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Daniel Wegmann 07.02.2019

Gesundheit!

Jedes Jahr die gleiche Leier: Kaum habe auch ich Flachländer mich über ein paar wenige Schneetage freuen dürfen, beginnt das Keuchen, Husten und Niesen an allen Ecken und Enden. Heimtückisch rollt eine neue Grippewelle über die Region, und jede und jeder dieser fiebriger Keucher, Huster oder Nieser könnte das eine Virus ausdünsten, dass auch mich erwischen wird. Einmal niesen setzt im Schnitt rund 50 000 Tröpfchen frei, die gross genug sind, um meine Lunge zu erreichen. Ich traue mich schon kaum mehr aus dem Haus!

Geschweige denn in den Zug nach Freiburg. Wenig ist bekannt über die Ansteckungsrate in einem SBB-Intercity, aber für Flugzeuge ist die Datenlage klar: Je näher ich bei einer an Grippe erkrankten Person sitze, desto grösser ist die Ansteckungsgefahr. Und diese kann beträchtlich sein: über 60  Prozent aller Personen, die direkt vor, hinter oder neben einer infizierten Person sitzen, werden im Schnitt angesteckt. Sechzig Prozent! Ich fahre nur noch mit der deutlich weniger belegten S-Bahn.

Ich habe bereits letztes Jahr eine Grippe durchseuchen müssen. Aber auch das hilft nichts. Das Grippevirus verändert seine Oberfläche so schnell, dass mein Immunsystem es ein Jahr später nicht wieder erkennen kann. Ein «tolles Beispiel für Evolution», wurde mir während meines Studiums erklärt. Da nach einer Grippewelle viele von uns gegen den aktuellen Virus immun sind, setzt sich im kommenden Jahr derjenige durch, der das Immunsystem überlisten kann. Seit mein Sohn jeden erdenklichen Mist aus der Kita nach Hause bringt, erwärmen mich solche «tollen Beispiele» deutlich weniger.

Und auch in diesem Jahr ist mit den Viren nicht zu spassen. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit grassieren zurzeit mehrheitlich Viren der Stämme A, die zu den aggressiveren gehören. Der aktuell häufigste Subtyp, H1N1, ist ein Verwandter des Virus, das 1919 die «Spanische Grippe» verursacht hat, eine Grippewelle mit 50 bis 100 Millionen Toten, ein Mehrfaches der Opfer, die der Erste Weltkrieg gefordert hatte.

Davon sind wir natürlich meilenweit entfernt. Aber auf eine Woche im Bett kann ich dennoch ganz gut verzichten. Und zu den rund 200 000 Personen, die in der Schweiz im Schnitt pro Jahr wegen Grippe einen Arzt aufsuchen, muss ich auch nicht gehören. Jetzt mal ehrlich: Wer hat schon Zeit, krank zu sein? So einen bisschen simulieren und ein spannendes Buch lesen, wäre ja ganz okay. Aber mit Grippe reicht meine Konzen­tration nicht mal für eine Twitter-Nachricht.

Es gibt also nur eins: vorbeugen. Die vielversprechendste Massnahme ist, sich zu impfen. Oft sind die Grippeimpfungen aber bedingt effektiv und reduzieren die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu erkranken um nur 50 Prozent, im letzten Jahr für Erwachsene sogar um weniger als 20 Prozent. Und die Effektivität nimmt im Verlauf der Grippesaison kontinuierlich ab.

Viele Impfungen halten lebenslang. Dank Impfungen haben wir sowohl Pocken als auch die Rinderpest ausgerottet. Und wir sind kurz davor, diese Liste um Kinderlähmung und die tropischen Krankheiten Drakunkulose und Frambösie zu erweitern. Wieso schaffen wir das nicht auch bei Influenza?

Daran ist wieder die schnelle Evolution des Grippevirus schuld: Es setzen sich die Mutationen durch, die es dem Virus erlauben, auch geimpfte Personen anzustecken. Etliche Forschungsbemühungen sind im Gange, um für die Impfung nicht die schnell ändernde Oberfläche zu benutzen, sondern Strukturen, die nicht mutieren können, ohne dass das Virus seine Funktionalität einbüsst. Aber bis zu einem besseren Impfstoff dauert es wohl noch eine Weile.

Und die zweitbeste Vorbeugungsmassnahme? Den Kontakt mit kranken Personen vermeiden. Super! Also doch mit dem Velo?

Daniel Wegmann ist Professor für Bioinformatik an der Universität Freiburg und entwickelt statistische Verfahren, um evolutive und ökologische Prozesse aufgrund grosser Datensätze zu beschreiben. Er hat in Bern und den USA studiert und ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die regelmässig naturwissenschaftliche Themen bearbeitet.

 

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Sus Heiniger 31.01.2019

Manolo

Es liegen wieder diese leeren Nussschalen auf Strassen und Plätzen herum, und ich muss lachen, weiss, wer da am Werk ist. Eine Nuss aus richtiger Höhe auf die Strasse fallen lassen, damit sie aufspringt, um so an ihren Kern zu kommen, das beherrschen sie aus dem Effeff, die intelligenten Rabenvögel. Jene, die nicht nur versteckte Nüsse finden, sondern auch rückwärts fliegen können, die Orte und Gesichter wiedererkennen, sind eben auch Planer. Dazu denken die Menschen noch allerhand in sie hinein, machen sie zu Unglücksraben: Sie symbolisieren für viele das Dunkle, Tödliche, Böse und sind oft nur lästig. Den Raben, den Krähen ist solches egal. Sie bleiben sich seit Menschengedenken treu und sind schamlos frech und verspielt in ihrer Autonomie.

