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«Jeder meint, er habe diese Eigenschaft»

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«Jeder meint, er habe diese Eigenschaft»

Künstler machen sich Gedanken über «Humor» am 12. Humor-Festival in Arosa

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, sagt der Volksmund. Aber wie definieren die Künstler Humor, wie verändert er sich und wo führt er hin? Philosophische Fragen, die die Auftretenden am Arosa Humor-Festival mit Lust beantwortet haben.

Von CHRISTIAN SCHMUTZ

«Humor ist eine Überlebensstrategie», sagt der Zürcher Comedy-Zauberer Michel Gammenthaler. In negativen Lebensphasen könne man sich mit (Galgen-)Humor über Wasser halten. Solange noch Witze möglich seien, sei die Welt noch in Ordnung. «Ich muss mir nur einen Gag in Erinnerung rufen und schon gehts mir gut», sagt auch der Komiker Hennes Bender aus dem Ruhrpott, der beim Aroser Publikum sehr gut angekommen ist.

Festival-Organisation als sozialer Akt

Das Festival in Arosa ist nicht nur eine Ansammlung von witzigen Auftretenden, sondern will auch etwas weitergeben. «Für uns ist nicht nur die Unterhaltung wichtig», sagt Festivalleiter Martin Vincenz, «wir wollen die Besucher auch für den Humor sensibilisieren». Ein Humorfestival als sozialer Akt – als Lebenshilfe sozusagen. Die Künstler seien so unkompliziert und nähmen alles gelassen, diese seien auch Vorbilder für den Alltag, sagt Vincenz.
Die Suche nach guten Gags wird auch auf der Bühne thematisiert. «Das war also lustig?», fragt Bender sein lachendes Publikum, «gut, dass ich das weiss.»

«Humor? Jeder meint, er habe diese Eigenschaft», sagt Satiriker Viktor Giacobbo. Das sei möglich, weil Humor halt sehr subjektiv sei. Und die Kabarettistin Barbara Kuster aus der ehemaligen DDR macht sich auf dieser Basis Überlegungen für die Bühne: «Die Kunst des Kabaretts ist es einen Mittelweg zu finden zwischen Kopf und Bauch und Ohr.» Die Gags seien mehrfach codiert, so dass alle Menschentypen darüber lachen könnten. Dadurch kämen möglichst viele Zuschauer auf ihre Kosten.

Gute Laune nach einer Beleidigung

Apropos Kosten. Hier einige Kostproben von grossen Lachern in Arosa. Der deutsche Stand-up-Comedian Dieter Nuhr sagt einer Politesse statt zu jammern: «Bitte schreiben Sie mich auf. Vielleicht wär ich doch auch Strafzettelschreiber geworden, wenn ich in der Schule versagt hätte.» Er weiss: «Das ist zutiefst inhuman – aber dann habe ich den ganzen Tag gute Laune.» Nuhr sei nach dem 11. September 2001 auf das Ende der Spassgesellschaft angesprochen worden. «Auch in diesem Leben Spass zu haben unterscheidet uns doch von den Taliban», antwortet er aber auf der Bühne.

Schräge Art gefällt nicht allen

Auch die «bekennende Preussin» Barbara Kuster mag es, mit den Grenzen zu spielen. In der ehemaligen DDR habe man dies auf eine feine Art machen müssen. Heute macht sie das viel direkter, wenn sie in ihrem Programm statt der schrillen «Love Parade» andere, frühere Paraden in Berlin lobt, die Italiener «ins Lager» stecken will – um dort Manieren zu lernen – oder dem Publikum sagt, dass sie nicht in Talkshows eingeladen werde, weil sie weder als Kind noch später missbraucht worden sei.

Aber ein Komiker eckt mit seiner Art auch an und hat nicht nur Freunde. «Ich wurde zu meiner Zeit als einwandfrei auf der Strasse als identifiziert», sagt Frank Baumann in seinem Multimedia-Comedy-Programm «Bilder im Kopf». Das sei für einen Schauspieler ein grosses Kompliment.

