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Kirchen müssen sich verändern

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Das Verhältnis zwischen Kirche und Gesellschaft verändert sich rasant. David Plüss, Professor am Institut für Praktische Theologie an der Universität Bern, verglich an der vierten Veranstaltung der Reihe «Kirchen zwischen Macht und Ohnmacht» des Forums für Universität und Gesellschaft dieses Verhältnis mit dem Bild der Ehe. Auch die stecke in der Krise, aber Kirchen und Gesellschaft seien nicht zu trennen.

Nicht auf Augenhöhe

Dazu komme, so der Theologe, dass Kirche und Gesellschaft nie auf Augenhöhe stünden: «Kirche ist immer Teil der Gesellschaft.» Und sie stehe nicht allein da: Politik und Wirtschaft hätten einen starken Platz eingenommen. Auch seien die christlichen Kirchen mit ihren Angeboten nicht mehr einzige Sinngeber. Doch versteht Plüss die Kirchen nicht nur als Dienstleister unter anderen, sondern als «Visionsagenturen». – Der Frage, wie genau dies ausschauen könnte, stellten sich Vertreter der Landeskirchen und eine Politikerin an einer sogenannten Schwerpunkt-Veranstaltung. Ihr Fazit: Die Bedeutung der Kirchen geht zurück. Das sei kein Grund für Pessimismus, aber es brauche Veränderungen.

Der reformierte Weg

Matthias Zeindler unterrichtet systematische Theologie an der Universität Bern. Er zeigte am Wandel der Volkskirche, dass der reformierte Weg mit dem Priestertum aller Gläubigen heute starke Spannungen auszuhalten habe. Die dauerhafte Zugehörigkeit zu einer Konfession stehe dem punktuellen Engagement gegenüber, und unter den Gläubigen gebe es sowohl klare als auch diffuse Kirchenbilder.

«Die Volkskirche gestaltet diese Spannungen bewusst», ist Zeindler aber überzeugt. Als Grundlage dafür sieht er die reformatorische Glaubenshaltung: Gott bewege den Menschen. Dieser finde im Hören auf die Bibel alles Notwendige für die Erneuerung aus dem Glauben. Das sei zwar «nüt ­Nöis», gab der Theologe zu. Es gelte – auch hier ganz reformatorisch – gemeinsam nach Veränderungen zu suchen und dies nicht von den Kirchenleitungen allein zu erwarten. Vor allem, so Matthias Zeindler, dürften die Kirchen dies ohne Hektik angehen, auch wenn dem oft ein Verlangen nach schnellen Resultaten entgegenstehe.

Spirituelle Offenheit

Als Vertreterin der zahlenmässig kleinsten christlichen Kirche zeigte Angela Berlis, wie sich die Zukunftsfrage in der alt- oder christkatholischen Kirche stellt. Berlis ist Professorin für Altkatholizismus und Kirchengeschichte an der Universität Bern und wurde 1996 als eine der beiden ersten Frauen Deutschlands zur Priesterin geweiht. Die christkatholische Kirche ist in der Schweiz in neun Kantonen anerkannt. Sie wird von einem Bischof geführt und zugleich von der Synode geleitet.

Dieses Miteinander – in der Synode sind zwei Drittel Laien und ein Drittel Geistliche vertreten – sieht Berlis als wichtiges Merkmal der Christkatholiken. Aus der Haltung der Abgrenzung gegenüber der römisch-katholischen Kirche Ende des 19. Jahrhunderts zeichne sich ihre Kirche heute durch ökumenische und spirituelle Offenheit aus. Diese Veränderungen wurden, wie die Theologin betont, in einem breiten Prozess erarbeitet, dessen «Langzeitfolgen» heute spürbar seien. «Die Veränderung des religiösen Umfelds führt zu einer Veränderung der Kirche in ihrem Innern», ist Angela Berlis überzeugt. Bevor die Kirchen sich also an Veränderungsprozesse machten, müssten sie wissen, wo sie in der Gesellschaft stünden. Wenn auch Traditionsabbrüche spürbar seien: Die Kirche habe Platz für eine neue Gestalt. Dafür müsse sie aus der Tradition das mitnehmen, was wertvoll sei.

Sich neu ausrichten

Langen Traditionen sieht sich die römisch-katholische Kirche gegenüber. Für den Theologen Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ), wird eine Zukunftsvision immer aus der aktuellen Situation heraus formuliert. «Es geht nicht um unverbindliche Ideen oder Wünsche, sondern um eine Intervention in die Gegenwart», so Kosch. Es verwies dazu auch auf die Aussagen des früheren Abts von Einsiedeln, Martin Werlen, in dessen Buch «Zu spät».

In der heutigen Zeit genüge es nicht, wenn die römisch-katholische Kirche rea­giere. Ebenso wenig dürfe sie resignieren. Vielmehr müsse sich die Kirche neu ausrichten. Zuerst aber, stellt Kosch fest, müssten die Kirchen – positive und negative – Kritik ernst nehmen. Auch in den grossen Konfessionen zeige sich eine zunehmende Aufteilung in verschiedene Gemeinschaften. Oder, wie der RKZ-Generalsekretär es sagte: «Es gibt kleinere und buntere Grosskirchen.»

«Die Volkskirche gestaltet diese Spannungen bewusst.»

Matthias Zeindler

Theologe

«Kirche ist immer Teil der Gesellschaft – und sie steht nicht allein da.»

David Plüss

Theologe

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