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Lächeln für Erfolg im finsteren Tann

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Im Sommer kommt ein neues Dach aufs Haus. Da rücken Profis an, wahre Könner. Auch unter dem Dach wird gezimmert, allerdings um Welten weniger fachmännisch. Das kam so. Der Umbau im Grossen schärft das Auge für den Kleinbedarf. Es ist eine Art «Wenn-schon-denn-schon-Effekt». Wenn schon ein neuer Dachstuhl, warum dann nicht auch ein neues Gestell hier und ein praktisches Möbel dort? Preislich geht das im Rauschen unter. Vor allem, wenn man nicht an grosse Anschaffungen denkt, die man bequem bestellen kann und die gebrauchsfertig geliefert werden. Sondern an jene praktischen Kleinmöbel, die erwartungsvoll in einer Do-it-yourself-Abteilung auf uns warten. Sie kennen das: ordentliche Schachteln, aus denen es schon auf dem Weg zum Parkplatz fröhlich Schrauben regnet.

Diesmal ist es ein langes, schmales Paket voller Einzelteile, allesamt in Plastikhüllen vakuumverpackt. Also eine Art Wundertüte, in der sich alles zum Verwechseln gleicht. Das heisst natürlich keineswegs, dass alle Teile gleich wären. Eben gerade nicht! Aber sie sind doch gleich genug, um verwechselt zu werden. Zum Glück gibt es einen Bauplan mit fein säuberlich aufgezeichneten Bauetappen, die je einzeln beschrieben sind. Und zwar fünfsprachig: Finnisch, natürlich Schwedisch, Ungarisch, Japanisch und Isländisch. Leider fehlt just Deutsch. Halb so schlimm, denn im Internet gibt es eine hilfreiche Übersetzung: «Nippel A abbrech und Klammer verklappen zurück nach aufwärts», steht da. Und: «Lächeln für Erfolg.» Aha, immerhin etwas.

In der ersten Runde wird ausgepackt und (noch) gelächelt. Das führt zunächst zu einer groben Selektion in zerbrechliche und bereits zerbrochenen Teile. Inzwischen hat Jessie (unsere Terrier-Hündin) den Behälter mit den fein säuberlich sortierten Bolzen und Muffen ins Körbchen abgeschleppt und ausgekippt. Jessie ist der liebste Hund der Welt, aber diese Eroberung scheint sie bewachen zu müssen, als ob es ein Wurf Welpen wäre. Im häppchenweisen Tausch gegen Bratenstücke gelingt es uns schliesslich, Muffe um Muffe zurückzuerobern und alles wieder neu zu ordnen. Der Braten war eigentlich fürs Znacht gedacht. Aber die Pflicht geht vor.

Ab Phase zwei (Bau) gilt es ernst: Laut Zeichnung muss man die Stange Nummer 1 so in die Grundplatte drehen, dass sich beides verkeilt. Das würde ich wohl schon dann nicht schaffen, wenn die Stange 1 tatsächlich die Stange  1 wäre und nicht die frappant ähnliche Querstrebe  C. So kommt eines zum anderen, und es müssen nicht immer splitternde Geräusche sein, die zusätzliches Ungemach ankünden. Schon bald haben wir die Planskizze in erste Verletzungen umgesetzt. Das gehört zum Spiel und geht vom Hartplastikspickel im Auge bis zur Rissquetschwunde. Also ab in die Apotheke und zurück zum Bausatz. So weit, so gut. Aber wie weiter? Die Übersetzung im Internet weiss Rat: «Querbeisser in Uhrzeigergegenidee fugen für fertig», und zwar «bis Rastklick sagt, dass geling.» All das natürlich immer «genug weit weg von heiss». Wobei man achtgeben muss, dass die «Traversplatte aus finsterem Tann nicht gebiegt», denn «sonst zuckt das Holz». Ist das geglückt, gilt es, das Ganze «gemutlich zu rücklingen», also langsam umzudrehen. Nach und nach entwickeln wir sogar ein Gespür für rückübersetzte Gebrauchsanweisungen.

Die Stunden vergehen wie im Flug: Do it yourself gibt einem einen ganz neuen Gegenwartssinn, und auch der Blick in die Zukunft wird farbiger, fantasievoller, künstlerischer. Wer noch nie auf allen vieren in immer freierem Gestalten Holzregale hat wachsen lassen, kann dieses Gefühl nicht kennen. Dass es seitwärts wächst und nicht nach oben, versiegt zunächst im Rausch des Stolzes. Doch je mehr die Sache Form annimmt, desto stärker wird der Verdacht, dass unabhängig von der Übersetzung wohl auch der Plan falsch gezeichnet sei. Aber das macht nichts. Anstelle des systematischen Aufbaus ist sowieso längst die blosse Greifbarkeit des nächstbesten Elements gerückt. Schliesslich wirbt das Möbelhaus mit intuitivem Bauen. Da müssen die Details nicht allzu stur gepflegt werden. Ohne ästhetisch getriebene Improvisation hätte es Corbusier ja auch nie zu seiner Liege gebracht. Man darf die Dinge da nicht zu eng sehen. Und überhaupt: Wahrscheinlich stimmt der Plan schon. Nur haben sie einen falschen Gegenstand in die Schachtel gepackt: Gerüst statt Gestell. So gesehen sieht unser Werk durchaus prima aus. Im Keller wird es zum Trocknen von Kleinstwäsche nützliche Verwendung finden.

Zum Glück wird’s bald Herbst, das Dach ist gedeckt, die Tage werden kürzer, die Abende länger und wir können in aller Ruhe auf dem Sofa vor dem Kaminfeuer vom Lächeln für Erfolg träumen und uns dabei gemutlich rücklingen. Natürlich weit genug weg von heiss, aber voller Stolz, auch wenn bei der Bastelei im Sommer nicht immer alles ganz geling. Aber immerhin hat das Holz nicht gezuckt. Dem finsteren Tann sei Dank.

Daniel Eckmann ist Jurist, Partner im Beratungsunternehmen Klaus-Metzler-Eckmann-Spillmann und Lehrbeauftragter an der Universität Bern. Zuvor war er Stellvertretender Generaldirektor der SRG SSR und zwölf Jahre Delegierter für Kommunikation von Bundesrat und Bundespräsident Kaspar Villiger. Daniel Eckmann war als Torhüter 95-facher Handball-Internationaler und ist Mitglied der Swiss Olympic Academy. Er wohnt und arbeitet in Murten.

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