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Boris Boller 27.12.2012

«Französisch braucht kein Mensch»

Bild zvg

Die Diskussion um die Frage, welche und wie viele Sprachen ab wann in den Schulen der Deutschschweiz unterrichtet werden sollen, flammt unregelmässig immer wieder auf. Die Idee, zumindest an der Primarschule nur noch eine Fremdsprache obligatorisch zu lehren, ist mittlerweile auch im Dachverband der Deutschschweizer Lehrpersonen (LCH) angekommen. Sein Präsident argumentiert mit knappen, ungenügenden oder verweigerten Ressourcen und fordert Freiwilligkeit für eine zweite Fremdsprache. Die obligatorische Fremdsprache sei zudem durch den Bund festzulegen.

 Da dazu eine gesetzliche Regelung auf eidgenössischer Ebene notwendig wäre, muss in letzter Konsequenz erwartet werden, dass diese Forderung in eine Referendumsabstimmung Englisch gegen Französisch münden würde. Dem ohnehin prekären Sprachfrieden im Schulwesen verheisst das nichts Gutes. Dieser hielt grob fest, dass in den Zentral- und Ostschweizer Kantonen zuerst Englisch und in den westlichen Deutschschweizer Kantonen zuerst Französisch unterrichtet wird und danach erst die jeweilige andere Fremdsprache. Auch für die Zukunft der Schweizer Mehrsprachigkeit und des Verhältnisses zwischen den Sprachgruppen wäre eine solche Abstimmung nicht unbedingt zuträglich.

 Noch mehr als das Ergebnis einer allfälligen Abstimmung ist Stil und Ton der zu erwartenden Auseinandersetzungen im Vorfeld Anlass zur Sorge. Einen Vorgeschmack auf einen allfälligen zukünftigen Abstimmungskampf liefern die Online-Kommentare diverser Tageszeitungen. Die in diesen Foren überdurchschnittlich zahlreich vorhandenen Sprach- und Bildungsexperten stellen in ihrer Mehrzahl apodiktisch fest, dass das Erlernen der zweiten Landessprache sowohl sehr uncool, unverhältnismässig aufwendig als auch überflüssig ist.

Anekdotisches zu schlechten Erfahrungen im Unterricht mischt sich hier gerne mit angriffig vorgetragenem Nicht-Wissen-Wollen und persönlichen Berufserfahrungen, in denen niemals Französisch benötigt wurden – leider bleibt dabei meist das Berufsfeld unerwähnt. Zu diesen Aussagen gesellt sich gerne auch die weltmännisch vorgetragene Perspektive des globalisierten Überfliegers: «Allein Englisch zählt.» Sogar Genderfragen werden herangezogen: Da das Erlernen von Französisch und Englisch gleichzeitig für die männliche Jugend viel zu schwierig sei, wäre das Abschaffen des Französischen ein zwingendes Gebot der Chancengleichheit. Letztlich, so der Tenor dieser Leserkommentare, braucht eigentlich kein Mensch Französisch.

Die Selbstverständlichkeit, mit der die Schweiz westlich von Aare und Saane und dazu grössere Teile der restlichen Menschheit als Quantité négligeable behandelt bzw. einfach ausgeblendet werden, irritiert, doch mag dies der lokalen Sicht im Schatten der Mythen oder des Tödi durchaus entsprechen. Die Tatsache, dass das Abstimmungsverhalten der Westschweiz nicht in jedem Punkt demjenigen der Urschweiz entspricht, kann einen weiteren Grund zur Frankophobie darstellen.

Repräsentativ sind Aussagen in Online-Foren naturgemäss nicht, auch muss die Frage offenbleiben, inwiefern viele der dortigen Meinungsberserker als ernst zu nehmende Diskussionsteilnehmer gelten dürfen. Und doch, auch wenn ihr Ton und Inhalt wenig hilfreich erscheinen, so lässt sich zugunsten der Autoren annehmen, dass die Aussage «Französisch braucht kein Mensch» zumindest ihrem lebensweltlichen Horizont entspricht.

Boris Boller ist im Thurgau geboren, besuchte die Schulen in Bern und lebt heute in Freiburg. Er studierte und arbeitete an deutsch- und französischsprachigen Abteilungen der Universität und überquert zur Zeit praktisch täglich die Sprachgrenze, um zur Arbeit zu fahren. Boris Boller ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen zur Zweisprachigkeit bearbeitet.

«Immer mehr bekommt man den Eindruck, dass der Sensebezirk zu einer eigentlichen Schlafstätte wird.»