 

Es ist noch nicht lange her, da schoss man in Jagd-Schonzeiten auf Raben, um schussfit zu bleiben. Wenn mir im Winter diese herumliegenden Nussschalen auffallen, fallen mir auch viele Erinnerungen ein an einen Freund aus einer andern Spezies: an eine aufregende Freundschaft mit Manolo. Die Erinnerung an eine riesige Kartonschachtel, mit welcher ein Bekannter eines Tages vor unserer Tür stand. Die Schachtel war ein Geschenk für mich und war eigenartig bewegt. Es kratzte und klopfte aus ihrem Innern heraus, verlangte meinen ganzen Mut, um nur eine Kartonklappe zu heben. Ein mir riesig scheinender Rabe starrte mich ängstlich und wild zugleich aus schwarzen Rundaugen an, schlug etwas mit den Flügeln … Es war zum Schachtelschliessen. «Gerade noch erwischt!», sagte der Raben-Überbringer; erwischt, bevor er, der schon aus dem Nest steigen konnte, dann abgeflogen wäre, in die Krähenwelt.

Ich war beeindruckt und überfordert. Was sollte ich mit diesem Vogel tun? Schon lange hätte ich gern ein Luftwesen in meiner Nähe gehabt, mit einem solchen zu kommunizieren versucht. Dahingehend hatte ich mich wohl bei unserem Bekannten mal geäussert, was zu der lebendigen Riesenschachtel führte. Vielleicht kennen die Vögel die Daten des Universums? Vielleicht haben die Vögel einen gelassenen Überblick auf die Erde? Eine Vogelseele muss luftig und leicht sein. Lohnenswerte Überlebensweisen, die sich vielleicht etwas übertragen könnten auf mich, gaben mir den Mut das Luftwesen anzunehmen.

Das zukünftige Zähmen des Vogels verbot fortan jegliche Träumerei. Unser Zusammenleben begann und dauerte fast zwei Jahre. Nach drei Tagen in unserer Wohnung, wo ich oft Gartenhandschuhe trug, aus Furcht vor Schnabel und Füssen, Hörnli kochte, mit dem Raben sprach, mich immer wieder in seiner Nähe aufhielt, war unser Garten an der Ringmauer ein passenderes Zuhause. Ich machte mir Sorgen, ihn weder fliegen noch singen lehren zu können. Ich konnte ihm weder artspezifische Gesänge bieten, um seine Lautbildungsorgane zu trainieren, noch ihm den Flügelschwung vorzeigen, was seine Mutter sicher getan hätte. Mir schienen seine heiseren Schreikrächzer lange nicht rabengleich. Und ich suchte auch mal eine Tierärztin auf. Ich hatte befürchtet, vielleicht die tonbringenden Membrane beim Stopffüttern beschädigt zu haben, was dann aber blosse Angst meinerseits gewesen war. Es gibt Raben, die mittels ihrer Membrane sogar zweistimmige Gesänge erzeugen, Manolo tat das nie.

Er lernte selber fliegen und Rabenweisen singen, und wenn es mir gelang, seine lebendigen Augen mit meinem Blick festzuhalten, wenn er auf meinem Unterarm sass und ich mit ihm sprach, begann er zu gurgeln. Er würde sprechen lernen, dachte ich. Bald kannte er das ganze Städtchen, Orte und verschiedene Menschen. Er flog durch offene Fenster. Immer wieder besuchte er ein Arbeitsatelier der Firma Saia zur Belustigung aller Arbeitenden, immer wieder besuchte er den Französischunterricht im Schulhaus, wo er freudig willkommen war, denn der Raben-Überbringer selbst war der Französischlehrer. In unserem Garten lebte er täglich genüsslich mit uns und fast mit voraussehbarer Anflugzeit. Morgens klopfte er an mein Fenster, um sein Essen zu erhalten. Ich erhielt auch aufgebrachte Telefonanrufe, wenn Manolo im Gartenrestaurant den Gästen vor die Teller hüpfte, um Leckereien zu erwischen. Wenn er im Tea Room Leute zu Tode erschreckte, wenn er ihnen auf dem Schoss landete, wenn er Gipfeli stahl. Ich solle bitte meinen Vogel abholen, sagten die Leute, oder ich solle bitte Gestohlenes bezahlen kommen, ein paar neue Jeans kaufen für eine Frau, die ihren Kaffee verschüttete aus grossem Schreck vor so viel Rabenvogel-Nähe.

Das waren Momente, in denen ich mir bewusst war, dass ein wildes Tier zähmen auch falsch sein könnte, dass man nicht mit Menschenlogik und -vernunft eine Tierlogik verstehen wollen kann. Es ist mir sehr recht, wenn mir im Winter Nussschalen am Boden auffallen, ich gleite gerne ab und zu in die Erinnerung an eine Zeit, da mir ein Wesen aus einer anderen Spezies Vertrauen schenkte. Einfach so.

Manolo war eines Tages nicht mehr zurückgekehrt von seinen Streifzügen.

Sus Heiniger ist Kunstmalerin und lebt in Murten. Als FN-Gastkolumnistin schreibt sie regelmässig über selbst gewählte Themen.

 

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Katharna M. Fromm 17.01.2019

Ich e-maile, also bin ich – oder doch nicht?

Ich weiss, das heisst normalerweise, nach Descartes, «Cogito ergo sum» (wobei die erweiterte Version lautet: Ich zweifle, also denke und existiere ich), aber in modernen Zeiten sind gewisse Anpassungen notwendig.

 

Bewusst wurde mir dies, als ich neulich ein Ticket für die Oper online kaufen wollte. Wie jedes Jahr gehe ich im Dezember oder Januar gerne in DIE Freiburger Opernaufführung – diesmal die «Zauberflöte». Auf der Webseite suchte ich mir das Datum heraus, dann die Plätze für meinen Mann und mich, und dann wollte ich diese Karten buchen. Auf dem Online-Portal gab es zwei Möglichkeiten: Entweder konnte man sich direkt einloggen oder ein neues Konto generieren. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich schon ein Konto hatte, aber bei dem Rhythmus der Nutzung hatte ich keine Erinnerung an mein Passwort. Also klickte ich auf «Passwort vergessen». Daraufhin musste ich meine E-Mail-Adresse eingeben, damit man mir ein neues Passwort schicken würde. Ich tippte also die Adresse ein und drückte auf «Neues Passwort senden» – und bekomme sofort eine Fehlermeldung mit «Ihre E-Mail-Adresse ist bei uns unbekannt». Ok, dachte ich, dann habe ich vielleicht doch noch kein Konto, und kreiere ein neues Profil! Also tippte ich alles brav ein, was verlangt wurde und klickte weiter unten auf «Konto generieren» – und bekam sofort eine Fehlermeldung mit «Ihre E-Mail-Adresse ist schon bekannt». Na ja, dachte ich, dann probiere ich es nochmals weiter oben mit dem Senden eines neuen Passworts – ich kann Ihnen sagen, dass ich das ganze Spiel insgesamt drei Mal probiert habe, ohne Erfolg. Jedes Mal suchte ich den Fehler bei mir, habe geprüft, dass Name und Adresse stimmen, dass ich nicht zufällig die «Caps lock» angestellt hatte usw. Es nutzte alles nichts. Soweit zur klassischen Programmierung – keine Spur von «artificial intelligence». Schliesslich bin ich auf die «traditionelle» Art zur Kasse vor Ort ins Equilibre gegangen – und habe meine zwei gewünschten Plätze «live und in Farbe» kaufen können.

