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Gottéron strauchelt unentwegt weiter

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Im EHC Kloten ist neuerdings der Trainer der Star. Auf den zugleich unscheinbaren und erfolglosen Pekka Tirkkonen folgte diese Woche bei den kriselnden Zürcher Unterländern Kevin Schläpfer, auch «Hockey-Gott» genannt. Der hemdsärmelige Basler trägt sein Herz auf der Zunge, ist um einen flotten Spruch nie verlegen und wirkt durch sein nahbares Wesen für viele einnehmend. Gelegentlich ist Schläpfer aber auch ein wenig naiv und unbedarft, so wie kürzlich, als sich der langjährige Biel-Coach beim Cup-Spiel «seines» EHCB gegen Olten mit Seeländer Fans ablichten liess, die ihm ein T-Shirt mit der Aufschrift «Scheiss Olten» übergestreift hatten. In den Zeiten der Social Media machte das unrühmliche Foto schnell die Runde. Alles halb so schlimm, lautete der überwiegende öffentliche Tenor. Weil, der Kevin ist halt so.

Wie Schläpfer als Eishockeylehrer ist, daran spalten sich die Geister indes. Er führte Biel zwar in die Playoffs, stürzte aber genauso bis in die Liga-Qualifikation ab und wurde letzte Saison entlassen. Kloten ist nun seine zweite Station als Trainer und die ultimative Herausforderung, um zu zeigen, dass Schläpfer mehr als nur Show ist. «Hey Hollywood! Schau zu mir! Halt die Klappe!», hatte ihm einst der ehemalige ZSC-Trainer Marc Crawford zugerufen, nachdem ihm die Theatralik des Baslers auf die Nerven gegangen war. Die ex­trovertierte Art gehört zum charismatischen Schläpfer, dem der Ruf eines ausgezeichneten Motivators vorauseilt.

Verrückte Schlussminute

Die zweifelhafte Ehre, erster Gegner dieses bis in die Spitzen motivierten Kloten zu sein, hatte gestern ausgerechnet Gottéron. Im Grunde gibt es unmittelbar nach einem Trainerwechsel ja zwei Möglichkeiten: Entweder überrennt das mit neuem Leben eingehauchte Team seinen Kontrahenten, oder aber (was eher die Ausnahme ist) die Spieler sind aufgrund der neuen Inputs sowie des womöglich neuen Spielsystems verunsichert und scheitern daran, es zu gut machen zu wollen. Tatsächlich war von einem Sturmlauf der Gastgeber nicht viel zu sehen, schon eher war es zunächst ein Herantasten zweier zweifelnden Teams: Auf der einen Seite das Tabellenschlusslicht, auf der anderen die Freiburger, deren superber Saisonstart längst vergessen ist und die zuletzt dreimal in Folge verloren hatten.

Gottéron fand den Tritt dann im mediokren Startdrittel eher, hatte es dann aber kurz vor der Pause Ludovic Waeber zu verdanken, dass es nicht in Rückstand geriet. Gleich zweimal rettete der Ersatz des verletzten Barry Brust gegen Vincent Praplan und Dennis Hollenstein mirakulös. Für Kloten schien diese Doppelchance so etwas wie ein Weckruf gewesen zu sein: Verteidiger René Back eröffnete in der 22. Minute das Skore für die Gastgeber. Dieses Tor löste bei den Zürchern die mentale Blockade. Nur fünf Minuten später erhöhte Romano Lemm auf 2:0. Zupass kam ihm dabei das erstaunlich passive Verhalten der Freiburger, allen voran in der Person Roman Cervenkas.

War die schwache Angriffsauslösung gestern bei Gottéron neu, so galt dies nicht für die unentwegte Harmlosigkeit vor dem Tor. Matthias Rossi kann den verletzten Julien Sprunger in der Formation mit den beiden Tschechen Cervenka und Michal Birner nicht vergessen machen, Killian Mottet ist einer der wenigen Aktivposten, aber ohne Fortune, und seit Jim Slater an einer Rippenverletzung laboriert, ist er nicht mehr der Reisser, der er noch zu Saisonbeginn gewesen ist.