Wenns dann ans Persönliche geht, verstehen viele keinen Spass mehr. «Es braucht eine gewisse Selbstironie, damit die Leute mit einem lachen – und das freiwillig», sagt Patrick Frey, der mit Mike Müller und Viktor Giacobbo zusammen zweimal das Konversationsstück «Sick Men» aufgeführt hat. Die Figuren seien sehr nah an den wirklichen Personen Frey, Müller und Giacobbo, weshalb man sich selbst auch hochnehme.

Wenn Komiker das Typische des Deutschen oder des Schweizers auf die Schippe nehmen und die Leute sich die Bäuche halten, fragt man sich, ob diese Leute alle so bereit sind, hemmungslos über sich selbst herzuziehen. Aber die Lösung liegt viel näher: Typisch sind nämlich immer die anderen.

Andere Art Humor: Auto zerschlagen

Oben im Zelt auf 2000 Metern haben inzwischen Christian von Richthofen und Stefan Gwildis einen roten Opel Kadett E als Musikinstrument missbraucht. Eine ganz andere Art Humor. Mit rhythmischem Türeschletzen, Quietschen, Klopfen und Treten fängt es an. Wenn die volle Metall-Werkzeugkiste auf die Haube knallt, geht ein Raunen durch die 700 Zuschauer. Und spätestens wenn die Windschutzscheibe rausgeschält und mit dem Beil zu Afro-Rhythmen und dem Text «wir bauen uns ein Cabrio» das Dach aufgeschlitzt wird, um dann darauf «Spiel mir das Lied vom Tod» zu quietschen, dann überrascht es nicht mehr, dass das Auto schliesslich mit grossen Hämmern kurz und klein geschlagen wird.

Es habe schon einige Szenen gegeben, wo er die Augen habe schliessen müssen, sagt der ehemalige Kadett-Besitzer Rainer Fiedler aus St. Gallen. Er habe sich amüsiert, obwohl er selbst betroffen gewesen sei. Es habe ja sowieso zu viele Autos und so könnte vielleicht die Anzahl reduziert werden. Was Galgenhumor angeht, hat er offenbar in Arosa gelernt.

Wenig Frauen im Humorbusiness

Der Frauenanteil der Auftretenden entspricht etwa demjenigen des neuen Bundesrats. Ist denn Humor Männersache? «Nein», sagt Barbara Kuster. Aber viele Frauen würden eher um Frauenthemen herum Kabarett machen. «Vielleicht gibt es zu wenig politisch denkende Frauen», vermutet Kuster. Und wenn, dann gehen sie wohl gleich in die Politik.

Und hat sich denn der Humor verändert? «Nein», sagen alle Befragten. «Eine Humordefinition kann man in alten Büchern nachschlagen», sagt Komiker Mike Müller. Heute würden sich einfach Politik und Gesellschaft und somit die Themen verändern. «Der Komikstil verändert sich mit dem Einbezug von neuen Medien. Er ist brachialer und direkter geworden, vor allem wegen dem Fernsehen», sagt Viktor Giacobbo. Diese Fernsehentwicklung ist laut Festivaldirektor Vincenz auch eine Gefahr: «Das gesellschaftliche Erlebnis des Humors geht verloren. Die Künstler kommen zu schnell im TV und werden auf vier bis fünf Minuten konditioniert.» Fürs Festival sei dies nicht von Vorteil.

Humor wird es immer geben

Wie sieht die Zukunft des Humors aus? «Wenn ich das wüsste, wär ich steinreich», sagt Hennes Bender. Die Entwicklung sei nicht greifbar und reflektiere immer die Wirklichkeit, die gerade passiere. Für Patrick Frey ist klar, dass alles, was mit dem biologischen Menschen zusammenhängt, immer aktuell bleiben wird, solange sich der Mensch nicht grundlegend verändert. «Humor war immer da und wird auch immer da sein», sagt Barbara Kuster.

Schadenfreude ist dabei schon seit dem Mittelalter eine der intensivsten Formen. Die Zuschauer wollen gerade Prominente sehen, die sich blamieren oder stürzen. «In der Kleinkunst setzt sich das klassische Handwerk durch», glaubt Martin Vincenz. Apropos Kleinkunst. «Ich bin nur 1,60 Meter gross, da habe ich gedacht: Kleinkunst ist ganz gut für mich!», meint Hennes Bender trocken.
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