassen überschaubar und lenkbar. Natürlich ist mir wohl vieles entgangen. Und ich habe Fehler gemacht. Aber ich habe doch den Eindruck, dass ich unsere Uni, die Leute, die Entwicklungen und die Abläufe ziemlich gut kenne. Aber sicher nicht alles.

 

 Trotz aller Vorbereitung: Wurden Sie auch mal auf dem falschen Fuss erwischt?

Man muss sich überraschen lassen können. Die Schenkung von Adolphe Merkle war eine solche Überraschung. Die scharfe politische Reaktion gegen das Zentrum für Islam und Gesellschaft oder die Reaktionen gegen das Ehrendoktorat für Judith Butler haben mich in ihrem Ausmass überrascht. Zwar hat mir mein politisches Gespür gesagt, dass Kritik zu erwarten war. Aber so heftig, so konsequent, so wiederholt, mit Vorstössen im Parlament–das war für mich nicht zu erwarten.

 

 Das sind zwei Belege für eine mögliche Politisierung der Schweizer Hochschullandschaft. Stört Sie dieser Trend?

Politisierung ist das richtige Wort. Universitäten sind seit dem Mittelalter von ihrem Selbstverständnis her autonome Institutionen. Viele sind zwar finanziell stark vom Staat abhängig, aber sie sind nach ihrer Ansicht, was die Wahl der Themen betrifft, ausserordentlich frei. Das ist geradezu die wichtigste Eigenschaft einer Universität: Sie darf selber bestimmen, worüber geforscht und gelehrt wird. Dieses Verständnis von universitärer Freiheit wandelt sich. Wohl, weil der Staat heute unter grösserem Spardruck steht als früher. Das merken wir am besten während der Budgetverhandlungen.

 

 Die Frage nach Kosten und Nutzen lenkt also immer stärker die Hochschulpolitik. Warum eigentlich?

Die Ökonomisierung der Universitäten ist eine Folge der höheren Erwartungshaltung von politischer und wirtschaftlicher Seite. Universitäten sollen etwas einbringen für den Staat. Dieser investiere viel Geld, also müsse die Universität Rendite abwerfen. Diese Frage nach der ökonomischen Nützlichkeit wird immer wieder gestellt und hat auch eine gewisse Berechtigung. Die Universitäten dürfen sich nicht davor scheuen, Rechenschaft zu geben und auf den Nutzen von Bildung als Investition in die Zukunft hinzuweisen.

 

 Und diese Ökonomisierung ist ein Klotz am Bein der Universitäten?

Nein, sie ist ein Vorteil: Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft, deshalb ist es normal, dass die Gesellschaft Erwartungen hat. Sie will wissen: Ist diese Uni imstande, auf bestimmte soziale und rechtliche Probleme Antworten zu geben? Sei es im Gesundheitswesen, in der Ökonomie oder bei moralischen oder ethischen Fragen. Oder eben bei der Sicherheit von Nanomaterialien. Diesen Fragen dürfen wir uns nicht entziehen. Dennoch: Das Beste, was wir zugunsten der Gesellschaft leisten, ist die Ausbildung von Handlungsträgern, die für die Entwicklung dieser Gesellschaft Verantwortung übernehmen und dabei genau wissen, was sie tun.

 

 Bald wird wohl über das Zentrum für Islam und Gesellschaft abgestimmt, das an der Uni Freiburg seinen Betrieb aufgenommen hat. Sind Sie froh, dass Sie diesen Abstimmungskampf nicht als Rektor führen müssen?

Im Gegenteil: Wenn es zu einer Abstimmung käme, wäre ich gerne noch Rektor. Ich habe das Zentrum ja mit lanciert und bin davon überzeugt, dass es einen gesellschaftlichen Auftrag hat und Gutes leisten wird. Ich würde mich gerne daran beteiligen, dieses Zentrum zu verteidigen.

 

 Und was werden Sie ab Montag tun? Doppelt so lange schlafen wie sonst? Ferien machen? Bücher lesen?

Ich bin Mitglied des Dominikanerordens und wurde zum Provinzialoberen der Schweizer Dominikaner gewählt. Ab jetzt werde ich mich prioritär dieser Aufgabe widmen. Das sind natürlich andere Dimensionen und Verantwortlichkeiten. Es ist aber nicht weniger interessant als meine heutige Tätigkeit und bringt mich zurück zu meinen geistigen Wurzeln. Ja, es gibt viele Bücher, die ich gern mit mehr Ruhe lesen würde …

 

 Darauf freuen Sie sich?

Natürlich. Und weil meine Aufgabe im Orden kein Vollamt ist, möchte ich mein Engagement für das Zentrum für Islam und Gesellschaft auf irgendeine Art und Weise weiterführen. Dasselbe gilt für meine Arbeit im Institut für ökumenische Studien. Ich habe zudem einige kleinere Forschungs- und Publikationsprojekte, die ich weiterbetreue. Bis Ende Juli werde ich Professor sein, dann werde ich emeritiert. Doch man kann ja auch als Emeritierter weiterforschen. Vielleicht ist das eine kleine Akzentverschiebung zu Dingen, die mir von meinen angestammten Kompetenzen her Freude machen. Dazu gehört, dass ich wieder etwas mehr lesen kann.

Das Beste, was wir zugunsten der Gesellschaft leisten, ist die Ausbildung von Handlungsträgern.

Guido Vergauwen

Oberer der Schweizer Dominikaner

Die scharfen politischen Reaktionen gegen das Zentrum für Islam und Gesellschaft oder gegen das Ehrendoktorat für Judith Butler haben mich in ihrem Ausmass überrascht.

Guido Vergauwen

Noch-Rektor Universität Freiburg

Zur Person

Guido Vergauwens lange Karriere

Der1944in Belgien geborene Guido Vergauwen trat1962in den Dominikanerorden ein,1968wurde er zum Priester geweiht. Er studierte in Leuven und schloss1970in Freiburg Theologie ab. Im selben Jahr begann er, in Freiburg zu lehren und machte1975das Doktorat. Er ist seit1985Professor für Fundamentaltheologie und leitet das Institut für ökumenische Studien. Ab2000führte Vergauwen die Theologische Fakultät als Dekan, dann wurde er für vier Jahre zum Vizerektor berufen. Im März2007trat er als Nachfolger von Historiker Urs Altermatt seine erste Amtszeit als Rektor an. Im November desselben Jahres erhielt die Uni 100 Millionen Franken aus dem Nachlass des Industriellen Adolphe Merkle geschenkt. Daraus entstand das heutige Institut für Nanomaterialforschung.2008wurde das dritte Studienjahr in Medizin eingeführt,2009das Institut für Mehrsprachigkeit eröffnet. Vergauwens Rektorat wurde2011verlängert. Im gleichen Jahr trat einer von Vergauwens Vizerektoren wegen eines Plagiats-Verdachts zurück.2012lancierte die Uni ein erstes Projekt auf dem früheren Cardinal-Areal: das Integrative Zentrum für Gesundheit.2013folgte das Labor für intelligentes Wohnen zusammen mit der ETH Lausanne.2014feierte die Uni das 125. Jahr ihrer Gründung. Gleichzeitig begann die Debatte um das Zentrum für Islam und Gesellschaft an der Uni Freiburg. Im Frühling 2014 wurde die Juristin Astrid Epiney zu Vergauwens Nachfolgerin gewählt.fca

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