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Ein forderndes und anregendes Amt

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Mit gut 12 000 Einwohnern ist Villars-sur-Glâne nach Freiburg und Bulle die drittgrösste Gemeinde des Kantons Freiburg. Sie ist gross genug, um ihrer Bevölkerung alles zu bieten, was diese braucht, und sie ist klein genug, um trotz statistischem Stadt-Status ihren dörflichen Charakter zu behalten. Nach dem Scheitern der Fusion mit Freiburg und Marly wird dies vorerst auch so bleiben. Das sei gut so, sagt Gemeinderat Olivier Carrel (FDP): «Wir können problemlos eigenständig funktionieren, auch dank der in vielen Bereichen bestehenden Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden.» Eine Fusion sei darum vorläufig vom Tisch: «Wie sollten wir die Stimmbürger dazu bringen, Ja zu einer Fusion zu sagen, die ihnen höhere Steuern, aber keinen Nutzen brächte?»

Dass Villars-sur-Glâne allein so gut funktioniere, habe auch mit dem Milizsystem im Gemeinderat zu tun, so Carrel. «Dieses System ist für Villars das einzig richtige. So kommen im Gemeinderat Leute aus ganz unterschiedlichen Milieus zusammen und tragen dazu bei, dass wir die Realität nicht aus den Augen verlieren.» Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Gemeinderäte mit der Doppelbelastung von Beruf und Exekutivmandat umgehen müssen.

Zwei Wechsel auf einmal

Olivier Carrel kennt dieses Gefühl seit gut fünf Monaten, ebenso wie sein Amtskollege Marc’Aurelio Andina (SP). Beide sitzen seit Ende September im Gemeinderat von Villars-sur-Glâne. Carrel rückte auf der FDP-Liste für Annelise Meyer-Glauser nach, die altershalber kürzertreten wollte. Andina folgte auf seinen SP-Kollegen Louis-Marc Perroud, der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Ihren Einstieg ins Amt haben Carrel und Andina ähnlich erlebt: Es sei viel Arbeit, sagen beide, aber auch interessant und anregend. Und beide rühmen ihre Gemeinderatskollegen: Die Stimmung im Gremium sei angenehm, und sie seien gut aufgenommen worden. «Mitten in der Legislatur ist das nicht selbstverständlich», sagt Olivier Carrel.

Tatsächlich sind solche Wechsel im Gemeinderat von Villars-sur-Glâne selten, gleich zwei auf einmal sogar die absolute Ausnahme. Im Fall von Carrel und Andina erwies sich die Situation als Glücksfall, da sie eine Aufgabenrochade ermöglichte: FDP-Mann Carrel übernahm von SP-Vertreter Perroud die Finanzen, während der Sozialdemokrat Andina von der Freisinnigen Meyer-Glauser die Verantwortung für die Pflegeheime, die sozialmedizinischen Dienste und die Angebote für Kleinkinder übernahm. Zwar verlor die SP so das wichtige Finanzdepartement. «Aber unsere jeweiligen Kompetenzen und das Wohl der Gemeinde sind wichtiger als Parteiinteressen», so Marc’Aurelio Andina.

Finanzielle Unsicherheiten

Olivier Carrel, der im Generalrat zehn Jahre lang die Finanzkommission präsidiert hatte, war für das Finanzdepartement prädestiniert. Dass das Departement die Partei gewechselt habe, sei nicht entscheidend, sagt er. «Ich verfolge die gleiche Politik wie Louis-Marc Perroud.» Die finanziellen Herausforderungen für Villars-sur-Glâne seien ohnehin unverändert. Carrel denkt dabei vor allem an die Abhängigkeit der Gemeinde von den grossen ortsansässigen Unternehmen: Die Unternehmenssteuern machen in Villars rund die Hälfte der Steuereinnahmen aus–in Freiburg und Bulle liegt dieser Wert bei etwa zwanzig Prozent. Solange es den Firmen gut gehe, gehe es auch der Gemeinde gut, sagt Carrel, doch darauf dürfe man sich nicht verlassen. Sorgen macht dem neuen Gemeinderat vor allem die Unternehmenssteuerreform: Die vom Kanton beschlossene Senkung der Gewinnsteuern von 19,63 auf 13,72 Prozent bedeute für Villars eine Einbusse von fünf bis sechs Millionen Franken pro Jahr, dies bei einem 71-Millionen-Franken-Budget.

