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Junger Mann sucht sich selbst

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Das Gebaren der sogenannten Eliten ist in unserem westlichen Nachbarland immer wieder ein Thema. Man denke dabei nur an die aktuellen Proteste der Gelb-Westen, die sich in erster Linie gegen Massnahmen der in ihren Augen abgehobenen elitären politischen Klasse richten.

Die Ausbildung von Frankreichs Elite in Verwaltung und Wirtschaft ist eine ganz eigene Erzählung und hat seit jeher viele Kritiker. Das Ausbildungssystem ist weltweit wohl einzigartig. Die Herkunftsfamilie ist neben den intellektuellen Fähigkeiten der wichtigste Faktor für die Aufnahme in eine Ausbildungsstätte, wo Frankreich seine Elite he­ranzüchtet. Schon lange vor der Maturität werden die Weichen gestellt. Es muss eine Schule gewählt werden, die eine der berühmt-berüchtigten «classes préparatoires» besitzt. Diese bereiten auf die Aufnahmeprüfungen der «grandes écoles» vor, die jährlich in Rankings beurteilt werden.

Der Besuch einer «classe préparatoire» (Uni-Vorbereitungsklasse) ist Voraussetzung für eine grosse Karriere in der französischen Verwaltung und Politik. Von Kuschelpädagogik kann keine Rede sein. Extrem strenge Noten und eine Mischung aus Lob und Tadel sollen die Schülerinnen und Schüler fit machen und abhärten. So waren die Verhältnisse schon in den 1980er-Jahren, als Victor, der Icherzähler, der aus einfachen Verhältnissen und aus der Provinz stammt, es durch Fleiss und Intelligenz an eine solche Vorbereitungsschule in der Hauptstadt schafft. Hier offenbart sich ihm schon bald einmal, wie undurchlässig das Schulsystem ist, in dem Chancengleichheit ein Fremd­wort ist und es von snobistischen jungen Menschen nur so wimmelt.

Victor findet sich gar nicht gut zurecht in der grossstädtischen Umgebung, auch der Kontakt zu den Mitstudierenden fällt ihm äusserst schwer. Er spürt, dass er als Aussenseiter, als nicht ganz ernst zu nehmender Provinzler angesehen wird. Vom Leistungsdruck und der Einsamkeit zermürbt, gerät er immer weiter in ein melancholisches Dasein. Doch dann trifft er auf Mathieu, dessen Bekanntschaft ihn wieder positiver in die Zukunft blicken lässt. Aber dann geschieht das Unvorstellbare: Mathieu, der dem enormen Leistungsdruck und den mehr als zweifelhaften pädagogischen Methoden in der Bildungsanstalt nicht mehr gewachsen ist, begeht Selbstmord und lässt Victor allein, allein mit seinen Ängsten und seiner Suche nach dem Sinn des Lebens.

Auf einmal wird Victor, der provinzielle, unsichtbare Aussenseiter und vermeintliche Freund von Mathieu, interessant für seine Mitschüler. Als dann noch Patrick Lestaing, der Vater von Mathieu, Victors Nähe sucht, ändert sich sein Leben radikal.

Blondels fesselnde, fast unnachahmliche Erzählweise zeichnet sich aus durch ein aus­ser­ge­wöhn­liches Feingefühl für Menschen und deren Sorgen und Nöte. Ein wundervoller Roman, der sich nicht zuletzt auch an junge Erwachsene richtet.

Jean-Philippe Blondel: «Ein Winter in Paris», Wien: Deuticke, 2018, 188 S. (aus dem Französischen übersetzt von Anne Braun).

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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