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Philipp Schütz 19.09.2013

Unterschiedliche Ansprüche

Nun ist sie also vorbei, diese historische Volleyball-Heim-EM. Noch nie in der Geschichte des Schweizer Volleyballs haben 5500 Zuschauerinnen und Zuschauer ein Volleyballspiel live mit verfolgt. Die Euphorie ist auf Fans und Medien übergeschwappt. An der Stellwand im Medienzentrum gab es kaum noch Platz für alle Presseberichte. Und TV und Radios haben die Spiele aus dem Zürcher Hallenstadion direkt ins Wohnzimmer übertragen.

Aus sportlicher Sicht hat es für die Schweiz nicht zu mehr als zum letzten Gruppenplatz gereicht. Die Zwischenrunde und Finalspiele fanden ohne Schweizer Beteiligung statt. Und trotzdem flogen den Schweizer Spielerinnen die Sympathien zu. Nach der knappen 2:3-Niederlage gegen Frankreich gab es von den Fans minutenlange «Standing Ovations». Wo immer man sich umsah oder umhörte, es herrschte grosse Zufriedenheit. Die Mädels hatten alles gegeben – und sie haben sich den Applaus verdient.

Sechs Tage später in Berlin: Die Co-Gastgeberinnen aus Deutschland verlieren das EM-Endspiel gegen Russland mit 1:3. Zuvor hatten sie fünf Spiele in Folge gewonnen. Auch hier verabschieden die 8513 Fans ihre «Schmetterlinge» mit tosendem Beifall. Doch schon Minuten später werden kritische Stimmen laut. Wieder hatte es nicht zum Titel gereicht. Analysen und Lösungsvorschläge werden durchgereicht. Man müsse noch mehr trainieren, noch bessere Strukturen schaffen, noch professioneller arbeiten.

Im ersten Moment bin ich sprachlos. Die deutschen Mädels hatten sich zum zweiten Mal in Folge fürs EM-Finale qualifiziert. Eine ausserordentliche Leistung, wenn man den Vergleich mit deutlich stärkeren Volleyball-Nationen anstellt. Warum nicht einfach zufrieden sein und die Silbermedaille feiern?

Ich erinnere mich an unsere letztjährige Finalserie mit Neuenburg gegen Volero Zürich. In den beiden letzten Spielen hatten wir die klaren Favoritinnen an den Rand einer Niederlage gespielt. Am Schluss trotzdem zweimal 2:3 verloren. Auch damals gab es von allen Seiten Lob und Anerkennung. Fans, Klubverantwortliche und Medienschaffende überhäuften uns mit Komplimenten. Selbst bei einigen Spielerinnen machte sich nach einigen Tränen schnell Zufriedenheit breit.

Sollten wir damit glücklich sein?

Im Nachhinein kann ich verstehen, was die kritischen Stimmen in Berlin bedeutenden. Sie waren Teil der Leidenschaft. Und sie waren Teil der Enttäuschung. Und sie waren vielleicht die einzige Möglichkeit, noch besser zu werden. Im Schweizer Sport ist diese Eigenschaft nicht die Regel. Es ist kein typischer schweizerischer Charakterzug. Das ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach so.

Vielleicht ist es aber eine Erklärung dafür, warum den Schweizer Sportlerinnen und Sportlern manchmal das letzte Quäntchen Entschlossenheit fehlt. Der absolute Killerinstinkt. Und vielleicht ist es eine wage Erklärung dafür, warum es an der EM gegen Frankreich oder damals gegen Volero eben doch nicht gereicht hat.

 Philipp Schütz(37) ist Ausbildner am Bundesamt für Sport in Magglingen und arbeitet als Press Delegate beim internationalen Volleyballverband FIVB. Ausserdem war der gebürtige Murtner Volleyball-NLA-Trainer bei Neuenburg.

«Warum nicht einfach zufrieden sein und die Silbermedaille feiern?»

 

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Martin Schick 12.09.2013

Wunderschönes Kotzen

Deutschland hat so viel: schnelle Autobahnen, leckere Wurst, billiges Bier, blonde Haare, Windenergie, einen starken Export, sie sind gut im Fussball und nehmen am Eurovisionscontest teil. Nicht genug. Jetzt kriegt der grosse Bruder auch noch die ganzen Touristen ab! Selbst die Schweizer! Die haben nämlich ganz vergessen, was jahrelang als unumstösslich galt, nämlich, dass es im Tessin halt doch am schönsten ist. Wer dieses Jahr nicht alles nach Deutschland in die Ferien fuhr: nach Freiburg in die Sauna, nach München ins Museum, in die Mecklenburgischen Seenplatte aufs Kanu … von Berlin gar nicht zu reden. Meine Bleibe ebenda ist längst zu einem Hostel geworden.

