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«Ich sehe eher Lösungen als Probleme»

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«Ich sehe eher Lösungen als Probleme»

Autor: Carole Schneuwly

Nach dem Einzug in den Alten Bahnhof vor gut einem Jahr beginnt für das Nouveau Monde nun endgültig eine neue Ära: Gründer und Direktor Raphaël Kummer verlässt das Kulturzentrum nach 14 Jahren. Die letzten Jahre waren geprägt vom Wiederaufbau nach dem Brand im Sommer 2003 und vom Umzug in den Alten Bahnhof. Jetzt, wo alles für die Zukunft aufgegleist sei, sei der Zeitpunkt für den Rücktritt ideal, so ein sichtlich entspannter Raphaël Kummer im Gespräch mit den FN.

Am Freitag werden Sie offiziell als Direktor des Nouveau Monde verabschiedet. Stimmt Sie das wehmütig oder überwiegt die Erleichterung?

Es stimmt, ich bin erleichtert, und ich fühle mich sehr gut. Ich freue mich auf das, was jetzt kommt, auch wenn ich noch nicht weiss, was es sein wird. Ich habe einige Ideen, aber keine konkreten Pläne – eine völlig neue Situation für mich!

Das klingt, als wäre Ihnen mit dem Rücktritt eine Last von den Schultern gefallen …

Das ist schon so, obwohl ich natürlich nicht die ganze Zeit gelitten habe. Aber der Direktorenposten war gerade in den letzten Jahren eine grosse Belastung. Das hat einerseits mit meiner Persönlichkeit zu tun, damit, dass ich mich um alles kümmern möchte. Andererseits war das Nouveau Monde auch objektiv gesehen ein schwieriges Projekt, in einer Kulturszene, in der man um vieles kämpfen muss. Ich musste Motivationsarbeit leisten und Enthusiasmus ausstrahlen. Das fiel mir zum Glück nicht schwer, da ich von Natur aus optimistisch bin und eher Lösungen sehe als Probleme.

Was hat Sie selber denn 14 Jahre lang motiviert?

Die Leute, mit denen ich zu tun hatte. Das ist das grosse Glück in diesem Job: dass man immer mit motivierten Leuten arbeitet, etwa mit Künstlern, die neue Projekte vorstellen. Mit diesen Menschen durfte ich sehr emotionale Momente teilen. Viel Begeisterung bringen auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer mit, die für das Nouveau Monde arbeiten, weil sie es wollen, nicht weil sie es müssen.

Sie haben das Nouveau Monde 1994 als Zwanzigjähriger gegründet. Hätten Sie sich damals träumen lassen, wohin der Weg des Zentrums führen würde?

Nein, überhaupt nicht! Ich wollte schon etwas Längerfristiges auf die Beine stellen, hatte aber keinen konkreten Plan. In Freiburg gab es damals keinen Ort, an dem junge Kunstschaffende ihre Projekte entwickeln konnten. Ich hatte Lust, einen solchen Ort zu schaffen. Dass er sich so gut entwickeln würde, da war ich mir aber gar nicht so sicher.

Wie haben Sie als Gründer und Direktor die Entwicklung des Nouveau Monde erlebt?

Es war eine langsame Entwicklung. Wir hatten wenig Mittel und arbeiteten mit Freiwilligen, Praktikanten und Leuten, die im Rahmen von Beschäftigungsprogrammen zu uns kamen. Alle konnten mitbestimmen und ihren Platz finden. Einen eigentlichen Bruch brachte erst der Brand im Sommer 2003. Alles musste neu aufgebaut werden, und ich musste plötzlich viel mehr Führungsarbeit leisten.

Der Brand war wohl der schlimmste Moment in der Geschichte des Nouveau Monde. Wie haben Sie den Tag in Erinnerung?

Ich habe telefonisch von der Polizei oder der Feuerwehr vom Brand erfahren und bin sofort vor Ort gegangen. Der Vorfall hat mich sehr traurig gemacht: Ich hatte nicht einfach meinen Arbeitsplatz verloren, sondern einen Lebensmittelpunkt, einen Ort, der wichtig für mich war und an dem ich verwurzelt war. Es war ein sehr schwieriger Moment, weniger beruflich als persönlich: Ich hatte das Gefühl, etwas verloren zu haben, das man nicht ersetzen konnte.

Aus diesem Grund wollten Sie zunächst auch nicht als Direktor weitermachen.

Ja. Erst das grosse Interesse und die Solidarität des Publikums und der Behörden haben mich dazu bewogen, den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen. So viele Leute wollten, dass das Nouveau Monde weiterlebt. Erst da wurde mir bewusst, welche Anerkennung wir in all den Jahren gewonnen hatten.

Seit gut einem Jahr hat das Nouveau Monde ein festes Zuhause im Alten Bahnhof Freiburg. Sind Sie froh, dass Sie sich weiter engagiert haben, wenn Sie das Zentrum heute sehen?

Ja, weil ich glaube, dass es nicht weitergegangen wäre, wenn ich nicht die Verantwortung übernommen hätte. Viele Leute wollten helfen, aber es brauchte jemanden, der sie führte und der ihre Zuversicht nach aussen verkörperte. Das war meine Aufgabe.

Wie sehen Sie das heutige Nouveau Monde?

Es ist ein anderes, ein neues Projekt, in Zusammenarbeit mit zwei anderen Vereinen, dem Bollwerk- und dem Filmfestival. Das Nouveau Monde hat im Alten Bahnhof Stabilität gefunden, und es trägt hier ein wichtiges Projekt für die Region mit: den Alten Bahnhof als Kulturzentrum neu zu nutzen.

Für Sie der richtige Moment für den Rücktritt …

Für mich war immer klar, dass ich aufhören würde, wenn dieses Projekt steht. Jetzt kann ein neues Team eine neue Existenz aufbauen, in der es weniger um einen täglichen Kampf gehen wird, dafür um eine langfristige künstlerische Entwicklung.

Was wünschen Sie dem Nouveau Monde für die Zukunft?

Dass die künstlerische Leitung offen und neugierig bleibt, dass es weiterhin ein Partner ist für soziokulturelle Projekte der Region und vor allem, dass es ein Ort bleibt, der mit einem vielfältigen Programm ein möglichst breites Publikum anspricht.

Am Freitagabend wird Raphaël Kummer im Nouveau Monde offiziell verabschiedet. Danach findet ein öffentliches Konzert mit Leo Tardins «Grand Pianoramax» und der Freiburger Formation Frys.B statt (21 Uhr).

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