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«Mann, Lyssy, du bist gerettet»

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«Mann, Lyssy, du bist gerettet»

Autor: Hannes Währer

Im Februar 1998 «schoss ein Kugelblitz mit ungeheurer Gewalt durch meinen Kopf und durchtrennte mit einem Schlag alle Kommunikationswege im Gehirn»: Mit diesem Satz beginnt Lyssy die Schilderung seiner Depression. Im Buch «Swiss Paradise», das nach einem gescheiterten Filmprojekt Lyssys betitelt ist, erzählt der Filmemacher, wie sich seine Krankheit anbahnt. Er schildert den Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik Burghölzli und wie er schliesslich nach einer endlos scheinenden Zeit der Hoffnungslosigkeit wieder zurück ins Leben findet.

Vor zehn Jahren konnten Sie die psychiatrische Klinik verlassen. Kurz danach kehrte Ihr Humor zurück und Sie sagten sich: «Mann, Lyssy, du bist gerettet.» Wie blicken Sie heute auf die Phase Ihrer Krankheit zurück?

Vor der Depression war mein Leben geprägt durch ein ständiges Auf und Ab. Immer wieder entwickelte ich Unlustgefühle und hatte Durchhänger im Beruf als Filmemacher, aber auch privat in meinem Beziehungsleben. Heute verfüge ich über eine psychische und seelische Stabilität, die mir zuvor fehlte.

Wie äussert sich das konkret im Alltag?

Die Depression war ein ungeheurer Schock, ich weiss heute, dass ich es nicht mehr so weit kommen lassen darf. Nach der Krankheit habe ich ein Sensorium entwickelt und reagiere sofort, wenn ich spüre, dass etwas falsch läuft, und schiebe Entscheidungen nicht mehr vor mir her, sondern treffe sie dann, wenn sie anstehen.

Daraus könnte man den Schluss ziehen, Ihre Depression habe letztlich eine heilsame Wirkung gehabt und sei quasi ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu Ihrer heutigen Lebensqualität gewesen.

Nein, das ist auf keinen Fall richtig. Eine Depression ist eine gefährliche Krankheit an der viele Menschen verzweifeln und letztlich keinen andern Ausweg sehen, als den Suizid. Mehrere meiner Freunde, darunter einige Filmschaffende, haben sich das Leben genommen. Ich hatte selbst täglich den Wunsch dazu und gleichzeitig Angst davor. Vermutlich hat mich ein letzter Rest Wille davor bewahrt, denn ich wollte meine Familie nicht damit belasten.

Oft wollen Ärzte in psychiatrischen Kliniken die familiäre Vergangenheit der Patienten thematisieren. Sie beschreiben ausführlich, wie Sie sich jeweils dagegen gesträubt haben.

Ja, es hat mir gestunken, darüber zu reden, weil ich schlicht unfähig war, einen klaren Gedanken zu fassen. Etwa drei Monate, nachdem ich aus der Klinik entlassen worden war, begann ich an «Swiss Paradise» zu schreiben. Da ich wieder einen klaren Kopf hatte, konnte ich mich auch mit meiner Familiengeschichte befassen. Das ist auch der Grund, weshalb ich einen Text in das Buch habe einfliessen lassen, in dem meine Mutter schildert, wie sie vor dem Krieg als jüdische Frau in die Schweiz gelangt ist und meinen Vater kennengelernt hat.

Am Ende des Buches schildern Sie, wie die Krankheit eine plötzliche Wendung nimmt und sich Ihr Zustand bessert. Es bleibt jedoch unklar weshalb.

Das stimmt, weil ich den Grund dafür schlicht nicht kenne. Ich denke, dass Depressionen in etwa gleich vielen Spielarten vorkommen, wie es davon betroffene Menschen gibt. Schlussendlich weiss niemand, weshalb er durchkommt. War es die Hilfe des Personals der psychiatrischen Klinik, die Medikamente, Freunde und Familienmitglieder, die einem unterstützt haben, schicksalhaftes Glück oder das gesamte Paket?

Ist das auch der Grund, weshalb «Swiss Paradise» auch nicht ansatzweise zum «Ratgeber» geworden ist und Sie absolut keine Ratschläge erteilen?

Ich hüte mich davor, denn ich brauchte ja selbst Wochen, bis ich überhaupt geglaubt habe, dass ich krank war und nicht nur ein Problem hatte mit der Trennung von meiner Frau und der Realisierung meines geplanten Films. Was eine Depression wirklich ist, weiss man erst, wenn man selber in einer drinsteckt.

Nicht zuletzt war auch der ständige Kampf um Geld, in dem Sie sich als Schweizer Filmer befinden, ein Faktor, der den Ausbruch Ihrer Depression begünstigte. Wie hat sich Ihr Schaffen seither entwickelt?

Seit meiner Krankheit arbeite ich wieder mit viel Freude, habe einige Filmprojekte realisiert und zusammen mit Urs Heinz Aerni das Buch «Wunschkolumnen» geschrieben. Zurzeit arbeite ich an einem Spielfilm über Bilanzsuizid, der unter dem Titel «Die letzte Pointe» in die Kinos kommen soll. Früher war ich zu selbstkritisch, zweifelte viel und war deshalb oft unsicher. Das war eine grosse Belastung, denn jeder Mensch braucht Sicherheit. Die übertriebene Fokussierung auf die Vergangenheit oder Zukunft bringt nichts. Ich habe gelernt, dass der Mensch ein Gegenwartswesen ist und geniesse deshalb jeden Augenblick meines Lebens.

Gerbestock, Kerzers, 20 Uhr, Buch: «Swiss Paradise», R&B Sachbuchverlag.

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