Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Essensabgabe wird Ende Monat eingestellt

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Es gibt keine langen Schlangen. Niemand sieht, was beim Café Le Tunnel jeden Dienstagabend und jeden Freitagmittag passiert: Rund zwanzig Personen gehen mit leeren Händen ins Restaurant und kommen nach einer Weile mit einer vollen Einkaufstasche wieder heraus.

Erst einmal was trinken

«Wir wollen keine Ansammlungen», sagt Paul Attallah. So erhalten die Hilfesuchenden erst einmal ein Getränk, wenn sie im Café ankommen. Erst danach gehen sie einzeln zu Paul Attallah.

Der pensionierte Sozialarbeiter engagiert sich für den Verein La Tuile und hilft bei der Lebensmittelabgabe an Bedürftige. Gleichzeitig leistet er mehr als die reine Abgabe von Reis, Öl, Zucker, Konserven, Kaffee und Hygieneartikeln. Paul Attallah und seine Kolleginnen beraten die Hilfesuchenden und sagen ihnen, wo sie eine nachhaltige Unterstützung finden. Denn das Ziel ist, dass sie nicht wieder zur Lebensmittelabgabe kommen müssen. «Ich habe als Sozialarbeiter und Erzieher im Kanton Freiburg gearbeitet und kenne darum alle Anlaufstellen», sagt Attallah. Immer wieder kämen Menschen zur Lebensmittelabgabe, die nicht wüssten, dass sie Anrecht auf eine finanzielle Hilfe des Staates hätten – beispielsweise Rentnerinnen, denen nicht bewusst ist, dass sie Ergänzungsleistungen beantragen können.

Zur Lebensmittelabgabe kommen Menschen, die zwar arbeiten, deren Lohn aber nicht ausreicht, um die Familie zu ernähren. Oder Menschen, die schwarzgearbeitet haben und diese Arbeit während des Lockdown verloren haben: Sie können nun auch kein Arbeitslosengeld beantragen. «Wir haben viele Putzfrauen», sagt Attallah. Aber auch Angestellte, die wegen der Wirtschaftskrise in Kurzarbeit sind, und deren schon vorher magerer Lohn nun nicht mehr ausreicht. «Und auch Sexarbeiterinnen kommen zu uns – sie haben gar nichts mehr.»

Auch mal jemanden abweisen

Bei der Lebensmittelabgabe von La Tuile müssen die Hilfesuchenden weder Namen noch Adresse angeben. «Wir fragen nach ihrem Wohnort, nach der Grösse der Familie und dem Grund, warum sie hier sind», sagt Paul Attallah. Manchmal weist er Leute auch ab: «Wenn ich sehe, dass sie das Angebot ausnutzen und selber genügend Ressourcen haben.» Doch gebe es kaum Profiteure. «Wer zu uns kommt, dem gehts nicht gut.»

Der Bedarf nach kurzfristiger Hilfe durch die Lebensmittelabgabe bestehe, sagt Attallah. «Es gibt im Kanton Freiburg Armut, viel mehr, als man denkt.» Lange sei die Armut versteckt gewesen, doch die Corona-Krise habe sie nun allen vor Augen geführt.

Bisher die Hälfte ausbezahlt

Trotzdem stellt La Tuile die Lebensmittelabgabe Ende September ein, so wie die anderen Organisationen, die das seit Juni übernommen haben: Denn die ausserordentliche Soforthilfe für bedürftige Personen von einer Million Franken, die der Freiburger Staatsrat Anfang Juni gesprochen hat, läuft Ende Monat aus.

«Bisher haben wir rund 450 000 Franken ausbezahlt», sagt Jean-Claude Simonet, Vorsteher des kantonalen Sozialamts, auf Anfrage. «Die Nachfrage war kleiner, als wir erwartet haben.» Zu Beginn der Lebensmittelabgabe im Juni hätten noch sehr viele Personen die Pakete abgeholt. Bis im August sei die Zahl auf die Hälfte gesunken. «Das zeigt auch, dass die Leute weitergehende Hilfe holen», sagt Simonet. Dies dank der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, welche die Menschen bei der Lebensmittelabgabe an zuständig Stellen verwiesen.

Auch wenn noch immer zahlreiche Menschen Nahrungsmittel abholen – La Tuile verteilt jede Woche Lebensmittel für rund hundert Personen –, werde diese Hilfe nun nicht verlängert. «Wir wollen keine parallele Struktur zu den bestehenden Hilfen aufbauen», sagt Simonet. Im Kanton Freiburg sei das Netz für soziale Unterstützung eng geknüpft. Wer mit seinem Einkommen nicht auf das Existenzminimum komme, habe Anrecht auf Sozialhilfe. Und wer knapp darüber sei und keinen Anspruch auf Sozialhilfe habe, erhalte bei verschiedenen Institutionen punktuelle Hilfe. «Beispielsweise, wenn eine Zahnarztrechnung kommt.»

Laut Simonet befinden sich im Kanton Freiburg rund 25 000 Personen knapp über der Armutsgrenze. «In dieser Wirtschaftskrise haben wir den vollen Radar eingeschaltet – wir wollen vermeiden, dass diese Leute nun in Schwierigkeiten geraten.»

Die Arbeitslosenzahlen sind am Steigen – Simonet geht davon aus, dass daher nächstes Jahr ab Mai die Gesuche um Sozialhilfe steigen werden. «Wir haben das Budget bereits angepasst.»

Café Le Tunnel, Grand-Rue 68, Freiburg. Essensabgabe jeweils Di., 17 bis 20 Uhr, und Fr., 11 bis 14 Uhr.

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema