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Interview: «Mit Alkohol geht man zu large um»

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Die FN haben sich mit der Fachfrau Silvia Friedrich von der Suchtpräventionsstelle Freiburg über Jugendliche, Alkohol und «das vernünftige Mass» unterhalten.

Silvia Friedrich, finden Sie es richtig, dass der Oberamtmann interveniert hat und die Schüler zum Senken der Biermengen aufforderte?

Ich finde das richtig und mutig von ihm. Auch den besorgten Eltern, die sich an ihn gewandt haben, gebührt Lob. Sie setzen ein Zeichen und schauen nicht einfach weg. In unserer Gesellschaft geht man oft zu large mit Alkohol um. Wenn jemand den Finger aufstreckt und auf die Folgen aufmerksam macht, gilt er als Moralapostel oder Spass-bremse.

Gehört Alkohol zu einem Schulschlussfest von 15- und 16-Jährigen?

Ich persönlich finde nicht. Gerade weil man einander so gut kennt, sehe ich das Schulabschlussfest als eine Chance, zusammen Ideen zu entwickeln für ein rauschendes Fest, das auch ohne Alkohol Spass machen kann.

Entscheidet man sich für ein Fest mit Alkohol, muss dies mit klaren Regelungen verbunden sein. Mit Jugendlichen muss darüber gesprochen werden, was ein vernünftiges Mass ist. Denn je mehr der Alkohol zunimmt, desto mehr flieht die Vernunft.

Gewisse Eltern liessen verlauten, sie fänden es normal, dass ihr Kind an einem Abend vier bis sechs Bier trinkt. Sehen Sie das auch so?

Ganz klar nein. Die offizielle risikoarme Menge beträgt gemäss Bundesamt für Gesundheit bei Jugendlichen zwei Biere pro Wochenende.

Wenn Jugendliche sechs Biere trinken müssen, um etwas zu spüren, zeigt dies, dass sie nicht zum ersten Mal trinken und bereits eine gewisse Toleranz entwickelt haben. Bei Jugendlichen gehen die neurobiologischen Veränderungen hin zu Toleranz und Abhängigkeit deutlich schneller voran als bei Erwachsenen.

Was birgt das für Gefahren?

Es gibt Jugendliche, die während einer Phase regelmässig zu viel trinken und wieder davon wegkommen. Dann gibt es aber auch solche, die dabei bleiben und ein Leben lang zu viel konsumieren, möglicherweise mit allen körperlichen, sozialen und psychischen Folgeschäden.

Muss nicht jeder selber wissen, wie viel er verträgt?

Alkohol ist kein gewöhnliches Konsumgut, es braucht Regelungen. Es greift zu kurz, nur von Selbstverantwortung zu sprechen, denn die Verhältnisse prägen unser Verhalten oft mehr als wir wahrhaben wollen.

Besonders sensibel reagieren Jugendliche auf Preise, die Verfügbarkeit wie bei langen Ladenöffnungszeiten, auf Werbung, trendige Aufmachungen sowie Vorbilder. An einem Schulabschlussfest 7,9 Liter Bier pro Kopf verfügbar zu machen, lässt nichts Gutes ahnen. Die Dosis wäre, wenn sie konsumiert würde, für die meisten tödlich.

Wieso nehmen sich einige Jugendliche überhaupt vor, sich zu betrinken, wenn sie an ein Fest gehen?

Ich kann es verstehen, wenn Jugendliche das Bedürfnis nach einem gewissen Rauscherlebnis haben. Mich dünkt, man sollte aber auch noch andere Möglichkeiten finden, um aus sich herausgehen zu können. Zum Beispiel mit Musik, Themenabenden, bei denen man sich entsprechend kleidet, oder Spielen (New Games).

Es ist bedenklich, wenn man jedes Mal, wenn man Spass haben will, auf psychoaktive Substanzen zurückgreifen muss. Wo bleibt denn die Fantasie und die Freude an den Kolleginnen und Kollegen, wenn der Alkohol im Mittelpunkt steht? ak

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