 Tatsächlich: Jährlich reisen über 60 Millionen Touristen nach Deutschland, und damit ist Deutschland, laut Studie, das zweitbeliebteste Ferienland nach der Schweiz. Was ist mit Italien? Und wer macht diese Studien? Ganz im Trend habe auch ich mich denn auf ein Motorrad gesetzt und bin durch Deutschland gefahren. Traumdestination: Wendland. Das liegt da, wo die Autobahnen nach Berlin und nach Hamburg nicht vorbeiführen. Und wo keine Autobahn hinführt, da wohnen nur Alteingesessene. Und Hippies. Im Fall Wendland ist die Lage aber ein bisschen komplexer. Mit dem Atommüll(-end?-)lager Gorleben vor der Tür ist es das Paradies für Aktivisten, Ökos und Aussteiger und ist denn auch bekannt für seine Bioläden, Keramikworkshops und umgebauten Bauwagen. Alle paar Jahre fährt ein Castor-Transport durchs Land, dann schnallen sich die Bewohner an die Gleise. Das Wendland hat also auch das Potenzial zu einem Aktivurlaub!

Unabhängig davon lohnt sich eine Reise durch Deutschlands Pampa aus einem guten Grund: Es ist lustig. Bei einem Blick auf die Karte entdecken wir unser erstes Etappenziel: Kotzen. Mit Akzent auf die erste Silbe, wurde mir später berichtet. Unser Nachtlager hiess Pisselberg. Das war ein Zufall, ich schwörs! Inspiriert habe ich nun, exklusiv in den FN, für Sie eine Tour zusammengestellt: Ottosau–Darmstadt–Tittenkofen–Gammelsdorf–Fiessack–Deppenhausen–Pissen–Möseln–Unterkaka–Oberhäslich. Reiseprogramm für eine Woche mit der Deutschen Bahn (mit Verspätungen ist zu rechnen!). Ich weiss, dass Fremde im Zug ab und zu lachen, wenn man an Schmitten vorbeifährt. Mit etwas Fantasie hat man auch zu Hause viel Spass! Wie wärs mit einer kleinen Tour durch die Heimat? Kriechenwil–Schiffenen–Pfaffenhölzli–Tuntela–Püntli–Mösli–Pfyffe–Muscherli–Schafarnisch und hinten runter übers Gsäss nach Spittelnacki. Schöne Herbstferien!

Martin Schickist Schauspieler und Performancekünstler. Er wuchs in Tafers auf und lebt derzeit hauptsächlich in Berlin. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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Hubert Schaller 07.09.2013

Zukunft braucht Herkunft

In einer Komödie von Bernhard Shaw bedroht das Feuer die Bibliothek von Alexandria, die bedeutendste Bibliothek der Antike. Jemand ruft aus, das Gedächtnis der Menschheit werde in Flammen aufgehen, und Caesar sagt: «Lass es in Flammen aufgehen. Es ist ein Gedächtnis von Ruchlosigkeiten!»

Im Sensler Museum wird nicht gerade das Gedächtnis der Menschheit aufbewahrt, das Gedächtnis unserer Region aber schon. Aber was soll überhaupt ein Museum als Aufbewahrungsort von Vergangenheit in einer Zeit, die so ungestüm nach vorwärts drängt? Ist der Museumsgedanke nicht heillos veraltet? Und sollte man – wäre zufällig ein Brandstifter unter uns – nicht auch das Sensler Museum in Flammen aufgehen lassen? Was macht uns so sicher, dass es–der fortschrittsfiebrigen Welt zum Trotz – Sinn macht, den Blick nach rückwärts zu richten, uns auf unsere Vergangenheit zu besinnen?

Ich will es kurz machen: Gerade in einer fortschrittsgläubigen Welt wächst auch das gegenteilige Bedürfnis, Altes auszukundschaften und zu pflegen. Es ist wahr: Keine Gesellschaft vor uns hat so viel weggeworfen wie wir, aber keine Gesellschaft bewahrt gleichzeitig auch so viel respektvoll auf wie die unsrige.

Keiner hat das Aufbewahren so sehr zur gediegenen Kunst entwickelt wie der Freiburger Künstler Jean Tinguely. Was sind seine beweglichen, vom Rost der Zeit zerfressenen Installationen anderes als ein Sinnbild auf unsere technisierte Welt, die sich dumm und dumpf und immer schneller um die eigene Achse dreht. Z. B. wenn Tinguely ein Sieb erfindet, das in blindem Eifer Wasser schöpft.

