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Hunde und Wanderer sind im Clinch

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Wolf, Schafe, Herdenschutzhunde, Wanderer–diese Kombination führt immer wieder zu Problemen. Vor kurzem hat auf dem Schafarnisch in der Gemeinde Plaffeien ein Herdenschutzhund einen Wanderer gebissen. Dieser reichte Strafklage ein und meldete den Biss beim Kantonstierarzt. Darauf mussten die beiden Hunde die Alp verlassen–das war Anfang Juli.

«Nach einem Biss müssen wir den Fall abklären und rasch Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung verfügen», sagt Kantonstierarzt Grégoire Seitert. Dies könne so weit führen, dass die Hunde die Alp provisorisch oder auch endgültig verlassen müssten. Die Herdenschutzhunde vom Schafarnisch seien für rund eine Woche bei ihrem Besitzer gewesen. Dann riss ein Wolf auf der Kaisereggalp Schafe (siehe Kasten). «Also konnte ich nicht länger zuwarten, es brauchte einen Entscheid», sagt Seitert.

Er liess das Verhalten der zwei Hunde in verschiedenen Situationen «evaluieren»: Dies ist ein Verfahren, welches sich aus standardisierten Elementen zusammensetzt, je nach Situation, bei der es zum Biss gekommen ist. «Wir schauen zum Beispiel, wie die Hunde reagieren, wenn jemand aus dem Auto steigt, wenn jemand an ihnen vorbeigeht und so weiter», erklärt Seitert. Das Verhalten der beiden Herdenschutzhunde sei in Ordnung gewesen, deshalb sind die Hunde seit knapp zwei Wochen wieder auf dem Schafarnisch. Der Kantonstierarzt hat jedoch vom Hirten gewisse Vorsichtsmassnahmen gefordert: Täglich von 9 bis 17 Uhr soll jemand bei der Herde und den Hunden sein. «So gewöhnen sich die Hunde an die Menschen, und die Person kann einschreiten, falls es Probleme gibt mit Wanderern», sagt Grégoire Seitert.

Der Hirt ist verärgert

Der Hirt auf dem Schafarnisch, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist verärgert über die Massnahmen, über die Anzeige und über die Wanderer. «Ich hatte lange nichts gegen Wanderer, aber jetzt werde ich schikaniert», sagt er wütend. Die Herdenschutzhunde leisteten grossartige Arbeit. «Auf Infotafeln steht genau, wie sich Wanderer verhalten sollen, wenn Schutzhunde in der Nähe sind. Halten sie sich daran, passiert nichts», ist der Hirt überzeugt. An schönen Tagen würden bis zu 40 Leute auf den Schafarnisch wandern, und es gebe normalerweise keine Probleme.

«Geweint wie ein Kind»

Die Woche ohne seine beiden Herdenschutzhunde hat der Hirt in schlechter Erinnerung. «Ich habe nicht geschlafen, ich hatte ständig Angst, dass der Wolf kommt», sagt er. Vor vier Jahren hat der Hirt fast 30 Schafe verloren, weil der Wolf sie gerissen hatte. «Ich habe geweint wie ein kleines Kind.» Seiner Meinung nach sind die Hunde das einzig wirksame Mittel, um die Schafe vor dem Wolf zu schützen. «Das Hirten wird einem unmöglich gemacht. Man will den Wolf, man will Herdenschutz, und man will Tourismus. Alles zusammen geht aber nicht.»

Problem bekannt

Adolf Kaeser, Tourismusdirektor in Schwarzsee, ist das Problem bekannt. «Wir bekommen immer wieder Reklamationen wegen Herdenschutzhunden», sagt er. «Da es in Bezug auf den Schafarnisch schon mehrmals Reklamationen gab, wollen wir jetzt mit dem Hirten Kontakt aufnehmen», sagt er, doch er relativiert gleich wieder: «Von den Massen Wanderern, die jedes Wochenende im Gebiet unterwegs sind, melden sich sehr, sehr wenige.»

