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Die Zweiklassengesellschaft

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wir leben in einer Zweiklassengesellschaft: Die einen sind oben, die anderen sind unten. Und die, die unten sind, setzen alles daran, auch mal hoch zu kommen, speziell zu dieser Jahreszeit. Schon im Bus wird mit harten Bandagen um Sitzplätze gekämpft, natürlich ganz Covid-19-konform mit Maske und reinem Ellbögeln. Ja, der Weg nach oben ist kein Zuckerschlecken. Dieses ist dann denen vorbehalten, die oben angekommen sind.

Nach dem Bus geht es dicht gedrängt weiter in einer wackelnden Komposition von anno dazumal. Die oben haben schon immer gewusst, dass man den Status quo am einfachsten erhalten kann, wenn man ihn zur identitätsstiftenden Nostalgie kürt. Ein Dorn in ihrem Auge muss der Neubau der oberen Sektion gewesen sein, dank dem wir jetzt kaum hörbar nach oben schweben. Dann die erste Enttäuschung bei der Mittelstation: von Sonne keine Spur! Die kritischen Mitreisenden wittern schon eine grosse Verschwörung: Auch die Wettervorhersage ist nur noch Fake News!

Nachdenklich sehen wir den zwei Ausgestiegenen nach, wie sie im Nebel verschwinden. Der Weg nach oben erfordert seine Opfer. Ein kleiner Fehler in der Planung, und es hätte genau so gut uns treffen können. Doch dann endlich, beim zweitletzten Mast, durchstechen wir die Stratusschicht und sind erstaunt, wie tief die Sonne steht. Die Laune der Mitreisenden verbessert sich nachhaltig; nur ein hart gesottener Stänker ärgert sich lieber über die eingebildeten Besserwisser, die ihre Sonnenbrillen bereits auf den Kopf gesteckt haben, und wühlt verzweifelt in seinem Rucksack. Wir anderen ergötzen uns am Nebelmeer, mit oder ohne Sonnenbrille, und denken in patriotischem Mitleid an die armen Nachbarn aus dem Norden. Heimatland, ist das schön hier! Dass wir dann auch wieder runter in die Suppe müssen, scheinen alle verdrängt zu haben.

Kaum ganz oben angekommen verfliegt das Wir-Gefühl und unsere Gesellschaft spaltet sich in zwei verfeindete Lager. Das erste schlendert in gespielter Gemütlichkeit in Richtung Beiz. Das zweite stürmt im Eilschritt und mit Wanderstöcken bewaffnet in Richtung Gipfel. Wie alle Aufsteiger teilen aber beide Lager den elitären Wunsch, das Paradies mit möglichst wenigen zu teilen. Wieso müssen die auch alle in die Berge? Gerade jetzt zu Corona-Zeiten ist das doch völlig unverantwortlich!

Auch wir versuchen, die uns zustehende Einsamkeit mit Eile zu erreichen. Hämisch freuen wir uns über alle, die bei einer Abzweigung einen anderen Weg einschlagen. Auf den nahen Gipfeln waren wir schon oft, also wählen wir schelmisch eine unbekanntere, aber fast so schöne Route. Wenn wir Glück haben, sehen wir vielleicht sogar einen Steinbock! Doch auch ohne Feldstecher verraten die grellen Windjacken schnell, welcher König die Alpen am Wochenende regiert.

Über Mittag sitzen wir im vertrockneten Gras und geniessen die Sonne und das Panorama. Der Hochnebel verschluckt jedes Anzeichen der Zivilisation und wir kommen uns vor wie die Entdecker eines unberührten Archipels. Was ist das wohl für eine Insel dort drüben? «Schwalmere» sagt der technikaffine Kolumbus mit Blick auf das Smartphone. Überhaupt, es ist Zeit für den Abstieg.

Der Weg führt entlang verkorkster Arven, und begleitet werden wir vom regelmässigem «Trää-trää-trää» des Tannenhähers, der immer noch fleissig Arvennüsschen für den Winter versteckt. Er darf bleiben, während wir uns wehmütig zu Tal begeben. Ein letzter Blick noch auf die im Abendrot glühenden Viertausender, und der Nebel hat uns wieder. Doch ein kleiner Trost bleibt: Hochnebeltage werden in der Schweiz immer weniger. Das hat vielleicht mit dem Klimawandel zu tun, aber ganz bestimmt mit der deutlich verbesserten Luftqualität, insbesondere der massiven Reduktion von Feinstaub und Schwefeldioxid. Ätsch, früher war eben doch nicht alles besser.

Daniel Wegmann ist Professor für Bioinformatiker an der Universität Freiburg und entwickelt statistische Verfahren, um evolutive und ökologische Prozesse auf Grund grosser Datensätze zu beschreiben. Er hat in Bern und den USA studiert und ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die regelmässig naturwissenschaftliche Themen bearbeitet.

Gastkolumne

 

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