Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Freiburg hat Nachholbedarf in der Pflege

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Die meisten von uns werden irgendwann im Leben einmal Pflege in Anspruch nehmen.» Dies sagte Gesundheits- und Sozialdirektorin Anne-Claude Demierre (SP) gestern in Grangeneuve an einer Medienkonferenz über den Bedarf an Pflege- und Betreuungspersonal im Kanton Freiburg. Und weil die Bevölkerung stetig wächst und altert, wird auch der Bedarf an Pflege in Zukunft zunehmen.

Letzte Woche hat die Gesundheits- und Sozialdirektion das Bedürfnis an Betreuungsplätzen für Behinderte vorgestellt (die FN berichteten), nun präsentiert sie eine Studie zum Personalbedarf in Spitälern, Pflegeheimen und bei Spitexdiensten. Die von der Organisation Gesundheit und Soziales Ortra (siehe Kasten) verfasste Studie kommt zum Schluss, dass heute im Kanton nur 60 Prozent des Pflege- und Betreuungspersonals ausgebildet wird, das 2025 benötigt wird.

In Deutschfreiburg 39 Prozent

Die Spitäler, Alters- und Pflegeheime sowie Spitexdienste haben 2015 total 5776 Personen beschäftigt, für 2025 wird ein Bedarf von 7057 Personen erwartet. Es braucht also gegenüber heute noch 1281 Pflege- und Betreuungspersonen: ein Plus von 22 Prozent.

Zu dieser Zahl muss noch mitberechnet werden, wie viele Personen den Beruf verlassen. Bei einem mittleren Szenario herrscht bis 2025 ein jährlicher Nachwuchsbedarf von 347 Personen; 2015 gab es aber im Kanton nur 206 Ausbildungsabschlüsse. Mit den momentan ausgebildeten Personen werden also nur 59,4 Prozent des Bedarfs von 2025 erfüllt. Der Deckungsgrad liegt für Deutsch­freiburg sogar bei nur gerade 39 Prozent.

«Es ist zwingend notwendig, Massnahmen zu ergreifen, um Personal zu rekrutieren, auszubilden und bestehendes Personal halten zu können», sagte Peter Dolder, Autor der Studie. Dolder hatte bereits am Nationalen Versorgungsbericht 2016 mitgearbeitet; für die Freiburger Studie wendete er die gleiche Systematik an.

Die heutige Situation im Kanton sei noch nicht alarmierend, sagte Anne-Claude Demierre. Doch zeigten Zahlen von 2010 bis 2014, wie die Entwicklung aussieht: Während das Spitalpersonal um 2,2 Prozent zunahm, waren es bei den Pflegeheimen 11,8 Prozent und bei den Spitexdiensten gar 23,8 Prozent. Gemäss Barbara Zosso, Direktorin von Ortra Freiburg, stellt diese Wachstumsrate nur rund die Hälfte des schweizerischen Durchschnitts dar. Grund dafür waren die Restrukturierungen im Spitalsektor. Gleichzeitig liegt auch die Freiburger Ausbildungstätigkeit unter dem nationalen Durchschnitt.

In der Studie fallen Unterschiede zwischen den Sektoren und der Ausbildung auf. So ist Personal mit tertiärer Ausbildung (Bachelor von Fachhochschulen) in den Pflegeheimen untervertreten. Weiter haben 40 Prozent des Personals der Tertiärstufe ein ausländisches Diplom, bei Spitälern gar 62 Prozent. Laut Demierre sind aber viele von ihnen seit langem in der Schweiz.

Massnahmen vorgeschlagen

Die Studie schlägt Massnahmen vor, um dem drohenden Personalmangel entgegenzuwirken: die Zahl neu ausgebildeter Personen erhöhen, den Einsatz des vorhandenen Personals optimieren und dafür sorgen, dass das Personal länger im Beruf bleibt.

