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«Ich sage nie, dass etwas nicht geht»

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Geht nicht gibts nicht: Dieses Motto begleitet den Freiburger Fotografen Michel Roggo seit jeher. Weil er ein Nein nicht akzeptiert und fest daran glaubt, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, gelingen ihm immer wieder spektakuläre Aufnahmen an Orten, an denen sonst niemand hinkommt. Er fotografierte Braunbären im Kurilensee in Kamtschatka (Russland), Eislandschaften auf dem Sermeq-Kujalleq-Gletscher in Grönland oder Unterwasserimpressionen im vereisten Temnik-Fluss in Sibirien.

Eine verweigerte Bewilligung? Ein unerwarteter Schneesturm? Eine schlecht zugängliche Wunschdestination? Nichts dergleichen kann Michel Roggo davon abhalten, die Bilder zu machen, die er machen will. «Ich sage nie, dass etwas nicht geht, sondern probiere es einfach aus», sagt er. «Wenn man beharrlich bleibt, findet man immer irgendeine Möglichkeit.»

Beharrlich und intuitiv

Diese Beharrlichkeit brauchte Michel Roggo auch in den letzten fünf Jahren bei der Realisierung seines «Freshwater Project». Die Idee: die Kamera unter die Oberfläche von rund 30 Gewässern auf der ganzen Welt tauchen, ausschliesslich Süsswasser. Jetzt hat Roggo das Projekt beendet; aus den 30 Orten sind 36 geworden. Wieso gerade 36? «Ich habe mir noch nie etwas aus runden Zahlen gemacht», so der Fotograf. Genauso intuitiv, wie er bei seiner Arbeit vorgeht, ist er auch hier: «Es hat sich einfach abgeschlossen angefühlt.» Er habe gemacht, was kein Fotograf vor ihm gemacht habe, nämlich «die wichtigsten Formen des Süsswassers rund um die Weltdokumentiert». Speziell sei dabei auch sein Zugang als Fotograf, der immer seine Technik aufgrund seiner Bedürfnisse entwickelt und seine eigenen Wege gesucht habe. «Die meisten Unterwasserfotografen kommen vom Tauchen her», so Roggo. Er selber, der heute 64 Jahre alt ist, begann hingegen erst mit über 60 Jahren zu schnorcheln und zu tauchen; zuvor hatte er stets vom Ufer oder vom Boot aus gearbeitet. «Das ‹Freshwater Project› hat mich dazu gebracht, mir diese neuen Möglichkeiten zu erschliessen.»

«Es war eine Flucht»

Trotz alldem bleibt Roggo gewohnt bescheiden. Auf die Frage, ob er nicht ein bisschen stolz sei auf das Geleistete, reagiert er mit einem amüsierten Lächeln: «Ich bin froh, wenn ich meine Rechnungen bezahlen kann–und natürlich freue ich mich, eine schöne Arbeit machen zu können, bei der ich interessante Menschen und Orte kennenlernen kann.»

 Mehrmals pro Jahr zieht es den Fotografen in die Ferne. Allein 2015 habe er sieben längere Reisen unternommen, unter anderem nach China, Oman, Buryatien und Australien, und etwa gleich viele kürzere. Das sei sogar ihm zu viel gewesen, sagt er im Rückblick. «Ich konnte die vielen gegensätzlichen Eindrücke kaum noch verarbeiten. Mehr als einmal bin ich irgendwo aufgewacht und wusste im ersten Moment nicht, wo ich war.»

Allerdings ging es Roggo bei den vielen Reisen im vergangenen Jahr nicht nur um seine Arbeit. «Es war eine Flucht», sagt er und wird nachdenklich. Im Herbst 2014 verstarb seine Frau. Viele Reisen hatte er zuvor mit ihr unternommen und seine Arbeit stets mit ihr geteilt. Auch nach Oman wollte das Ehepaar gemeinsam reisen. «Ich habe die Reise nach Beates Tod trotzdem gemacht», erzählt Roggo. «Es war schwer, aber wichtig–und am Ende wurde es traumhaft, und es entstanden sehr ruhige Fotos mit einem arabischen Flair.»

Den Geist eines Ortes einfangen: Diese Idee begleitet den Fotografen auf allen seinen Reisen, und sie ist auch beim «Freshwater Project» spürbar. Auch da habe seine Frau eine wichtige Rolle gespielt, sagt Roggo. Er habe erst nur Unterwasseraufnahmen machen wollen. «Beate war es, die mir sagte, ich solle mehr von der Umgebung, den Landschaften zeigen. Ich antwortete zuerst, mehr spasseshalber, sie habe keine Ahnung–doch sie hatte völlig recht!»