Nicht nur eine E-Mail-Adresse gehört heute zu einer Person, auch ein «intelligentes», SMS-fähiges Telefon ist unabdingbar, wenn man an bestimmten Aktivitäten, die unsere Gesellschaft anbietet, teilhaben will. So bekam ich neulich von einer Kollegin eine E-Mail, dass man doch bitte für ihre Start-up-Firma, die am Wettbewerb für die beste Freiburger Start-up des Jahres teilnahm, «voten» möge, indem man eine SMS da-und-da hinschicken sollte. Ohne Mobiltelefon hätte ich das Team nicht unterstützen können – und hurra, sie haben gewonnen. Auch wenn man bei der Innosuisse einen Antrag für ein anwendungsorientiertes Forschungsvorhaben einreichen möchte, ist das ohne Natel überhaupt nicht möglich, denn man bekommt, wie bei so mancher Bank, zum Einloggen einen Code per SMS zugesendet. Wohl dem, der ein Natel hat!

Zurück zu Descartes. Sicher kennt der eine oder die andere auch das Buch «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?» von Richard David Precht, das sich übrigens leicht liest. Mich hat allein der Titel seines Buches dazu inspiriert, einmal nachzuforschen: Auf unserer Haut leben angeblich rund zehn Milliarden Bakterien, in unserem Verdauungssystem sind es 10 bis 100 Billionen. Das heisst, auf und in jedem von uns wohnen mehr Bakterien, als es Zellen in unserem Körper gibt und als es Menschen auf der Erde gibt. Jedenfalls gut, dass die nicht alle eine E-Mail-Adresse und ein Natel brauchen … Und übrigens: Die «Zauberflöte» war wieder mal zauberhaft!

Katharina M. Fromm wohnt in Freiburg und ist seit 2006 Professorin für Chemie an der Universität Freiburg. Sie ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

 

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Gustav 10.01.2019

Mit Quinoa ins neue Jahr

Heute hat mich meine Allerliebste beim Nachtessen mit einem Quinoasalätchen mit geräucherter Flussforelle an Meerrettichschaum überrascht. Dazu hat sie mit Ingwer beträufelte Passionsfruchtkerne unter den Salat gemischt und einen Zweig glattblätterige Petersilie darauf gebettet. Der Teller präsentierte sich wie eine Tabletop-Stilfotografie aus dem KrautKopf-Kochbuch von Schon & Probst. Ich liess mich kurz täuschen von diesem unerwartet erfrischenden und im Nachhinein zugegebenermassen etwas hipsterigen Food-Design auf unserem üblicherweise eher bürgerlich gedeckten Esstisch. Sekunden später fiel mir aber auf, dass neben dem Terracotta-Teller voller Sinnlichkeit kein Glas 75er-Riesling Clos Saint Hune aus dem Elsass, sondern ein Ikeabecher mit Hahnenwasser stand! Da ist was faul.

 

Anscheinend hatte die Köchin das Maulen und Murren der Kinder noch vor meiner Ankunft zum Verstummen gebracht. Sie sassen nämlich stillschweigend auf ihren Stühlen und glotzten, die Hände zu Fäusten geballt, mit hängenden Köpfen in ihren Teller kulinarischen Albtraums. Man konnte die verlorene Schlacht gegen die Mutter förmlich am Beben ihrer Körper sehen. Doch der Krieg war noch nicht vorbei: Fünf Löffel mussten von diesem widerlichen Zeugs runter, sonst gabs kein Gamen. Das wussten alle drei. Auch die Köchin und Herrscherin über Tablets, Handys und WLAN im Haus. Erziehen heisst Erpressen! Ob diese schwarze Pädagogik auch beim Gatten ansprechen würde, da war sie sich nicht ganz sicher.

Dieser arglistige Hintergedanke seiner Allerliebsten wurde dem zur Geistesgegenwart zurückgekehrten Ehemann und Kindsvater allmählich bewusst. Er hatte ultraplötzlich den Braten gerochen:

Ehemann: Was ist das?

Köchin: Quinoasalat mit geräucherter Flussforelle an Meerrettichschaum, dazu mit Ingwer beträuf…

Ehemann: Und wo sind die Pommes und der Burger?

(Die Kids kichern in sich hinein, Vater zwinkert ihnen zu, 1:0 – der zeig ichs!)

Kritikerin: Schau dich mal an!

Ehemann: ...?

Ärztin für Adipositas: Du bist dick!

Ehemann: Come on! Das waren die Festtage. Fressen da, Saufen hier, Weihnachten, Götti-Gotti-Fest, Silves…

Spötterin: Du hast zehn Kilo zugenommen! Und das nicht nur über die Festtage ...

Ehemann: Warum weisst du das? Hast du mir nachspioniert?

Spionin: Du kannst dir die Socken nur noch sitzend anziehen, du läufst wie ein Sack Kartoffeln durch die Stadt, in den Hemden siehst du aus wie eine Presswurst, und durch Fettablagerungen in deinem Rachen wird dein Atemschlauch eingeengt, was zur Folge hat, dass du schnarchst.

Ehemann: ICH schnarche? ICH??? Ha! Das wüsste ich also ... Pff ... Zzs!!! Fett im Atemschlauch ... Also nein ... Woher hast du denn diesen Quat...

