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Ein aufwühlender Roman

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Seit 2011 tobt in Syrien ein Bürgerkrieg zwischen den Regierungstruppen und oppositionellen Gruppen. 13,5 Millionen Menschen – etwa zwei Drittel der ursprünglichen Bevölkerung Syriens – sind auf Hilfsleistungen angewiesen, und es werden immer mehr. Mehr als 4,8 Millionen Menschen sind vor allem in Nachbarländer geflohen. Über 500 000 Menschen leben in belagerten Gebieten, die von der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen lebensnotwendigen Gütern weitgehend abgeschnitten sind. Auslöser des Konflikts war gemäss dem Online-Portal Wikipedia ein friedlicher Protest gegen das autoritäre Regime Assads im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011.

Wie die Katastrophe begann

Durch die Geschichten der zwei Hauptfiguren Amal und Hammoudi erfährt der Leser, wie die Revolution in Syrien – im Zeichen des Arabischen Frühlings – ihren Anfang genommen hat und wie sich die Situation allmählich verschärft und zur Katastrophe entwickelt hat. Amal und Hammoudi gehören zur privilegierten Oberschicht, sind jung, erfolgreich, glauben an eine gelungene Revolution in ihrem Land und hegen grosse Pläne für ihre Zukunft. Sie begegnen sich eher zufällig in Damaskus und verlieren sich wieder aus den Augen, bis sie sich in Berlin unter völlig anderen Voraussetzungen wieder treffen. Amal studiert an der Schauspielschule von Damaskus und nimmt an zahlreichen friedlichen Demonstrationen gegen das Assad-Regime teil. Dort lernt sie auch Youssef, einen überzeugten Gegner des Regimes, kennen. Die Häscher Assads haben Youssef schon seit geraumer Zeit auf dem Radar. Aus diesem Grund gerät auch Amal ins Visier des berüchtigt-brutalen Geheimdienstes.

Albtraumhafte Odyssee

Hammoudi seinerseits hat in Paris Medizin studiert und ist mit Claire verlobt. Ihm steht eine grandiose Karriere als Chirurg bevor. Warum sollte er nach Damaskus zurückkehren? Eigentlich nur wegen einer Kleinigkeit, glaubt er zu wissen. Er muss nach Syrien reisen, um den Pass verlängern zu lassen. Doch diese vermeintlich unproblematische Reise entwickelt sich zu einer albtraumhaften Odyssee für den jungen Arzt, da sein Pass nicht verlängert wird und ihm so die Rückkehr nach Frankreich verwehrt wird.

Überleben und fliehen

Hammoudi und Amal erleben Fürchterliches in ihrer vom Bürgerkrieg heimgesuchten und stark zerstörten Heimatstadt. Da sie beide aus reichen und angesehenen Häusern stammen, bleibt ihnen zu Beginn noch eine Art Schonfrist. Dies dank den richtigen Verbindungen und Bestechungsgeldern. Doch nach einiger Zeit hilft ihnen auch dieser «Bonus» nicht mehr weiter. Ausser der nackten Existenz verlieren sie alles und kämpfen um ihr Überleben. Es gibt nur einen Ausweg aus der Misere: Flucht!

Aber wohin flüchten? In die Türkei? In den Libanon, wo Syrer aus historischen Gründen nicht gern gesehen sind? Nach Europa? Und wie soll so eine Flucht organisiert und umgesetzt werden? Mut allein genügt nicht …

Direkt und schonungslos

Besonders der Schreibstil der Autorin verdient es, hervorgehoben zu werden: einfühlsam, schnörkellos, detailgetreu und auch sehr direkt und schonungslos.

Ein beeindruckendes Werk einer Vertreterin der jungen deutschen Literaturszene.

Olga Grjasnowa: «Gott ist nicht schüchtern»; Roman, Berlin: Aufbau-Verlag, 2017, 309 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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