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Die Bauarbeiter turnen sich warm

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Nicole Jegerlehner

«Und noch links!» Der Polier gibt den Takt vor, rund zwanzig Bauarbeiter folgen ihm. Sie drehen den Kopf mit dem Baustellenhelm nach rechts und nach links, sie schlagen die Arme kreuzweise über die Brust und berühren mit den behandschuhten Händen die Schulterblätter, sie machen Kniebeugen. Sie lassen ihre Hüften unter den orangen Leuchtjacken kreisen, sie dehnen ihre Oberschenkel und ihre Waden, und sie ziehen die Knie erst bis zum Bauch hoch, bevor sie mit den Füssen ihr Hinterteil ankicken.

Turnen im Busbahnhof

Jeden Morgen treffen sich die Arbeiter der Baustelle Agora des Bauunternehmens Losinger zum Morgenturnen. Zehn Minuten lang wärmen sie ihren Körper ein, bevor sie wieder in alle Richtungen verschwinden und ihrer Arbeit auf dem Dach des TPF-Bahnhofes in Freiburg nachgehen. Bei guten Wetterbedingungen turnen sie auf der Plattform, die über der Affrygasse thront. Liegt dort Schnee, verlegen sie das Turnen in den Busbahnhof: Sie treffen sich beim letzten Gleis. Jugendliche auf dem Weg zur Schule bleiben stehen und schauen lachend zu.

Das stört heute keinen der Bauarbeiter mehr. «Am Anfang mussten wir einige Arbeiter überzeugen, dass das morgendliche Turnen etwas Gutes ist», sagt Polier Olivier Barbary. Wer bereits seit dreissig Jahren auf einer Baustelle gearbeitet habe, sei der Neuerung nicht gerade offen gegenübergestanden. Auch er selber habe ein Schmunzeln auf den Lippen gehabt, gesteht Barbary.

Auch für Subunternehmen

Er und rund 25 weitere Poliere und Vorarbeiter der Losinger haben vor zwei Jahren einen Kurs besucht: Physio- und Ergotherapeutinnen haben ihnen gezeigt, wie ein gutes Aufwärmen funktioniert. Erst hat Losinger das Aufwärmen auf einigen Baustellen in der Westschweiz eingeführt, danach wurde das Projekt auf alle Baustellen ausgedehnt. «Auch unsere Subunternehmer in der Deutschschweiz machen mit», sagt Pressesprecher Alejandro Segovia.

«Heute lacht niemand mehr über das Aufwärmen», sagt Polier Barbary. «Jetzt ist das ein Ritual geworden, und die Leute haben gemerkt, dass es uns guttut.» Auch Vorarbeiter Jeronimo Novaris Fraga passt das Turnen: «Es ist der einzige Moment des Tages, wo alle zusammen sind; es ist ein guter Moment.» Gleich nach dem Aufwärmen sei der ideale Zeitpunkt, um den Bauarbeitern Informationen weiterzugeben – weil eben alle da seien.

«Wir hatten im letzten Jahr keinen einzigen Unfall, der es notwendig machte, dass ein Bauarbeiter krank geschrieben wurde», sagt Segovia. Auf den Baustellen von Losinger sei es nur zu zwei kleineren Unfällen gekommen. «Das liegt sicher auch am Aufwärmen.» Einerseits komme dadurch der Körper in Schwung, andererseits werde auch die Konzentration auf die Arbeit gelenkt. «Bei uns fängt niemand mehr an, der seine Gedanken noch anderswo hat», sagt Segovia.

Das Aufwärmen sei aber nur ein Puzzleteil im Sicherheitskonzept der Losinger, sagt Segovia. So helfe die Neun-Uhr-Pause, die Konzentration wieder zu schärfen. Und weil Studien zeigen, dass zwischen elf und zwölf Uhr am meisten Unfälle passieren, trötet kurz vor elf Uhr ein Horn über die Baustelle – als Aufforderung, um sich zu schauen und zu kontrollieren, ob irgendwo Risiken lauern. Zudem tragen alle Bauarbeiter Handschuhe, viele eine Schutzbrille. «Seither hatten wir kein verletzten Augen mehr», sagt Barbary.

Sicherheit kostet – aber sie rechnet sich auch. So hat Losinger letztes Jahr 800 000 Franken in die Weiterbildung «Permis de construire» investiert: Alle 190 Bauarbeiter – bei Losinger heissen sie «Compagnons» – haben in insgesamt 5000 Stunden Weiterbildung ihr Wissen erneuert und aufgefrischt. Sie haben sich mit Arbeits- und Gesundheitsschutz auseinandergesetzt und den richtigen Umgang mit Baumaschinen geübt.

Billigere Suva-Prämien

«Das ist teuer», sagt Segovia, «aber gleichzeitig konnten wir 2009 unsere Suva-Prämien für die berufliche Unfallversicherung um 300 000 Franken senken.» Denn Losinger ist es gelungen, die Unfallrate deutlich zu senken. So verunfallen Losinger-Mitarbeiter vier Mal weniger als die der restlichen Baubranche. Weil der Berufsunfallversicherer Suva Unternehmen, die wenig Unfälle zu melden haben, Prämienvergünstigungen gewährt, zahlen sich die Sicherheitsanstrengungen langfristig nicht nur für die Bauarbeiter aus, sondern auch für die Unternehmenskasse.

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