Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Der Sternenbub, der Esel und das Christkind

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Sterne sind keine Engel. Zwar sehen sie von der Erde aus ganz brav aus. Aber das trügt. Sie flackern deshalb so lustig, weil sie ganz zappelig auf die Welt herabgwundern. Einmal war sogar fast die Hölle los, am Himmel oben. Auf der Erde hatte man eine Volkszählung ausgerufen. Alle Menschen mussten dorthin zurück, wo sie geboren waren. Und so packten sie ihre Siebensachen zusammen und machten sich auf den Weg. Für die Sterne gab es natürlich viel zu sehen. War das eine Aufregung! Besonders die kleinen Sterne drängelten ganz waghalsig vor. Am meisten der vorwitzigste Sternenbub von allen. Und doch hatten ihn alle gern. So wie man kleine Sternenbuben halt eben gern hat.

Die himmlische Anziehungskraft hatte alle Hände voll zu tun, damit ja kein Stern vom Himmel purzelte. Sie ging zu Petrus und berichtete ihm ihre Sorgen. Petrus brummte. Er wollte zuletzt, dass die Menschen herausfänden, dass das brave Sternenmeer genau genommen eine Rasselbande war. Lauter Gwundernasen, die schlimmstenfalls vom Himmel zu fallen drohten. Das durfte nicht sein. Beide gingen zum lieben Gott, hielten Rat und fanden einen Ausweg: Petrus trommelte alle Regenwolken zusammen, und die Anziehungskraft zog so viel Staub an, wie sie nur konnte. Staub und Regen gaben einen prima Mörtel, und schon bald waren alle Sterne schön ordentlich an ihren Plätzen festgemauert. Sie leuchteten nun brav einer neben dem andern und ohne Gefahr, vom Himmel zu fallen. Für die vordersten Sterne war das gut. Sie hatten die beste Aussicht. Unser kleiner, vorwitziger Stern aber war gar nicht glücklich. Vor ihm sassen lauter grosse, dicke Sterne, die ihm die Sicht versperrten. Nein, nein, nein! Er wollte auch zuvorderst sitzen. Er musste doch alles sehen, nicht die andern. Mit aller Kraft versuchte er, sich loszureissen, und strampelte, rüttelte und zog. Gerade hatte er in der hintersten Fuge des Mörtels herumgebohrt, als es geschah: Mit Getöse brach sein Platz aus dem Firmament! Der kleine Stern, mitten in einem Schweif voll Staub, fiel und fiel. Die anderen Sterne fanden das lustig. Sie wussten nichts von der grossen Angst im kleinen Sternenherz und leuchteten fröhlich hinter ihm her.

 

Unten auf der Erde sah dieses Leuchten im Staubschweif wunderbar aus. Die Menschen hielten ein und stellten ihre Lasten ab. Sie glaubten, der Stern leuchte ihnen heim und folgten seiner goldenen Bahn einem einsamen Stall zu. Dort war das Christkind geboren. Und zwar nur kurz bevor just neben dem Kripplein unser kleiner Stern zu Boden fiel. Maria und Josef waren natürlich sehr beschäftigt und hatten nichts bemerkt. Nur der Esel hatte gut aufgepasst und spitzte die Ohren.

 

Oh je, jammerte der Stern. Er war jetzt noch verbeulter und hatte grosse Angst. Was würde nur Petrus sagen? Seine Angst wurde noch grösser, als rings um den Stall Stimmen laut und lauter wurden. Aber zum Glück war der Esel ein gescheiter Esel. Er spürte, dass etwas Besonderes geschehen war und er dem Sternenbub helfen musste. Es könnte ja sein, dass die Leute den goldenen Kobold suchten, weil sie immer hinter Gold her sind. Und weil der Esel ein grosses Herz für kleine Sterne hatte, legte er sich sanft über ihn. So konnte er ihn beschützen und gleichzeitig verstecken. Weil aber unser Sternlein zeitlebens gestrahlt und gestrampelt hatte, war es noch ganz warm und weich. Und so wurde aus den staubigen Zacken ein feiner goldener Reif, fast wie ein Heiligenschein. Das weiche Fell hatte ihn blank geputzt, und er glänzte wie nie zuvor. So konnte ihn Petrus nicht mehr erkennen. Er war in Sicherheit.

 

Nur mit etwas hatte niemand gerechnet. Nämlich, dass die Anziehungskraft ihren verlorenen Sternenbub immer noch suchte und zog, so fest sie konnte. Zum Glück war sie zu weit weg, um ihn wieder an den Himmel zu ziehen. Aber ein bisschen wirkte ihre Kraft halt bis auf die Erde. Und so kam es, dass der Sternenreif ein klein wenig schwebte. Dem Esel kam das gerade recht. Denn es kamen immer mehr Menschen zum Stall. Was tun? Und als alle hereindrängten, schob er seinen schwebenden Freund einfach über das Kripplein. Unser Sternenheld verhielt sich mucksmäuschenstill. Und weil er das Christkindlein so goldig anstrahlte, wurde allen warm ums Herz. Unser Stern war ganz stolz. Denn ohne sein Geheimnis wäre vielleicht alles ganz anders herausgekommen.

 

Der Sternenbub, der Esel und das Jesuskind waren fortan unzertrennlich. Unser Held war dort, wo er immer sein wollte: mitten im Geschehen. Und doch hatte er immer häufiger Heimweh nach dem Himmel. Auch das Christkind wurde gross und grösser. Es hatte seinen Heiligenschein zwar sehr gern. Sie waren richtige Freunde geworden. Aber so ein Schein fällt halt auf. Beim Versteckspiel wurde es immer gleich gefunden. Auch konnte es nie unbemerkt Wunder geschehen lassen. Das war sogar für das Christkind ein bisschen zu viel. Eines kam zum anderen und beide spürten, dass sie in einer neuen Form besser füreinander da sein könnten. Und schon bald hatten sie einen Plan. Eigentlich wäre es ja viel gescheiter, wenn der Stern vom Himmel aus zum Rechten schauen würde, und das Christkind auf Erden. Beide konnten ja weiterhin aneinander denken und miteinander plaudern. Sie machten Zeichen ab, wie sie sich zublinzeln können, und sie erfanden sogar eine Geheimsprache, die nur sie zwei verstehen ­konnten.

 

Dem Sternenbub fiel ein grosser Stein vom Herzen. Ihm wurde ganz leicht, und der Anziehungskraft fiel es nicht schwer, ihn an ein gutes Plätzchen am Himmel zu ziehen. Eines ganz zuvorderst. Denn jetzt war er ja nicht mehr einfach ein vorwitziger Stern, sondern hatte eine wichtige Aufgabe und musste immer für das Christkind da sein. Doch, doch: So wie es jetzt war, war es besser. Gut für den Stern, aber auch gut für das Christkind – und erst recht gut für die Menschen. Und darum ist es noch heute so.

Daniel Eckmann ist Jurist, Partner im Beratungsunternehmen Klaus-Metzler-Eckmann-Spillmann und Lehrbeauftragter an der Universität Bern. Zuvor war er Stellvertretender Generaldirektor der SRG SSR und zwölf Jahre Delegierter für Kommunikation von Bundesrat und Bundespräsident Kaspar Villiger. Daniel Eckmann hat drei Söhne und einen Enkel. Er wohnt und arbeitet in Murten.

 

Mehr zum Thema