 

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Beat Brülhart 20.12.2012

Gesundheit über alles

Fitnessmässig bin ich wohl Mittelmass. Dabei leben wir doch in Extremitäten. Da gibt es die radikalen Nichtraucher, die ausflippen, wenn einer eine Zigarette ansteckt, als ob er eine Wasserstoffbombe zündete. Und es gibt die unverbesserlichen Qualmer, die sich in Rauchclubs zusammenrotten und nur jene zulassen, die noch gerade mal die Hälfte der Lungenbläschen mit sich tragen. Irgendwie ist uns der Sinn für die Mitte abhandengekommen. Ich habe nichts gegen Fitness und Gesundheit. Aber etwas gegen deren Verabsolutierung. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als «ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen». Kommt schön daher, aber völlig unbrauchbar. Wenn das gesund ist, sind wir alle krank. Wer weiss eigentlich, was gesund ist? Die WHO offensichtlich nicht. Das Bundesamt für Gesundheit? Die Krebsliga? Ärzte? Die Pharmaindustrie? Ist es wirklich gesünder, abends rennen zu gehen, statt voller Begeisterung an einer Vereinsversammlung teilzunehmen? Gesundheit verhält sich wie Glück. Wer es direkt anpeilt, verfehlt es am sichersten. Dem Glück geht immer etwas voraus. Eine gelungene Arbeit, ein Abend mit guten Leuten. Gesundheit ist nicht ein Ziel, sondern Folge einer Lebensweise. Dabei geht es nicht nur um Cholesterin und Blutdruck 80/120. Ob wir zur Pause einen Apfel oder ein Mars verdrücken, ist halb so wichtig. Primär geht es doch um animierten Lebenssinn, Motivation und Freude am Leben und nicht nur um Laborwerte.

Früher wurden dem Mensch himmlische Freuden für irdische Miseren in Aussicht gestellt. Heute ist der Himmel leer, der Mensch ist aus dem kosmischen Welttheater herausgefallen und so auf den Körper gekommen. Also krallt er sich daran fest. Und wer nichts mehr als seinen Body hat, tut alles, um ihn so lange wie möglich zu erhalten. Er muss sich um jeden Preis um dessen Wohlergehen und Gesunderhaltung kümmern, alles meiden, was ihn stresst, nicht nur Überstunden, auch kräftezehrende Leidenschaften, einen anständigen Kater sowieso. «Gesundheit über alles» wird zum Dogma. Doch wer nur noch an seine Gesundheit denkt, ist schon krank. Oder verpasst das Leben.

Als der Mensch seine Rolle im Kosmos noch sah, war nicht das Lebensalter wichtig, sondern das Lebensengagement. Kurz, aber richtig intensiv. 

Unsere Gesellschaft und Wirtschaft braucht Menschen, die sich für eine Aufgabe verausgaben, fast wie früher im Welttheater. Dazu müssen sie einigermassen fit sein. Logo. Aber fit for work und nicht fit for fitness. Das vergisst auch die Politik. Was fiel unserem Bundespräsidenten vor drei Jahren als Neujahrswunsch ein? 30 Prozent weniger Raucher. Er hätte auch sagen können: mehr Interesse an Ma-thematik, Ökonomie, Naturwissenschaft, Quantenphysik, Philosophie und Informatik. Von diesen Interessen lebt unsere Gesellschaft. Aber unser Staatsziel sind saubere Lungen. Banausen dürfen wir sein, nur rauchen dürfen wir nicht.

Beat Brülhartwohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Coach für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig.

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Ursula Schwaller 13.12.2012

Zeit, um zu neuen Ufern aufzubrechen

Keine zwei Monate ist es her, dass mein Partner Marcel von einer Kollegin erzählte, die in ihrem neuen Job bereits am ersten Tag in eine Krise geriet, und dabei sofort das Rudern lernte. Es war dieselbe Woche, als wir uns nach den Handbike-Medaillen in London und den unterdessen etwas überhöhten Erwartungen ein bisschen in der Sackgasse sahen und fanden, wir sollten ein Stück zurückrudern mit unseren sportlichen Ambitionen.

Sieben Weltmeistertitel in den letzten vier Jahren. Radsportlerin des Jahres 2009. Seit acht Jahren an der Weltspitze. Soll das nun ewig so weitergehen? Und nun zwei Bronzemedaillen aus London. Aber eine echte Zufriedenheit wollte sich einfach nicht einstellen. Die Erwartungen an den Paralympics waren sehr hoch und wir haben sie ja eigentlich mehr als erfüllt. In sechs Disziplinen sind wir Schweizer angetreten. Sechs der 13 Medaillen wurden durch uns Radsportler gewonnen. Ich selbst gewann die Bronzemedaille im Zeitfahren fast einhändig, weil im anderen Arm ein Nerv so eingeklemmt wurde, dass ich die Übersetzung am Fahrrad nicht mehr bedienen konnte.

Aber eben–alle erwarteten ja eigentlich mehr. Wenn ich ehrlich bin, auch ich selber. Eigentlich ist nur noch Gold gut genug. Trotz Verletzung. Schon bei Silber kommen Fragen. Es ändert auch nichts, dass ich mich gegenüber den Spielen im chinesischen Peking klar verbessert hatte.

Etwas zurückrudern schien mir eigentlich auch eine ganz gute Idee. Obwohl–ich kann ja nicht einmal vorwärts rudern.

