Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Ich habe Angst vor einem Rückfall»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Als Manon 13 Jahre alt war, riet ihre Mutter: «Geh aus und such ein wenig nach Ablenkung.» Manon folgte dem Rat, die Ablenkung fand sie im Alkohol. «Trinken, um zu vergessen» lautete das Motto, denn die Verhältnisse zu Hause waren problematisch. Anfangs trank Manon nur am Wochenende, dann immer öfter und immer mehr. «Alkoholkrankheit entwickelt sich stufenweise», weiss die Mittdreissigerin heute.

 Keine ärztliche Hilfe

Nach Bundesamt für Gesundheit trinkt jede fünfte Person in der Schweiz mindestens einmal im Monat zu viel Alkohol. Schätzungsweise vier Prozent der Bevölkerung tun dies regelmässig. «Das typische Bild des Alkoholikers, ein armer Typ, der mit einer Flasche auf der Parkbank sitzt, ist völlig falsch», erklärt Manon. «In den Selbsthilfegruppen sind meist berufstätige Menschen aus allen sozialen Schichten.»

Ihr erster Besuch in einer solchen Selbsthilfegruppe sei alles andere als erfolgreich verlaufen. «Ich war 17 Jahre alt und wollte einfach nicht einsehen, dass ich ein Problem habe.» Mit 20 schickte sie ihr damaliger Freund zu einem Arzt. «Nicht alkoholabhängig», lautete die Diagnose, denn Manon besuchte weiterhin regelmässig die Schule und schien ein normales Leben zu führen. «Stattdessen verschrieb mir der Arzt Beruhigungsmittel», sagt Manon. «Mit 26 nahm ich vor der Arbeit die Medikamente und begann mittags mit dem Trinken. Sobald ich nach Hause kam, trank ich bis zum Umfallen. Am Ende war es die Hölle. Ich wollte sterben.»

Ein ewiger Kampf

Manon erzählt ihre Geschichte ruhig und reflektiert. «Meinen Moment der Klarheit hatte ich in der Badewanne. Der Selbstmord war geplant, der Abschiedsbrief geschrieben. Doch plötzlich dachte ich an meine Verwandten, die ich so sehr liebe.» Ihnen zuliebe liess sich Manon in eine Klinik einweisen. Die Selbsthilfegruppe dort half ihr, sich nicht mehr alleine zu fühlen. Danach ging eine Weile lang alles gut: «Nach meinem vierwöchigen Klinikaufenthalt öffnete ich die Türen zur Vergangenheit. Da war eine Menge aufzuarbeiten: meine Kindheit, sexueller Missbrauch, Wut … Ich fühlte endlich die Emotionen, die ich jahrelang mit Alkohol betäubt hatte und lernte, diese Emotionen auszudrücken und zu teilen.» Auch von einem Rückfall liess sich Manon nicht unterkriegen und kämpfte weiter. Heute ist sie seit zehn Jahren trocken. «Trotzdem habe ich Angst vor einem weiteren Rückfall. Alkoholkrank bleibt man ein ganzes Leben lang», bedauert sie. Auch viele Menschen in Manons nahem Umfeld waren oder sind immer noch alkoholabhängig. Oft sind Angehörige von alkoholkranken Menschen aber auch co-abhängig, ohne selbst alkoholkrank zu sein. «Die Co-Abhängigkeit ist ebenfalls eine Krankheit. Man lebt nicht mehr für sich, sondern für die andere Person und verirrt sich völlig in der Hilfsbeziehung», erklärt Manon. «Wenn die abhängige Person sich nicht ändern will, ist Hilfe oft kontraproduktiv. Statt der Person zu helfen, von ihrem Problem loszukommen, unterstützt man sie in ihrem Alkoholismus.» Es sei oft viel wirkungsvoller, sein Leben unabhängig weiterzuführen, wie Manon in einem Beispiel darlegt: «Eine Zeit lang kam ich absichtlich früh nach Hause, damit mein alkoholabhängiger Freund nach der Arbeit nicht trinken ging. Eines Tages hörte ich damit auf, und wie erwartet war mein Freund tatsächlich jeden Abend unterwegs. Dadurch erkannte er nach einiger Zeit selbst, dass er ein Problem hatte.» Angehörigen von alkoholkranken Menschen rät Manon unbedingt, sich Hilfe zu suchen, beispielsweise in einer Selbsthilfegruppe für Co-Abhängige. «Schliesslich muss man realisieren, dass man zwar helfen kann, aber nicht für jedermanns Schicksal verantwortlich ist.»

 * Name der Redaktion bekannt.

Programm

Aktionstag Alkoholprobleme

«Alkoholprobleme… Und die Familie?» lautet das Thema des diesjährigen nationalen Aktionstags Alkoholprobleme. Dabei sollen Unterstützungsangebote für Nahestehende von alkoholkranken Menschen bekannter gemacht werden. Gemäss Suchtmonitoring Schweiz sind es nämlich nur vier Prozent der Angehörigen, die nach Hilfe suchen. In Freiburg können Betroffene sowie Interessierte folgende Angebote nutzen:

Do., 19. Mai10–18 Uhr: Standaktion in der Rue de Romont, vis-à-vis vom Manor, Freiburg. Beratung, Informationen, Verlosung, Strassen-Theater in einem Kleinbus mit Szenen aus dem Alltag, Beratung zum Thema «Was tun, wenn Nahestehende alkoholisiert ein Fahrzeug lenken?». 19.30–21 Uhr: Vortrag und Diskussion mit Philippe Pautrot, Spezialist in Alkoholfragen und systemischer Therapie, zum Thema «Alkoholprobleme… Und die Familie?» (Französisch).

Sa., 21. Mai10–18 Uhr: Präsenz am Kinder- und Jugendfestival Juvenalia, Python-Platz in Freiburg.mes

Mehr zum Thema