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Die Halbgötter

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Egal, worum es sich handelt, stets sind Experten zur Stelle. Kaum ein Bereich, wo Entscheide ohne Expertenanhörung gefällt werden. Von ihnen wird eisern angenommen, dass sie es wissen müssen, ihnen wird geglaubt, egal, was sie von sich geben. Man hat sie zu Halbgöttern gemacht.

Wie man Experte wird, ist mir schleierhaft. Vermutlich wird jemand Experte, weil er sich selbst oder ein Nichtexperte ihn als Experten bezeichnet. Hingegen ist ziemlich eindeutig, was Experten sind. Das sind Leute, die glauben, von etwas mehr zu wissen als andere. Viele wissen von immer weniger immer mehr, bis sie am Ende von nichts alles wissen. Nicht wenige glauben zu wissen, was in Zukunft sein wird. Leider wissen sie oft nicht, dass sie möglicherweise weniger wissen, als sie zu wissen glauben. Selbstverständlich gibt es Menschen, die über etwas mehr wissen als andere. So weiss ein Spezialist für Blinddarmoperationen nicht selten mehr über Blinddärme als ein Hufschmied. Trotz dieser Eindeutigkeit ist im Umgang mit Experten eine gewisse Vorsicht geboten. Um keine blauen Wunder zu erleben sollte man wissen, dass es zwei Arten von ihnen gibt.

Es gibt die WIE-Experten. Das sind Menschen, die wissen, wie etwas ist und wie es funktioniert. Dazu gehören Piloten, Chirurgen, Buchhalter, Fleischbeschauer, Mathematiker, Getreidekontrolleure, Bauleute, Astronomen, Metzger, Steuerbeamte, Besamungstechniker, hie und da auch Sportler. Meistens kann man sich auf sie verlassen, ihre Aussagen und Analysen sind des Öfteren korrekt und die Ergebnisse ihrer Handlungen entsprechen nicht selten den gestellten Erwartungen.

Problematisch bis brandgefährlich wird es mit den WAS-Experten. Das sind Menschen, die glauben zu wissen, was sein wird. Zu ihnen gehören Anlageberater, Wetterfrösche, Analysten aller Art, Kartenleger, Klimaforscher, Psychiater, Kaffeesatzleser, Futurologen und Parteistrategen.

Diese Menschen glauben aufgrund von dem, was war und ist, zu wissen, was sein wird, und verkaufen ihre Prognosen als unumstössliche Wahrheiten. Dabei handelt es sich im besten Fall um Annahmen und Hochrechnungen, die zufälligerweise gelegentlich auch zutreffen können. Man studiere nur ein paar fünfjährige Prognosen.

Ich selber erspare mir den Rat von WAS-Experten. Ich würfle lieber, das macht mehr Spass, ist billiger und kommt auf dasselbe hinaus. Ich erachte es auch als vernünftig, bei jeder Prognose davon auszugehen, dass das pure Gegenteil ebenso eintreffen kann. Warum wir nach Prognosen lechzen und uns der Illusion der Voraussagbarkeit der Zukunft hingeben, weiss ich nicht. Vielleicht ist uns das Vertrauen in das Leben abhandengekommen?

Da fällt mir Grossmutter ein: «Mach Dir um die Zukunft keine Sorgen. Niemand weiss, was kommen wird, aber es kommt alles, wie es kommen muss, und wenn es da ist, mach das Beste draus.» Als sie mir das damals sagte, gab es nur wenige, die sich Experten nannten.

 

Beat Brülhart wohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Trainer für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbands Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

 

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