Komisch–Am Schiffenensee lagert seit ein paar Monaten ein chinesisches Ruderboot. Nicht ein gewöhnliches Ruderboot. Nein, eins für Rollstuhlfahrer. Ein Skiff. Das sind die Einerboote. Nicht ein normales Skiff, nein, ein top ausgerüstetes Rennskiff. Sogar die Beschriftung der letzten WM ist noch drauf. Dabei gibt es in der Schweiz keinen Rollstuhlfahrer, der je ein Rennen in einem Ruderboot gerudert ist. Es gibt keine Schweizer Mannschaft, keine Strukturen, keinen Betreuerstab.

Und trotzdem ist dieses chinesische Boot nur ein paar Kilometer neben meinem Haus gestrandet. Keine Ahnung wieso gerade hier. Allein in der Schweiz gäbe es Dutzende von Seen, die es sich hätte auswählen können.

Unterdessen kann ich rudern. Wir haben nämlich gemerkt, dass die Belastung auf dem Ruderboot sich mit jener auf dem Handbike sehr gut komplementiert. Ich habe es von Lena und Hans-Peter gelernt. Zwei passionierte Ruderer mit Wettkampferfahrung. Von Adaptive Rowing – so heisst die Disziplin offiziell – hatten die beiden zu Beginn so wenig Ahnung wie ich. Also optimale Voraussetzungen, um die Sache von Grund auf mit offenen Augen anzugehen. Keine Ahnung wieso, aber an den ersten Trainingstagen war das Wetter so kitschig schön, dass die Trainings mehr nach Ferien in Spanien rochen als nach Oktober in der Schweiz. Adaptive Rowing hat sich für mich herausgeputzt. Und das Wasser natürlich immer schön brav anfängerglatt. Ich konnte bei Abendsonne trainieren, entlang goldgelber Wälder und den schönen Schlössern rund um Barberêche. Oder entlang der Magdalenenfelsen, die im Herbstnebel gleich doppelt so hoch schienen wie sonst.

Und ich lieh mir einen Ergometer (Trainingsgerät für Ruderer) aus, denn es ist nun die richtige Zeit fürs Krafttraining. Ich liess mich von den 40 Ruderern inspirieren, die eine ganze Schwebefähre mittels Ergometer zogen. 23 000 Watt während zwei Minuten–jeder leistete über 500 Watt. Da wachsen meine Muskeln schon beim Zusehen. Und ich schaute während des Trainierens Lara Gut beim Skifahren zu, welche damit warb, 240 Tonnen im Kraftraum gestemmt zu haben. Das ist das Gewicht eines Regionalzuges. Bei mir waren es im Frühling knapp 600 Tonnen. So schwer ist ein Intercity-Zug.

Die USA haben eine höchst erfolgreiche Rudermannschaft. Um in die Nationalmannschaft zu gelangen, gibt es eine Zeitlimite über einen Kilometer auf dem Ergometer zu unterbieten. Nun ja, ich habe sie letzte Woche noch um 0,4 Sekunden verfehlt. Macht nichts, aber ich will ja auch nicht Amerikanerin werden. Vielleicht ist es an der Zeit, die ewige Jagd nach immer neuen Handbike-Medaillen zu hinterfragen und das Ruder mal tüchtig herumzureissen. Es gehört zu meinen wichtigsten Erfahrungen, dass ich im Leben unterm Strich noch jedes Mal etwas dazugewonnen habe, wenn ich mich entschloss, mich von etwas Liebgewonnenem zugunsten von etwas unbekanntem Neuen zu verabschieden. Ja, ich gewann meist sogar dazu, wenn ich zur Veränderung gezwungen wurde.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Wer zwei Dschungel überlebt hat, der macht sich beim Betreten des dritten keine Sorgen …

Ursula Schwaller aus Düdingen ist Handbikerin und Architektin. Sie schreibt regelmässig als Gastkolumnistin für die Freiburger Nachrichten.

«Etwas zurückrudern schien mir eigentlich eine ganz gute Idee. Obwohl–ich kann ja nicht einmal vorwärts rudern.»

 

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Martin Schick 06.12.2012

Museum der Zukunft

Wer war noch nicht im Museum für «Nähmaschinen und seltsame Dinge» in Freiburg? Der möge doch bitte diesen Artikel lesen! Wir, eine Horde Künstler vom Festival Belluard Bollwerk International, werden empfangen von Herrn Wassmer, eine Bombe von Mensch mit eleganter Fliege und einem gekonnt-charmanten Englisch. Man glaubt sofort, dass er diese Dinge aus aller Welt selbst hergeschleppt hat, wenn nicht sogar selber benutzt … zumindest gibt es überall noch eine Geschichte dazu. Irgendwo im Keller steht die allererste Nähmaschine von der Firma Singer, aber erst einmal geht es um alles andere, was die Welt verloren hat. 

Die Kollektion von Gebrauchsgegenständen ist eine einzige Komödie! Wer hätte gedacht, dass es zu Zeiten, als Mann Schnauz trug, Tassen gab mit einem Porzellan-Einsatz, damit der Schnauz beim Trinken nicht im Kaffee badet? Oder dass man für Pferde auch Gasmasken konzipiert hat, ist zwar logisch, aber gedacht hatte ich an so was noch nicht. Es ist eine Reise in eine Zeit ohne Steckdosen. Eine Zeit, wo man Salz und Zucker nicht für einen Franken das Kilo in Tüten kaufen konnte, wo es noch keine Versicherung oder Altersvorsorge gab und man Metallplättchen an die Schuhe genagelt hat, damit sie nicht so schnell kaputt gehen. Darin zeigt sich eine Kultur des Flickens, man hat Dinge repariert oder zu etwas anderem umgebaut. Not macht erfinderisch. Ach ja, die Kommode mit eingebautem Klo ist auch ein Hit, von den handbetriebenen Staubsau­gern nicht zu reden! 
 