Kid 1: Doch, du schnarchst, Papi!

Kid 2: Man hört es bis in unser Zimmer ...

Kid 3: Papi, nid gär das da …

Ehemann: ... (Fuck)

Gegnerische Mannschaft: ... (1:1)

Ehemann: Und jetzt sollen wir alle dieses trockene Zeugs hier runterwürgen? Ohne Sosse, Mayonnaise oder Ketchup? Ohne Bier? Soll das so was wie eine Strafe sein dafür, dass ich im letzten Jahr das Leben genossen habe? Willst du, dass sie in diesem Jahr bei «Jeder Rappen zählt» für unterernährte Familienväter sammeln müssen, oder was?

Folterin: Ja, und morgen gibt es bildschirmfreien Sahara-Wildreis mit rohem Bitterspinat – der Papi schläft auf der Couch. A Gueta mitenan.

Die Kids stochern eingeschüchtert im Teller herum und träumen von Chicken Nuggets und tagelangem Gamen, währenddessen der Ehemann eine Gabel voll Körner in den Mund schiebt und den Geschmack köstlich findet, aber das würde er nie zugeben, nie, nie, nieee!!!

 

Ehefrau: ... (2:1 – Erpressung, meine Lieblingswaffe!)

Liebe Leserinnen und Leser, viel Glück bei euren Vorsätzen fürs 2019.

Pascal Vonlanthen alias Gustav ist Musiker und lebt in Freiburg. Als FN-Gastkolumnist schreibt er regelmässig über selbst gewählte Themen.

Gastkolumne

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Franz Engel 03.01.2019

Horoskop/ Horrorskop

Dank langem, intensivem und höchst anspruchsvollem Studium bekam ich Einsicht in geheimste, zum grössten Teil noch unentdeckte Schriften, Papyrusrollen und Tontafeln, von der sumerischen Keilschrift bis zu den Hieroglyphen der Pharaonen und den germanischen Runen. Dank einer glücklichen Fügung kam es zu einem Treffen mit Nostradamus («der junge Löwe wird den alten besiegen und ihm im Kampfe die Augen ausstechen»), der sich spontan als Übersetzer und Interpret zu Verfügung stellte. Mein Dank geht auch an den grossen Seher und Medicus Fra Angelico, der schon Kaiser Napoleon vor Waterloo beriet und Gerüchten zufolge auch die Strategen unserer aktuellen Gesundheitspolitik wesentlich beeinflusste.

So gelang es mir, das einzig wahre Horoskop für 2019 und alle noch folgenden Jahre zu sehen und Wort für Wort für Sie auf Papier zu bringen:

Falls du ein richtiger Steinbock bist, dann freue dich, wenn im Februar der Wassermann (im II. Haus des Uranus) kräftig Wasser lässt, sozusagen aus Kübeln giesst und den eisigen «Schnee von gestern» von den Bergen herunterspült. Denn nun fällt die mühsame Futtersuche unter gefrorener Schneedecke weg, und auch die nervigen Variantenskifahrer treten den Rückzug an. Aber auch die Fische in den Bächen freuen sich am hohen Wasserstand, nachdem sie im letzten Sommer fast so weit waren, sich künftig statt Schuppen Federn und statt Flossen Füsse wachsen zu lassen.

Solltest du aber ein gehörnter Widder sein, so lass dich ja nicht mit einem aszendierenden Stier ein: Wir erinnern uns an Göttervater Zeus (Jupiter), der als Stier verkleidet die Prinzessin Europa verführte und sehr ärgerlich auf jegliche Störungen reagieren würde. Blitze würde er schleudern, so mächtig, dass sie Erdbeben auslösen und unter Mithilfe Neptuns (Poseidon) grosse Überschwemmungen inszenieren. Was Hera, seine Gattin – so sie ihn ertappte – anstellen würde, mag ich mir erst gar nicht vorstellen. Hier ist also äusserste Vorsicht geboten.

Es sei denn, du verbündest dich mit den sprunghaften Zwillingen, die sich um diese Zeit gerne im VI. Haus der Venus verlustieren. In dieser bevorzugten Konstella­tion bestehen beste Aussichten – vor allem zu Wochenbeginn (Kriegsgott Mars ist auf Saturn bei Merkur zu Besuch und will unbedingt Geld für neue Flugzeuge) –, genügend viele Krebse zu fangen, um ein «Dinner for two» zu zelebrieren.

Bevor du aber Einladungen verschickst, arrangiere dich mit dem eifersüchtigen und recht eigenwilligen Löwen oder, noch besser, schick ihn gleich in die Wüste. Nun kannst du in aller Ruhe die Krebse zubereiten (inkl. einer Bisque d’écrevisse à la ciboulette). Ein guter Wein vom grossen Château, Dessert und Kerzenlicht dürfen auch nicht fehlen, wenn du nun die verführerische, aber leider auch misstrauische Jungfrau einlädst. Nur solltest du sie (die Jungfrau, so sie denn noch) am nächsten Tag, nach üppigem Mahl und sonstigen Vorkommnissen, nicht auf die unbestechliche und ehrliche Waage stellen. Die Gefahr besteht, dass das schlechte Gewissen sie quält wie der giftige Stachel des Skorpions und sie sich sodann in Luft auflöst beziehungsweise mit dem erstbesten Schützen frustriert das Weite sucht.

Somit schliessen sich die Kreise der Sterne. Die Abhandlung bleibt unvollständig, fehlt doch die Berücksichtigung des chinesischen Horoskops. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Einerseits arbeitet man in China mit uns doch sehr fremd anmutenden Tierbildern wie Hase, Ferkel oder Ratte, anderseits existiert bis dato nur eine französische Version, was mich unweigerlich an die hiesige Spitalpolitik denken lässt. Ich selber wäre übrigens in der chinesischen Auslegung ein Büffel (kraftvoll, aber oft sehr störrisch), und das Jahr 2019 wird das Jahr des Schweins.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und das kommt von Herzen, viele gute Wünsche zu schicken für ein richtig gutes neues Jahr.

Selber halte ich mich übrigens an die «Prophezeiungen» von Erich Kästner: «Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.»