Seit die Herdenschutzhunde in den Freiburger Voralpen eingesetzt werden, ist es jedes Jahr zu einem Biss gekommen. Adolf Kaeser will jedoch keine Schuld zuweisen. «Wenn sich jemand vor den Hunden fürchtet, macht er automatisch das Falsche. Da kann er vorher noch lange die Infotafeln studieren.» Gleichzeitig gebe es gerade beim Schafarnisch Wanderer, die nicht auf den Wegen blieben und querfeldein über die Wiesen gingen und so leicht in eine Schafherde gerieten.

Spezielles Gesetz

Die Strafklage im Fall Schafarnisch ist hängig. Für Herdenschutzhunde gibt es im Gesetz einige Zusatzregelungen aufgrund ihrer speziellen Aufgabe. So formuliert die Tierschutzverordnung in Artikel 77: «Wer einen Hund hält oder ausbildet, hat Vorkehrungen zu treffen, damit der Hund Menschen und Tiere nicht gefährdet. Bei der Beurteilung der Verantwortlichkeit für Herdenschutzhunde wird deren Einsatzzweck zur Abwehr fremder Tiere berücksichtigt.» Herdenschutzhunde sind dazu da, potenzielle Gefahren von ihrer Herde fernzuhalten, das wird ins Urteil einfliessen.

Egal, wie die Staatsanwaltschaft entscheidet–der generelle Konflikt zwischen Wanderern und Herdenschutzhunden wird weiter bestehen.

Tipps

Sich fernhalten und ruhig bleiben

Der Kantonstierarzt Grégoire Seitert und Fachstellenleiter Herdenschutzhunde Felix Hahn geben Tipps für Wanderer, die auf Herdenschutzhunde treffen:

•Sich von der Schafherde fernhalten.

•Ruhig bleiben und sich nicht bewegen, bis sich der Hund entfernt.

•Dem Hund nicht in die Augen schauen.

•Dem Hund nicht den Rücken zudrehen.

•Keinen Begleithund mitnehmen. Wenn ein Hund dabei ist, diesen an die Leine nehmen.

Auf den Wanderwegen sind Hinweistafeln angebracht, wenn sich in der Nähe eine von einem Hund geschützte Schafherde befindet. Schwarzsee Tourismus gibt Auskunft darüber, wo sich die Herden befinden.mir

Wolf: Erneut Schafsrisse auf der Kaisereggalp

A m Donnerstag hat ein Wolf auf der Kaisereggalp fünf Lämmer gerissen, wie Elias Pesenti, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Wald, Wild und Fischerei, auf Anfrage sagt. Mitte Juli waren es zwei Lämmer, ebenfalls auf der Kaisereggalp, und im Mai ein Lamm auf einer Alp in Jaun. Im Mai war es ein männlicher Wolf, der zuvor in der Schweiz noch nie beobachtet worden war. Bei den jüngsten Fällen sind die DNA-Analysen noch nicht abgeschlossen. Sie werden zeigen, welcher Wolf jetzt auf der Kaisereggalp aktiv war.

Trotz dieser Risse: Herdenschutzhunde sind wirksam. Das sagen Elias Pesenti und Felix Hahn, Fachstellenleiter Herdenschutzhunde bei der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea. Die Zahlen von Agridea zeigen: Als 2009 eine Wölfin im Gebiet Gantrisch-Schwarzsee auftauchte, riss sie über 30 Schafe, 2010 waren es etwa 20 Tiere in ungeschützten Herden und rund fünf in geschützten Herden. 2011 gab es einen traurigen Höhepunkt: 70 Schafe riss der Wolf in ungeschützten Herden, 2012 waren es 40, 2013 knapp zehn. In geschützten Herden riss der Wolf 2011 keine Tiere, 2012 und 2013 je rund fünf. «Dank der Hunde werden weniger Schafe gerissen. Sie verkleinern auch die Zahl getöteter Schafe pro Wolfsattacke», sagt Pesenti. 2013 seien nur 0,3 Prozent der 10 000 gesömmerten Schafe im Kanton vom Wolf getötet worden. «Gewitter sind gefährlicher für die Herden.» mir

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