Wir vertragen viel Innovation, aber nicht zu viel. Für zu viel Veränderung ist der Mensch nicht geschaffen, dafür ist ein Menschenleben zu kurz. Das ist das Hauptdilemma der modernen Zeit: Die Menschen in ihr sind langsam, die Welt selbst aber verändert sich rasend schnell. Je grösser die Veränderungsbeschleunigung, desto stärker das Bedürfnis nach Entschleunigung, nach einem festen Grund, einem tragenden Boden.

Bei niemandem tritt dieses Bedürfnis augenfälliger zutage als bei kleinen Kindern, diesen zerbrechlichen Wesen, denen die Zukunft gehört. Gerade weil alles, was ihnen begegnet, neu und unvertraut ist, brauchen sie einen vertrauten Gegenstand, den sie immer mit sich herumtragen können, etwa in Form einer Windel, «as Nùùscheli», das niemals gewaschen werden darf, damit es den Höhlenduft des Vertrauten ja nicht verliert.

Je mehr Neues und Unvertrautes uns die Zukunft zumutet, desto mehr vertraute Vergangenheit müssen wir in diese Zukunft mitnehmen. So kommt in diese schnelle Welt die Langsamkeit hinein, die wir so sehr benötigen. Nur der langsame Mensch ist der schnellen Welt gewachsen, meint der deutsche Philosoph Odo Marquard. Er hat dafür eine weise Formel geprägt: «Zukunft braucht Herkunft.»

Wenn ich das Konzept des neuen Sensler Museums richtig verstanden habe, dann geht es genau um diese Balance: Erinnerungskultur nicht als hypnotisierter Blick auf das Alte, sondern als unverkrampfte Auseinandersetzung mit unserer Herkunft, damit uns die Zukunft nicht im Wege steht. Wir brauchen kein Sensler Museum als Aufbewahrungsort von Heimatklischees. Wir brauchen ein Museum, das uns unsere Vergangenheit erklärt, ohne sie zu verklären. Ein Museum, das uns unserer Wurzeln versichert und uns gleichzeitig an unsere Zukunft glauben lässt.

Hubert Schallerunterrichtet Deutsch und Philosophie am Kollegium St. Michael. Er ist unter anderem Autor der Gedichtbände «Trommelfellschläge» (1986) und «Drùm» (2005). Diese Kolumne ist eine gekürzte Fassung seiner Rede zur Neueröffnung des Sensler Museums vom 1. September 2013.

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Claudine Brohy 05.09.2013

Deutsch-Französische Sprachgrenze in Europa hat Potenzial

Unsere germanisch-romanische Sprachgrenze ist uns ein liebes und teures Diskussions- und Schreibthema. Ohne sie wäre die Diskurslandschaft hierzulande bedeutend ärmer! Ob als Motiv zum Leserbriefschreiben, bei einem Apero, für eine Maturaarbeit, in den Sprachvereinen - die verschiedenen Aspekte des sprachlichen Mit-, Neben- oder Gegeneinanders werden kommentiert, beschrieben, ergründet, erfühlt und mitgeteilt, sei es distanziert, engagiert, objektiv, parteiisch, ideologisch, wissenschaftlich oder kreativ. Ob Röstigraben, «Logogate» der Stadt Freiburg, Sprachenlernen in der Schule, Bahnhofbeschriftung, Sprachkenntnisse des Personals in den staatlichen Institutionen und in der Privatwirtschaft, Kosten der Zweisprachigkeit, Standortvorteile, offizielle Zweisprachigkeit der Gemeinden, Strassenschilder, Ortsbezeichnungen und Flurnamen, Dialekte, Englisch als Werbe- und Wissenschaftssprache–das Thema wird von allen Seiten beleuchtet, das Engagement gilt mal dem Deutschen und den Deutschsprachigen, mal dem Französischen und Französischsprachigen, mal der Zwei- und Mehrsprachigkeit.