Erst als wir zu den Instrumenten der Zahnpflege, sprich: Zahnentfernung (hier fehlt es an einer Kultur des Flickens) kommen, endet mein nostalgisches Schwelgen. Es wird gekonnt ersetzt durch ein Bewusstsein von Zeit und meinem Standpunkt darin, der immer kleiner wird, während die Zeit immer grösser. Ich begreife wieder einmal, dass die Schweiz vor dem Zweiten Weltkrieg kein reiches Land war, dass der hysterische Konsum ein relativ neues Konzept und das Wegwerfen kein naturgegebenes Phänomen ist und es schon ein Leben vor Ikea gab. Da stehe ich also inmitten dieser Vergangenheit, diesem Prä-Ich, und weiss plötzlich nicht mehr, ob statt der Dinge nicht ich eher seltsam bin. Ich, der ich aus dieser Welt von sinnvollen Dingen herausgewachsen bin, geschrumpft auf ein Wesen mit einem standardisierten Sachverständnis von Maschinen, die vor allem einen Knopf und einen Stecker haben und eine Woche nach Ablauf der Garantie kaputt gehen. 
 
Heute sind Dinge so konzipiert, dass sie bald wieder ersetzt werden müssen, damit man mehr verkaufen kann, Kühlschranktüren zum Beispiel oder Glühbirnen. Reparieren lohnt sich nicht, zumindest nicht für den Verkäufer. Kürzlich habe ich von einem Apple-Mitarbeiter gelesen, der nun vor Gericht steht, weil er im Geschäft ertappt wurde, als er mit einem Schraubenzieher sein I-Phone reparieren wollte! Irgendwo zwischen den 1000 Dingen hatte ich doch diesen Spruch gelesen: «Donner de l’avenir au passé.» Es könnte auch umgekehrt formuliert sein, weil dieser ganze Prä-Kapitalismus hier inspiriert mich zwangsläufig für mein geplantes Institut für Post-Kapitalismus. 
 
Umdenken ist gekoppelt mit Sich-Erinnern, alles war ja schon einmal da. Dabei geht es nicht so sehr um Gegenstände, sondern vielmehr um die Logik der Dinge an sich. Als Beispiel der Gegenstand früherer Kirchenbesuche im Winter: ein kofferähnliches Metallding gefüllt mit heissen Kohlen, worauf man dann die Füsse stellt … und dafür muss man nicht die ganze Kirche heizen! Macht irgendwie Sinn. Nicht dass ich heisse Kohlen in die Kirche schleppen möchte (abgesehen davon, dass ich selten in die Kirche gehe), aber diese Ideen, von denen es in dem Museum nur so wimmelt, umgesetzt mit der heutigen Technologie, versprechen selbstverständlich andere Dimensionen. Neue Erfindungen braucht die Welt! Ich denke immer oder vor allem zu dieser Jahreszeit, wieso es eigentlich keine Schuhe gibt, die sich selber aufheizen, wenn Druck auf die Sohle abgegeben wird. So ähnliche Skischuhe gibt es anscheinend schon. Wenn jemand weiss, wie man so was baut, dann bitte melden! Ich verabschiede mich ungern von Herrn Wassmer und stehe wieder in der Reichengasse, binde mir die Fliege, die ich gratis zu der siebenfränkigen Führung erhalten habe, nach präkapitalistischer Manier um, und wenn ich wieder zu Hause bin, bau ich meinen kaputten Toaster zu einem Bücherregal um.
 
Martin Schick ist Theater- und Filmschauspieler. Er wuchs in Tafers auf und lebt derzeit hauptsächlich in Berlin. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.
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Julia Reidy 29.11.2012

Umschalten auf Knopfdruck

Wie viele Stadtfreiburger «switche» auch ich tagtäglich vom Deutschen ins Französische und wieder zurück. Deshalb mögen folgende Erfahrungen dem einen oder anderen Stadtfreiburger durchaus bekannt vorkommen.

