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«Kinder müssen den Raum spüren können»

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Unicef Schweiz lädt heute an die jährliche Tagung «Kinderfreundliche Lebensräume». Heuer steht sie unter dem Motto «Statt Platz machen Kinder Stadt». Rund hundert Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden und Planungsbüros kommen dazu in der Stadt Freiburg zusammen. Unicef-Geschäftsleiterin Elsbeth Müller sagt im Interview, was Kinder zur Stadtplanung beitragen können.

Warum findet die diesjährige Tagung für kinderfreundliche Lebensräume gerade in Freiburg statt?

Elsbeth Müller: In den letzten Jahren hat der Kanton Freiburg seine Gesetze angepasst und der Kinderpartizipation ein grösseres Gewicht gegeben. Das ist toll, und darum finden wir, dass Freiburg der richtige Ort für unsere Tagung ist.

Warum nicht an einen Ort gehen, an dem Partizipation von Kindern noch gefördert werden muss?

Weil man hier in Freiburg sehen und spüren kann, was Kinderpartizipation möglich macht. Zudem liegt Freiburg auf der Grenze zweier Kulturräume, und es ist spannend, voneinander zu lernen.

Sehen Kinder und Jugendliche eine Stadt anders als Erwachsene?

Das ist so. Kinder und Jugendliche nehmen eine andere Perspektive ein als Erwachsene. Es ist für Kinder eine Herausforderung, sich in Zeit und Raum zu orientieren. Wer erst einen Meter gross ist, sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Gerade in der Verkehrssicherheit haben die Kinder andere Bedürfnisse, damit sie sich sicher fühlen können. Und dies sollten wir in die Planung von Quartieren einbeziehen.

Was brauchen Kinder und Jugendliche?

Sie benötigen beispielsweise sichere Wege, über die sie Spielplätze unabhängig von Erwachsenen erreichen können. Und sie sollten sich in Räumen bewegen können, die nicht pädagogisiert sind.

Was heisst das?

Dass sie Spielplätze haben, auf denen sie ihre eigenen Spiele spielen können – ohne angeleitet, betreut und überwacht zu werden.

Wie sieht so ein Spielplatz aus?

Kinder müssen den Raum spüren können. Sie benötigen wenig: Wasser, Steine, Sand – alles Mögliche, das man aufhäufen kann. Kinder brauchen keine normierten Plätze mit viel Rasen, damit nur ja nichts passieren kann und die einfach zu unterhalten sind. Sie brauchen Schnecken, Äste, Dinge zum Entdecken – und Orte, an denen sie sich verstecken können. Das sind gute Voraussetzungen für Kinderspiele, die ihre Entwicklung fördern.

Können Kinder ihre Bedürfnisse auch wirklich formulieren?

Ja, sogar sehr genau. Erwachsene sind immer wieder erstaunt. Wenn Sie mit Kindern durch eine Stadt gehen, können diese die neuralgischen Punkte zeigen, an denen sie sich nicht wohl fühlen.

Wie werden Kinder und Jugendliche einbezogen?

Indem wir mit ihnen sprechen. Das geschieht je nach Alter auf unterschiedliche Arten. Kleine Kinder zeichnen, grös­sere erzählen, später schreiben sie auf, was sie bewegt. Oder sie machen Fotos mit dem Handy. Ein solches Vorgehen ist nicht teuer, es braucht nur Zeit und die Bereitschaft, zuzuhören.

Warum schaffen es Erwachsene nicht, eine kinderfreundliche Stadt zu entwerfen?

Wir waren ja alle mal Kinder und denken, dass wir die Antworten anstelle der Kinder geben können. Aber wir denken nicht mehr daran, dass sie wirklich eine andere Sicht haben. So können Orte für Kinder nicht sicher sein, die für Erwachsene problemlos erscheinen. Beispielsweise wenn ein Trottoir neben Büschen vorbeiführt: Sind diese Büsche am späten Winternachmittag nicht genügend ausgeleuchtet, sind sie den Kindern unheimlich. Und sie gehen dann näher am Strassenrand des Trottoirs statt in der Mitte. Sind die Kinder in einer Gruppe unterwegs, kann das schnell gefährlich werden, wenn sie sich im Spiel vergessen.

Ist eine kinderfreundliche Stadt auch für Erwachsene angenehmer?

Ja, das stellen wir immer wieder fest. Gerade für ältere Personen ist so eine Stadt angenehmer. Sie haben ja ähnliche Fragestellungen wie Kinder in Bezug auf Verkehrssicherheit, unter anderem, weil das Tempo sie herausfordert.

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