Der Düdinger Franz Engel ist pensio­nierter Arzt und verbringt nun seine freie Zeit mit Fischen und dem Hüten der Enkelkinder. Als Gastkolumnist bearbeitet er im Auftrag der «Freiburger Nachrichten» in regelmässigem Rhythmus selbst gewählte Themen.

 

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Andreas Kempf 27.12.2018

Ernährung in aller Munde

Gerade während der Festtage ist das Thema Essen allgegenwärtig. Wahrscheinlich hat man weniger den Fokus auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung; sondern möglichst fein, traditionell und üppig soll das Mahl sein. Als Marathonläufer, der bei einer Körpergrösse von 177 Zentimetern ein Gewicht von 64 bis 66 Kilogramm auf die Waage bringt, werden mir viele Fragen zum Thema Ernährung und Gewicht gestellt: Wie schaffst du es, so schlank zu sein? Hast du einen Ernährungsplan? Darfst du auch Weihnachts­kekse und Schokolade essen? Der Fragenkatalog liesse sich beliebig erweitern.

 

Vorneweg, ich bin weder am Hungern, noch zähle ich Kalorien. Mir wird auch nicht von meinem Coach oder einem Ernährungsberater vorgeschrieben, was ich essen soll. Selbstverständlich interessiert mich das Thema Ernährung. Als Ausdauersportler kann ich meine Leistung nur erbringen, wenn ich genügend Energie sowie keine Mangelerscheinungen habe. Vor allem in harten Trainingsphasen mit zwei Laufeinheiten am Tag ist es manchmal gar nicht so einfach, ausreichend zu essen. Einige Stunden vor dem Training muss man aufpassen, dass man nicht zu viel und nur leicht verdauliche Kost zu sich nimmt. Ansonsten wird der Mageninhalt durch die Schläge bei jedem Schritt eher nach oben als nach unten befördert. Kurz nach einem harten Lauftraining ist der Magen-Darm-Trakt leicht durcheinander und hat nicht gross Lust auf Nahrungsaufnahme. Da kann es durchaus sinnvoll sein, mit isotonischen Getränken und Proteinshakes nachzuhelfen. Möchte jedoch ein Hobbysportler an Gewicht verlieren, macht es keinen Sinn, solche Produkte zu konsumieren.

Auch beim Weihnachts­essen muss ich mich zum Glück dank der erhöhten Kalorienverbrennung nicht im Verzicht üben. Die einzigen Geschirrstücke, von denen ich auch an Festtagen nur bedingt Gebrauch mache, sind die Gläser für Champagner, Wein und Bier. Alkohol verträgt sich nun mal nicht gut mit sportlichen (Aus­dauer-)Leistungen und der Regeneration.

Und sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, nach den Silvesterfestivitäten im neuen Jahr einige Pfunde loswerden wollen, versuchen Sie es mit mehr Bewegung und nicht mit einer radikalen Ernährungsumstellung. Denn verbrauchen Sie mehr Kalorien als Sie Ihrem Körper zuführen, fällt ihre Energie­bilanz ins Negative, was automatisch zu einem Gewichtsverlust führt.

Der Heitenrieder Läufer Andreas Kempf schreibt als FN-Gastkolumnist regelmässig über selbst gewählte Themen.

 

«Als Marathonläufer werden mir viele Fragen zum Thema Ernährung gestellt: Wie schaffst du es, so schlank zu sein? Hast du einen Ernährungsplan?»

 

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Daniel Eckmann 20.12.2018

Der Sternenbub, der Esel und das Christkind

Sterne sind keine Engel. Zwar sehen sie von der Erde aus ganz brav aus. Aber das trügt. Sie flackern deshalb so lustig, weil sie ganz zappelig auf die Welt herabgwundern. Einmal war sogar fast die Hölle los, am Himmel oben. Auf der Erde hatte man eine Volkszählung ausgerufen. Alle Menschen mussten dorthin zurück, wo sie geboren waren. Und so packten sie ihre Siebensachen zusammen und machten sich auf den Weg. Für die Sterne gab es natürlich viel zu sehen. War das eine Aufregung! Besonders die kleinen Sterne drängelten ganz waghalsig vor. Am meisten der vorwitzigste Sternenbub von allen. Und doch hatten ihn alle gern. So wie man kleine Sternenbuben halt eben gern hat.

Die himmlische Anziehungskraft hatte alle Hände voll zu tun, damit ja kein Stern vom Himmel purzelte. Sie ging zu Petrus und berichtete ihm ihre Sorgen. Petrus brummte. Er wollte zuletzt, dass die Menschen herausfänden, dass das brave Sternenmeer genau genommen eine Rasselbande war. Lauter Gwundernasen, die schlimmstenfalls vom Himmel zu fallen drohten. Das durfte nicht sein. Beide gingen zum lieben Gott, hielten Rat und fanden einen Ausweg: Petrus trommelte alle Regenwolken zusammen, und die Anziehungskraft zog so viel Staub an, wie sie nur konnte. Staub und Regen gaben einen prima Mörtel, und schon bald waren alle Sterne schön ordentlich an ihren Plätzen festgemauert. Sie leuchteten nun brav einer neben dem andern und ohne Gefahr, vom Himmel zu fallen. Für die vordersten Sterne war das gut. Sie hatten die beste Aussicht. Unser kleiner, vorwitziger Stern aber war gar nicht glücklich. Vor ihm sassen lauter grosse, dicke Sterne, die ihm die Sicht versperrten. Nein, nein, nein! Er wollte auch zuvorderst sitzen. Er musste doch alles sehen, nicht die andern. Mit aller Kraft versuchte er, sich loszureissen, und strampelte, rüttelte und zog. Gerade hatte er in der hintersten Fuge des Mörtels herumgebohrt, als es geschah: Mit Getöse brach sein Platz aus dem Firmament! Der kleine Stern, mitten in einem Schweif voll Staub, fiel und fiel. Die anderen Sterne fanden das lustig. Sie wussten nichts von der grossen Angst im kleinen Sternenherz und leuchteten fröhlich hinter ihm her.

