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Insidertipps, Exoten und Chaoten

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Bei gelinde gesagt wechselhaftem Wetter gab die Bad Bonn Kilbi am Donnerstag den Einstieg in ihre 24. Ausgabe. Als die Freiburger Lee Schornoz & Michel Gorski mit ihrem Blues-Rock und senslerdeutschen Texten irgendwo zwischen Poesie und Klamauk den Reigen eröffneten, schien noch die Sonne. Keine zwei Stunden später ergriff das Publikum vor einem sintflutartigen Wolkenbruch die Flucht. Und für den Rest des Abends wechselten sich trockene und verregnete Abschnitte beinahe im Minutentakt ab. Doch niemand liess sich davon beirren, und die Stimmung blieb durchwegs gut, zumal das Publikum musikalisch exquisit von den Witterungsverhältnissen abgelenkt wurde.

Minimalismus ist Trumpf

Für einen ersten Höhepunkt sorgten Wooden Shjips aus den USA. Ihr repetitiver Psychedelic Rock, der meist auf einem treibenden, prägnanten Basslauf mit wenigen Tönen basierte, auf dessen Fundament verhallte Gitarrenwände und sphärische Synthie-Klänge aufgebaut wurden, versetzte das Publikum gekonnt in Trance. Unterstützt wurde die Band dabei von hypnotischen Kaleidoskop-Videoeinspielungen. Minimalismus ist hier Trumpf, was es umso eindrücklicher macht, dass es der Band gelang, über die gesamte Konzertlänge fesselnd zu bleiben – wenngleich auf Dauer etwas die Dynamik fehlt.

Wüsten-Hendrix

Mit Bombino wurde ein weiteres Highlight präsentiert: Der Tuareg-Gitarrist, der in der Presse gelegentlich «der nigrische Jimi Hendrix» genannt wird, spielt eine Mischung aus Blues, Funk und afrikanischen Einflüssen. Dabei stand sein spezielles, aber virtuoses Gitarrenspiel, das von seiner hervorragend aufeinander eingespielten Begleitband auf eindrückliche Weise umrahmt und getragen wurde, klar im Vordergrund. Beachtlich und beinahe spielerisch meisterten die Musiker Tempowechsel und umrankten so die prägnanten Soli des Hauptdarstellers. Schnell wurde klar, dass die Musiker den Exotenbonus keinesfalls nötig hatten, stiessen sie doch auf begeisterte Resonanz. Dennoch wurde der Exotik zumindest optisch Rechnung getragen: Die Musiker waren in traditionelle Tuareg-Gewänder gehüllt.

Auf der Hauptbühne wurde derweil Simplizität zum Programm erklärt: Die Black Lips leisten sich weder Schnörkel noch Firlefanz. Ihr rotziger und chaotischer Garage Punk mit gelegentlichen Hippie-Ausflügen wurde kompetent und mit charmanter Gleichgültigkeit in die Menge geprügelt. Die Band präsentierte sich als eingeübte Entität, aber auf Dauer fehlten dem schlichten Liedgut doch etwas die Höhepunkte.

Überraschungserfolg

Die Überraschung des Abends bot ein Geheimtipp aus London: Jungle. Noch nicht mal eine CD hat die Band auf dem Buckel, und dennoch eilt ihr ein exzellenter Ruf voraus. Es ist kaum etwas über die Musiker bekannt; sie geben nur selten Interviews – und werden dennoch in der britischen Presse bejubelt. Auch an der Kilbi blieben die Mitglieder ihrem mythenumrankten Image treu, präsentieren die Bühne spärlich beleuchtet und gaben wenig mehr als ihre Silhouetten preis. Hier soll die Musik für sich selbst sprechen. Und das tut sie auch: Das Septett spielt groovigen Disco-Funk mit charakteristischem Kopfstimmen-Gesang, und zwar auf dermassen überzeugende Weise, dass es das Zelt zum Kochen bringt und selbst Skeptiker mindestens zum Mitwippen animiert. Einmal mehr beweisen die Macher der Kilbi mit diesem Coup ein glückliches Händchen. Auch bei den Musikern scheint das Open Air hervorragend anzukommen, verabschiedeten sich doch Jungle mit den Worten: «I fucking love this place!»

Zum Programm

Vielversprechender Abschluss

Zwei sind vorbei, einen hat es noch: Der letzte Tag der Bad Bonn Kilbi fährt noch mal schweres Geschütz auf. Zum Beispiel den legendär gewordenen Lo-Fi-Folk von Neutral Milk Hotel, die sich nach 15-jähriger Abstinenz wiedervereinigt haben. Das holländische Trio Birth of Joy wird mit 60er-Jahre-Rock’n’Roll auftrumpfen. Eher ruhiger geht’s der brasilianische Singer-Songwriter Rodrigo Amarante an. Auch Schweizer Bands kommen nicht zu kurz: Zu erwähnen sind der Garage Rock der Berner The Monsters, die psychedelischen Sound-Experimente von Forks aus Vevey sowie der Elektro-Folk der Freiburger Toronaut.tj

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