Aber die germanisch-romanische Sprachgrenze verläuft nicht nur quer durch unser schönes Freiburgerland. Andere Gegenden, Regionen und Länder in Europa gehören zu den zwei grossen Sprachfamilien, von Aosta und Südtirol über die verschiedenen Sprachgrenzregionen der Schweiz, das Elsass und das benachbarte Deutschland, dann Luxemburg und schliesslich Belgien, sie alle leben mit Sprachen germanischer und romanischer Herkunft und zahlreichen Dialekten, auch sie thematisieren und erforschen ihre Sprachsituation wie wir die unsere. Zusammenarbeit zwischen diesen Regionen gibt es im wissenschaftlichen und schulischen Bereich, so vereinen sich Forschende auf dem Gebiet des zweisprachigen Unterrichts regelmässig während der «Rencontres intersites sur l’enseignement bilingue», und das Elsass und der Kanton Freiburg haben ein Abkommen auf dem Gebiet der Kultur unterzeichnet. Die deutsch-französische Zweisprachigkeit erlaubt uns, die verwandten Sprachen wie Italienisch, Romanisch, Flämisch und Luxemburgisch zumindest ansatzweise zu verstehen. Aber diese spezielle europäische Bilingua-Zone könnte noch viel stärker kooperieren, zum Beispiel in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Ausbildung, um das volle Potenzial dieses Scharniergebietes in Europa auszuschöpfen!

 

 Claudine Brohyist Linguistin und wohnt in Freiburg. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, hat in Freiburg und in Kanada studiert. Sie interessiert sich für die verschiedenen Aspekte der Zweisprachigkeit und ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen zur Zweisprachigkeit bearbeitet. Die Autorin tut dies auf Wunsch der Redaktion mal auf Deutsch, mal auf Französisch.

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Beat Brülhart 29.08.2013

Die Experten

Es gibt auf dieser Welt wohl nichts, wofür es nicht auch Experten gibt. Ob Meteore, verhaltensgestörte Hunde, Zugunfälle, Eheknatsch, Kursschwankungen, Entlausungen, Fussgängerstreifen, Verdauungsstörungen, Trauern, Joggen im Winter, egal was, für alles ist sofort ein Experte zur Stelle. Wie einst die Pfaffen im Mittelalter ihre Ablassbriefe verhökerten, verbreiten sie ihre Expertenmeinung und der Glaube daran ist ihnen eigenartigerweise sicher. Wer sind eigentlich diese Experten?

Experten sind Leute, die glauben, von einer Sache mehr zu wissen als andere. Einige von ihnen – zum Beispiel Analysten und Kartenleger–glauben sogar, etwas über die Zukunft zu wissen. Leider wissen sie nicht, dass sie ein bisschen weniger wissen, als sie zu wissen glauben.

Natürlich gibt es Menschen, die über eine Sache mehr wissen als andere. So weiss ein Spezialist für Gallenblasenoperationen nicht selten mehr über Gallenblasen als eine Bauchtänzerin. Er ist ein «Wie»-Experte, im Gegensatz zu den «Was»-Experten.

Diese Unterscheidung ist im Alltag ungemein hilfreich. «Wie»-Experten sind Experten, die tatsächlich öfters Experten sind. Sie wissen, wie etwas ist und wie es funktioniert. Dazu gehören Gutachter für Schlachtvieh, Chirurgen, Schachmeister, Dachdecker, Buchhalter, Piloten, Getreidekontrolleure und Astronomen. Sie können sich in der Regel auf das Wiederholbare verlassen. Deshalb sind ihre Aussagen, Analysen und Handlungen mitunter richtig.

«Was»-Experten sind Experten, die nur äusserst selten Experten sind. Sie glauben zu wissen, was wird. Hierzu gehören Börsenanalysten, Wetterfrösche, Politologen, Wahrsager, Verantwortliche für die Personalauswahl, alle, die irgendwelche Budgets erstellen, Nostradamusanhänger und Parteistrategen. Das Problem dieser Experten ist, dass sie sich mit der Zukunft befassen und dabei ihre Aussagen und Prognosen aus Vergangenem, meist eben nicht Wiederholbarem ableiten.

Sie bestimmen unser Leben mehr, als wir denken, und da fragt sich bestimmt manch einer, wie man trotzdem ein halbwegs sicheres Leben führen und sich selbst und die eigene Firma vom ultimativen Ruin bewahren kann. Dazu einige hilfreiche Tipps:

Wenn ein «Was»-Experte behauptet, dass es keinen Beweis für das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses gibt, ist das noch lange kein Beweis, dass dieses Ereignis nicht eintreffen wird. (Wenn Ihr Finanzberater Ihnen sagt, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass die Firma, in die Sie gerade investieren wollen, in Schwierigkeiten geraten könnte, ist das noch kein Beweis, dass sie nicht doch Pleite geht.)

 Gehen Sie bei allen Prognosen davon aus, dass immer auch das Gegenteil eintreffen kann.