 

Unten auf der Erde sah dieses Leuchten im Staubschweif wunderbar aus. Die Menschen hielten ein und stellten ihre Lasten ab. Sie glaubten, der Stern leuchte ihnen heim und folgten seiner goldenen Bahn einem einsamen Stall zu. Dort war das Christkind geboren. Und zwar nur kurz bevor just neben dem Kripplein unser kleiner Stern zu Boden fiel. Maria und Josef waren natürlich sehr beschäftigt und hatten nichts bemerkt. Nur der Esel hatte gut aufgepasst und spitzte die Ohren.

 

Oh je, jammerte der Stern. Er war jetzt noch verbeulter und hatte grosse Angst. Was würde nur Petrus sagen? Seine Angst wurde noch grösser, als rings um den Stall Stimmen laut und lauter wurden. Aber zum Glück war der Esel ein gescheiter Esel. Er spürte, dass etwas Besonderes geschehen war und er dem Sternenbub helfen musste. Es könnte ja sein, dass die Leute den goldenen Kobold suchten, weil sie immer hinter Gold her sind. Und weil der Esel ein grosses Herz für kleine Sterne hatte, legte er sich sanft über ihn. So konnte er ihn beschützen und gleichzeitig verstecken. Weil aber unser Sternlein zeitlebens gestrahlt und gestrampelt hatte, war es noch ganz warm und weich. Und so wurde aus den staubigen Zacken ein feiner goldener Reif, fast wie ein Heiligenschein. Das weiche Fell hatte ihn blank geputzt, und er glänzte wie nie zuvor. So konnte ihn Petrus nicht mehr erkennen. Er war in Sicherheit.

 

Nur mit etwas hatte niemand gerechnet. Nämlich, dass die Anziehungskraft ihren verlorenen Sternenbub immer noch suchte und zog, so fest sie konnte. Zum Glück war sie zu weit weg, um ihn wieder an den Himmel zu ziehen. Aber ein bisschen wirkte ihre Kraft halt bis auf die Erde. Und so kam es, dass der Sternenreif ein klein wenig schwebte. Dem Esel kam das gerade recht. Denn es kamen immer mehr Menschen zum Stall. Was tun? Und als alle hereindrängten, schob er seinen schwebenden Freund einfach über das Kripplein. Unser Sternenheld verhielt sich mucksmäuschenstill. Und weil er das Christkindlein so goldig anstrahlte, wurde allen warm ums Herz. Unser Stern war ganz stolz. Denn ohne sein Geheimnis wäre vielleicht alles ganz anders herausgekommen.

 

Der Sternenbub, der Esel und das Jesuskind waren fortan unzertrennlich. Unser Held war dort, wo er immer sein wollte: mitten im Geschehen. Und doch hatte er immer häufiger Heimweh nach dem Himmel. Auch das Christkind wurde gross und grösser. Es hatte seinen Heiligenschein zwar sehr gern. Sie waren richtige Freunde geworden. Aber so ein Schein fällt halt auf. Beim Versteckspiel wurde es immer gleich gefunden. Auch konnte es nie unbemerkt Wunder geschehen lassen. Das war sogar für das Christkind ein bisschen zu viel. Eines kam zum anderen und beide spürten, dass sie in einer neuen Form besser füreinander da sein könnten. Und schon bald hatten sie einen Plan. Eigentlich wäre es ja viel gescheiter, wenn der Stern vom Himmel aus zum Rechten schauen würde, und das Christkind auf Erden. Beide konnten ja weiterhin aneinander denken und miteinander plaudern. Sie machten Zeichen ab, wie sie sich zublinzeln können, und sie erfanden sogar eine Geheimsprache, die nur sie zwei verstehen ­konnten.

 

Dem Sternenbub fiel ein grosser Stein vom Herzen. Ihm wurde ganz leicht, und der Anziehungskraft fiel es nicht schwer, ihn an ein gutes Plätzchen am Himmel zu ziehen. Eines ganz zuvorderst. Denn jetzt war er ja nicht mehr einfach ein vorwitziger Stern, sondern hatte eine wichtige Aufgabe und musste immer für das Christkind da sein. Doch, doch: So wie es jetzt war, war es besser. Gut für den Stern, aber auch gut für das Christkind – und erst recht gut für die Menschen. Und darum ist es noch heute so.

Daniel Eckmann ist Jurist, Partner im Beratungsunternehmen Klaus-Metzler-Eckmann-Spillmann und Lehrbeauftragter an der Universität Bern. Zuvor war er Stellvertretender Generaldirektor der SRG SSR und zwölf Jahre Delegierter für Kommunikation von Bundesrat und Bundespräsident Kaspar Villiger. Daniel Eckmann hat drei Söhne und einen Enkel. Er wohnt und arbeitet in Murten.

 

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Beat Brülhart 13.12.2018

Könnte es sein?

Wenn die so weitermachen, fahren sie den Karren noch an die Wand» und «Die machen sowieso, was sie wollen» – beides sind weitverbreitete Meinungen und die Morgendämmerung der Wutbürger. Die Schuldigen sind schnell gefunden: Politiker und Manager. Im schwer durchschaubaren Gebräu von gesellschaftlichem Anspruchsdenken, Eigeninteressen in der Politik und selbstlaufender Bürokratie bringt uns Schuldzuweisung aber keinen Schritt weiter. Vielleicht sollten wir die Scheinwerfer einmal drehen. Auf uns selbst. Auf Sie und mich. Denn uns betrifft es. Wir lassen das alles zu. Dabei könnten wir Einfluss nehmen. Das Einzige, was uns vor einer guten Zukunft abhält, sind wir selbst. Könnte es sein, dass wir unsere eigene Unbeweglichkeit gerne der Bürokratie in die Schuhe schieben? Könnte es sein, dass wir unser eigenes Verharren in der Bequemlichkeitszone dem Sozialstaat anlasten? Könnte es sein, dass die Politik nur deshalb das Spielfeld für mittlere Talente ist, weil wir so gewählt haben? Könnte es sein, dass wir lauthals Dampf ablassen, aber dann doch nichts unternehmen? Könnte es sein, dass wir Veränderung von allen andern erwarten, nur von uns selber nicht?

