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Ein Stück Berlin in Freiburg

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Die Blue Factory ist das Silicon Valley Freiburgs – so erträumen es sich zumindest viele Freiburger Politiker. Ein Ort der Moderne, wo der Freiburger der Zukunft einst nachhaltig lebt. Noch zeugen die Ruinen der ehemaligen Brauerei aber von früheren Zeiten. In der ehemaligen Abfüllhalle, der Grauen Halle, fallen Deckenelemente herunter, und eines der grossen Fenster droht samt Rahmen aus der Betonfassung zu kippen. Dem vermag auch die Messeästhetik der Blauen Halle – wo Start-ups und Forscher untergebracht sind und echte Bäume wie 3D-Simulationen aussehen – nicht entgegenzuhalten. Mit anderen Worten: Die Blue Factory ist vor allem ein Versprechen. Staatsrat Jean-François Steiert (SP) sagte es bei der Präsentation des kantonalen Nutzungsplans für das Areal anders: «Wir stehen am Schluss der Etappe null und vor Beginn der ersten Etappe.» Doch solange der kantonale Nutzungsplan noch nicht in Kraft ist, steht die Blue Factory auf Stand-by.

Damit die Bevölkerung derweil den Glauben an das Zukunftsprojekt nicht verliert und wichtige Partner wie das Forschungs- und Entwicklungszentrum Smart Living Lab mit seinem Solarhaus nicht plötzlich abspringen, soll dem Areal Leben eingehaucht werden – ähnlich einer In-vitro-Fertilisation. Dazu hat die Bluefactory AG Martin Schick eingestellt, der den Job mit Jérôme Berbier teilt.

Schick, der Verantwortliche für Kultur ist mit klaren Ansichten angetreten. «Die Produktion von Wissen und Material ist gut. Aber Innovation ist auch eine Art des Umgangs; wie wir etwas organisieren und gestalten», sagt er. Und: «Ich will keine Eventkultur, sondern eine Permakultur schaffen. Ich stelle mir vor, einer langweilt sich zu Hause und denkt, ach, ich geh mal in die Blue Factory. Nicht weil da was geboten wird, sondern weil man sich da gerne aufhält und immer ein bisschen was los ist.» Der 39-jährige Sensler hat am 1. März sein Büro in der Pförtnerloge bezogen, von wo aus er das Verhalten der Leute beobachtet. «Meistens schauen sich die Besucher erst einmal verwirrt um, wenn sie das Areal betreten.» Dann hilft Schick ihnen weiter, ist für sie da. Damit sich die Leute willkommen fühlen, hat er auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes in grossen Lettern das Wort «Open», Offen, anbringen lassen. Zwar fehlen noch die Solarlämpchen, die die Buchstaben nachts zum Leuchten bringen, «aber wir wollten schon mal ein Zeichen setzen», sagt Schick.

Kultur entstehen lassen

Ein Riesenbudget hat er nicht. Aber es bringe nichts, ständig über fehlendes Geld zu lamentieren. «Die Freiburger Logik ist es, dass es wahnsinnig viel Geld braucht, bevor man etwas realisieren kann. Aber damit ein Quartier entsteht, muss man es sich zuerst vorstellen und erträumen.» Sinnlos sei es auch, eine Idee erst umzusetzen, wenn eine andere realisiert ist. «Das wäre allzu frustrierend.» Darum macht Schick nicht nur zwei, sondern 20 Dossiers auf. Und dann lädt er die Leute ein, die einzelnen Projekte jeweils ein Stück weiter voranzutreiben. So ist auch das Projekt «Manager for a day» zu verstehen: Wer Lust hat, kann während einem Tag den Job des Kulturverantwortlichen machen. «Dadurch kommen Leute hierher, die jemanden kennen, der wiederum jemanden kennt, und so können wir das Netzwerk erweitern.»