Das dringend benötige Anschlusstor wollte im Schlussabschnitt weiter nicht gelingen, auch nicht im ungenügenden Powerplay, als die in Unterzahl agierenden Klotener gar noch die beste Chance zu verzeichnen hatten. Dass John Fritsche nur den Pfosten traf – es war bereits der 18. Stangenschuss Gottérons der Saison (einsame Ligaspitze) – ist Pech, passte aber zur eklatanten Abschlussschwäche.

Als wirklich alles auf eine gelungene Premiere von Schläpfer hindeutete, schlugen die Freiburger völlig unerwartet doch noch zu, und dies gleich doppelt. Zunächst verkürzte Slater (59:18), fünf Sekunden vor der Sirene markierte Rossi gar den kaum mehr für möglich gehaltenen Ausgleichstreffer – beide Male hatte Waeber einem sechsten Feldspieler Platz gemacht.

Praplan im 18. Penalty

Weil die Gäste bei einem Pfostentreffer Klotens in der Overtime Glück hatten, ging es wie bereits am Dienstag gegen den ZSC ins Penaltyschiessen. In dieser Übung zogen die Freiburger zum dritten Mal in dieser Saison nach dem 18. Penalty und dem Treffer Vincent Praplans den Kürzeren.

Trotz des einen Punkts, mit nur elf Zählern aus den letzten elf Partien wird die Situation für Gottéron langsam, aber sicher ungemütlich. Dass die Freiburger noch immer acht Zähler Abstand zum Strich haben, liegt allein an der Siegesserie zu Beginn des Championats. Gefordert sind jetzt nicht nur die Spieler, auch Trainer Mark French ist angehalten, Lösungen zu finden. Es bleibt gut eine Woche Zeit, um die beiden letzten Spiele vor der Nationalmannschaftspause – am Freitag in Zug und am Samstag zu Hause gegen den HCD – vorzubereiten. Gottéron täte gut daran, dann auf Teufel komm raus wieder mit dem Toreschiessen zu beginnen. Andernfalls werden sich die Freiburger schneller dort wiederfinden als es ihnen lieb ist, wo sie nicht mehr hinwollten: mitten im Strichkampf.

Telegramm

Kloten – Gottéron 3:2 n.P. (0:0, 2:0, 0:2)

5324 Zuschauer. Tore: 22. Back (Bieber) 1:0. 27. Lemm (Kellenberger) 2:0. 60. (59:18) Slater (Cervenka) 2:1 (Gottéron ohne Torhüter). 60. (59:55) Rossi (Rathgeb) 2:2 (Gottéron ohne Torhüter). – Penaltyschiessen: Santala -, Birner -; Praplan -, Mottet -; Salinen 1:0, Cervenka -; Hollenstein -, Bykow 1:1; Bieber -, Holos -; Bykow -, Salinen -; Cervenka -, Santala -; Rathgeb -, Hollenstein -; Birner -, Praplan 2:1. Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Kloten, 3-mal 2 Minuten gegen Gottéron.

Kloten: Boltshauser; Stoop, von Gunten; Weber, Back; Egli, Andersen; Harlacher; Praplan, Santala, Hollenstein; Grassi, Trachsler, Bieber; Leone, Schlagenhauf, Salinen; Obrist, Kellenberger, Lemm; Bader.

Freiburg-Gottéron: Waeber; Holos, Schilt; Kienzle, Stalder; Rathgeb, Leeger; Glauser; Meunier, Slater, Schmutz; Rossi, Cervenka, Birner; Fritsche, Rivera, Vauclair; Marchon, Bykow, Mottet; Neuenschwander.

Bemerkungen: Kloten ohne Bäckman, Ramholt (beide verletzt), Gottéron ohne Brust, Sprunger und Chavaillaz (alle verletzt). – 58. Timeout Gottéron, von 58:14 bis 59:18 und von 59:27 bis 59:55 ohne Torhüter. – 59:45 Timeout Kloten.

Die FN-Besten: Lemm und Mottet.

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