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Die Glocken bleiben nachts ausgeschaltet

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 Als im Hintergrund die Kirchenglocken 21 Uhr schlugen, kam Pfarreipräsident Dominik Gauch bei der Vorstellung der Rechnung 2014 zum Punkt «Zusatzausgaben wegen Glocken». «Der interessiert euch wohl am meisten», sagte er zu den 55 anwesenden Pfarreimitgliedern. Denn Anfang August 2014 hatte der Pfarreirat Giffers-Tentlingen entschieden, den nächtlichen Glockenschlag auszuschalten. Dies, nachdem sich einige Dorfbewohner beklagt hatten, sie könnten nachts wegen der lauten Kirchenglocken nicht gut schlafen (die FN berichteten).

Gauch zeigte auf, dass von den 24 400 Franken für die dringliche Revision der Glockenhämmer 10 200 Franken für den Einbau der Schlagsperre aufgewendet wurden. «Uns wurde unabhängig von den Anfragen aus der Bevölkerung, ob wir die Glocken nachts abschalten könnten, zum Einbau dieser Schlagsperre geraten», erklärte er. Es habe dann so schnell gehen müssen, dass nicht einmal mehr Zeit geblieben sei, die Finanzkommission zu informieren. Diese hat damit anscheinend kein Problem, denn sie empfahl die Annahme der Rechnung anstandslos. Sie wurde sogleich einstimmig genehmigt.

Unterschriften gesammelt

«Ihr wisst, es sind Unterschriften gesammelt worden, damit wir die Glocken nachts abschalten», sagte Dominik Gauch zur Versammlung. Zwar seien diese Unterschriften nie bis zum Pfarreirat gelangt, er habe aber auch andere Anfragen erhalten. «Aus Respekt gegenüber den Minderheiten» habe der Pfarreirat entschieden, die Glocken zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens nicht mehr läuten zu lassen. «Die Lautstärke des Schlags zurückzustellen wäre in meinen Augen nicht die ideale Lösung gewesen.»

Nur fünf Rückmeldungen

Seit August habe er nur fünf Rückmeldungen erhalten, sagte Dominik Gauch. Drei positive und zwei «nicht ganz negative». Das habe ihn überrascht. Er forderte die Versammlung mehrmals auf, Stellung zum Thema zu beziehen. Doch es meldete sich kaum jemand zu Wort, bis zwei Pfarreibürger mit ihren Aussagen für Belustigung sorgten. «Ich wohne unterhalb der Kirche. Seit die Glocken nachts nicht mehr schlagen, kann ich nicht mehr gut schlafen», sagte der eine. «Und wenn wir die Glocken nachts einfach jede Stunde statt wie vorher jede Viertelstunde schlagen lassen? Dann könnten die Lärmgeplagten zwischendurch wieder einschlafen», schlug der andere vor.

 Dominik Gauch entschied sich nach der nicht sehr aufschlussreichen Diskussion dafür, eine Ad-hoc-Konsultativabstimmung zu machen. Er wolle genau Bescheid wissen, was die Versammlung darüber denke. «Wer ist dafür, dass es so bleibt und die Glocken ab 22 Uhr ausgeschaltet bleiben?» 36 der 55 Anwesenden hielten die Hand hoch. Und damit war das Thema erledigt.

Guglera: Pfarrer entschuldigt sich für das Schweigen der Kirche

A m Ende der Pfarreiversammlung Giffers-Tentlingen vom Montagabend äusserte sich Pfarrer Hubert Vonlanthen zum Thema Bundesasylzentrum Guglera, das zurzeit die Gemüter bewegt. Er trat dazu ans Rednerpult und las seine Stellungnahme vor. Dabei erwähnte er, dass er am Abend des 25. Februar ebenfalls an der Informationsveranstaltung in Giffers teilgenommen hatte und im Nachhinein bedauere, dass die Stimme der Kirche – von Seelsorgern und von Laien – damals stumm blieb. Denn diese wäre besonders dann wichtig gewesen, «als gewisse Voten und Verhaltensweisen ein Ausmass annahmen, das aus der Sicht der christlichen Werte eindeutig zu verurteilen ist». Er müsse gestehen, sagte Vonlanthen, dass er in dieser äusserst angespannten Situation, mit der er nicht gerechnet habe, keine Möglichkeit sah, seinen Standpunkt sachlich und ausgewogen einzubringen. Und er fühle sich als Pfarrer der Gemeinde gedrängt, sich nun für dieses Schweigen zu entschuldigen.

Besonnenheit ist gefragt

Hubert Vonlanthen findet es richtig, dass die Gemeindebehörde ihre Ängste und Sorgen und die Ohnmacht, vor ein Fait accompli gestellt worden zu sein, zum Ausdruck gebracht hat. Dass in diesem Zusammenhang der «unglückliche» Ausdruck «Asylanten-Tsunami» gefallen sei, habe leider genau diese berechtigen Anliegen völlig in den Hintergrund gedrängt und Interpretationen zugelassen, die von gewissen Personen und Kreisen lautstark provoziert wurden und die Masse angeheizt hätten. Er sei dem Giffersner Ammann Othmar Neuhaus dankbar, dass dieser die Dinge inzwischen ins rechte Licht gerückt habe. Damit habe dieser das Fundament für ein weiteres konstruktives Vorgehen gelegt, das von Besonnenheit, Vernunft und Menschlichkeit geprägt sein sollte, sagte Pfarrer Hubert Vonlanthen.

Hofft auf einen Neuanfang

Er wünsche allen einen Neuanfang, bei dem man sich für die berechtigen Anliegen aller einsetze. «Das heisst nicht nur für die Anliegen unserer Bürgerinnen und Bürger, sondern auch für die Achtung der Würde und Lebensrechte der notleidenden Menschen, die zu uns stossen werden. Sie alle wünschen sich ein menschenwürdiges Leben in Ruhe und Frieden, genauso wie wir alle.» Die Versammlung antwortete mit einem Applaus auf diese Stellungnahme. ak

Übrige Geschäfte: Orgel wird für 38 000 Franken revidiert

D ie Orgel der Pfarrkirche in Giffers hat eine Revision nötig. Für diese sind im Budget 2015 der Pfarrei Giffers-Tentlingen Ausgaben von 38 000 Franken vorgesehen. Wie Pfarreipräsident Dominik Gauch am Montag an der Pfarreiversammlung erklärte, sollen die Revisionsarbeiten Mitte August beginnen und am Erntedankfest abgeschlossen sein, damit die Orgel dann gleich eingeweiht werden kann. Die 55 Anwesenden stimmten dem Budget 2015 einstimmig zu und genehmigten auch die Rechnung 2014, die nach Abschreibungen von 53 000 Franken einen Verlust von 67 200 Franken aufweist. Die Ausgaben liegen bei 629 000 Franken.

Pfarrer Hubert Vonlanthen sowie die Ministranten ehrten zum Schluss den ehemaligen Sakristan Ruedi Zihlmann und dankten ihm für seinen beherzten Einsatz zugunsten der Pfarrei. Er hatte seine Tätigkeit nach 35 Jahren aus gesundheitlichen Gründen niederlegen müssen. ak

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