Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Die Freiheit in der Ordnung

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wäre Paul Talman 1987 nicht im Alter von erst 55 Jahren verstorben, wäre Freiburg heute womöglich um ein aussergewöhnliches Lokal reicher: Kurz vor seinem Tod hatte der in Überstorf ansässige Künstler nämlich mit seinem Freund Jean Tinguely ein Projekt für eine Bar entwickelt. Talman, der auch Möbeldesigner war, hätte sich um das Interieur kümmern sollen, Tinguely um den Rest. Die Pläne für das Lokal existieren laut Niklaus Talman, dem Sohn Paul Talmans, heute noch.

Gegensätzliche Freunde

Die geplante Bar wurde zwar nie eröffnet, dafür hat Paul Talman als wichtiger Schweizer Vertreter der Konkreten Kunst ein Werk hinterlassen, das durch seine Modernität, seine Klarheit und Kohärenz beeindruckt. Der Espace Jean Tinguely–Niki de Saint Phalle in Freiburg eröffnet am Donnerstag eine Ausstellung, die einen breiten Einblick in dieses Werk gibt. Es ist das erste Mal überhaupt, dass Talmans Schaffen in seiner Freiburger Wahlheimat ausgestellt ist.

Dass es ausgerechnet im Espace Jean Tinguely zu dieser Schau gekommen sei, liege nahe, sagte Konservator Stephan Gasser am Dienstag bei der Präsentation vor den Medien. Nicht nur seien Talman und Tinguely eng befreundet gewesen. «Es gab auch eine künstlerische Verbindung, nämlich das Thema der Bewegung», so Gasser. Im Espace Jean Tinguely, wo die Arbeiten der beiden Künstler jetzt nebeneinander zu sehen sind, wird diese Verbindung deutlich–aber auch die grossen Unterschiede. Während es bei Tinguely chaotisch rattert und knattert, sind Talmans Werke still und aufgeräumt. Ganz in der Tradition der Konkreten Kunst legte Talman Wert auf Reduktion, auf Ordnung, auf klare Linien und Formen. «Mein Vater musste diese Art von Kunst machen, weil er selber genau so lebte», so Niklaus Talman. Wohnung und Atelier seien immer penibel aufgeräumt gewesen, und er habe seinen Vater nie anders gesehen als in Anzug und Krawatte.

Strenge Kompositionen

Obwohl Talman künstlerisch einen vollkommen anderen Weg ging, war er nicht nur mit Jean Tinguely befreundet, sondern etwa auch mit Daniel Spoerri oder Bernhard Luginbühl. Sie und viele andere Künstler seien bei der Familie Talman ein und aus gegangen, erinnert sich Niklaus Talman. Von den vielfältigen Kontakten Paul Talmans zeugen in der Ausstellung Fotografien, Briefe und andere Dokumente. Vor allem aber bietet die Schau mit dem Titel «Form in Bewegung» einen Überblick über das gut drei Jahrzehnte umfassende Schaffen von Paul Talman.

Alle ausgestellten Werke stammen aus dem Nachlass des Künstlers, der in Überstorf eingelagert ist. Zu sehen ist eine Reihe der Kugelbilder, mit denen Talman ab 1960 international bekannt wurde. Sie bestehen aus beweglich montierten, zweifarbigen Kugeln, die sich in unendlich viele Positionen drehen lassen, so dass das Werk sich ständig verändert. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren die Rollenbilder und Säulenplastiken, die jedoch mit Elektromotoren angetrieben werden. Aus dem Frühwerk der Fünfzigerjahre sind Gravur- und Lochbilder zu sehen, in denen sich be- reits Talmans Vorliebe für streng durchkomponierte Formen zeigte. Dem blieb der Künstler auch in seinen letzten Lebensjahren treu, in zwei- und dreidimensionalen Arbeiten in Gold-, Silber- und Pastelltönen, die er als «Kathedralen» bezeichnete.

Das Publikum begegnet einem Künstler, der die Ordnung, aber auch die Freiheit liebte, einem zurückhaltenden Menschen, dessen Türen seinen Freunden stets offen standen, einem Anzugträger, der gerne ausgelassen feierte. Beide Seiten Talmans spiegeln sich in seiner Kunst. Stephan Gasser sagt es so: «Gerade die strengen Ordnungsprinzipien eröffneten Künstlern wie Paul Talman unzählige Möglichkeiten.»

Espace Jean Tinguely Niki de Saint Phalle, Freiburg. Vernissage: Do., 18. September, 18.30 Uhr. Bis zum 11. Januar. Mi. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. 11 bis 20 Uhr.

Zur Person

Künstler, Werber und Möbeldesigner

Paul Talman wurde 1932 in Zürich geboren, wuchs in Bern auf und zog 1956 nach Basel. Dort arbeitete er lange in der renommierten Werbeagentur GGK und war daneben als Künstler tätig. 1972 zog er mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Überstorf: Jean Tinguely hatte ihn auf das leer stehende Schloss aufmerksam gemacht, in dem er Wohnung und Atelier einrichten konnte. Talman betätigte sich nicht nur als Werber und Künstler, sondern auch als Möbeldesigner. 1987 erlag er einem Krebsleiden.cs

Mehr zum Thema