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Junge Sensler leben alten Brauch

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«Eins, zwei, drei», flüstern sich die Freunde Tamina Thürler und Alexis Rotzetter gegenseitig zu, holen tief Luft und geben «Z Seisler Pùùrli» zum besten. Mit gutem Schuhwerk und wasserfesten Westen stehen die zwei jungen Sensler vor einer Haustüre in Plaffeien, gut geschützt vor dem Regen. Sie stampfen mit den Beinen und klopfen mit den Händen auf die Oberschenkel, im Takt zu ihrem Gesang. Sie sind ein eingespieltes Team: Es ist das zweite Jahr, in dem sie am 1.  Mai von Haustür zu Haustür ziehen und gemeinsam Schweizer und Sensler Volkslieder singen.

«Eigentlich wäre meine Schwester Shayen auch wieder dabei. Sie ist heute aber leider krank», erzählt die achtjährige Tamina betrübt. Trotz der Umstände geniesst sie den Tag aber mit Schulfreund Alexis, gemeinsam durch das Dorf zu wandern, das einstudierte Repertoire wiederzugeben und auch ein wenig Schabernack zu treiben – alles so, wie es die jahrelange Tradition im Kanton Freiburg verlangt (siehe Kasten).

Vier Franken dank der Tracht

«Das Geld ist das Beste», antwortet der neunjährige Alexis ehrlich auf die Frage, was ihm am Erstmaisingen besonders gut gefällt. Die kleine Tamina lacht verschmitzt in den Kragen ihrer Kapuze und nickt mit dem Kopf. Verständlich, denn ihre Gesangseinlagen entlöhnen die Zuhörer mit einem ordentlichen Batzen: Im Schnitt erhalten die jungen Sensler zwischen ein bis zwei Franken. Bei der Gemeindeverwaltung Plaffeien erhalten sie gar vier Franken, weil die Trachtengruppe «Kaiseregg» für alle Sänger, die in einer Tracht erscheinen, der Gemeinde den doppelten Zustupf zahlt.

Wegen dem Regenwetter sind die Edelweisshemden und Sennengürtel der Kinder unter ihren Regenjacken versteckt. Doch nimmt es das Gesangsduo locker: Angekommen in der Gemeindeverwaltung werfen die Sensler ihre Jacken auf den Boden und stehen frisch rausgeputzt – Edelweisshemd in die Hose gestopft – vor der Gemeindemitarbeiterin und singen lautstark «Mier Senne heis luschtig».

Selbstsicher und eingeübt

Insgesamt vier Lieder singen und jodeln Tamina und Alexis von früh bis spät – selbstbewusst, ohne Patzer und vollkommen textsicher. Da Tamina Mitglied eines Jodlerchors in St. Antoni ist, haben sie einige Lieder des Chors in ihr Repertoire übernommen und fleissig geübt. Den Zuschauern gefällt es, so besonders Alvin Wyssen, Geschäftsleiter des Multimedia-Geschäfts Expert Sensat AG in Plaffeien. «Ihr seid die Ersten. Damit bereitet ihr mir gerade eine riesen Freude», sagt er schwärmend zu den zwei Erstmaisängern.

Nach vielen Haushalten und Geschäften gehen sie nach Hause, mit schweren Taschen voller Süssigkeiten und einem Verdienst von jeweils rund 90 Franken. Und wo geht das Geld hin? «Wir sparen für den nächsten Plaffeien-Markt», sagen beide Kinder, glücklich über ihren Reichtum.

Geschichte

Paar Räppli, Ei oder Gebäck für ein Ständchen

Im Buch «Eine Sensler Heimatkunde» erklärte der verstorbene Sensler Historiker Moritz Boschung, dass der Brauch des Erstmaisingens spätestens im 18. Jahrhundert im Kanton Freiburg bezeugt wurde. Die Volkskundler gehen davon aus, dass der Brauch etwas mit der Verbundenheit der Menschen mit der Natur zu tun hat und als Naturkult bis in vorchristliche Zeit zurückgehen dürfte. Die Leute haben mit freudigen Liedern den Frühling begrüsst. Allerdings hat sich mit der Zeit dieser Naturglauben mit der christlichen Anschauung vermengt, insbesondere nachdem vor allem seit dem 18. Jahrhundert der Monat Mai auch zum Marienmonat geworden ist. Beim heutigen Maisingen ziehen die Kinder und Jugendlichen von Haus zu Haus, um sozusagen den Mai einzusingen und erbitten sich dabei einer Gabe. Früher erhielten die Erstmaisänger einen Einräppler oder Zweiräppler, aber auch ein Ei – Symbol des keimenden Lebens –, gedörrte Früchte oder ein Gebäck. Das Geld wurde verwendet, um Schulhefte, eine Schürze oder ein paar Hosen zu kaufen. Auch zum Kauf von Geschenken zum Muttertag war es dienlich.

jp

 

 

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