Vorliebe für Extreme

Noch etwas hat sich während der Arbeit am «Freshwater Project» verändert: Er habe gelernt, nicht an bestimmten Vorstellungen festzuhalten, so Roggo. «Auch wenn ich an einem Ort nicht die Bilder machen kann, die ich mir erhofft habe, findet sich immer etwas anderes.» So war es etwa am Temnik-Fluss: Die Fische und Bären, die man dem Fotografen in Aussicht gestellt hatte, liessen sich nicht blicken–dafür entstanden einzigartige Aufnahmen, als Roggo spontan und ohne Taucheranzug ins Wasser sprang, um unter einem Eisfeld zu fotografieren.

 Und welche Orte bleiben einem, der so vieles gesehen hat, besonders in Erinnerung? Die extremen Orte, an denen man sich wie ein Fremdkörper fühle und wo schon die Anreise ein Abenteuer sei, antwortet Roggo. Er denkt dabei etwa an die Höhlen im Gunung-Mulu-Nationalpark auf Borneo: «Ich war ganz allein in der zweitgrössten Höhle der Welt, zusammen mit fünf Millionen Fledermäusen–das hat mich umgehauen.» Der totale Gegensatz dazu sei Grönland: «Eine weisse Wüste ohne jedes Leben–ein einziges Mal habe ich einen toten Vogel auf dem Eis gesehen.» Unvergessen auch der Kurilensee in Kamtschatka, wo Roggos häufig publizierte Bärenfotos entstanden: «Als ich da war, wusste ich sofort, dass das ein sehr grosses Privileg war.» Und dann ist da noch der Ort, den Roggo als «den vielleicht schönsten Ort der Welt» bezeichnet: den Mosi-oa-Tunya-Nationalpark und die Victoriafälle zwischen Simbabwe und Sambia: «Mir schien, als würde hier die Welt erschaffen.»

Trotzdem kehrt Michel Roggo immer wieder gern nach Freiburg zurück: «Kaum einmal lasse ich meinen monatlichen Jassabend mit Freunden ausfallen», sagt er. Das sei für ihn Sinnbild dafür, dass er hier zu Hause sei. «Meine Wurzeln und mein Leben sind in Freiburg–und ich muss mich immer wieder vergewissern, dass die Kathedrale noch steht.» Das Reisen kann er dennoch nicht lassen: Gerade war er in Mexiko, als Nächstes stehen unter anderem Slowenien und Kanada auf dem Programm. Er will an einige Orte des «Freshwater Project» zurückkehren, um Videos zu drehen, die aufzeigen sollen, wie er arbeitet. Trotz dieser Filmarbeit bleibe er aber Fotograf, betont er. Und auch als solcher gehen ihm die Ideen nicht aus: So könne er sich durchaus vorstellen, auch einmal im Salzwasser zu fotografieren. Und er träumt davon, einmal in die Antarktis zu kommen. «Oder auf den Mars», fügt er lachend hinzu, «da soll es ja auch Wasser geben.»

 

Michel Roggo, seit kurzem auch Schnorchler und Taucher.Seerosen im Donaudelta in Rumänien: ein Lieblingsbild Roggos.Tektonische Spalte Thingvellir in Island: Hier startete das Projekt.Süsswasserdelfin im Rio Negro in Brasilien.

Ausstellungen

Einblicke in Biel und in Frauenfeld

Zwei Ausstellungen geben derzeit Einblick ins «Freshwater Project»:•Vom 19. Mai bis zum 9. Juni stellt Michel Roggo in derGalerie Residenz Au Lac in Bielaus, zusammen mit der russischen Fotografin Olga Kamenskaya und dem Freiburger Maler Franz Brülhart. Kamenskaya zeigt Unterwasserwelten und Eisformationen vom Baikalsee in Sibirien. Die beiden Fotografen haben 2013 und 2015 gemeinsame Expeditionen nach Sibirien unternommen; die Idee einer gemeinsamen Ausstellung lag damit nahe. Brülhart steuert neue Gemälde zum Thema Wasser bei.

•Noch bis zum 22. Mai läuft imNaturmuseum Thurgau in Frauenfelddie Sonderausstellung «Süsswasser–Quelle des Lebens», in der Michel Roggo Fotografien aus der Schweiz solchen aus dem Ausland gegenüberstellt.

Eine grosse Gesamtausstellung zum «Freshwater Project» ist zur Eröffnung des Wassermuseums Aquatis in Lausanne an Ostern 2017 geplant. 2018 zeigt Roggo die Bilder dann in einem grösseren Rahmen im Naturhistorischen Museum Freiburg.cs

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