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«Jeder Mensch braucht Musik»

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Eine Schule für jedermann und Löhne, mit denen Lehrer leben können. Erschwingliche Kurskosten und Aussenstationen: Mit der Verstaatlichung des Konservatoriums im Jahre 1978 hat sich vieles geändert. Gemeinden, Staat und die Studierenden tragen seither die Kosten zu gleichen Teilen. Heute besuchen 4500 Schülerinnen und Schüler die Musikschule. Rund 200 Lehrpersonen unterrichten am Hauptort in Freiburg und in den 40 Gemeinden. 2008 wurde die Berufsabteilung der Musikhochschule Lausanne angelagert. Was blieb, ist das Konservatorium. Dieses leitet seit bald 20 Jahren der dreisprachige Tessiner Giancarlo Gerosa. Ein Gespräch über Musik, Sorgen und Visionen.

Giancarlo Gerosa, was war für Sie die wichtigste Veränderung im Rahmen der Verstaatlichung?

Eindeutig die Löhne. Das Lehrpersonal war miserabel bezahlt. Heute sind die Lehrer in der gleichen Lohnstufe wie die Primarlehrer. Mit der Berufsanerkennung konnte sich das Konservatorium als kantonale Musikschule entwickeln.

Der Primarlehrerlohn ist aber angesichts des langen Studiums auch nicht gerade famos. Immerhin bleibt man bis zum Lehrdiplom beziehungsweise bis zum Master 14 Jahre dran.

Nicht die Höhe des Lohns ist das Wichtigste, sondern die besseren Arbeitsbedingungen, insbesondere was die Pensengarantie des Lehrpersonals betrifft. Solange der Lehrer jedoch pro Schüler bezahlt wird, bleibt der Lohn ein Stress. Und man lässt vieles durch, um den Schüler nicht zu verlieren. Das ist keine gute Entwicklung.

Auch hat es immer mehr Studierende, die «nur noch» mit dem Amateur-Zertifikat abschliessen. Ist das Interesse an der Berufsausbildung zurückgegangen?

Es ist tatsächlich schwieriger geworden mit den vielen Aktivitäten, die den Jungen zur Verfügung stehen. Die Studierenden bleiben weniger lang beim Instrument, als das noch vor zehn, zwanzig Jahren der Fall war. Und ohne tägliches Üben gibt es keinen Fortschritt. Musik ist nicht nur Spass.

Trotzdem bleibt das Konsi in gewisser Weise elitär. Denn wer die regelmässigen Übertrittsexamen nicht schafft, muss gehen. Darum auch die vielen privaten Musikschulen. Sind Ihnen die ein Dorn im Auge?

Keineswegs. Nicht jedes Kind ist bereit, die Prüfungen zu machen. Ich sehe in den privaten Musikschulen keine Konkurrenz. Hauptsache, es wird aktiv Musik gemacht.

Rund 900 Schüler bringen die Musikgesellschaften. Muss heute jeder, der in einer Fanfare spielt, Kurse belegen?

So ist es. Denn die Zukunft der Musikgesellschaften hängt von einer hochwertigen Ausbildung ab. Für die Schlagzeug-, Blech -und Holzbläserkurse erhält die Musikgesellschaft von der Loterie Romande Unterstützungsgelder – und das motiviert.

Wenn Kinder aufhören, beklagen sich Eltern oft, dass alles vergebens war.

Das ist eine irrige Meinung. Es gibt keine bessere Lebensschule als das aktive Musizieren. Da wird Konzentration, das Aufeinandereingehen, das Hören geschult.

Noch immer steht das Klavier an erster Stelle, gefolgt von Gitarre und Trompete. Aber es sieht so aus, als würden die Jazzklassen der klassischen Ausbildung den Rang ablaufen.

Die Jazzklassen haben immer mehr Zulauf. Das ist auch gut so. Aber die Grundlage bleibt nun mal die klassische Ausbildung.

Sollte also jeder Jazz-Interessierte zuerst ein paar Jahre klassischen Unterricht nehmen?

