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Genialer Schausteller und Entertainer

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Till Eulenspiegel, auch Dil Ulenspiegel und Dyl Ulenspege, lebte angeblich als umherstreifender Schalk im 14. Jahrhundert. Er war Protagonist einer mittelniederdeutschen Schwanksammlung, die um 1510 erstmals unter dem Titel «Ein kurtzweilig lesen von Dil Ulenspiegel» vom Strassburger Verleger und Drucker Johannes Grüninger ohne Nennung eines Verfassers publiziert wurde.

«Obwohl Eulenspiegel in späteren Illustrationen mit Attributen wie einer Narrenkappe dargestellt wird, ist er nicht als ausgewiesener Narr herumgezogen; tatsächlich war er seinen Mitmenschen an Geisteskraft, Durchblick und Witz überlegen. Eulenspiegels Streiche ergaben sich meist daraus, dass er eine bildliche Redewendung wörtlich nahm. Er verwendete dieses Wörtlichnehmen als ein Mittel, die Unzulänglichkeiten seiner Mitmenschen blosszustellen und seinem Ärger über Missstände seiner Zeit Luft zu machen», steht im Wikipedia-Eintrag.

Der Geist der Aufklärung

Im vorliegenden Roman wird Tyll Ulenspiegel zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in Norddeutschland geboren. Sein Vater, von Beruf Müller, betätigt sich hobbymässig als Magier und Welterforscher. In ihm manifestiert sich bereits der Geist der Aufklärung. Dadurch gerät er in schwere Konflikte mit der Kirche, die solches Tun zu dieser Zeit nicht tolerierte. Selbständiges Denken und Forschen war nach kirchlicher Lesart des Teufels und musste mit brutaler Gewalt, Folter und Feuer bekämpft werden. Vaters Beschäftigungen gefährden nicht nur ihn selbst, sondern seine ganze Familie. Die katholische Geistlichkeit, vorab Mitglieder des Jesuitenordens, benutzen die Hexenjägerei skrupellos als Vorwand für ihre Karrieren. Für den aufgeweckten Müller wird die Lage brandgefährlich. Sein Sohn Tyll ent­schliesst sich zu fliehen, zu ihm gesellt sich die Bäckerstochter Nele. Es wird eine abenteuerliche und äusserst gefahrvolle Flucht durch die vom Dreissigjährigen Krieg verwüsteten Lande. Überall lauern Mord und Totschlag. Marodierende, enthemmte Söldner brandschatzen, vergewaltigen, rauben und töten wahllos.

Tyll – sehr intelligent, witzig, gerissen, frech, aber auch äusserst pragmatisch – geistert mit Nele durch diese schreckliche Zeit und macht unzählige Bekanntschaften mit Leuten aus allen Gesellschaftsschichten. Egal, ob adelig und reich oder arm und Untertan, Tyll hält jedermann den Spiegel vor. Obwohl um 300 Jahr versetzt – dichterische Freiheit –, passt Tyll mit seinem Zynismus und Spott wunderbar in die Zeit der europäischen Glaubenskriege, in denen die unwissende und abergläubische Dorfbevölkerung auf beschämendste Weise ausgenutzt und terrorisiert wurde. Auch in diesem Roman wird klar, dass es den mächtigen Königshäusern nicht in erster Linie um Religion ging, sondern um Macht und Einfluss.

Wie sonst wäre das Bündnis zwischen dem katholischen Frankreich und den protestantischen Reichsfürsten zu erklären? Was macht es da schon aus, wenn bis Ende des Krieges die Bevölkerung in den deutschen Ländern um weit mehr als die Hälfte geschrumpft ist! Für den Adel wohl nur ein bedauerlicher, aber unvermeidlicher «Kollateralschaden»!

Daniel Kehlmann, als genialer Erzähler bekannt, bleibt mit diesem gut konstruierten Roman nichts schuldig: grosse Erzählkunst, sprachmächtig, meisterhaft.

Daniel Kehlmann: «Tyll»: Roman, Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt, 2017, 473 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

Zur Person

Erfolgreicher Bestsellerautor

Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren, wurde für sein Werk unter anderem mit dem Candide-Preis, dem WELT-Literaturpreis und dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet. Sein Roman «Die Vermessung der Welt» ist eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher der Gegenwart.

af

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