Vieles sei zwar noch unklar, doch gelte es, vorausschauend zu handeln. Das bedeute, dass die Gemeinde unter ihren momentanen Möglichkeiten leben müsse, um Reserven zu schaffen. «Wir müssen jede Ausgabe hinterfragen und Prioritäten setzen.» Zudem wolle die Gemeinde ihre Verschuldung weiter reduzieren, um Zinsen zu sparen. «Erinnern wir uns daran, woher wir kommen», so Carrel. Noch 2006 sei die Gemeinde knapp an einer Steuererhöhung vorbeigeschrammt. Dank grosser finanzieller Disziplin sehe die Lage heute viel besser aus: «Eine Steuererhöhung ist momentan kein Thema mehr.»

Ähnlich wie Olivier Carrel, der sich direkt nach seinem Eintritt in den Gemeinderat um das Budget 2015 kümmern musste, hatte auch Marc’Aurelio Andina nicht lange Zeit, um sich einzugewöhnen. In seine Verantwortung fallen die Angebote für die jüngsten und die ältesten Bewohner der Gemeinde. In beiden Bereichen gebe es grosse Herausforderungen, so Andina. Er denkt dabei zum einen an die Stiftung, die seit 2013 für die Kinderkrippen und die ausserschulische Betreuung zuständig ist. Die Gemeinde hat die Stiftung unter anderem gegründet, um private Krippen vor der Schliessung zu bewahren. Die neue Struktur habe aber noch Kinderkrankheiten, sagt Andina. So seien die Angestellten neu im Stundenlohn statt im Monatslohn angestellt. Einige hätten dadurch Einkommenseinbussen hinnehmen müssen. «Das führte zu Frustrationen. Im Gespräch mit den Betroffenen habe ich gemerkt, dass es vielen an Anerkennung fehlte.» Er werde nun abklären, ob es möglich sei, ab einem bestimmten Anstellungsgrad zum fixen Monatslohn zurückzukehren.

Auch auf der anderen Seite des Bevölkerungsspektrums, bei den Senioren, gibt es für den neuen Gemeinderat einiges zu tun: Ein aktuelles Thema ist der geplante Ausbau des Pflegeheims Les Martinets bis 2016. Die Erhöhung der Anzahl Betten von 71 auf 103 sollte den gestiegenen Platzbedarf vorerst decken, so Andina. Eine grosse Baustelle sei zudem die laufende Reorganisation des Gemeindeverbands der medizinisch-sozialen Dienste des Saanebezirks.

Zukunft noch unklar

Sowohl Andina als auch Carrel haben als Gemeinderäte ein Amt kennengelernt, das ihnen einiges abverlangt. Beide sind in Vollzeit berufstätig, Andina als Übersetzer beim Bund, Carrel als Anwalt mit eigener Kanzlei. Auch wenn ihnen die Arbeit im Rat gefällt, wollen sie sich noch nicht festlegen, ob sie in einem Jahr zur Wiederwahl antreten. Eher ja, sagen beide, aber nicht auf Kosten des Berufs oder der Familie. Denn, auch das sagen beide über sich selbst: «Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig.»

Zu den Personen

Ein Übersetzer und ein Anwalt

Marc’Aurelio Andinakam 1959 im Tessin zur Welt und zog 1991 nach Villars-sur-Glâne. Er ist Übersetzer beim Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 20 und 22 Jahren. Seit 2005 sass er im Generalrat von Villars. Er vertritt seine Gemeinde auch im Agglomerationsrat.