Vermeiden Sie es bei schwierigen Entscheidungen zwischen Variante A und B, Experten herbeizuziehen. Würfeln Sie lieber mal wieder, zocken Sie. Das ist billiger und ändert am Ergebnis Ihrer Entscheidung nichts.

Wir sollten alle aufhören, nachzudenken, nachdenken bedeutet, denken, was andere bereits gedacht haben. Wir können doch alle selber denken.

 Experten sind nur so lange Experten, wie es Leute gibt, die die Leute, die sich Experten nennen, als Experten anerkennen. Wie sagte doch Saint-Exupéry: Es gibt nur Bewunderte, so lange es Bewunderer gibt.

Beat Brülhartwohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Coach für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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Marcel Enkerli 22.08.2013

Ist mentale Stärke alles?

Wenn ich den Gewinn der Silbermedaille der Schweiz an den letzten Eishockey-Weltmeisterschaften ansehe, muss ich sagen: Ja, es stimmt. Was unsere Spieler mit dem Staff zusammen geleistet haben, hatte viel mit mentaler Stärke zu tun. Dieser Aspekt ist aber immer schwer einzuschätzen. Die Basis jeden Erfolges ist bekanntlich eine Top-Vorbereitung im physischen Bereich. Das aber der mentale Teil von Beginn weg eine Rolle spielt, realisieren nicht alle sofort.

Wenn ich mir die sportliche Leistung als ein Haus vorstelle, dann beginne ich nicht etwa mit dem Dach, sondern mit dem Keller. Aber vorher suche ich mir noch das Bauland oder eben die Sportart aus, in welcher ich mich betätigen will. Dort entscheide ich darüber, was ich machen will, mit welchen Menschen ich zusammentreffen werde. Die Basis ist damit gelegt, so dass ich als nächstes den Architekten aussuchen kann (Trainer). Der wiederum hat sein Team (Staff), das ihn in seinem Bauvorhaben unterstützt und die nötigen Bauarbeiten leistet. Konditionstrainer, Techniktrainer, Materialverwalter und viele andere begleiten ihn. Wie beim Hausbau auch braucht es eine mentale Vorbereitung, um sich nicht in Details zu verlieren. Wenn das Fundament und die Hauswände stehen, wechseln die Bauleute und die Detailarbeiten beginnen. Auch in dieser Phase wird das Mentale gefordert. Man möchte bereits ins Haus einziehen, aber das Dach fehlt noch. In dieser Phase wird der mentale Aspekt noch wichtiger. Diskussionen über das Wie und Warum beginnen, ähnlich wie jene über Vorhänge und Küchenblenden. Das Dach erhält nun eine zentrale Rolle, indem es alles schützt, was sich unter ihm befindet–sowohl alle positiven als auch negativen Gedanken.

Nun gilt es, diese mit der Stärke der Menschen, die am Haus gearbeitet haben, zu verarbeiten. Auf den Sportler projiziert heisst dies, sich seiner Fähigkeiten bewusst zu werden und für sich Wege zu finden, die für sich selbst und auch für das Team funktionieren.

Genau diese Fähigkeit wurde uns an der WM bewusst, und so konnten dank dem Input aller Beteiligten Hindernisse überwunden werden. Es war interessant zu erleben, wie die mentale Stärke auf einmal selbstverständlich wurde und alle davon profitierten.

Für mich gibt es nur die eine Schlussfolgerung: Ohne die mentale Stärke gibt es nichts zu gewinnen. Aber ohne ein stabiles Konstrukt ist sie wirkungslos.

Marcel Enkerli ist selbstständig und arbeitet im Sport- und Projekt-Management. Zudem ist er Teamchef der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft und von Freiburg-Gottéron. Als Sportschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das regelmässig frei gewählte Themen bearbeitet.

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Susi Fux-Löpfe 20.08.2013

Einmachen und Aufbewahren

Was habe ich diesen Sommer schon eingemacht?» Diese Frage habe ich mir auf der langen Zugreise mit dem Wiener-Walzer gestellt. Tja, noch nicht so viel. Etwas Gemüse, nur wenig, aber das macht nichts, da hat’s noch vom letzten Jahr übrig und überhaupt, dieses Jahr ist sowieso alles später. Aber wie sieht es aus mit den Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen dieses Sommers? Wie kann ich diese haltbar machen?

