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«Hat die überhaupt ’ne Erlaubnis, sich ausserhalb der Küche aufzuhalten?»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Sie lebt für den Sport, für den Fussball: Claudia Neumann ist begeisterte Sportkommenta­torin. Sie arbeitet beim deutschen Fernsehsender ZDF. Und jedes Mal, wenn sie ein Fussballspiel der Männer kommentiert, laufen Internetforen heiss: Hass ergiesst sich über die Frau, die es sich traut, ­etwas zur wichtigsten Neben­sache der Welt zu sagen.

Nun hat die Mittfünzigerin ein Buch darüber geschrieben. Es ist keine Anklage, keine Streitschrift. Vielmehr zeigt Claudia Neumann auf, wie sie zum Fussball gekommen ist und wie sie Kommentatorin wurde. Schon als Mädchen war sie in den 1970er-Jahren täglich auf dem Bolzplatz – als das für Mädchen noch sehr aussergewöhnlich war. Sie beschreibt ihre Kinderjahre, wie sie später ihre ersten Texte für die Lokalzeitung schrieb, Sportwissenschaft, Germanistik und Pädagogik studierte – und nach dem Weltmeisterschaftstitel von Deutschland 1990 beschloss, dass sie «dabei sein will, so nah als möglich». Sie will Sport­reporterin werden.

Sie beginnt ein Praktikum bei RTL plus – in einer Zeit, als die Privatsender aufkommen und Fussball wichtig wird. 1999 wechselt sie zum ZDF. Ihr Buch gibt einen spannenden Einblick in die Entwicklung der Sport- und Fussballberichterstattung.

Claudia Neumann ist keine Feministin. Gleichstellung ist ihr kein Herzensanliegen. Aber für sie ist es normal, dass alle Menschen gleich und mit Respekt behandelt werden. Ihr Motto: «Jeder darf, wenn er kann, keiner muss.» Und genau das bringt ihr Buch einem mit einer leichten Sprache nahe. Kritik akzeptiert Neumann – aber nicht den Hass, der ihr entgegenschlägt.

Stimme entscheidet alles

«Der Live-Kommentar ist die Königsdisziplin aller Reportertätigkeiten», schreibt Neumann. «Wer dazu den Fussball wählt, begibt sich automatisch in eine Art öffentliches Fegefeuer.» Mitleid sei fehl am Platz, «das gilt für Frauen ebenso wie Männer. Ein ­Genderbonus ist die schlechteste aller Ideen».

Einige der Kommentare von Claudia Neumann wurden von einem Mann und von einer Frau anonym nachkommentiert und dann einem grösseren Publikum zur Bewertung vorgelegt. Der Kommentar der Frau stiess dabei auf überwiegende Ablehnung, der Mann jedoch fand mit dem genau gleichen Text grosse Zustimmung: Er sei kompetent und habe eine angemessene Wortwahl. Das Publikum hätte ­gerne mit dem Fach-Mann gefachsimpelt.

Claudia Neumann stellt fest: «Die lautstarken Proteste haben das Gegenteil von dem bewirkt, was sich die Krakeeler ausgemalt haben.» Sie ist nicht, wie einige forderten, abgesetzt worden. Vielmehr habe das Thema «eine dicke gesellschaftspolitische Bedeutung erhalten». Die Sportredak­tionen schauten nun darauf, Frauen einzusetzen: «Man fühlt sich in der Verpflichtung, Frauen in diesem Jobumfeld wirkungsvoller zu begleiten. Hey Leute, das ist doch was?»

Wichtige Unterstützung

Zahlreiche Sportler und Politiker haben Claudia Neumann unterstützt, als sie bei der Weltmeisterschaft 2018 so stark angefeindet wurde. Sie wurde auch zu einem Vorbild der Frauenbewegung – eigentlich wider Willen. Und doch schreibt sie am Schluss: «Die ungeahnte Kraft, zumindest eine gesellschaftliche Weiche ein klein wenig verrückt zu haben, bedeutet mir inzwischen etwas.» Und vielleicht könne sie eines Tages sogar ein bisschen stolz sein, wenn Fussballkommentatorinnen niemanden mehr zu «Protesten unterster Schubladen» hinreissen lassen. «Zugeben würde ich es vermutlich nicht.»

Claudia Neumann: «Hat die überhaupt ‘ne Erlaubnis, sich ausserhalb der Küche aufzuhalten? Wie ich lernte, das Leben sportlich zu nehmen.» 240 Seiten. Harper Collins, Hamburg 2020.

Für Claudia Neumann ist es normal, dass alle Menschen gleich und mit Respekt behandelt werden.

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