Olivier Carrelwurde 1964 in Freiburg geboren und lebt seit 1995 in Villars-sur-Glâne. Er ist selbständiger Anwalt, verheiratet und Vater eines 19-jährigen Sohnes und einer 13-jährigen Tochter. Er wurde 2001 in den Generalrat von Villars-sur-Glâne gewählt, wo er bis zu seinem Eintritt in den Gemeinderat sass und ab 2006 die Finanzkommission präsidierte.cs

Serie

Ein Jahr vor den Gemeindewahlen

Die Freiburger Nachrichten werfen ein Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen einen Blick auf die Situation in den Freiburger Gemeinden. Nach einem Überblick und Artikeln zu Freiburg und Murten (FN vom 28.2., 2.3., 3.3. und 4.3.) geht es heute um Villars-sur-Glâne.fca/cs

Syndique: «Die Gemeinden sind das Fundament»

E rika Schnyder, seit 1996 Gemeinderätin und seit 2006 Syndique von Villars-sur-Glâne, über ihre neuen Ratskollegen, das Profil eines guten Gemeinderats und die Notwendigkeit, auch einmal mutig zu sein.

 

Zum ersten Mal in Ihrer Zeit als Gemeinderätin haben Sie in der laufenden Legislatur Wechsel im Gremium erlebt: mit der Wahl von Marie Garnier in den Staatsrat und mit den Rücktritten von Annelise Meyer-Glauser und Louis-Marc Perroud. Wie sind diese Wechsel abgelaufen?

Im Fall von Marie Garnier haben wir damit gerechnet, dass sie die Wahl in den Staatsrat schaffen könnte; die beiden anderen Rücktritte haben sich erst während der Amtsperiode ergeben. Gerade dieser doppelte Wechsel hat die eingespielten Abläufe natürlich etwas durcheinandergebracht. Aber neue Leute bringen auch neue Perspektiven, das ist positiv. Der Amtsantritt von Olivier Carrel und Marc’Aurelio Andina ist sehr gut gelaufen, weil beide gut vorbereitet waren und sich voll und ganz eingesetzt haben.

 

Was macht für Sie einen guten Gemeinderat aus?

Er muss ein offenes Ohr für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger haben, er braucht Geduld, muss verfügbar sein und sich Zeit nehmen – auch an Wochenenden und Abenden. Wichtig scheinen mir auch eine gute Ausbildung und gesunder Menschenverstand. Und eine Portion Mut, was leider nicht viele haben …

 

Ihnen selbst fehlt es nicht an Mut, wie Sie erst kürzlich wieder bewiesen haben, als Sie in Zusammenhang mit der blockierten Ortsplanrevision in Villars offene Kritik am Staatsrat und an der Agglomeration übten. Gehört das für Sie zu den Aufgaben eines Gemeindepräsidenten?

Manchmal muss man politischen Mut zeigen und es wagen, die Dinge beim Namen zu nennen, auch wenn das nicht allen gefällt. Das habe ich getan, und dazu stehe ich. Bund und Kantone dürfen nicht alle Probleme auf Kosten der Gemeinden lösen. Das ist gefährlich, denn die Gemeinden sind das Fundament unserer Demokratie. Darum würden auch die Gemeinderäte mehr Anerkennung verdienen, als es in der Schweiz oft der Fall ist.

 

Die meisten Gemeinderäte arbeiten im Nebenamt und müssen dieses mit Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Das ist auch in Villars-sur-Glâne so, mit Ausnahme des zu 50 Prozent angestellten Syndics. Bewährt sich dieses Milizsystem für eine so grosse Gemeinde?

Meiner Meinung nach bräuchten wir eine stärkere Professionalisierung, umso mehr, als die Anforderungen immer grösser werden. Meine acht Gemeinderatskollegen müssen mit einem Aufwand rechnen, der etwa einem 30-Prozent-Pensum entspricht. Und für meine Aufgaben als Syndique reichen die 50 Prozent bei weitem nicht. Darum habe ich 2012 auch meine Stelle als Juristin beim Bundesamt für Sozialversicherungen aufgegeben.

 

Weil Sie Ihre Zukunft als Syndique von Villars-sur-Glâne sehen?

Ich war an einem Punkt, an dem ich nicht mehr zurück konnte. Aber ja, ich bin gerne Syndique und hoffe, dass ich es bleiben kann. Dazu muss ich 2016 wiedergewählt werden, und die linke Mehrheit im Gemeinderat muss bestehen bleiben. Ist dies nicht der Fall, muss ich mir etwas einfallen lassen, denn die Frühpensionierung kann ich mir nicht leisten (Erika Schnyder wird im April 60 Jahre alt, Anm. d. Red.). Aber alles ist im Leben nun einmal nicht planbar … cs

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