Nicht unbedingt, aber die beiden Abteilungen Klassik und Jazz sollten sich mehr füreinander interessieren. Aufgrund der positiven Entwicklung der musikalischen Improvisation in der Klassikabteilung werden Klassik und Jazz mit der Zeit von selbst übergreifend werden.

Und wie stehen Sie zum Unterricht von Erwachsenen?

Jedes Jahr gibt es Erwachsene, die mit einem Amateur-Zertifikat abschliessen. Vor allem Gesang kann man gut belegen. Wobei die meisten bereits ein Instrument spielen oder gespielt haben. Mit 50 Jahren bei null anfangen, das ist allerdings wenig erfolgversprechend.

Das Konsi des 21. Jahrhunderts hat noch kein Gesicht, sagten Sie. Was soll anders werden?

Wir müssen neue Ziele setzen, zum Beispiel die Förderung des Musikunterrichts in den Schulen. Damit steht es schlecht. Auch an der Pädagogischen Hochschule hat Musik nicht mehr den Stellenwert wie früher. Nur noch Begleiten muss gelernt werden. Auch sollte die Infrastruktur in den Gemeinden verbessert werden. Oft unterrichten die Lehrer in irgendwelchen Nebenräumen. Und nicht zuletzt fragen wir uns, wie die digitalen Medien für die Musik genutzt werden können.

Eine Sorge bleibt das ­Lehrpersonal?

Vor 40 Jahren waren es 90 Lehrer. 15 Jahre später 240. Heute sind es fast 200. Davon sind 50 Prozent über 50-jährig und gehen in den nächsten 15 Jahren in Pension. Wie das Konservatorium sie ersetzen kann, ist mir momentan noch ein Rätsel.

Sie sind Tessiner, haben Klarinette abgeschlossen und hier an der Uni Wirtschaft studiert. Mittlerweile haben Sie drei Kinder. Wie spielt sich das Musikleben in Ihrer Familie ab?

Die musikalische Erziehung meiner drei Kinder ist uns Eltern sehr wichtig. Die Kinder spielen Klavier, meine Frau und ich Klarinette. Zu Hause hören wir täglich Musik. Auch Jazz und Pop. Jeder Mensch braucht Musik.

«Es gibt keine bessere Lebensschule als das aktive Musizieren.»

Giancarlo Gerosa

Direktor des Konservatoriums

Chronologie

Die Anfänge liegen im Jahr 1904

1904 gründen der Geiger Edouard Favre und der belgische Pianist Charles Delgouffre das Konservatorium Freiburg. Die private Schule richtet sich an der Murtengasse, neben dem Museum für Kunst und Geschichte, ein.

1910 erhalten zwei Musikerinnen als Erste ihre Lehrdiplome.

1912 übernimmt Domherr Joseph Bovet das Präsidium der Verwaltungskommission und bleibt 35 Jahre.

1938 wird das erste Konzertdiplom verliehen.

1978 nimmt der Grosse Rat das Konservatoriumsgesetz an, und die Schule wird zum Staatsbetrieb.

1979 wird die Jazzabteilung eröffnet.

1982 zieht das Konservatorium in das ehemalige Blinden-Institut Sonnenberg in Granges- Paccot.

2006 wird das Konservatorium renoviert und mit einem Neubau erweitert.

2008 werden die Berufsklassen Teil der Musikhochschule Lausanne.

il

Programm

Offene Türen und viele Konzerte

Das Konservatorium Freiburg feiert das 40-Jahr-Jubiläum mit rund 15 Konzerten, die vorab vom Lehrpersonal gestaltet werden. Die Konzerte finden vom 16. bis zum 18. März unter dem Motto «Wien 1820 – Ein musikalisches Fest» statt. Höhepunkt ist Mozarts Gran Partita am Sonntag, 18. März, um 15 Uhr in der Aula des Konservatoriums. Zudem gibt es am Samstag, 17. März, einen Tag der offenen Tür in Granges-Paccot (10 bis 13 Uhr) und vom 19. bis zum 24. März eine Woche der offenen Tür an den Unterrichtsorten in allen Bezirken.

il

Das Programm im Detail unter: www.conservatoire-fribourg.ch.

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