Wieder einmal steht ein Einkaufsbummel in der Deutschschweiz an. Am besagten Tag überquere ich also die Sprachgrenze und stürze mich jenseits des «Röstigrabens» mitten ins Einkaufsgetümmel, natürlich auch mit der Absicht, etwas zu kaufen. Ich stöbere demzufolge in etlichen Läden, bis ich schlussendlich das Passende gefunden habe. Bisher bin ich noch nicht in Kontakt mit dem Personal gekommen. Doch jetzt muss bezahlt werden. Ich reihe mich in die lange Schlange vor der Kasse ein und vertreibe mir die Wartezeit am Telefon. Als ich schliesslich an die Reihe komme, begrüsse ich die Verkäuferin und lasse noch beiläufig eine weitere Bemerkung fallen. Dabei blicke ich in das Gesicht der Verkäuferin, in dem sich ein immer grösser werdendes Erstaunen breit macht. Gerade erst hat sie mich doch noch Deutsch sprechen hören und im nächsten Augenblick sieht sie sich gezwungen, ihr Schulfranzösisch wieder zu aktivieren. Erst als sie mir in ihrem nicht ganz akzentfreien Französisch antwortet, wird mir schlagartig bewusst, dass ich instinktiv die Sprache gewechselt habe. Lachend kläre ich die Situation auf und die Verkäuferin kann doch noch in ihrer Muttersprache einkassieren. Die Erleichterung steht ihr ins Gesicht geschrieben.
Genau das Gegenteil spielt sich hingegen in Freiburg ab. Ich lasse mich in einem Geschäft beraten, auf Französisch versteht sich, und zum Schluss realisiere ich, dass der Verkäufer genauso wenig französischer Muttersprache ist wie ich selber auch. 
In solchen Situationen offenbaren sich die Reflexe, sich der Französisch sprechenden Mehrheit automatisch anzupassen und jederzeit von einer Sprache auf die andere umschalten zu können. Dieser ständige Wechsel von einer Sprache in die andere mag zwar manchmal etwas verwirrend sein, meistens für das Gegenüber, manchmal auch für einen selber. Gleichzeitig bereitet es aber auch Freude zu sehen, dass die Partnersprache derart gefestigt ist, dass man in ihr, ganz ohne nachzudenken, einfach drauflosplaudern kann.
Julia Reidy wohnt in Freiburg. Sie ist Schülerin einer zweisprachigen Klasse am Kollegium St. Michael und belegt Spanisch als Schwerpunktfach. Als Gastkolumnistin macht sich Julia Reidy in den FN regelmässig Gedanken zur Zwei- und Mehrsprachigkeit.
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Pio Brönnimann 22.11.2012

Von der Bedeutung des Sport-Sponsorings

Grosse Sportanlässe sind heutzutage ohne flankierende Sponsoringaktivitäten kaum mehr möglich. Eine der wenigen Ausnahmen bildet der Ryder Cup im Golf, in dem sich alle zwei Jahre die besten Spieler Europas und der Vereinigten Staaten duellieren. Als einer der grössten Sportanlässe überhaupt kommt er heute noch ohne Werbung aus. In diesem bedeutendsten Golfturnier der Welt spielen die besten Golfer mit, ohne Preisgeld zu erhalten, es geht lediglich um die Ehre. Dies ist aber eine grosse Ausnahme. Im Normalfall haben Einzelspieler, Teams und heute sogar Sportarenen engste Beziehungen zu ihren Geldgebern.

Jedes Kind weiss doch heute, welche Kaffeemaschine unser «Roger National» benutzt und bei Fussball- oder Formel-1-Teams steht der Sponsor oftmals sogar im Vordergrund – oder wissen Sie, wer den Motor in Sebastian Vettels Red-Bull-Rennboliden liefert? 
Unsummen werden von Firmen in Sportler und Mannschaften investiert, aber ist das überhaupt sinnvoll? Was ist mit den Verlierern? Haben sie auch noch einen positiven Einfluss auf die Marke, welche sie vertreten? Und wer bezahlt schlussendlich eigentlich das Sponsoring? Sind es die Firmen selber? Deren Aktionäre? Die Mitarbeiter durch Lohnverzicht oder gar die Kunden durch überteuerte Produkte? Trotz vieler Fragezeichen finde ich, im Grossen und Ganzen überwiegt das Positive, sowohl für die Marken wie auch für den Sport. 
Wenig Sinn macht es meiner Meinung nach jedoch, wenn Monopolisten wie beispielsweise die Kantonale Gebäudeversicherung oder die Groupe E gross im Sponsoring tätig sind. Was wird damit bezweckt? Dieses Geld bezahlen ganz klar die Kunden und wo bleibt hier der Nutzen? Ganz anders ist es, wenn der Kleinunternehmer den örtlichen Sportklub unterstützt. Mit Geld aus der eigenen Tasche wird ein erweiterter sportlicher Kundenkreis begünstigt, meist ohne wirkliche Werbewirkung.
Oft werde ich gefragt, was die Rückenwerbung der BSC Young Boys der Weiss+Appetito bringt? Für mich selber etwas überraschend ist die grosse positive Wirkung, indem die Mitarbeitenden ihr Firmenlogo beim Torjubel live im Fernsehen sehen oder auf einem grossen Farbbild in der Zeitung. Das kommt an, stärkt das WIR-Gefühl und bei schönen Toren – oder den leider etwas seltenen Siegen – auch das Image der Firma, ihrer Mitarbeitenden und sogar deren Familien. Sponsoring hat also durchaus auch unerwartete positive Effekte.
 
