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Gedankenwelten aus Glas

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«Für uns ist es immer ein Abenteuer, eine neue Ausstellung zu konzipieren», sagt Stefan Trümpler, Direktor des Vitromusée in Romont. Schliesslich müssten die ausgestellten Künstler ja in irgendeiner Weise in Beziehung zueinanderstehen. Angesichts der Tatsache, dass jeder Künstler eine ganz eigene Welt kreiere, sei das stets eine Herausforderung.

Mit der aktuellen Ausstellung ist es dem Team rund um Trümpler gelungen, zwei Künstler zu vereinen, die auf den ersten Blick verschiedener nicht sein könnten, auf den zweiten Blick aber vieles gemeinsam haben. Catherine Liechti aus Freiburg und Peter Barth aus Kerzers teilen nicht nur die Leidenschaft für den Werkstoff Glas, sie ähneln sich auch in der Art und Weise, wie sie an ihre Kunstwerke herangehen: «In ihren Werken kristallisieren und materialisieren sich Gedanken, welche die beiden Kunstschaffenden umtreiben», sagt die Kunsthistorikerin Astrid Kaiser. «Beide versuchen, ihren Reflexionen eine Form zu geben.»

Ein Museum im Museum

Peter Barth aus Kerzers hat für die Ausstellung eine Retrospektive seines Schaffens der letzten zwei Jahrzehnte gestaltet. Aus Fragmenten früher entstandener Werke formte Barth einen grossen Kubus aus Holz und Glas – ein Museum im Museum, das dem Besucher den Eintritt in die Gedankenwelt des introvertierten Künstlers ermöglicht. «Seelenlandwirtschaft» nennt Barth seine Installation. «Es ist mein geistiges Haus», sagt er. «Die Glaswände symbolisieren die Verbindung von Innen und Aussen – von Geist und Materie.» Auf die vielen Glasfenster des begehbaren Würfels sind kurze Texte geschrieben. Die Arbeit mit Schrift und Sprache ist eine Konstante im Schaffen des belesenen Künstlers, der sich selbst als Intellektuellen bezeichnet. «Sprache ist Bild, und Bild ist Sprache», so Barth.

Von Michelangelo bis Beuys

Die Texte von Peter Barth sind nicht nur in sein kubisches Gesamtkunstwerk eingearbeitet. In selbst gestalteten Büchern präsentiert Barth dem Besucher der Ausstellung Unmengen an Kurztexten aus seiner Feder. Mal erklärend, oft lyrisch, setzt sich Barth darin mit anderen grossen Kunstschaffenden auseinander: Dürrer, Michelangelo, Monet, Klee, Warhol, Gauguin, Rothko und Beuys sind nur einige Künstler, die ihn inspirieren und fesseln. Seine Texte sind Analysen von berühmten Kunstwerken und gleichzeitig Ausdruck einer subjektiven Auseinandersetzung damit. «Es sind Meditationen», sagt Barth. Sie dokumentieren seine 15-jährige Odyssee durch unzählige Schweizer Museen und seine obsessive Annäherung an die Kunstwerke: Einige Gemälde hat er sich bis zu 50 Mal angesehen. «Die Bilder sind über die Jahre hinweg Teil meiner geistigen Welt geworden», so Barth. Am Anfang und im Zentrum seiner Auseinandersetzung steht das Dreikönigsfenster im Berner Münster. Wie wichtig Barth die Auseinandersetzung mit dem mittelalterlichen Werk war, zeigt die prominente Stellung, die eine Reproduktion davon in seinem Kubus einnimmt. Das Kirchenfenster gibt dem Raum eine sakrale Ausstrahlung. Barth selbst bezeichnet sein Kunstwerk denn auch als Kapelle.

Das Ende einer Ära

Mit der aktuellen Ausstellung setzt Barth einen Schlussstrich unter eine wichtige Periode seines Schaffens. Für ihn geht mit der Auflösung seines Ateliers in Kerzers in diesem Jahr eine Ära zu Ende. Mit dem Gesamtkunstwerk, das er für die Ausstellung in Romont geschaffen hat, setzt er den letzten 15 Jahren ein Denkmal. Welche Richtung er in Zukunft einschlagen wird, weiss Barth noch nicht. «Ich werde auf jeden Fall weniger oft in Museen gehen», sagt er schmunzelnd.

Memento mori

Auch Catherine Liechti aus Freiburg arbeitet seit Jahren mit Glas. Durch die Technik der Gravur hat sie den Werkstoff dereinst für sich entdeckt. Bis heute hat das Material für sie nichts von seiner Faszination verloren. «Mich zieht die Ambivalenz des Glases an», sagt sie. «Einerseits ist es hart und statisch, andererseits aber auch sehr fragil und zerbrechlich. Es erinnert mich an den Menschen und seine Zeitlichkeit». Die ausgestellten Werke «Altalena», «Correspondance», «Moments», «The Pillow Books», «Réminiscences» und «Innocence» hat Liechti eigens für die Ausstellung geschaffen. Entstanden sind sie in den letzten sechs Monaten in einem Keller in der Lausannegasse in Freiburg. Dass sie nun im mittelalterlichen Schloss von Romont erneut vor uralten und zerfurchten Wänden einen Platz gefunden haben, freut die Künstlerin. «Ein Kreis schliesst sich», sagt Liechti. Ihre Skulpturen und Glasmalereien sind melancholische Sentenzen über die Vergänglichkeit und die Zeit. Mit Abdrücken von Schmetterlingsflügeln auf schwarzem Glas, fossilienartigen Mustern auf gläsernen Säulen und Landschaftsbildern, die im Nebel verschwimmen, schafft Liechti dunkle Memento mori und lässt die Besucher so an ihren Gedanken zur Vergänglichkeit des Lebens teilhaben.

In vielen ihrer Werke wirft die Freiburgerin einen nostalgischen Blick zurück in ihre Kindheit und versucht dabei, den Fluss der Zeit visuell festzuhalten. In einer Ecke des Raums hängt eine Kinderschaukel über einem Ensemble von bemalten Glasplatten, die zusammen ein Meer aus Farbe bilden. «Erinnerungen sind immer flüchtig und entziehen sich einem ständig», sagt Liechti. «Sie lassen sich nicht rational festhalten, und auf gar keinen Fall lassen sie sich niederschreiben». Die gläsernen Bücher der Installation «The Pillow Books», die im Zentrum der Ausstellung von der Decke hängen, sind denn auch nicht mit Text beschrieben. Liechti hält darin das Verfliessen der Erinnerungen fest. Dazu hat sie Farbe auf die Glasplatten gegossen und hat sie langsam darauf verrinnen lassen. «Die Bilder in den Büchern sind wie unsere Erinnerungen», sagt die Künstlerin. «Sie sind verzerrt, undeutlich und scheinen schon zu verblassen».

Vitromusée, Romont. Bis zum 26. März 2017. Di. bis So. 10 bis 17 Uhr. Informationen unter: www.vitromusee.ch

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