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«Ein Licht zur Erleuchtung der Völker»

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Autor: andreas schmutz

Beim grossartigen Schriftsteller und Evangelisten Matthäus ist das, was wir moderne Menschen als Widersprüche empfinden, oft bewusst eingesetztes Stilmittel. Das wird deutlich an der Frage, ob Jesus von Joseph gezeugt worden ist oder vom Heiligen Geist. Matthäus stellt der Geburtsgeschichte einen langen Stammbaum voran. Dreimal 14 Generationen, also 42 Generationen, von Abraham über den König David über das babylonische Exil bis zu Joseph, «dem Mann der Maria, aus der Jesus gezeugt wurde». Nach dem langen Stammbaum wird erzählt, dass Maria «schwanger war vom Heiligen Geist».

Wozu dann der Stammbaum? Er macht deutlich, dass Jesus in der Tradition von Israel steht und auch nur von dieser Tradition her verstanden werden kann. Jesus wiederholt im Evangelium von Matthäus viele Stationen des Volkes Israel. So flieht zum Beispiel sein Vater Joseph mit ihm nach Ägypten, um das Massaker des Kindermörders Herodes zu überleben (Bild oben). Auch Jakob und seine Söhne (1. Buch Moses) haben in Ägypten überlebt, als eine Hungersnot ihr Leben bedroht hat. Und eigenartigerweise ist es auch in ihrem Fall ein Joseph, der ihnen geholfen hat, in Ägypten zu überleben.

Jesus ist die Verkörperung des erneuerten Israel. Was soll nun aber die «Zeugung aus dem Heiligen Geist»? Dass Jesus vom Heiligen Geist gezeugt ist, drückt aus, dass seine Geburt gleichzeitig den jüdischen Rahmen sprengt. Seine Geburt wird mit der Erschaffung der Welt verglichen. Er ist vom gleichen Heiligen Geist gezeugt, der schon bei der Erschaffung der Welt am Werk gewesen ist. Es geht in der Geburt dieses Kindes um das Heil für die ganze Welt.

Das macht der Evangelist Matthäus in der Art und Weise deutlich, wie er die Geburtsgeschichte weitererzählt. Bei ihm kommen keine Hirten vor. Die Ersten, die den neu geborenen Jesus begrüssen, sind weise Männer aus dem Osten, Magier, Sterndeuter. Sie haben mit ihren Wissenschaften erkannt, dass mit diesem Kind eine neue Zeit anbricht. Sie vertreten die nichtjüdische Welt, die «Völker». Und in die Welt der Völker kehren sie auch wieder zurück, nachdem sie beim Kind gebetet haben.

Die Weihnachtsgeschichte, so wie Matthäus sie erzählt, ist ein Prolog, in welchem die Hauptbotschaft des ganzen Evangeliums schon kurz zusammengefasst ist: Jesus ist tief in der Geschichte von Israel verwurzelt. Er kann nur aus dieser Geschichte heraus verstanden werden. Aber sein Leben sprengt gleichzeitig den Rahmen von Israel. Durch ihn kommt die Liebe und kommt das Licht des Gottes von Israel zu allen Völkern.

So lautet denn am Schluss des Evangeliums der Auftrag des auferstandenen Jesus an seine Jünger auch: «Geht hin und macht alle Völker zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe.» (Mt. 28, 18+19)

Seine tröstliche Verheissung: «Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden» haben die Kirche und das christliche Abendland allerdings lange missverstanden. Sie haben sie auf sich selber bezogen. Sie meinten, sie seien dazu berufen, die ganze Welt zu beherrschen.

Nein, es ist Jesus, der hier spricht. Er, der, kaum geboren, schon fliehen muss, der als Wanderprediger Gottes Liebe vorlebt und dabei mit den religiösen Autoritäten zusammenprallt, der gekreuzigt wird und den Gott aus dem Tod auferweckt. Er, der immer wieder für Menschen zur befreienden Kraft wird, die sich ihrer Not bewusst werden.

Als Matthäus sein Evangelium aufgeschrieben hat – vermutlich später als 70 n. Chr -, da war Jerusalem ein Trümmerhaufen. Stadt und Tempel waren durch die Römer zerstört, und die Juden waren aus ihrer Heimat vertrieben. Sie fragten verzweifelt, wie denn ihre Geschichte nun weitergehen solle, welche Bedeutung die alten Verheissungen denn nun noch hätten.

Matthäus – auch er ein Jude – war überzeugt davon, dass die Gemeinschaft der Menschen, die aus der Kraft des gekreuzigten und auferstandenen Jesus leben, die Antwort auf diese Frage ist. Er hat die Glaubenserfahrung gemacht, dass diese Kraft nationale und religiöse Grenzen sprengt.

Die meisten Juden sind ihm nicht gefolgt. Zwischen ihnen und der entstandenen Kirche ist ein Konkurrenzkampf entstanden, der vor allem für Juden oft blutig geendet hat. Es scheint mir aber, dass heute viele Juden anfangen, Jesus als einen der ihren zu verstehen: Jesus, Sohn des Joseph, Jehoshua ben Joseph. Sie werden deswegen keine Christen. Aber vielleicht werden sie für uns Christen zu Gesprächspartnern, die uns helfen zu verstehen, wer Jesus für uns ist.

Andreas Schmutz, Pfarrer der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Wünnewil-Flamatt-Überstorf, Flamatt

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