Klar, die Fotos speichere ich im Computer, ich mache mir vielleicht sogar ein Fotobuch, vorgenommen habe ich es mir. Ob ich es wohl dieses Jahr schaffe? Aber die Bilder, die nur in meinem Kopf sind, was mache ich mit denen? Tagebuch schreibe ich nur sehr rudimentär, manchmal einen Satz oder so in meine Agenda. Und die Düfte, die noch in der Nase hängen, aber schon bald mit neuen überdeckt werden, wie kann ich diese festhalten? Und all die Gefühle? Ich brauche also ganz viele Einmachgläser. In die Gläser kommen nun meine Fundstücke, ein paar Muscheln, die letzten Sandkörnchen, die noch im Koffer und zwischen den Kleidern zu finden sind. Ein paar getrocknete Blüten und Fruchtstände mit Samen. Letztere werde ich im nächsten Jahr aussäen und mir so blumenduftige Erinnerungen im Garten wachsen lassen. Ein paar Papierschnipsel werden kunstvoll in ein Glas gesteckt, damit das Licht durchscheinen kann und mich in Zukunft mit seinem Schattenspiel ans Schneiderhäusle erinnert. Postkarten, gelochte Billette, Prospekte und noch mehr Dinge dieser Art sind wohl in einem Bilderrahmen besser aufgehoben.

Gut, nun kommt der schwierigere Teil, die Gläser im Kopf. Fein säuberlich fülle ich meine Sommererinnerungen in die geistigen Einmachgläser. Es braucht viel Geduld und manches Gespräch, um sie im schon recht grossen Vorratsraum zu platzieren. Eingelegte Erinnerungen geniessen eine passende Umgebung. Wenn ich nun so zwischen den Regalen hindurch spaziere, fällt mir das eine oder andere Glas aus früheren Jahren auf. Ich nehme es in die Hand, schaue es an und schnuppere daran. Sofort breiten sich die Erinnerungen aus, vorsichtig schiebe ich sie zurück und verschliesse den Deckel. Ich möchte sie nicht verlieren. Verderben können sie nicht, zum Glück, aber es kommt vor, dass Gläser verschwinden. Bin ich schon so alt, dass ich nicht mehr weiss, wo ich sie hingestellt habe?

Ich hoffe, dass die Gläser durch regelmässigen Besuch gut erhalten bleiben. Zufrieden kann ich die Türen meiner Vorratskammern schliessen, aber schon diese Nacht werde ich sie wieder besuchen.

 Susi Fux-Löpfeist ausgebildete Kindergärtnerin und betreibt seit 1985 das Figurentheater Susi Fux mit einem Repertoire aus kindernahen Mundartgeschichten. Sie schreibt für die FN regelmässig über frei gewählte Themen.

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Pascal Vonlanthen 18.07.2013

Der Vorzeigefreiburger

Ich bin es also. Der Auserwählte, der Auserkorene, der Berufene, der VORZEIGEFREIBURGER. (Stand so–und nicht zum ersten Mal–in dieser Zeitung.) Man kniet vor mich nieder (zum Beispiel am letzten Samstag an der Jazz Parade), man legt mir Früchte vor die Füsse (zum Beispiel Häppöriggompfi, ebenfalls an der Jazz Parade), man opfert mir Jungfra… gut, die nicht gerade. Noch nicht.

 

 Vielleicht wären Sie auch ein Vorzeigefreiburger. Ich zum Beispiel esse am Tag mindestens 750 Gramm Greyerzer, saufe dazu zwei Flaschen Vully und bete noch vor dem Frühstück das Lioba bäuchlings vor dem heiligen St. Niklaus. Wöchentlich steige ich auf den Moléson, die Kaiseregg und das Putzhorn und brünzle in die Gärten der Exilberner, trage zum Schlafen das Jumbo-Hemd von Gagnon und liege auf einem Chomutow-Kissen. Während ich meinen Kühen mit einem wasserfesten Edding die schwarze Farbe auftrage, wispere ich ein dreifaches Magnifikat den Hühnern ins Nest. Für einen Vorzeigefreiburger ist das das Mindeste, finde ich.

 

 Liebe Leute, ich bin kein Vorzeigefreiburger. Ich bin ein hundsgewöhnlicher Bürger, singe lediglich Lieder über das Leben, gebe da und dort Konzerte und schreibe für dieses und jenes Musik. Es wäre mir lieber, ihr nennt mich nicht «Vorzeigefreiburger», sondern «Messias» … ups, sorry, «Gustav» wollte ich sagen. Nennt mich Gustav. Oder Hans. Oder wie ihr wollt … (Jetzt ja keinen Scheiss machen, Gustav. Der Wohnmacher hat im Nu ein Kreuz gezimmert.)

