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Er liest und zerstört 1000 «Balkontexte»

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Ausdauer ist gefragt am Samstag im Bad Bonn in Düdingen. Ausdauer vom Künstler und Ausdauer vom Publikum. Ivo Stritt lädt zu einer ungewöhnlichen Aktion ein–ein Experiment, von dem er selbst nicht genau weiss, wohin es führt: Er liest Texte vor und vernichtet sie gleich wieder–und das während rund fünf Stunden. «Ich habe im Frühling und Sommer des letzten Jahres viel Zeit auf meinem Balkon verbracht», erklärt er die Entstehung des ungewöhnlichen Auftritts. Oft sei er abends von 20 Uhr bis zum Eindunkeln draussen gewesen, habe geraucht, Bier getrunken und geschrieben.

Entstanden sind in dieser kreativen Phase 300 bis 400 Texte. «Da kam mir die Idee, weiterzumachen, bis 1000 Texte zusammen sind», erzählt der gebürtige Taferser, der seit einigen Jahren in Bern lebt.

Beim Schreiben sei ihm noch nicht klar gewesen, was mit diesen Texten geschehen solle. «Ich habe sie in erster Linie für mich geschrieben», sagt er. «Es sind sehr autobiografische Texte, wie Tagebucheinträge.» Er habe sie künstlerisch gestaltet, ausgeschmückt, auch mal in Versen formuliert und die Themen manchmal überspitzt dargestellt, und doch seien sie sehr persönlich. «Die Texte stellen einen Abschnitt meines Lebens dar, eine Phase, die ich mit dem Schreiben abgeschlossen habe.» So hat er beispielsweise den Schreibprozess selbst zum Thema gemacht. Die Texte handeln aber auch von einem Menschen, der nicht zufrieden ist mit seinem Leben, sich aber scheut, etwas zu ändern.

Eine Einheit bleiben

Ihm war deshalb wichtig, dass die Texte, die noch nie jemand gehört oder gesehen hat, eine Einheit bilden. «Es machte für mich keinen Sinn, einzelne herauszunehmen und zu überarbeiten.» Wenn sie den Weg in die Öffentlichkeit finden sollten, dann sollten sie beieinanderbleiben. So ist Ivo Stritt auf die Idee mit der Leseperformance gekommen. «Ich lese jeden der 1000 Texte einmal vor und schreddere sie dann vor den Augen des Publikums», sagt der 46-jährige Musiker und Poet. «In der heutigen Zeit, wo alles doppelt abgesichert, kopiert und verfügbar ist, soll dies einen Gegenpunkt setzen», erklärt Ivo Stritt. «Eine einmalige Angelegenheit, eine Momentaufnahme.»

Unbearbeitete Texte

Er verspricht, dass er seinen Vorsatz einhält und die Texte vorher nicht kopiert. Auf die Frage, ob es ihm leichtfalle, sein Werk zu vernichten, meint er: «Um den einen oder anderen Text tut es mir schon leid.» Er weist aber auch darauf hin, dass die Texte teilweise holprig seien. Auf eine Überarbeitung habe er bewusst verzichtet. «Da ist sicher auch viel Zeugs dabei, das wirklich in den Schredder gehört.»

Ein Wagnis

Wie das Publikum auf die Performance reagiert, kann Ivo Stritt nicht sagen. «Es ist ein Wagnis.» Das Vorlesen dauert rund fünf Stunden, wie ein Probelauf ergeben hat. «Wenn jemand die ganze Zeit zuhören will, ist er natürlich willkommen. Ich rechne aber nicht damit und möchte auch niemanden abschrecken», sagt er. «Ich könnte mir vorstellen, dass jemand eine Weile zuhört, dann wieder rausgeht, um ein Bier zu trinken oder zu rauchen, und später wieder einsteigt.»

Für ihn geht es vorerst einmal darum, die Zeit des Vorlesens durchzuhalten und nicht ins Stottern zu kommen. Pausen sind nicht vorgesehen, höchstens für dringende Toilettengänge. Ein Koffeinpräparat, das sonst Ausdauersportler zu sich nehmen, soll ihn fit halten. «Es ist nicht leicht, so lange konzentriert zu bleiben.» Wichtiger sei ihm aber, bei den Leuten eine Reaktion auszulösen. «Einige Texte sind nicht wirklich gut», sagt er. Zudem könnte er sich vorstellen, dass die leidende Haltung, die sich wie ein roter Faden durch die Werke zieht, einigen Zuschauern furchtbar auf die Nerven geht. «Ich möchte, dass die Leute reagieren, selbst wenn das negativ ist. Lieber negativ als gleichgültig.»

Vorschau

1000 Texte aus dem Leben

Unter dem Motto «Draussen» veranstaltet Ivo Stritt morgen in Düdingen eine Leseperformance. Er liest «1000 Texte aus dem Leben vom Balkon aus». Das Ganze dauert rund fünf Stunden. Das Bad Bonn hat er nicht zufällig als Austragungsort gewählt. «Ich bin schon öfters dort aufgetreten und habe mich immer wohlgefühlt», sagt er. Die Leseperformance passe in diese Beiz. «In einem normalen Theatersaal würde es nicht funktionieren.»im

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