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Der Taxifahrer

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Gastkolumne

Autor: Beat Brülhart

Der Taxifahrer

Es ging um die Hintergründe der Finanzkrise. Ich habe dem Analysten und der Wirtschaftsexpertin genau zugehört. Sieht man von den hilflosen Interpretationsversuchen, gewagten Spekulationen und unbegründeten Vermutungen einmal ab, wussten beide nicht mehr als ich. Und ich weiss nichts. Und sie wussten auch nicht mehr als der Taxifahrer am nächsten Tag. Auch wir sprachen über dieses Thema. Die Ereignisse kommentierte der mit «Dieu sait». Damit gesteht er sein Unwissen ein und delegiert Wissen und Verstehen an eine höhere Instanz.

Man mag meinen, dass Analysten, Banker und andere Finanzmenschen – Experten also – über die Finanzkrise mehr wissen als ein Taxifahrer. Stimmt aber nicht. Denn wenn diese Leute wirklich mehr wissen würden, dann wäre doch der Karren nicht so tief im Dreck. Oder man denke nur an all die rosaroten Prognosen, die nie eingetroffen sind. Oder all die cleveren Anlagestrategien, die das immerwährende Eldorado versprachen derweil sich so mancher Anleger durch diese wunderbaren Geldvermehrungsrezepte ins finanzielle Nirwana bugsieren liess. Und einen Tag vor der Staatsinterven- tion bei der UBS behauptete ein Chefökonom (was ist das eigentlich?), dass in der Schweiz der Staat keinesfalls einzugreifen brauche.

Wie dem auch sei, mein Taxifahrer jedenfalls ist mir sympathischer als all die Experten. Er glaubt nicht, dass er so viel weiss und dass er so viel verstehen kann. Stimmt ja auch. Eine ehrliche Haut.

Ganz anders die Elite der Experten. Niemand weiss es wirklich, doch diese Leute glauben, dass sie mehr wissen als alle andern. Und warum glauben sie das? Weil sie einmal aus unerfindlichen Gründen zur Elite der Wissenden gezählt wurden. Wenn man einmal hier dazugehört, weiss man automatisch mehr als all die andern, die nicht dazugehören.

Mit der Expertenelite ist es wie mit Saint-Exupéry’s Bewundertem. Bewunderte gibt es nur, weil es Bewunderer gibt. Ich denke, es ist Zeit, mit der peinlichen Bewunderei aufzuhören und diese dubiosen Erleuchteten, welche letztlich nichts Brauchbareres mehr wissen als der Taxifahrer, vom Sockel zu holen. Wer weiss denn dann, wie es mit der Finanzwirtschaft weitergeht? Niemand. Dadurch sollten wir uns aber nicht ins Bockshorn jagen lassen. Das Leben kennt kein Vakuum. Es wird weitergehen. Das ist das, was ich weiss.

Beat Brülhart wohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Trainer/Coach für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet. Der Inhalt braucht sich nicht zwingend mit der Meinung der Redaktion zu decken.

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