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Die Realität hat die Drogenpolitik überholt

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 Seit mehr als 40 Jahren kümmert sich der Verein Reper, der im Jahre 2006 aus der Fusion der Suchtpräventionsstelle Lifat (1956 gegründet) und Release (1972) entstanden ist, um Drogenabhängige (vgl. Kasten). Zum 40-Jahr-Jubiläum organisierte der Verein am Samstag ein Podiumsgespräch zum Thema «Betreuung der Drogenabhängigen damals und heute».

Entkriminalisieren

«Heute konsumieren in der Schweiz rund 500 000 Menschen illegal Drogen», stellte dabei SP-Nationalrat Jean-François Steiert fest. Wohl wissend, dass bei rund 95 Prozent der Drogenkonsum unproblematisch ist, forderte er ein Umdenken in der Politik. Nach seiner Ansicht kann es nicht sein, dass fast eine halbe Million Menschen wegen des Drogenkonsums als kriminell gelten. «Wir müssen neue Regeln aufstellen und einen Teil dieser Konsumenten entkriminalisieren», sagte er.

Dieser Ansicht schloss sich der Neuenburger Chef-Drogenfahnder Olivier Guéniat gerne an. Er ärgerte sich, dass heute eine Busse von 100 Franken erhält, wer mit drei bis vier Gramm Cannabis erwischt wird. «Und von diesen 100 Franken fliesst kein einziger Rappen in die Prävention», wetterte er und gab sich überzeugt, dass diese Busse nichts, aber auch gar nichts am Drogenkonsum des Betroffenen ändert. Auch die Schliessung der offenen Drogenszenen habe daran nichts geändert, im Gegenteil, der Drogenkonsum sei danach weiter angestiegen. Auch der Kampf gegen die Drogenmafia sei aussichtslos, betonte er. Er wehrte sich zudem gegen Kürzungen von Sozialgeldern, was unweigerlich dazu führe, dass die Drogenabhängigen wieder in die Beschaffungskriminalität und Prostitution abdriften.

Für ein legales Angebot

Einen Lösungsansatz sieht Guéniat in der Legalisierung eines Teils des Drogenangebots. Vor allem sollte es erlaubt sein, im privaten Bereich Drogen zu konsumieren und gar Haschisch anzupflanzen. Er möchte aber, dass dazu eine Bewilligung eingeholt und dafür eine Gebühr bezahlt werden muss, welche dann für die Prävention eingesetzt werden sollte. So könnte der Staat auch einen Teil des Angebots kontrollieren. Ein strengeres Verbot forderte er aber für den Drogenkonsum in der Öffentlichkeit. Seiner Ansicht nach sollte gerade auch vom Umfeld Druck auf Drogenkonsumenten ausgeübt werden, wie dies beim Rauchen der Fall sei. «Die Drohungen auf den Zigarettenpaketen hindern die Raucher nicht am Rauchen. Aber die Rauchverbote in denRestaurants, in öffentlichen Gebäuden, auf öffentlichen Plätzen zeitigen ihre Wirkung.»

Politiker einladen

Laut Steiert erfolgt in einer direkten Demokratie ein Umdenken nur langsam. Er schlug aber dem Verein Reper vor, Politiker einzuladen, damit sie sehen, welche Betreuungs- und Präventionsarbeit geleistet werde. So können leicht Erfolge erzielt werden, wie er dies feststellte, als Politiker Behindertenheime besuchten. Andererseits möchte Steiert gerne Guéniat zu einer Sitzung der nationalrätlichen Gesundheitskommission einladen, umüber seine Erfahrungen mit der heutigen Drogenpolitik zu berichten.

