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Gagen, Spaghetti und Festfreude

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Gagen, Spaghetti und Festfreude

Autor: Irmgard Lehmann

In drei Wochen sind 30 Konzerte mit über 500 Musikerinnen und Musikern angesagt. Was es dabei an Vorbereitungen braucht, kann man sich kaum vorstellen. Jedes Jahr muss von Grund auf neu geplant werden. Denn das Programm wird nur in Murten gespielt und nirgendwo anders, was nicht üblich ist. Meistens sind Orchester und Stars auf Tournee, und so wird das gleiche Programm etwa in Gstaad und wenig später auch am Lucerne Festival aufgeführt.

In Murten haben die Direktorin Jacqueline Keller, der künstlerische Leiter Kaspar Zehnder wie auch der Vorstand mit dem Präsidenten Daniel Lehmann die Fäden in der Hand. Sie sind es, die dem Festival das Gesicht geben.

Jacqueline Keller, verraten Sie uns, wie man ein Festival organisieren muss?

(Schmunzelt) Ja, so einfach ist das nicht. Vorab ist es ein Kampf um jeden Rappen. Denn 50 Prozent des Budgets (dieses Jahr 850 000 Franken) müssen durch Sponsoren gedeckt sein. Auch Murten, die umliegenden Gemeinden und der Kanton steuern über 100 000 Franken bei.

Bei der Organisation gehen wir seit Jahren gleich vor: Kaspar Zehnder legt das Thema fest. Dieses Jahr heisst das Motto «Nordlicht». Dann bestimmen wir die Werke und fragen Orchester bzw. Dirigenten an, ob sie bereit wären, die Werke an diesem oder jenem Datum zu spielen. Der vierte Schritt ist dann die Suche nach den Solistinnen und Solisten.

Und wenn einer nicht kommt, ist das totale Chaos?

Die Gefahr besteht … Wenn ein Solist oder ein Dirigent in letzter Minute telefoniert und sagt, dass er jetzt noch ein Angebot in Salzburg erhalten habe, kann uns das schon ins Schwitzen bringen. Einer fehlt und schon gerät einiges durcheinander.

Heute haben wir den 4. August. Wie sieht für Sie der Tag aus?

Heute morgen habe ich bereits zehn Pakete mit Festivalführern verschickt und eine Unmenge Telefonanrufe entgegengenommen. In einer Viertelstunde kamen 50 Anrufe. In der Migroszeitung ist heute ein Wettbewerb erschienen, mit der Möglichkeit eine Konzertkarte zu gewinnen. Nachmittags muss ich den Instrumententransport und den Abholdienst für Künstler vom Flughafen organisieren. Gegen Abend steht noch der Check des technischen Aufbaus im Schlosshof auf dem Programm.

Sie sind Kulturmanagerin und haben als einstige Bankfrau und ausgebildete Sängerin das notwendige Knowhow. Warum sind Sie als Konzertmanagerin gerade in Murten hängen geblieben?

Die familiäre Atmosphäre in Murten ist einzigartig. Ich habe Kontakt mit den Initianten, mit den Musikerinnen und Musikern – die Betreuung gehört zu meiner Aufgabe – und auch mit den Leuten aus Murten. Beim Lucerne Festival wäre man wohl nur eine Nummer.

Wie eng das Festival mit der Bevölkerung verknüpft ist, zeigt auch die Bereitschaft der Einwohner, Musikerinnen und Musiker bei sich privat aufzunehmen. Ich kenne eine 70-jährige Frau, die seit Jahren Solisten das Frühstück macht, sie zu Proben fährt und abends mit Spaghetti aufwartet.

Und die schönsten Momente für Sie …

Wenn eine Solistin oder ein Solist auf der Bühne steht und 450 begeisterte Besucher sich für die Musik mit einem innigen Applaus bedanken. Da denke ich: Auch dank mir … (lacht mit schelmischem Blick).

… und die andere Seite der Medaille?

Der ewige Spagat zwischen Publikumshit und Mut zu Neuem. Der ewige Spagat zwischen Budget und Wünschen des künstlerischen Leiters.

Sie sagten aber, dass die Gagen kaum ein Thema sind.

Bei jenen nicht, die bereits einmal in Murten waren. Die meisten Künstlerinnen und Künstler kommen gerne wieder, trotz bescheidener Gage. Beim Berner Sinfonieorchester würde sie fünfmal grösser sein.

Etwas mehr reden müssen wir bei Erst-Engagements.

Das kommt mir aber vor wie ein Profitieren.

Die Welt ist mobil geworden – auch im Kunstbetrieb. Und so gibt es sehr viele hochqualifizierte Musikerinnen und Musiker, tolle Musiker, auch wenn sie nicht zur Spitze gehören. Vielfach sind die sogenannten Stars einfach nur besser vermarktet.

Murten bietet dem Nachwuchs ja auch eine Plattform.

Eine begabte junge Pianistin aus dem Sensebezirk hat ihr Musikstudium kurz vor dem Abschluss an der Musikhochschule Zürich abgebrochen, mit der Begründung, dass sie im Konzertbetrieb sowieso nicht mithalten könne. Die Konkurrenz aus dem Osten sei zu gross. Was sagen Sie?

Das stimmt. Vorab die Mentalität der Chinesen und Japaner ist nun mal eine ganz andere als die unsrige: Da wird bereits das vierjährige Kind getrimmt. Musik wird über ein Fernstudium eingepaukt mit sieben, acht Stunden Üben am Tag. Da haben wir Schweizer keine Chance, wo man die Virtuosität im besten Fall mit 24 Jahren macht. Pianisten haben da einen besonders schweren Stand.

Murten Classics schielt aber nicht nur nach Osten?

Wir haben ein klares Konzept, und das heisst Förderung von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern: 24 Solisten, Orchester, Ensembles und Dirigenten kommen aus der Schweiz und 23 aus dem Ausland. Die Balance stimmt.

Zum 21. Mal Murten Classics. Die Zeit für einen Konzertsaal wäre reif.

(Lacht) Kaspar Zehnder und ich haben beschlossen, so lange in Murten zu bleiben, bis der Konzertsaal von Murten steht. Wäre doch kein Luxus für den Seebezirk, der immer noch keinen hat.

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