An Ideen fehlt es Schick nicht. Angefangen bei einem Sims für Blumen, den er an der Pförtnerloge angebracht hat, über einen Monat Probewohnen im Solarhaus Neigbor Hub, bis hin zum Fussball-WM-Screening auf dem Platz vor dem Schornstein, wo mit Recyclingmaterial eine kleine Welt aufgebaut wird. Auch eine Velowerkstatt hat er angestossen. «Das Holz für die Werkbank ist beim Aufbau des Solarhauses übrig geblieben.» Noch ist darin auch eine Fotoausstellung des «Cyclonauten» und Schriftstellers Claude Mar­thaler zu sehen, der die Welt mit seinem Velo bereiste. «Eines seiner Fotos wird nach der Ausstellung hier hängen bleiben. Es geht darum, Spuren zu hinterlassen.» Der Verein Pro Velo wird zudem in dem Raum seine Sitzungen abhalten. Weiter soll die Velobörse dort stattfinden, und Schick hat auch schon bei einem Velocargo-Unternehmen angedockt: Eine Bücherei auf Rädern oder andere Projekte wären denkbar.

Inspirieren lässt sich Schick von Projekten in grossen Metropolen, wie dem Prinzessinnengarten in Berlin. Er arbeitet zudem mit dem Berliner Kollektiv ConstructLab zusammen, das partizipative Architektur macht.

Leute einbinden – etwa eine Gruppe von Tangotänzern, die neben dem Restaurant Les Menteurs den Tanzboden installieren und als Gegenleistung den Raum nutzen dürfen. Schick hat erste Samen gesät, um aus der Blue Factory ein Quartier entstehen zu lassen. Was davon übrig bleibt, wenn der Zonenplan umgesetzt wird, wird sich zeigen.

Blue Factory

Fakten

Quartier wird durch Bewohner definiert

Die Bezeichnung Stadtviertel oder Quartier stammt von planmässig angelegten römischen, aber auch mittelalterlichen Städten. Sie wurden oft von den beiden sich im Zentrum kreuzenden Hauptstrassen in vier gleich grosse Teile geteilt. Ein Stadtviertel ist ein über­schaubares soziales Bezugssystem, das sich sowohl räumlich als auch von der sozialen Struktur seiner Be­wohner her von anderen Vierteln unterscheidet. Eine formelle Grenzziehung existiert meist nicht. Das Gebiet wird durch seine Bewohner definiert (Quelle Wikipedia). Die Blue Factory wird als Innovationsquartier und Lebensraum der Zukunft bezeichnet. Aktuell beschränkt sie sich allerdings in erster Linie auf einen Ort der Forschung und Technologie.

rsa

Kritik

Kamin kostet 800 000 Franken

Für Thierry Steiert (SP), Syndic der Stadt Freiburg, gibt die Blue Factory momentan Anlass zur Sorge. «Es geht nicht vorwärts. Alles dauert viel länger, als wir dachten.» Und zugleich kostet alles. Die Immobiliengesellschaft Bluefactory AG von Kanton und Stadt Freiburg hat zehn Millionen Franken, mit denen sie bis 2023 den Betrieb der Blue Factory finanziert und neue Gebäude plant. «Der Betrieb ist derzeit defizitär», sagt Steiert. Dies trotz eines re­lativ hohen Mieterbestandes. «Schwarze Zahlen werden wir erst schreiben, wenn eine gewisse Anzahl neuer Gebäude steht.» Daher bestehe Zeitdruck. Einige Gebäude auf dem Gelände stehen unter Denkmalschutz, beispielsweise der Kamin. «Er ist schön, aber unnütz», sagt Steiert. Und nun wird der Kamin auch noch teuer: Teile von Backsteinen sind runtergefallen – er muss saniert werden. «800 000 Franken kostet das», sagt Steiert. «Geld, das wir gerne anderswo eingesetzt hätten, um etwas zu bewegen.» Nun müssten Abstriche gemacht werden. Kommt dazu: Die Umgebung des Kamins muss abgesperrt werden. «Und das natürlich genau dort, wo wir kulturelle Aktivitäten geplant hatten», sagt Steiert. In der Grauen Halle geht vorerst nichts, da das Projekt für über 300 neue Arbeitsplätze und eine Mikro­brauerei fast 30 Millionen Franken gekostet hätte – viel zu viel. «Wir suchen nun nach einer geeigneten Zwischennutzung», sagt Steiert. Erfreut ist er indes über das neue Gebäude des Smart Living Lab: 5000 Quadratmeter gross soll es sein, geplant und finanziert vom Kanton, mit einer Kapazität für bis zu 130 Forschende. Und so sagt Steiert trotz Frust: «Vieles ist schon da.»

njb

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