Pio Brönnimann lebt und arbeitet in Ried bei Kerzers. Als dipl. Bauingenieur ist er heute Verwaltungsratspräsident der Weiss+Appetito Holding AG, einer Unternehmung aus dem Bau- und Dienstleistungsbereich. Als Vizepräsident des GIME (Groupement des industrielles de Morat et Environ) ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.
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Philipp Schütz 15.11.2012

Anspruch und Realität

Letzte Woche haben wir uns in Magglingen getroffen, um die Resultate der Olympischen Spiele auszuwerten. Die besten Trainerinnen und Trainer des Landes, Funktionäre und Sportwissenschaftler.

Auf den ersten Blick ist die Bilanz von London 2012 ernüchternd: vier Medaillen, sechs Diplomränge. Nur 23 Prozent der selektionierten Schweizer Athletinnen und Athleten haben sich im ersten Drittel der Rangliste klassiert. Alle anderen haben ihre Top-leistung am Tag X nicht abrufen können. Liegt es an zu wenig finanzieller und personeller Unterstützung? An Wettkampfpech? An fehlender Erfahrung? Oder sind wir schlicht nicht gut genug?

Wohl von allem ein bisschen. Anspruch und Realität im Spitzensport klaffen hierzulande (weit) auseinander. Einerseits erwarten Herr und Frau Schweizer, dass die Schweizer Sportler möglichst jeden Tag eine Medaille gewinnen. Sind stolz, wenn Nicola Spirig und Steve Guerdat mit ihrer Goldmedaille in die TV-Kameras winken. Das vereint die Nation. Dass die Schweiz von 100 Sportfranken nur rund 25 Franken in den Spitzensport investiert und damit im Vergleich zu Mitkonkurrenten andere Prioritäten setzt, ist weniger bekannt. Dass in der Schweiz die staatliche Unterstützung für den Leistungssport im internationalen Vergleich deutlich kleiner ausfällt ebenfalls. Grossbritannien beispielsweise hat die Mittel für die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in den letzten zwölf Jahren verfünffacht. Die Konsequenzen davon haben wir gesehen.

Andererseits trainieren unsere Athletinnen und Athleten nicht professionell genug. Nicht hart genug. Und nicht konsequent genug. Der unbändige Wille, in jeder Trainingseinheit die Grenzen zu überschreiten, fehlt vielerorts. Und der nötige Mut, alles auf eine Karte zu setzen: gewinnen oder viel verlieren.

Wir Schweizerinnen und Schweizer bevorzugen vielmehr ein System mit einheitlichen Regeln, während in anderen Kulturen eine Prise Verrücktheit den Unterschied ausmacht. In der Fussballsprache ausgedrückt: Unsere Kultur fördert die defensiven Mittelfeldspieler. Und weitaus weniger die kreativen, unkontrollierbaren Stürmer. Vielleicht ist es genau dieses Sicherheitsdenken, welches unsere Athletinnen und Athleten im entscheidenden Moment hemmt. Ein Viertel unserer London-Delegation hat ungenügende mentale Stärke als Faktor für den Misserfolg genannt.

 Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Medaillen haben ihren Preis. Sowohl für eine Gesellschaft wie auch für die Sportlerinnen und Sportler und ihr Umfeld. Bleiben wir beim Status quo, sollten wir zwangsweise die heutige Realität akzeptieren. Wollen wir unsere hohen Ansprüche beibehalten, müssen wir die Schweizer Spitzensportkultur entwickeln. Uns für mehr Ressourcen und hoch professionelle Umfelder einsetzen.

Eine Möglichkeit dazu wäre eine Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022. Damit würde viel Energie freigesetzt. Und der Schweiz würden neue Perspektiven eröffnet. Nicht nur im Spitzensport. Doch dazu in meiner nächsten Kolumne mehr.

 

 Philipp Schütz (37) ist Ausbildner am Bundesamt für Sport in Magglingen und arbeitet als Pressebeauftragter beim internationalen Volleyballverband FIVB. Ausserdem war der gebürtige Murtner Volleyball-NLA-Trainer bei Neuchâtel UC.

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Bernard Waeber 31.10.2012

Babylonisches Freiburg?

Weltweit gibt es an die 6500 Sprachen. Wie viele davon werden im Kanton Freiburg als Muttersprache gesprochen? So zwischen 50 und 100? Oder doch eher 100 bis 200? Um es genauer zu wissen, erkundige ich mich beim Amt für Statistik. Dort gibt man mir bereitwillig Auskunft. Allerdings kann auch dieses Amt die Antwort auf meine Frage nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Das Erfassen und Verarbeiten von Daten ist ein komplizierteres Verfahren, als ich mir das vorgestellt habe.

Bei der Datenerhebung wird nämlich nicht, wie ich angenommen habe, die Muttersprache einer ausländischen Person erfasst, sondern deren Hauptsprache–oder allenfalls deren Hauptsprachen. Es können bis zu drei angegeben werden. Gefragt wird: «Welches ist Ihre Hauptsprache, das heisst die Sprache, in der Sie denken und die Sie am besten beherrschen?» Das ist an und für sich auch sinnvoll. Denn welche Sprache würde beispielsweise ein sich in der Schweiz aufhaltender Ghanaer als Muttersprache angeben: Englisch? Also die Amtssprache der ehemaligen britischen Kolonie. Oder Twi, Ewe, Dagbani und andere? Das heisst, eine der zahlreichen in diesem afrikanischen Land gesprochenen einheimischen Sprachen. Die meisten Ghanaer in der Schweiz haben mehrere Hauptsprachen. Und die Hauptsprache einer Person kann sich im Verlaufe des Lebens auch ändern.

