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«Jetzt merke ich, wie ich eine Frau werde»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Zu welchem Zeitpunkt der Produktion von «Water for Your Soul» merkten Sie, ob das Album gelungen ist?

Joss Stone:Ich hatte bei diesem Album verschiedene Phasen. Es gab einen Moment, da fühlte ich: Ich hasse diesen Kram und will nichts mehr davon hören. Dann probierte ich es nochmals. Fast zum Schluss hatte ich das Gefühl: Wir sind fast da, aber doch nicht ganz. Ein paar kleine Sachen, die es nicht fertig werden liessen. Für mich so störend, dass ich das Album nicht herausbringen wollte. Bis ein Album nicht fertig ist, ist es nicht fertig. Egal wie nahe man dran ist.

 

 Nun bringen Sie diese Songs auf die Bühne. Entwickeln sich diese noch?

Oh ja. Ich bin wieder ganz am Anfang. Die Herausforderung ist jetzt, die Musik von der CD auf die Bühne zu bringen. In sechs Monaten ist es vielleicht so weit. Ich versuche, so viel wie möglich von der CD auf die Bühne bringen. Aber natürlich haben wir nicht alles zur Verfügung: keine Bläser, keine Streicher, nur zwei statt drei oder vier Hintergrundsängerinnen. Einige Noten müssen wir einfach gehen lassen. Ich muss in dieser Phase einige wichtige Entscheide treffen, was wir übernehmen und was nicht.

 

 Gibt es eine perfekte Version eines Songs?

Es gibt keine Perfektion in der Musik. Alles, was zu perfekt ist, ohne sichtbaren Makel, ist für mich nicht mehr so reell und deshalb auch nicht mehr so vergnüglich. Es ist dann nicht mehr so körnig, was ich eigentlich mag. Mit der Körnung kommt das Feeling. Trotzdem will ich, dass die Band und ich zu einer Einheit werden. Wenn uns das gelingt, dann hat man den Eindruck, es ist perfekt. Aber wir wollen bloss, dass es sich gut anfühlt.

 

 Was nehmen Sie vom Konzert in Murten mit?

Zwei Songs haben wir erst zum zweiten Mal live gespielt. Wir wollen nicht alles Neue auf einmal bringen, weil die Leute wollen auch anderes hören. Sie wollen Stücke hören, die sie an etwas erinnern. Das geht mir auch so. Deshalb höre ich gewisse Alben immer wieder und wieder. Über Jahre.

 

 Hat das Publikum einen Einfluss, wie sich ein Song entwickelt?

Sie sind es, die aufzeigen, ob etwas funktioniert oder nicht. Es gibt Songs, da stört mich etwas, oft über lange Zeit. Aber ich denke, es funktioniert dennoch. Und dann, so wie gestern Abend im Medley, ist es wie ein Zwinkern des Publikums, und ich merke, wir müssen da etwas ändern. Wir müssen uns immer bewusst werden, für wen wir die Musik machen: für das Publikum. Sonst könnte ich nach Hause gehen und nur die Musik hören, die ich mag.

Wenn Sie an einem Album arbeiten: Haben Sie da ein klares Bild von Ihrem Publikum im Kopf?

Da gibt es keine Verbindung. Ich habe gar nie darüber nachgedacht. Auf der Bühne denke ich direkt an die Leute, wie ich sie berühre. Ich denke an den Saal, das Set, die Persönlichkeit der Leute. Wenn ich Songs schreibe, spreche ich dauernd. Ich denke an niemanden, nur an die Person, über die ich spreche. Oder zu der ich spreche. An nichts anderes. Ich versuche bloss ehrlich zu sein in diesen Gesprächen in mir drin. Das kann eine heilende Wirkung auf mich haben.

 

 Wirkt es nicht befremdend, dass ein Grossteil des Publikums klar älter ist als Sie?

Das war immer so bei mir. Ich war immer die Jüngste im Saal. Erst in den letzten vier bis fünf Jahren kommt es vor, dass ich älter bin als Personen, mit denen ich zu tun habe. Jetzt merke ich, wie ich eine Frau werde. Das ist neu für mich.

 

 Drückt sich diese Entwicklung in Ihrer Musik aus?

Ich bin nicht sicher, ob das Alter je in meinen Gedankenprozess eindringt.

 

 Aber die Lebenserfahrung?

Ja, diese Frage hörte ich oft. Als ich 16-jährig war und mein erstes Album herauskam, fragte man: Wie kann ich als Soulsängerin so emotional werden. Ich sei doch zu jung dafür. Aber mit 16 habe ich fast jeden Tag geweint. Ich bin heute viel weniger emotional als damals. Viel geerdeter. Wenn mich jemand verletzt, weine ich nicht mehr ein Jahr lang.

 

 Deshalb nun der Reggae?

Ich habe viel gelernt dabei. Deshalb mag ich es, Stile zu mischen. Ich mache nicht viel Kopfarbeit. Dieser Teil von mir wird nur trainiert, wenn ich neue Texte, einen neuen Stil oder ein neues Timing lerne. Timing ist für mich schwer zu lernen. Mit Reggae habe ich einen ganz andern Zugang dazu. Ich bringe es so einfach wie möglich rüber. Beim Soul habe ich versucht, zu viel zu geben.

Konzert: Ein exklusiver Blick auf die neuen Facetten von Joss Stone

E nde Juli ist das neue Album «Water for Your Soul» auf ihrem eigenen Label «Stone’d» herausgekommen, jetzt betreibt die englische Soulsängerin Joss Stone auf der Bühne Promotion dafür. Am Samstag stellte sie das Album in Zürich vor. Sonntags und sonntags für die Westschweiz im Hotel Murten.

Das Murtner Publikum sah und hörte dabei eine neue Facette der erst 28-jährigen Engländerin, die bereits ihr siebtes Album herausgebracht hat. Vor vier Jahren hatte ihr Damian Marley anlässlich eines musikalischen Projekts mit Mick Jagger (Rolling Stones) und Dave Stewart (Eurhythmics) gesagt, sie müsse sich unbedingt am Reggae probieren.

Gesagt, getan. So bekam das Murtner Publikum erstmals Joss Stone, die Reggae-Sängerin, zu hören. Es ist ein dezenter Reggae, der einen locker-flockigen Soundteppich legt. Die Musikkritiker monierten nach Herausgabe des Albums, der Stone’sche Reggae sei mit Streichern und Hip-Hop-Tönen durchsetzt, und die Sängerin probiere sich gar in jamaikanischem Slang.

Von dem war live im Hotel Murten nicht viel zu merken. In einem langen, leichten Seidenkleid, barfuss, mit ihrer langen, blonden Mähne und dem einen oder anderen esoterisch wirkenden Tattoo gab sie sich verträumt, erzählte und sang von Liebes- und Alltagsgeschehnissen, mit den dazugehörigen Glücks- und Schmerzmomenten. Kingston war da weit weg. Bekannte Songs wie «You Had me» oder ab dem neuen Album «Molly Town» gab sie gleich am Anfang zum Besten, «Harry’s Symphony» brachte sie auf Wunsch eines Zuschauers.

Doch am eindrücklichsten war die stimmgewaltige Stone bei «I Put a Spell on You» von Jeff Beck und einem Soul-Blues-Funk-Jam als Zugabe. Da kehrte Joss Stone vom neuen Album ab und gab endlich auch der Band und den beiden Begleitsängerinnen den ihnen gebührenden Platz auf der Bühne. uh

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