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Der verheerende Triumph des Christentums

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Wer Christentum mit Begriffen wie Demut, Nächstenliebe und Barmherzigkeit in Verbindung bringt, hat weit gefehlt. Das jedenfalls suggeriert Catherine Nixey in ihrem 2017 auf Englisch erschienenen Buch «Heiliger Zorn». Das preisgekrönte Buch ist seit 2019 auch in deutscher Übersetzung erhältlich.

Spannend und fast romanhaft erzählt Nixey vom Aufstieg des Christentums und vom allmählichen Niedergang der antiken, polytheistischen Kultur und Religion. Denn sobald die Christen staatlich akzeptiert und gefördert wurden, begannen sie damit, es den Andersgläubigen heimzuzahlen. Antike Theologen dämonisierten die nichtchristliche Literatur oder den griechisch-römischen Kult mit seinen Tempeln, Statuen und Festen. Die Folge war eine strenge Zensur von philosophischen Büchern, die Zerstörung von Tempeln und Kunstwerken sowie die Verfolgung und Hinrichtung von Andersgläubigen. Kurz, die Christen taten das, was sie während der ersten drei Jahrhunderte selbst erlitten hatten. Doch, so Nixey, «die kurzen und sporadischen Christenverfolgungen im Römischen Reich waren nichts im Vergleich zu dem, was die Christen den Andersgläubigen antaten.» Nixey beschreibt daher den Triumph des Christentums in seinem antiken Wortsinn: «Der Sieg beinhaltete die völlige Unterwerfung des Verlierers. Es war ein vernichtender Sieg.»

Mit Vorsicht zu geniessen

«Heiliger Zorn» ist nicht nur gut geschrieben, die Autorin bespricht auch fesselnd ein Thema, das während fast zwei Jahrtausenden beschönigt worden ist. Zensur und Verfolgung Andersdenkender durch die frühe Kirche können heute ebenso wenig ignoriert werden wie die Kreuzzüge oder die Inquisition. Doch bisweilen ergötzt sich die Autorin zu sehr in ihrer Kritik an der frühen Kirche und an deren Gewaltbereitschaft. Gewalt war in der Antike omnipräsent, von den Gladiatorenspielen bis hin zu den öffentlichen Hinrichtungen, ganz zu schweigen von der alltäglichen Erniedrigung von Sklavinnen und Sklaven. Die frühen Christen waren wie ihre «ungläubigen» Mitmenschen Teil dieser Welt.

Nixey läuft ausserdem Gefahr, Einzelfälle aufzubauschen; müsste man dazumal wie heute nicht differenzieren zwischen dem Gros der Gläubigen und den wenigen Fanatikern? Catherine Nixey verweist selbst darauf, wie der Islamische Staat vor wenigen Jahren antike Stätten in Palmyra zerstört hat. Diese Zerstörungswut nun «dem Islam» anzulasten, wäre naiv. Nixeys Darstellung hingegen verleitet dazu, alle frühen Christen als gewaltbereite Fanatiker zu sehen. Dabei spielt sie die Tatsache herunter, dass ein Grossteil der frühen Christen fest in der heidnischen Kultur verwurzelt war und diese Identität nicht einfach aufgab. Neben den fünf Prozent der fleissigen Kirchgänger gab es eben auch die 95 Prozent der «Zweiten Kirche», wie es der Historiker Ramsay MacMullen pointiert formulierte – Christen, die ihre pagane Vergangenheit nicht einfach vergassen. Der Erfolg des antiken Christentums beruhte teilweise auch genau darin, dass die klassische Kultur nicht ausgelöscht, sondern aufgenommen und adaptiert worden ist. Haben nicht christliche Denker die pagane Philosophie, namentlich den Platonismus und den Stoizismus, weitergeführt, und wurden nicht viele heidnische Tempel in Kirchen integriert, statt abgerissen zu werden? Zwar beschreibt Nixey sehr deutlich, wie die Dämonisierung alles Heidnischen Intoleranz und ein striktes Schwarz-Weiss-Denken gefördert habe. Aber von theoretischen Abhandlungen der Kirchenväter (die als «Hassprediger» zu charakterisieren wenig sachlich ist) auf einen fanatischen Hass der gesamten Christenheit auf die antike Kultur zu schliessen, ist schlicht zu einseitig (siehe Text rechts).

Für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema des religiösen Fanatismus dient «Heiliger Zorn» bestens. Doch jede Leserin und jeder Leser sollte sich der höchst christenfeindlichen Einstellung der Autorin bewusst sein.

Catherine Nixey: «Heiliger Zorn. Wie die frühen Christen die Antike zerstörten.» Aus dem Englischen von Cornelius Hartz. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2019. 396 Seiten.

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