Bei einer vor zwei Jahren durchgeführten Stichprobe im Kanton Freiburg wurden 6612 Personen befragt. Diese gaben 78 verschiedene Sprachen als ihre Hauptsprachen an. Haben Sie gewusst, dass bei uns auch Kinyarwanda, Malayalam und Hiligainon gesprochen werden? Wie gesagt, es handelte sich um eine Stichprobe, die Anzahl der Hauptsprachen dürfte in Wirklichkeit noch höher sein als 78. Man bedenke: Die Nomenklatur des Bundesamtes für Statistik für die Eidgenössische Volkszählung 2010 unterscheidet insgesamt über 1000 Sprachen.

Hierzulande werden viel mehr verschiedene Sprachen gesprochen, als wir allgemein vermuten. Als Folge der stetig wachsenden ausländischen Bevölkerung hat die Vielfalt punkto Sprachen und Kulturen zugenommen. Das zeigt sehr deutlich die Entwicklung unserer «Nati» in den letzten Jahren: Sie ist zu einer multikulturellen Fussballmannschaft geworden, mit einer gegenwärtigen Dominanz des albanischen Elementes.

Immer mehr Freiburger Jugendliche machen immer früher–noch bevor sie zwanzig Jahre alt sind–Reiseerfahrungen und Sprachaufenthalte in anderen Kontinenten. Auf und raus in die Welt! Und gleichzeitig kommt die «weite Welt» zu uns. Manchmal erscheint mir der «Röstigraben» als ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert.

Bernard Waeberist 1953 in Schmitten geboren und in der Stadt Freiburg zweisprachig aufgewachsen. Er hat Germanistik und Romanistik studiert, in Freiburg und an der Freien Universität in Berlin. Seit mehr als zwölf Jahren lebt er im Ausland. Zurzeit ist er als Lektor für deutsche Sprache an der Universität Belgrad tätig. Als Gastkolumnist macht sich Bernard Waeber in den FN Gedanken zur Zwei- und Mehrsprachigkeit.

 

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Heinz Pfander 25.10.2012

Vergessen...?

Nun sollte man meinen, dass mit zunehmendem Alter auch die Fülle der persönlichen Ereignisse und damit auch die Erinnerungen zunehmen. Ob das Gedächtnis die vielen Eindrücke dann auch sauber speichern, ordnen und wieder hervorzaubern kann, ist eine andere Frage! Zudem korrelieren Erfahrungen und Erlebnisse nicht zwangsweise mit dem fortschreitenden Alter und viele Menschen älteren Jahrgangs müssen sich eingestehen, eigentlich gar nicht so viel erlebt zu haben. Was aber auffällt und eine nähere Betrachtung verdient, ist das «Vergessen». Und zwar nicht das Vergessen von irgendwelchen Unwichtigkeiten, sondern von wegweisenden und prägenden Veränderungen respektive deren Verursacher.

Meist sind es Menschen, welche einem mit einer Idee, einem Hinweis oder sonst irgendwie die Augen öffnen. Oft entstehen persönliche Freundeskreise und Netzwerke nur, weil eine andere Person im richtigen Moment die entscheidenden Verbindungen knüpft. Und genau daran sollten wir uns immer wieder erinnern.

Überlegen Sie sich in einer stillen Stunde doch wieder mal, wer denn alles in Ihrem Leben «schuld» für gewisse Initialzündungen war! Ein Lehrer, der Chef vielleicht, die Eltern, Nachbarn, Bekannte oder vielleicht auch nur ein Buch, ein Film oder ein Lied? Schon nur der Versuch alleine, den Ursachen dieser Wirkungen wieder mal auf die Spur zu kommen und quasi darüber einen «Stammbaum» zu zeichnen, ist spannend. Warum wohnen Sie heute genau hier und wer gab Ihnen den Tipp jenen Arzt aufzusuchen, ohne den Sie vielleicht gar nicht mehr da wären? Und hätten Sie heute diesen erfüllenden Beruf oder genau den Partner kennengelernt, wenn damals …? Und warum haben Sie irgendwann mit Bergwandern, Velotouren, Lismen, Malen oder Sackgumpen angefangen oder haben genau diese Reise unternommen, die notabene dann auch wieder unzählige neue Verbindungen in Ihrem Leben hervorrief?

Sich jeden Tag kurz an eine Situation erinnern und die effektiven «Urheber» herauszufiltern, um sie dann zumindest in Gedanken zu würdigen, macht sichtlichen Spass. Sollten Sie sogar die Gelegenheit haben –, auch wenn es lange her ist – ein persönliches Lob auszusprechen, dann tun Sie es!

Dass es selbstverständlich auch die negativen Erfahrungen gibt, ist klar. Hier ist aber das «Vergeben» sinnvoller und das Verschwenden von Energie für schwelenden Groll, nicht empfehlenswert.