«Wir können uns nicht nur auf die Jungen konzentrieren; die Erwachsenen sind ein wichtiges Rekrutierungsbecken», sagte Zosso. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben soll gefördert und die Ausbildung von Erwachsenen finanziell besser kompensiert werden. Zosso zeigte auch, dass die Ausbildungsplätze von den Praktika abhängig sind. Deshalb sollten die Institutionen für Praktikumsplätze Nacht-, Wochenend- und Ferienzeiten besser nutzen. Zudem bieten nicht alle gleich oft Praktikumsplätze an. Zosso sieht ein weiteres Potenzial in der Kommunikation. Zudem sollten die Betriebe ihre Effizienz ständig hinterfragen und Personal mit Wertschätzung und besseren Strukturen im Betrieb halten.

Keine Kosten bekannt

Über Zahlen, wie viel das zusätzlich auszubildende und anzustellende Personal die Gesellschaft kostet, gibt die Studie keine Auskunft. Demierre sagte aber, dass der Staatsrat die erwähnten Massnahmen priorisieren und in die Finanzplanung 2017 bis 2021 aufnehmen wird. Ansonsten werden die Ausbildungs- und Lohnkosten durch die beteiligten Partner wie bisher aufgeteilt.

Die präsentierte Studie soll durch ein permanentes Monitoring weiterverfolgt werden.

Zahlen und Fakten

Heime bilden am meisten aus

Ende 2014 haben im Kanton Freiburg 1950 Pflegepersonen in Spitälern, 2854 in Heimen und 799 bei Spitexdiensten gearbeitet. Der Zuwachs zwischen 2010 und 2014 betrug 9,7 Prozent: 2,2 Prozent bei Spitälern, 11,8 Prozent in Pflegeheimen und 23,8 Prozent bei Spitex-Diensten. Bis 2025 soll der Personalbedarf um 22 Prozent auf 7057 anwachsen. Die Spitäler haben zuletzt 34,4 Prozent des Personals ausgebildet, die Heime 57 Prozent und die Spitex 7,7 Prozent. Während bei den Spitälern der Anteil des Personals mit tertiärer Ausbildung bei 75 Prozent liegt, beträgt er in den Heimen 23 Prozent. Bis 2025 sollten jährlich 347 Personen ausgebildet werden, derzeit sind es 206: 60 Prozent. 66 Prozent sind es im französischsprachigen Teil, 39 Prozent in Deutschfreiburg.

uh

 

Ortra Freiburg

Personelle Wechsel in der Direktion und im Vorstand

Die Organisation der Arbeitswelt des Kantons Freiburg für die Fachbereiche Gesundheit und Soziales Ortra steht vor personellen Wechseln. Mit der gestrigen Präsentation der Studie über den Bedarf an Pflege- und Betreuungspersonal hat Direktorin Barbara Zosso ein wichtiges Mandat abschliessen können, bevor sie im Sommer die Organisation verlässt. Sie wird im August ersetzt durch Chris­tophe Monney als neuen Direktor. Er kommt vom Amt für Berufsbildung des Kantons Freiburg. Zudem hat an der gestrigen Generalversammlung Hélène Morgenthaler die Funktion von Rodolphe Rouillon im Vorstand übernommen.

Mit der Studie hat Ortra eine wichtige Arbeit geleistet in jenem Sektor, in dem die Organisation ihre Hauptaufgabe hat: als zentrale Ansprechpartnerin der Arbeitswelt für alle Belange der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung in ihrem Zuständigkeitsbereich. Das letzte Jahr war geprägt von der Revisionsverordnung und des Bildungsplans für die Ausbildung «Fachperson Gesundheit». Sie gilt ab 2017. In dieser Ausbildung ist ein Anstieg an Lernenden zu verzeichnen.

Wichtig war auch die Einführung einer Datengrundlage- und Planungssoftware für die überbetrieblichen Kurse von Ortra Freiburg.

uh

 

Mehr zum Thema