Wir können Einfluss nehmen. Als Erstes müssen wir dringend unsere Sensoren schärfen und Bewusstsein entwickeln. Wir müssen ein Gefühl bekommen für die unzähligen Volksverblödungen in Medien und Politik, Wirtschaft und Sport. Wir müssen sensibel werden für die Entmündigung und Zwangsbeglückung durch den Staat. Wir dürfen uns nicht länger gängeln lassen von politischen Oberlehrern, interessengesteuerten Experten und staatlichen Besserwissern, die keinen Respekt zeigen vor denen, die sie bezahlen. Wir müssen dringend wieder selbst Verantwortung übernehmen. Niemand muss ins Würstchen beissen, das vor seiner Nase baumelt.

Niemand kann uns zu irgendeinem Handeln verführen, wenn wir es nicht wollen. Niemand kann uns vorschreiben, wie wir zu leben haben, wenn wir es nicht zulassen. Wir sind nicht ohnmächtig. Wir können selber denken. Und wir können handeln. Wir können fragwürdige Produkte ganz einfach nicht mehr kaufen. Wir müssen kein Antibiotika durchsetztes Fleisch und kein vergiftetes Gemüse essen. Wir können Firmen, die ihre Mitarbeiter ausnutzen, meiden. Wir können durch einen einfachen Druck auf die «Aus»-Taste seichte Sendungen und Selbstverkindlichungsprogramme abstrafen. Wir müssen uns nicht von Treuekarten und Superrabatten zu nach Gudis japsenden Pudeln abrichten lassen. Wir können die lästigen Verpackungen an der Kasse stehen lassen. Wir können das Kleine, das Besondere der Masse vorziehen und bei den örtlichen Dorfläden und Fachgeschäften einkaufen. Wir können den Zug statt das Auto nehmen und auch mal zu Fuss gehen. Wir können den Standby-Modus unserer Geräte abschalten. Wir können auf unseren Körper hören statt bei jedem kleinsten Wehwehchen zum Arzt zu rennen. Wir können die Krankenkasse, die Bank oder die Versicherung wechseln. Wir können den eigenen Abfall reduzieren. Wir können fragwürdige Politiker abwählen. Wir können unsinnige Reglemente nicht befolgen. Wir können uns selber in der Gesellschaft vermehrt engagieren. Das alles und noch viel mehr können wir.

Bequem ist das alles nicht, und womöglich kostet es etwas. Aber: Freiheit und Selbstbestimmung gibt es nicht gratis, und Verantwortung verpflichtet. Sich beklagen und Schuldige suchen ist wie am Bahnhof auf ein Schiff warten.

 

Beat Brülhart wohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Trainer für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

 

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Gastbeitrag 29.11.2018

Von der SBB auf die Strasse gestellt

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerde von Inclusion Handicap gegen die Einführung der neuen SBB-Doppelstockzüge nur teilweise gutgeheissen. Ursula Schwaller sieht darin die Autonomie von Menschen mit Behinderung eingeschränkt.

Nun fahren sie also, die neuen Doppelstockzüge (FV-Dosto) der SBB. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass sie jeweils über mindestens eine Einsteigerampe verfügen müssen, deren Neigung nicht mehr als 15 Prozent betragen darf. Zum Vergleich: der Jaunpass hat 14 Prozent maximale Neigung, die Rampe im Bahnhof Freiburg 12 Prozent. Mit meinem Rollstuhl komme ich in den Zug hinein, da brauche ich die Arme nicht für den Vortrieb und kann mich abstützen. Aber raus? Ich würde auf den Hinterkopf fallen, da ich wegen der Querschnittlähmung keine Rumpf­stabilität besitze. Die Bedienungshinweise des Rollstuhls sind klar: Die Stabilität ist bis 10,5 Prozent Neigung gewährt.

Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil zur Beschwerde der Organisation Inclusion Handicap eine EU-Verordnung (TSI PRM) vor das Schweizer Behindertengleich­stellungsgesetz (BehiG) gestellt und ignoriert, dass selbst die TSI-PRM die maximale Neigung, bei der sich ein Rollstuhl stabil bewegen lässt, bei 10,5 Prozent festlegt. Gemäss BehiG müssen Behinderte, die in der Lage sind, den öffentlichen Raum autonom zu benützen, auch Dienstleistungen des öffentlichen Verkehrs autonom beanspruchen können. Mit dem neuen Urteil werden nun in den Schweizer Zügen Rampen möglich, die nicht sicher und selbstständig befahren werden können. In der EU ist die Autonomie nicht gefordert, weshalb – mithilfe Dritter – 15-Prozent-Rampen erlaubt sind. Wie unsicher und herabwürdigend solche Hilfe von aussen sein kann, erfuhr ich, als ich von der SBB im Zug vergessen wurde und mir dann vorgeworfen wurde, ich hätte mich am Ausgangsbahnhof vom SBB-Mitarbeiter in den falschen Wagen «einladen» lassen.

Das neue Urteil des Bundesverwaltungsgerichts widerspricht neben dem BehiG auch den Anforderungen des Bundesamtes für Verkehr (BAV). Es hält eine netzweite autonome ÖV-Benützung nur möglich für mobilitätseingeschränkte Personen, die Rampen mit einer Neigung von zwölf Prozent überwinden können. Ich bin autonom. Wie genau soll ich nun im neuen Zug selbstständig die zusätzlichen drei Prozentpunkte Neigung schaffen? In meinem Berufsalltag als Architektin wird übrigens noch strenger gemessen: Sechs Prozent fordern die Schweizer Baunormen. Ausnahmen bis maximal zwölf Prozent Neigung sind nur in begründeten Einzelfällen möglich.

Es ist durchaus möglich, ohne Zusatzkosten hindernisfreie und kundenfreundliche Züge zu bauen. Die Schweizer Firma Stadler kann das. Ironischerweise fahren solche, auch in der Schweiz zertifizierten Züge, nur im EU-Raum.