Pascal Vonlanthenalias Gustav ist Musiker und lebt in Freiburg. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigemRhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

«Den Hühnern wispere ich ein dreifaches Magnifikat ins Nest. Für einen Vorzeigefreiburger ist das das Mindeste.»

 

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Boris Boller 11.07.2013

Nachsicht im Sprachunterricht

Medienberichte rund um Sprachen und ihren Unterricht bieten weiterhin Garantie für hohe Aufmerksamkeit. Eine provokante These oder Forderung, eine kühne journalistische Zuspitzung vorzugsweise in der Sonntagspresse und ein knackiger Titel, der weit mehr verheisst als der Artikel halten kann, und die Maschinerie für Aufregung, Empörung, Zustimmung oder abweichende Stimmen aus der Leserschaft setzt sich praktisch automatisch in Bewegung.

In den letzten Wochen schafften es wiederum mehrere Themen rund um den Sprachunterricht in die überregionalen Schlagzeilen und die praktisch landesweite Kommentierung: Die Forderung nach Englisch als Landessprache «light»; besorgte Stimmen, die erklären, dass das Gros der Schülerschaft beim Erlernen mehrerer Sprachen überfordert sei; ebenso besorgte Stimmen, welche mitteilen, dass ein grosser Teil der Lehrerschaft beim Lehren mehrerer Sprachen auch überfordert sei oder sein wird, falls Unterstützung ausbleibe, oder im Rahmen der Vernehmlassung zum Lehrplan 21, Fragen, Forderungen und Behauptungen zu Umfang, Inhalt und Form des zukünftigen Sprachunterrichts in der Deutschschweiz.

Zurzeit – aber das kann sich in kurzer Zeit auch wieder ändern –, erhalten schwergewichtig diejenigen Stimmen Medienaufmerksamkeit, die zur institutionalisierten Duldung von Sprachschwächen bezüglich Französisch beziehungsweise Deutsch als Fremdsprachen aufrufen. Auch erklärte Benotungs-, Leistungs- und Ranglisteneuphoriker drücken beim Fremdsprachenunterricht (sofern es nicht Englisch oder Schüler und Schülerinnen einer ausländischen Muttersprache betrifft) gerne ein Auge zu. Ganz im Gegensatz zu Forderungen nach sofortiger Stärkung oder promotionsrelevanter Einführung von Naturwissenschaften, Informatik oder Wirtschaftskunde wird im Fremdsprachenunterricht ein behutsames, «spielerisches» Vermitteln angemahnt, bei dem möglichst lange auf Benotung verzichtet und Überforderungen vermieden werden sollen. Diese Nachsicht betrifft aber ausschliesslich den Sprachunterricht.

Die aktuelle Tendenz, sofern sie sich aus der Berichterstattung zum Sprachenunterricht und punktuellen Alltagserfahrungen ablesen lässt, scheint zurzeit einen weiteren Statusverlust des Französischen beziehungsweise des Deutschen anzuzeigen – ohne Rücksicht auf allfällige helvetische Traditionspflege. Freiburg könnte diese Entwicklung allerdings als Chance wahrnehmen. Die Lage auf der hier eher breit angelegten Sprachgrenze erleichtert zumindest theoretisch den Zugang und das Erlernen der jeweiligen Partnersprache. Freiburger können oder könnten daher die auch in Zukunft mit Sicherheit bestehende Nachfrage nach ihren potenziellen Sprachkompetenzen eindeutig leichter befriedigen als zum Beispiel Bewohner des Vallée de Joux oder des Rheintals.

 Boris Bollerist im Thurgau geboren, besuchte die Schulen in Bern und lebt heute in Freiburg. Er studierte und arbeitete an deutsch- und französischsprachigen Abteilungen der Universität und überquert zur Zeit praktisch täglich die Sprachgrenze, um zur Arbeit zu fahren. Boris Boller ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen zur Zweisprachigkeit bearbeitet.

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Heinz Pfander 04.07.2013

Über den Zeitgeist

Nach Interpretation des Duden versteht man unter dem Begriff «Zeitgeist», eine in einem bestimmten Zeitalter, charakteristische allgemeine Denk- und Fühlweise, eine geistige Haltung. Die Tendenz zu meinen, dass das Neue – was immer damit gemeint ist – eh besser ist als Altbewährtes, ist nicht aufzuhalten und dass bekanntlich das Neue, oft auch der Feind des Guten ist, wird zwar erkannt, in vielen Fällen aber meistens (zu) spät …

Besonders augenfällig ist der sich rasch verändernde Zeitgeist in der Mode, Kommunikation und generellen Verhaltensmustern. So suggerieren uns die Designer Jahr für Jahr und dies aus legitimem Geschäftsinteresse, was «in» oder «out» ist.