Ebenfalls interessant und berechtigt ist in diesem Zusammenhang die Frage, für wenSiediese Rolle bewusst oder unbewusst schon gespielt haben. Es ist sehr befriedigend zu wissen und mit Geld nicht aufzuwiegen, jemanden zum Glück oder zu sonst etwas Positivem verholfen zu haben, auch wenn nicht immer gleich ein unmittelbares Dankeschön zu erwarten ist.

Und zum Schluss sei einfach noch erwähnt, dass es nie zu spät ist, damit anzufangen.

Der Unternehmer Heinz Pfanderaus Düdingen ist Inhaber der ATEC Personal AG und Rega-Text TV, Gastgeber der Wallenried-Gespräche und Initiant des PRIX ATEC. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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Pascal Vonlanthen 11.10.2012

Grieee-chischer Weeein… la, la, la,…

So wie das Blut der Erde. Komm, schenk uns gopfertelli endlich mal was ein … na, na, na …

Ahh, Udos Schlager verfolgt mich seit einigen Tagen auf Schritt und Tritt. Es ist so weit, Koffer zwar noch nicht gepackt, aber was rein muss schon mal auf den geistigen «To-do»-Zettel notiert: Sonnencrème, Badehose, Gitarre. Am Sonntag um drei Uhr morgens – holy shit – wird man mich irgendwo in Freiburg aufgabeln, muss noch schauen, wo das genau ist – und vor allem, wie ich dorthin komme! Gegen den frühen Abend wird dann das Schiff ab Venedig lostuckern, Richtung Süden, Richtung Sonne, Wärme, blauer Himmel und Cocktails im kurzen Hemd. Die Kreuzfahrt hätte nicht in einem passenderen Moment stattfinden können. Findet ihr nicht auch?

Schade, dass die meisten von euch nicht dabei sein werden. Jammerschade, wirklich, wir werden euch vermissen, obwohl … eigentlich selber schuld. Wenn man bedenkt, dass ein halbes Jahr lang Werbung für die Kreuzfahrt gemacht wurde und sogar ich meine Visage nicht mehr auf dem Hornercar oder in dieser Zeitung sehen konnte. Aber es soll ja solche geben, die gerne etwas feuchtere Luft haben, der Schleimhäute wegen und so. Deshalb auch lieber zu Hause bleiben, Oktober ist ja auch schön, wenns draussen bisschen regnet und man wieder die Stiefel und den ganzen verdammten Winterkram aus dem Keller holen muss.

Ich habs lieber warm. Auch im Oktober oder November. Ich bin auch eher der pragmatische Kofferpacker. Devise ist: so wenig wie möglich, plus drei Flaschen Alkohol. Es gibt Tanten und Mamis, die immer noch einen warmen Pulli einpacken – auch für die Sommerferien in Südspanien, wo es ungefähr alle zehn Schaltjahre mal unter 40 Grad warm wird. So was kommt bei mir nicht in Frage. Es geht nicht um die Wahrscheinlichkeit eines kalten Ferienabends, sondern um die globale Ferien-Einstellung. Ich weigere mich, während meinen eher raren Ferien kaltes Wetter zu akzeptieren. Mir wird es egal sein, ob in den griechischen Meeren Poseidon den Kreuzfahrtdampfer nassrüttelt und -schüttelt: Ich werde mit kurzen Hosen und T-Shirt tapfer auf dem Deck den Sonnenuntergang–oder in diesem Fall, eher den Untergang als solches–geniessen, am Gläschen nippen und bisschen auf der Klampfe zupfen. Wobei, Ferien sind es ja nicht für uns Musiker. Hier mal kurz eine Auflistung der Highlights, die ihr nicht erleben werdet, weil eben zu Hause, im Faserpelz am Fallblätter im Garten zusammenrecheln:

Eröffnungsgala mit allen «Kampf der Chöre»-Auftritten, exklusiv für das Kreuzfahrtpublikum aufgewärmt und neu angerichtet, danach Stämpf mit seinem ersten Soloauftritt, Tag danach Covernight, die besten Coverbands der Region, alle an einem Abend, der Wahnsinn – Covers, bis die Ohren bluten!!! Inklusive Sandee mit Baby auf dem Schoss. Oder mal schauen, vielleicht nimmt der Käpt’n es schnell an die Brust, das Baby, meine ich. Hip-Hop, A-Cappella, stimmgewaltige Sängerinnen und Sänger aus dem Senseland und sogar eine Radio-Frybùrg-Stùbeta gibts, mit Jodel, Juchzer und Trudi. Hell, it’s a lot of music – und das alles auf drei Bühnen. Ich platze vor Freude. Und mit mir 500 weitere Deutschfreiburger.

Griechischer Wein, wir kommen! Wir bringen euch dann ein kleines Fläschchen mit heim. Adios amigos – oder wie sagt man das auf Griechisch? Egal. Alle Mann und Frau an Bord, Anker lichten und mit Volldampf ins Abenteuer!

Pascal Vonlanthen alias Gustav ist Musiker und lebt in Freiburg. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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