Die SBB-Besteller haben übrigens beim Kaufentscheid der Züge nicht nur meine Autonomie der euro­päischen Verordnung TSI PRM geopfert. Auch andere Unzulänglichkeiten des FV-Dosto, beispielsweise das abweichende Raumprofil, das zu den schmalen Treppen und den dürftigen Gepäckablagen führte, sind der EU-Norm geschuldet. Viele Reisende werden dies in den Pendlerzeiten noch zu spüren bekommen. Grund dieses Raumprofils: Unser grösster Zug, konzipiert für die am meisten frequentierten Linien der Schweiz, soll nach den Vorstellungen der SBB wie eine eierlegende Wollmilchsau auch im Ausland eingesetzt werden. Es gibt jedoch weder konkrete Projekte noch einen Auftrag des Bundes in dieser Richtung. Und die erst kürzlich erteilte Bewilligung des BAV für die FV-Dosto-Züge lässt im Gegensatz zum Stadler-Dosto ausschliesslich einen Einsatz in der Schweiz zu.

Wie schwellenfrei die SBB aus eigener Perspektive ist, hat CEO Andreas Meyer erst kürzlich erklärt. In einem Interview wird Meyer zitiert, er nutze mit seinem geh­behinderten Vater das Auto, weil dies unkomplizierter sei.

Die SBB wirbt mit dem Slogan «Unterwegs zuhause». Ob sich Meyers Vater, ein ehemaliger Bähnler, wohl auch so fühlt, als wäre er auf die Strasse gestellt worden?

«Kernaussage Spezial. Wenn KA direkt unter Lead platziert wird, Spalte mit Weissraum füllen.»

Vorname Name

Funktion

Ursula Schwaller

Architektin

Ursula Schwaller ist siebenfache Paracycling-Weltmeisterin, Architektin und Vizepräsidentin der Stiftung «Denk an mich». Sie ist 42 Jahre alt und wohnt in Düdingen.

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29.11.2018

Von Sternen und Menschen

Vor einiger Zeit übernachtete ich in einer hoch über Engelberg gelegenen Berghütte. Nach dem Nachtessen zog es mich auf die Terrasse. Eine Frau mittleren Alters stand ebenfalls dort, eine warme Decke um die Schultern gehüllt.

«Hat es Sie auch auf eine Zigarettenlänge nach draussen verschlagen?», meinte sie in unverkennbarem Basler Dialekt. «Nein, ich möchte bloss den Himmel betrachten. So wie hier in einer Höhe von 2000 Metern in sternenklarer Nacht präsentiert er sich unten im Tal nie.» – «Aha!» – «Zu grosse Lichtverschmutzung.» – «Lichtverschmutzung? Nie gehört!» – «Na ja, so nennt man das halt, wenn die Lichter der Zivilisation den Blick in den Sternenhimmel verstellen.» – «Ach so! Dann sehen also die in Basel zurzeit nicht das Gleiche, wenn sie in den Nachthimmel blicken, wie wir zwei hier oben?» – «Machen Sie doch selber den Vergleich, wenn Sie morgen wieder zu Hause sind.» – «Vielleicht. Mal sehen. Wenn ich nach der Arbeit nicht zu müde bin. Ich habe es halt nicht so mit den Sternen ...!»

Die Frau zieht noch einmal kräftig an ihrer Zigarette, lässt ein letztes Rauchwölklein in den sternenübersäten Himmel steigen und verschwindet wieder in der Hütte. So tönt das also, wenn Altherrenromantik mit Realitätssinn einer überarbeiteten Städterin, die es halt nicht so mit den Sternen hat, zusammenstösst.

Bei nächtlichen Expeditionen habe ich meistens Lorenz Martis «Eine Hand voll Sternenstaub» im Gepäck, eine Art Kosmologie für Dummies, also genau das Richtige für mich. Martis Betrachtungen helfen mir jeweils aus dem blossen Staunen heraus, indem sie das Unfassbare mit Zahlen, Erklärungen und Vergleichen um einige Millimeter in die Gegend des Fassbaren rücken. So konnte ich mich noch in der gleichen Nacht vergewissern, dass wir den Sternen nichts Geringeres verdanken als unser Dasein. Ein Grossteil der Atome und Moleküle unseres Körpers soll aus dem Innern verloschener Sterne stammen. Sie liefern uns die lebensnotwendigen Elemente: Eisen für unser Blut, Sauerstoff für unsere Lungen, Kohlenstoff für unser Gewebe und Kalzium für unsere Knochen. Daraus folgert Marti: «Wir sind wortwörtlich Sternenstaub. Die Sterne sind uns näher als unsere Halsschlagader.»

Am folgenden Morgen beim Abstieg vom Berg holt mich die Frau vom Vorabend ein. Als wir ungefähr auf gleicher Höhe sind, verlangsamt sie ihre Schritte und meint mit einem leicht herablassenden Lächeln im Gesicht: «Na, haben Sie gestern Nacht mit den Sternen Freundschaft geschlossen?» – «Ich weiss nicht, ob die Sterne auf meine Freundschaft Wert legen. Im Allgemeinen haben sie eher ein distanziertes Verhältnis zu uns Menschen, es sei denn, wir befühlen hie und da unsere Halsschlagader ...» Die Frau glotzt mich wie ein lebendiges Fragezeichen an und drückt sich kopfschüttelnd an mir vorbei.

Ich schaue ihr hinterher, und hätte die gestrige Bettlektüre nicht auch meinen Respekt für das Naturwunder Mensch beflügelt, so hätte mich diese erneute Begegnung mit meiner astrophoben Wandergenossin wohl in einer etwas gereizten Stimmung zurückgelassen. Doch die Vorstellung, dass es im Kopf des Homo sapiens mehr neuronale Verknüpfungen geben soll als Sterne in der ganzen Milchstrasse, versetzt mich in eine so weltumspannende Menschenliebe, dass auch eine urbane Raucherin, die es halt nicht so mit den Sternen hat, problemlos darin Platz findet.

Hubert Schaller ist unter anderem Autor der Gedichtbände «Trommelfellschläge» (1986), «Drùm» (2005) und «Federleicht» (2016). Bis zu seiner Pensionierung unterrichtete er Deutsch und Philosophie am Kollegium St. Michael. Als FN-Gastkolumnist schreibt er regelmässig über selbst gewählte Themen.

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