Während zu Beatles-Zeiten zum Beispiel weisse Herrensocken als wahnsinnig sexy galten, sind diese heute der Anmache-Killer schlechthin. Jenen, die es noch nicht gemerkt haben, ist der Stempel des absoluten Hinterwäldlers sicher. Dass aber die neuerdings von TV-Sportmoderatoren zur Schau gestellten «glismeten» Ringelsöckli in allen Farben, gepaart mit Spitzschuhen, die nur mit Waffenschein getragen werden dürfen, als chic und cool gelten, ist gewöhnungsbedürftig. Oder wer sich heute als männliches Wesen keinen Schal um den Hals schlägt – auch bei über 30 Grad im Schatten – der ist ebenfalls von gestern. Es geht bereits das Gerücht um, dass man «ohne» in Zürich verhaftet wird.

Nun, über Geschmack lässt sich bekanntlich eh nicht streiten und erlaubt ist, was gefällt. Und wenn schon von coolen Sportmoderatoren die Rede ist …, fällt übrigens auch Folgendes auf:

Es besteht nie auch nur der Ansatz eines Erklärungsversuchs, warum plötzlich geschätzte 88,5 Prozent aller Spitzenfussballer, etwa 71 Prozent ihres gestählten Körpers mit unzähligen Tattoos übersäen. Dabei gäbe es doch während der oft langweiligen Spiele, einiges über Sinn und Unsinn dieser unauslöschlichen Kunstwerke zu spekulieren. Z’Susi links am Arm – z’Moni etwas weiter oben – dann die Namen der noch zu zeugenden Kinder rechts – und dort, wo man es nicht sieht, auch noch irgendein Herzblatt, welches man beeindruckt hat oder es noch gedenkt zu tun! Die Vorstellung darüber, wie gut so was den Herren der Schöpfung in 30 Jahren bekommt …, ist dann allerdings eher ein Thema für die Sendung Puls.

Bleibt die Frage unbeantwortet, ob Eishockeycracks, welche sich bei einem Gööli oder nach Spielschluss nicht einfach das Tenü vom Leib reissen, auch derart mit Stammeszeichen traktiert sind.

All diese in den Bereich des Boulevard gehörenden Zeitgeist-Beobachtungen sind weder wichtig noch nachhaltig. Sie zeigen aber auf, dass es kaum mehr jemand wagt, seine Verwunderung über irgendwelche Dinge zu äussern–jedenfalls nicht öffentlich. Man will ja nicht das Image des ewig Gestrigen tragen.

 Gefährlich wird es erst, wenn Tendenzen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Einkehr halten, welche keiner kritischen Beurteilung ausgesetzt sind. Wenn die Angst, mit einer eigenen Meinung nicht «in» zu sein, überwiegt und alle nur noch dem Mainstream folgen, dann sind Probleme programmiert.

So kann es zum Beispiel nicht sein, dass es der «Zeitgeist» entschuldigt, wenn bei Demonstrationen für irgendwelche schöngefärbten Alternativanliegen, Schaufenster in die Brüche gehen, ganze Quartiere verschmiert, Passanten verletzt werden und obendrauf die Kosten für die Wiederherstellung und den Einsatz der Polizei durch die Allgemeinheit zu bezahlen sind. Wer hier keine Bestrafung mit entsprechenden Konsequenzen fordert, ist blauäugig und hat nicht begriffen, dass vor allem der Geist der Selbstverantwortung unbedingt wieder gelebt werden muss.

Die schon vor über 200 Jahren von Johann Wolfgang von Goethe verfassten Gedanken beweisen die zeitlose Aktualität des Themas:

«Wenn eine Seite besonders hervortritt, sich der Menge bemächtigt und in dem Grade triumphiert, dass die Entgegengesetzte sich in die Enge zurückziehen und für den Augenblick im Stillen verbergen muss, so nennt man jenes Übergewicht den Zeitgeist, der denn auch eine Zeit lang sein Wesen treibt.»

In diesem Sinne: Augen auf – Mund auch …

Heinz Pfander, Unternehmer in Düdingen, ist Inhaber der ATEC Personal AG und REGA-TEXT-TV, Gastgeber der Wallenried-Gespräche und Initiant des PRIX-ATEC. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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