Mit der Abhängigkeit leben

Jean-Charles Beaud vom Verein Reper seinerseits war froh, dass dieser in den gut 40 Jahren seine Werte bezüglich Betreuung von Drogenabhängigen und Respekt gegenüber diesen Menschen bewahrt hat. Gemäss Soziologieprofessor Marc-Henry Soulet ist das Drogenproblem in unserer Gesellschaft nicht kleiner geworden, im Gegenteil: «Das Problem ist grösser, aber es ist heute unsichtbar geworden», hielt er fest, dies auch wegen der Schliessung der offenen Drogenszenen. Trotz intensiver Betreuungsarbeit bleibe die grosse Mehrheit Drogenkonsumenten. «Aber sie überleben heute», sagte er und führte dies auch auf die heutige Drogenpolitik zurück. «Sie dürfen gewisse Produkte konsumieren», ergänzte er.

Verein Reper: 50 Mitarbeiter im Kampf gegen die Sucht

D er Verein Reper beschäftigt heute rund 50 Mitarbeiter, die in fünf Equipen mit Animatoren, Erziehern, Lehrern, Pflegefachleuten, Psychologen, Sozialarbeitern und Verwaltungspersonal aufgeteilt sind. Ziel des Vereins ist es, die suchtabhängigen Jugendlichen zu ermutigen, ein freies, eigenständiges und autonomes Leben zu führen. Dabei arbeitet der Verein mit den Erwachsenen zusammen, die als Verbindungspersonen betrachtet werden. «Wir wollen innerhalb der Gesellschaft, aber insbesondere der Jugend, den Solidaritätsgedanken fördern, der auf dem Respekt der betroffenen Personen und ihrer Überzeugungen beruht», heisst es auf der Homepage von Reper.

Die Mitarbeiter begleiten die Menschen mit Schwierigkeiten, wo sie nur können, auf der Strasse, in Restaurants, usw. und bieten ihnen spezifische Programme oder ein Coaching in der Gruppe an. Sie leisten aber auch Präventionsarbeit in den Schulen und Sportvereinen. Über 7000 suchtabhängige oder suchtgefährdete Menschen kommen heute in den Genuss von Dienstleistungen von Reper.

Fusion mit Deutschfreiburger Stelle?

Zurzeit arbeitet diese kantonale Vereinigung nur im welschen Kantonsteil, obwohl ihre Gründung von drei Deutschschweizer Studentinnen angeregt worden war. «Wir führen aber mit der Suchtpräventionsstelle Deutschfreiburg Gespräche über eine Fusion», sagte Reper-Direktor Philippe Cotting am Samstag. az

40-Jahr-Jubiläum: Pioniere und Gründer kommen zu Wort

Z um Anlass des 40-Jahr-Jubiläums (Gründung von Release) hat der Verein auch eine Broschüre herausgegeben. Dabei lies- sen die Journalistin Stéphanie Buchs, die Sozialarbeiterin Kathy Currat und der Reper-Vizepräsident Jean Retschitzki vor allem Gründer und Pioniere des Vereins zu Wort kommen. «Diesen war die Leidenschaft, den Menschen in seiner Komplexität zu erfassen, und der Wunsch, leidende Menschen zu unterstützen, gemein», sagte Reper-Direktor Philippe Cotting an einer Pressekonferenz. So hatte Release bei seiner Gründung im Jahre 1972 das Ziel, drogenabhängigen Menschen zu helfen und eine Betreuungsstelle in der Stadt Freiburg einzurichten.

Am Samstag waren diese Pioniere und Gründer zu einem Treffen eingeladen. «Wir hatten als Gruppe von Studentinnen Lust, praktische Arbeit zu leisten», meinte Ursula Schärer, eine der Release-Gründerin. «Und wir wollten keine Repression.»

Zur Hölle verdammt

Zu den Pionieren gehört auch der ehemalige Düdin- ger Arzt Wolfgang Steiert. Er war damals bei Release für den Entzug zuständig. «Diese Aktivität hat meine Meinung gegenüber den Drogenabhängigen geändert. Vorher dachte ich, sie seien zur Hölle verdammt. Ich wurde mir aber bewusst, dass es auch menschliche Wesen sind und dass sie eine Chance verdienen, um aus ihrer Sucht zu kommen», wird der Va- ter von SP-Nationalrat Jean-François Steiert in der Broschüre zitiert. az

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